100 Jahre Västergötlands Schackförbund

26.11.2019 – Schach hat eine lange Geschichte, auch in Västergötland (Südschweden). Fünf Jahre vor der Gründung der FIDE wurde der Västergötlands Schackförbund gegründet und feierte in diesem Jahre sein 100-jähriges Jubiläum mit einem Schachturnier. Holger Blauhut berichtet. | Fotos: Camilla Djerf, Holger Blauhut

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Västergötlands Schackförbund feierte sein hundertjähriges Bestehen.

Am 27. Juli 1919, also fast genau fünf Jahre vor Gründung der FIDE, trafen sich in Vänersborg Vertreter der Schachvereine aus Västergötland, Dalsland und Bohuslän um über die Gründung eines gemeinsamen Verbandes zu beraten. Der Vänersborger Ingenieur Axel Andersson eröffnete um 11.15 Uhr die Versammlung, an deren Ende die Gründung des Västgöta-Dal-Bohus Schackförbund mit 14:6 Stimmen beschlossen wurde.

Auf dem 20. Kongress am 13. November 1938 wurde im Hotel Centrum in Alingsås der Verbandsname in Västergötlands Schackförbund geändert. Dieser Schachverband feierte am 16. November 2019 mit einem Jubiläumsturnier und einem Festbankett im Quality Hotel in Vänersborg sein hundertjähriges Bestehen.

Spiellokal im Quality Hotel Vänersborg

Zu diesem Anlass hat Rolf Svensson ein Buch über die Geschichte des Verbandes verfasst. Das Jubileumsbok 100 år hat den etwas sperrigen Untertitel: Die Geschichte des Västgöta-Dal-Bohus Schachverbandes – die Geschichte des alten Verbandes zwischen 1919 und 1938; Västergötlands Schachverband – die Geschichte des neuen Verbandes zwischen 1938 und 2019; Schachnachrichten von früher und Vereinsgeschichte; Statistik der Verbandsturniere.

Jubiläumsbuch 100 Jahre Västergötlands Schackförbund

Vom Titel ausgehend hielt ich das 300 Seiten starke Buch im A4-Format für ein reines Nachschlagewerk, aber bereits beim ersten Durchblättern habe ich mich an einigen Stellen festgelesen. Bei den Schachnachrichten werden immer wieder Simultanveranstaltungen erwähnt, und dort fand ich die gleichen Namen, die auch in Norwegen aktiv waren: Spielmann, Nimzowitsch, Bogoljubow und auch Emanuel Lasker wird erwähnt. Er spielte am 30. Oktober 1923 in Alingsås simultan an 29 Brettern und gewann alle Partien. Für ein weiteres Simultan an 30 Brettern in Trollhättan wird nur ein ausgezeichnetes Resultat angegeben.

Der Schachverein in Skövde traf sich in der 1920er Jahren im Restaurant Skandinav, und dort tauchte einmal ein junger Mann auf und spielte einige Partien um eine 1 Krone pro Partie. Nachdem er einige Kronen gewonnen hatte, stellte er sich als Gideon Ståhlberg vor.
Einige internationale Mannschaftsvergleiche sind im Buch verzeichnet. Im Jahre 1950 gewannen Trollhättan gegen Halden mit 16:3 und Uddevalla gegen Torshous mit 9:8. Die Norweger revanchierten sich einige Jahre später, als Moss das Grenzentreffen vor Årjäng og Lidköping gewann. Västergötlands Schackförbund spielte im Jahre 1965 ein Fernschachkampf gegen den Pfälzischen Schachbund an 19 Brettern und gewann 23:15.

Der Höhepunkt des Jahres 1973 war eine Reise nach Hamburg, wo die Jugendlichen Västergötlands  einen Wettkampf gegen die Jugend des Hamburger Schachklubs von 1830 10:11 verloren.

