"Sind sie Fritz?": 25 Jahre Bühne, 10 Jahre CD-Laufwerk

04.05.2005 – Am vergangenen Wochenende feierte Mathias Deutschmann im Freiburger E-Werk sein 25-jähriges Jubiläum - als Kabarettist. Wäre er nicht seinerzeit quasi auf der Straße als Rädels- und Wortführer einer lokalen Jugendrevolte für das Kabarett entdeckt worden, wäre aus ihm vielleicht ein passabler Schachgroßmeister geworden, der heute allerdings sein Aus- und Einkommen wohl als Taxifahrer würde verdienen müssen, wie Deutschmann im Fragebogen der BZ vermutete. Trotz der Bühnenkarriere hat der einstige Jugendkader -und Bundesligaspieler seinen Kontakt zum Schach jedoch nie verloren. Nach ein paar Jahren Schachabstinenz kam er als Stimme von Fritz zurück und brannte sich mit seinen Sprüchen ins Hirn von Tausenden von Schachspielern ein. Die Stimme ist inzwischen sogar so bekannt, dass sich Leute in der Supermarktschlange umdrehen und ihn ansprechen: "Sind Sie etwa Fritz?" Zu Deutschmann...Mehr...

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25 Jahre Bühne, 10 Jahre CD-Laufwerk
Von André Schulz

Wenn Matthias Deutschmann nicht auf der Bühne steht, oder sein Programm vorbereitetet, dann treibt es ihn zum Schach. Zum Beispiel auf dem Fritz-Schachserver, wo er als Rasumowski sein schachliches Unwesen treibt.


Matthias Deutschmann bei Thalia in Bremen


Bullet spielen, chatten, kommentieren, alles kein Problem.

Oder aber im Verein. Das ist in diesem Fall der SK Zähringen, für den er in seiner Jugend und auch danach noch in der Bundesliga gespielt hat und für den er heute immer Mannschaftswettkämpfe bestreitet. Wenn seine Gegner ihre Partien aufgeben müssen, kommt es häufiger vor, dass einer einen Stoßseufzer macht: "Das kenne ich ja: gegen Fritz verlieren."


Simultan gegen Viktor Kortschnoj


Kortschnoj: "Fritz sagte zu mir: Ich kenne 1 Mio. Eröffnungen. Dann sage ich: Aber nicht dir richtigen!"

Wer Mattias Deutschmanns Gesicht nicht kennt, schaut sofort auf, sobald seine Stimme ertönt. In der Schachszene ist die Stimme noch bekannter als der Name ihres Inhabers. Aber nicht nur in den Spielsälen. Als Deutschmann einmal in einem Supermarkt an der Kasse in der Schlange steht und sich mit jemandem unterhält, dreht sich ein Mann vor ihm verblüfft um und fragt: "Sind Sie etwa Fritz?" 

Vor 10 Jahren wurde mit der Version Fritz5 erstmals bei einem PC-Programm eine so genannte kontextsensitive Sprachausgabe geplant und es war schnell klar, dass Matthias Deutschmann dafür die ideale Besetzung sein würde. So bekam Fritz nicht nur eine Stimme, sondern auch Esprit, in Teilen und durchaus gewollt nach dem Vorbild von Wiener Kaffeehaus-Schwadroneuren. Deutschmann kennt wie jeder Schachclubblitzspieler seine Pappenheimer.


"Noch Spruch - Kieferbruch"


Was könnte man dazu Gescheites sagen?


Vielleicht, Moment, gleich hab ich's...


Jetzt geht's los


Na bitte, geht doch (Deutschmann bei Fritz-Aufnahmen)

Im Nu machten die Sprüche auf Tausenden von Rechnern mit installiertem Fritz die Runde. Zuerst wurden sie auf CD und dann in die Hirne der Spieler eingebrannt, die diese dann wieder bei ihren freien Blitzpartien im Verein zitierten.

Am letzten Sonntag feierte Matthias Deutschmann im Freiburger E-Werk, das nun Kultur statt Strom erzeugt, sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Angefangen hatte er als Hausbesetzer im Freiburger Jugendprotest, entdeckte sich selbst als Wortführer und ging mit Freunden als "Schmeißfliegen" auf Tournee. Die ersten Rezensionen wären für andere wohl niederschmetternd gewesen, doch das Attest, habe habe sich "die Gestik wohl bei Madame Tussot ausgeliehen" kann von einem Schachspieler vielleicht sogar noch als überschwängliches Lob verstanden werden.

Deutschmann ging nach Berlin und nahm ein Cello mit, mit dem er auf der Bühne ans Kabarett der Gründerzeit im Berlin der 20er und 30er Jahre anknüpfte. Während andere ins Comedy-Fach abschmierten ("German Comedy - die deutsch Antwort auf die englische Küche!"), bleib Deutschmann dem politisch-literarischem Kabarett verbunden: bisweilen bissig wie Wolfgang Neuß, manchmal nachdenklich wie Hans-Dieter Hüsch.

Zum 25-jährigem Bühnenjubiläum sprach Dieter Salomon die Laudatio. In seiner freien Rede offenbarte der Freiburger Oberbürgermeister sein eigens großes Talent als möglicher Kabarettist und pointierter Sprecher und unternahm einen kleinen Streifzug durch die letzten 20 Jahre Freiburger Kabarett- und Kulturgeschichte. Deutschmann, der über Berlin bekannt wurde, aber immer Freiburger blieb und inzwischen dorthin zurück gekehrt ist, nimmt dabei keine geringe Rolle ein.

Der Geehrte und eigentliche Kabarettist folgte dem Politiker, wie ja das Kabarett immer der Politik folgt, aber laut Deutschmann zumeist zu spät kommt, und lieferte einen Rückblick auf das eigene Schaffen, mit vielen Anspielungen auf das politische Tagesgeschehen und dabei darüber klagend, dass dem Kabarettisten immer mehr der Boden unter dem Füßen weggezogen wird, wenn die klassischen "Grundnahrungsmittel" des Kabaretts, wie z.B. Franz Josef Strauß alle hinweg gerafft sind, und es dabei auch keine sichtbaren Gegenkonzepte mehr gibt. Der Zustand der Gesellschaft lasse sich nun am einfachstem auf folgende Formel bringen: "Plem Plem!"

Auch Schach kam vor, allerdings nur am Rand: "Ein große Deutsche Bank, ich sage nicht welche, wirbt mit Schach. Da sitzt ein Mann am Schachbrett, irgendeine sinnlos zusammengewürfelt Stellung, und grübelt. Plötzlich merkt man: Er hat ja gar keinen Gegner. Wenn Sie aber ihr Geld der Bank geben, überlegen Sie mal, wer dann ihr Gegner ist."

Wer mehr Schach mit Deutschmann will, holt sich am besten Fritz8, falls nicht schon geschehen, oder wartet auf Fritz9, bei dem im kommenden Herbst noch einmal das Sprücherepertoire kräftig erweitert wird.

Videoausschnitt... (aus einer Privatvorstellung während der Buchmesse in Frankfurt)

 

 

 

 


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