1.Partie: 0,6 - 0,4 für Kramnik

26.11.2006 – Vier Jahre nach dem 4:4 in Bahrain gilt Deep Fritz nun im neuerlichen Kampf der Systeme - menschliche gegen künstliche Intelligenz - als Favorit. Kramnik hatte Deep Fritz in der Vorbereitung getestet und zeigt sich voller Respekt. "Die Maschine von heute ist mehr als doppelt so schnell". Doch in der Auftaktpartie war es dann doch der Mensch, der die meiste Zetit am Drücker war. Das Team Kramnik hatte sich anscheinend sehr gut vorbereitet und noch im 20.Zug schien Kramnik in seinem "Eröffnungsbuch" zu sein. Zum Sieg reichte es allerdings nicht. Bericht und Bilder...

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World Chess Challenge 2006: Partie 1
Von André Schulz


Zum gestrigen Auftakt des Mensch-Maschine-Wettkampfes setzte ein gewaltiger Ansturm auf das Forum der Bundeskunsthalle ein. Schon einige Zeit vor Einlassbeginn hatten sich zahlreiche Schachfreunde vor dem Eingang eingefunden und eine lange Schlange gebildet. Über 600 Karten hätten sie gestern verkaufen können, meldeten die Organisatoren, mehr als 250 Zuschauer kann das Forum jedoch nicht aufnehmen.

Wenn Schach auf spektakulärer Weise modern präsentiert wird, dann wollen es alle sehen. Stefan Andreae und die Bundeskunsthalle haben einen Schachwettkampf auf bisher einzigartige Weise inszeniert.: ein Wettkampf als Ausstellungsstück. Jeder Schachspieler sei ein Künstler, hatte Marcel Duchamp einst gesagt, eine "mechanische Plastik". Nun wird die Plastik in Bonn in Bewegung versetzt.

Zur ersten Partie erschienen u.a. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück - der als Schirmherr de Veranstaltung fungiert und das Schach nicht nur hier tatkräftig unterstütz- und der Vorstandvorsitzender der RAG Werner Müller. Aus Kalmückien war Kirsan Ilyumzhinov angereist.

Der FIDE-Präsident wird vielleicht noch einiges mit seinem Weltmeister Vladimir Kramnik zu besprechen gehabt haben haben - am Rande des Wettkampfes ergab sich sicher Gelegenheit. Allerdings mag es für den FIDE-Präsidenten auch Antrieb genug gewesen sein, in einem so vitalen Schachland wie Deutschland Leute kennen zu lernen, die sich für Schach so einsetzten wie Peer Steinbrück,

für die Durchführung großer Wettkämpfe als Sponsor eintreten wie Josef Resch


Ilyumzhinov und Josef Resch

oder die RAG und ihr Vorstandsvorsitzender Werner Müller


Ilyumzhinov, Müller, Steinbrück

oder Schach als große Kunstshow zu zeigen, wie Stephan Andreae.


Stephan Andreae

Findet das große Wettkampfschach vielleicht wieder zurück in die Metropolen?

Er würde sehr gerne, das wolle er nicht verhehlen, eine Schachweltmeisterschaft in die Bundeskunsthalle holen, so äußerte sich Peer Steinbrück in seiner Ansprache zum Publikum im Kunsthallenforum und ernete dafür begeisterten Applaus. Anscheinend ist Schach nicht eine reiner Internetevent, die Menschen wollen die Schachspieler live erleben. Werner Müller betonte den kulturellen Aspekt des Schachs - gerade hier. Mit ihrem Engagement, neben dem Sportsponsorin z.B. als Trikotsponsor von Borussia Dortmund, erfüllt die RAG als großes Unternehmen eine Verpflichtung für die Menschen an Rhein und Ruhr und unterstützt so manches Kulturereignis.

Den Stein ins Rollen brachte Josef Resch, der mit seiner UEP zunächst die finanziellen Garantien gab, um diesen Wettkampf in Szene zu setzten, bevor mit der RAG ein geeigneter Sponsor gefunden wurde.


Schachnerds: Josef Resch und Kirsam Illyumshinov

Wer wissen will, warum die Wettkämpfe zwischen Mensch gegen Maschine Schach sinnvoll sind, muss einfach nur diesen hier in der Kunsthalle besuchen. Es herrscht ein unglaubliches Interesse - sowohl beim Publikum vor Ort, als auch bei den Medien. Die Organisatoren haben 120 Akkreditierungen von Journalisten aus der ganzen Welt verzeichnet. Das gab es noch nicht einmal zu Kasparovs besten Zeiten. Und in Elista bei der WM vor vier Wochen waren es vielleicht zehn.

Aus Russland reiste mit Alexander Roshal ("64") und Yuri Vasilievich ("Sport Express") die Speerspitze des russischen Schachjournalismus an, außerdem einige weitere Vertreter der kyrillische schreibenden Zunft. Aber auch ein russisches Kamerateam ist vor Ort und zeugt vom großen Interesse, dass in Russland an diesem Wettkampf besteht - klar: es spielt der russische Weltmeister. Selbstverständlich ist auch Leontxo Garcia erschienen. Seine Zeitung El Pais überträgt die Partien wie Spiegel-online neben der RAG live. Spanien ist eines der großen Schachländer der Welt.

Die meisten Schachjournalisten kommen diesmal aber naturgemäß aus Deutschland. Nur selten gibt es für deutsche Schachjournalisten Gelegenheit, von großen Wettkämpfen aus dem eigenen Land zu berichten. Wann war der letzte? Und zum ersten Mal überhaupt findet ein großer Mensch-Maschine-Wettkampf in Deutschland statt.

Nachdem Kasparov 1997 vorübergehend die "Ehre der Menschheit" verspielt hatte, konnten die Menschen in den letzten Jahren zumindest auf höchster Ebene die Stellung halten. Kramnik spielte 2002 gegen Deep Fritz 4:4 und auch Kasparov hielt zwei Wettkämpfe remis. Später gab es aber auch schlechtere Signale und nachdem inzwischen einiges an Entwicklungszeit ins Land gegangen ist, konnte man davon ausgehen, dass die Rechner inzwischen vielleicht die Initiative übernommen haben. So äußerte sich jedenfalls Kramnik im Vorfeld des Wettkampfes. "Die neue Maschine rechnet mehr als zweimal so schnell. Deep Fritz heute ist klar besser als die damalige Version von 2:2. Die Maschine ist Favorit, aber ganz chancenlos bin ich auch nicht." 

Kann der Mensch sich noch einmal dem Angriff der Maschinen zur Wehr setzten? Diese Frage interessiert alle, und so wundert es nicht, dass man derzeit fast überall von diesem Wettkampf liest oder hört. Im Ringen mit der selbst geschaffenen künstlichen Intelligenz ergeben sich einige Fragen, die über das reine Schach hinaus gehen: "Sind sie etwas schon schlauer als wir?" Nachdem Alan Turing 1936 in seinem Werk "On computable numbers" den programmierbaren Computer erdachte und die Grundlagen der theoretischen Informatik schuf, war für ihn und seine Nachfolger die Frage nach einer möglichen Intelligenz von Maschinen immer mit der Frage verbunden, ob sie einmal Schach könnten. Nun können sie es. Der menschliche Weltmeister betrachtet es als Erfolg, wenn er den Wettkampf nicht hoch verliert. Und die Maschinen haben uns gezeigt: Man kann tatsächlich Schach spielen, ohne dass man intelligent sein muss - man kann Schach rechnen!


Schwierige Aufgab bei der Verlosung: Wie geht diese Matronka auf

Nun wurde die erste Partie des Wettkampfes gespielt. Es war jedoch nicht die Maschine, die die Führung hatte, sondern Kramnik. Der Weltmeister hatte sich mit seinem Team offenbar sehr gut vorbereitet.








Für die ersten 20 Züge verbrauchte er nur 15 Minuten Zeit. Zwischendurch wurde Deep Fritz durch eine Zugumstellung vorübergehend aus seinem Eröffnungsbuch geworfen, fand dann aber dorthin wieder zurück.


Alexander Kure: Wenn die Vorbereitung nicht klappt, hilft beten


Im Kontrollraum: ChessBase Erfinder Matthias Wüllenweber

Kramnik hatte die Katalanische Eröffnung gewählt, die Weiß ein ruhiges und leicht besserer Spiel bietet. Bei  schlechtem schwarzen Spiel kann Weiß vielleicht sogar auf einen Gewinn hoffen. Deep Fritz sah sich zwischenzeitlich etwas im Nachteil, aber hielt die Partie letztlich problemlos remis, jedenfalls aus seiner Sicht problemlos.

Auf der Pressekonferenz meinte Kramnik, dass er zwar immer sehr bequemes Spiel gehabt hätte, und auch etwas Druck, aber nie eine Chance zum Gewinn.


Kramnik und Feist


Zuhörer: Stefan Meyer-Kahlen, Christopher Lutz, vorne die russische Schachjournalistin WGM Elmira Mirzoeva

Am Montag führt Deep Fritz die weißen Steine und man wird sehen, ob dann besser aus der Eröffnung kommt.

Auf die Frage, was er denn nun für die zweite Partie erwartet, wenn er es mit den schwarzen Steinen spielen muss, meinte der Weltmeister. "In einem Wettkampf spielst man abwechselnd mit Weiß, dann mit Schwarz. So ist das. Was soll ich machen?" Das ist Kramnik - Pragmatismus pur.

Am Abend zuvor hatte sich die Schachfamilie mit ihren neuen Mitgliedern auf einem kleinen Bankett getroffen und sich auf den bevorstehenden Event gefreut.


Dr. helmut Pfleger schaut dem Mann am Klavier zu


Dagobert Kohlmeyer


William Wirth spricht mit Klaus Bischoff


Matthias Feist und Frau Eger


Josef Resch


Olaf Heinzel und Guiso Kohlen


Berik Belgabaev


Frederic Friedel und Vladimir Kramnik


Stephan Andreae mit seinem Team


Hensel, Resch, Wenzel, Kramnik und Freundin


Rolf Behovits (Pressesprecher World Chess Challenge)


William Wirt und Carsten Hensel


Inken Ostermann (Marketing der RAG)


Kramnik mit Freundin Marie

 

 

 

 


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