Zum Höhepunkt in der hundertjährigen Geschichte des Verbands kam es im Januar 1980, als die Mannschaftseuropameisterschaft in Skara ausgetragen wurde. Die Sowjetunion gewann klar vor Ungarn und England, wozu auch Kasparow mit 5,5/6 am 8. Brett beitrug. Die bekannteste Partie des Turniers dürfte wohl Karpow – Miles sein. Im Jubiläumsbuch wird das Turnier auf einer Seite abgehandelt, und dort geht es ausschließlich um technische Details. Kurt Kjellqvist war einer der Hauptverantwortlichen für die EM. Sein Sohn Fredrik ist heute Vorsitzender des Västergötlands Schachverbandes.

Im November 1980 wurde ein Marathonblitzturnier gespielt. Etwa 50 Teilnehmer hatten sich eingefunden, und es wurde eine unbegrenzte Anzahl von Partien gespielt. Freie Spieler wurden gegeneinander gelost. Während ich 1985 bei meinem ersten Marathonblitz 100 Partien in 24 Stunden spielte, kam Bo-Lennart Oscarsson auf 238 Partien und wurde mit 171 Punkten Fünfter. Sieger Jan Westlund erreichte 186,5 Punkte aus 220 Partien. Ein Jahr später gewann Åke Olsson mit 277 Punkten.

Der Schachverband organisierte sein erstes offenes Turnier, das Västgöta Open, im Februar 1984. Dieses Turnier gibt es heute noch. In diesem Jahr gewann Pia Cramling. Die nächste Ausgabe wird am 15. und 16. Februar 2020 gespielt (http://skaraschack.eu/vastgota-open/).

Bevor das Jubiläumsbuch offiziell auf dem Festbankett erschien, wurde auch noch Schach gespielt.  Das Turnier ging über 6 Runden mit einer Bedenkzeit von 12 Minuten plus 3 Sekunden pro Zug. Der Nachwuchs spielte in drei Altersgruppen, wobei alle Teilnehmer ein Schachbrett erhielten. Für die ersten drei in jeder Altersgruppe gab es zusätzlich eine digitale Schachuhr. Bei den A-Junioren (geboren 1999-2005) ging es extrem knapp zu. Die ersten drei Spieler hatten jeweils 5 Punkte aus 6 Partien, und auch alle Wertungen waren gleich, sodass schließlich gelost wurde.

Es gewann Andre Thyberg vor Ali Badawi und Simon Gustafsson. Die B-Junioren (geboren 2006-2008) dominierte Ben Samuel Groth Skaar, der alle Partien gewann. Auf den Plätzen folgten Eric Johansson und Albin Holmgren. Die C-Junioren (geboren 2009 oder später) gewann Anna Blauhut vor Edvard Andren und Todd Andersson.

A-Junioren:  v.l.n.r. Andre Thyberg,  Ali Badawi, Simon Gustafsson

B-Junioren: v.l.n.r. Albin Holmgren, Arvid Ragnemalm, Eric Johansson, Ben Samuel Groth Skaar

C-Junioren: v.l.n.r.  Anna Blauhut, Edvard Andren, Todd Andersson, Leo Andreasson

Im Hauptturnier gab es, wie in Skandinavien üblich, sogenannte Ratingpreise. Die vier stärksten Spieler in diesem Turnier wurden davon ausgenommen. Ab Startlistenplatz Nr. 5 kämpften jeweils 7 Spieler um eine Prämie von 500 Kronen – also der bestplatzierte Spieler der Startnummern 5 bis 11, 12 bis 18 usw. bekam diese Prämie.

 

 

Sieger Ratinggruppe 5: Juan Carlos Munoz

Sieger Ratinggruppe 4: Kjell Stolpe

Sieger Ratinggruppe 3: Jarl Edgren. Es gratulieren Viljo Koski und Schiedsrichter Josef Håkanson

Mit Ingvar Andreasson (2367) gab es im Turnier einen klaren Favoriten, der es zum Schluss aber noch spannend machte. In der vorletzten Runde spielte er gegen Thomas Björklund (2105) remis, um in der letzten Runde gegen den Autor dieses Artikels im Endspiel Turm und Bauer gegen Turm und Bauer seinen Turm einzustellen. Ich nahm dies aber nicht wahr und bot mit Sekunden auf der Uhr Remis an, was er erleichtert annahm. Der Endstand: 1. Ingvar Andreasson 5 Punkte, 2. Holger Blauhut, 3. Smail Beslagic je 4,5 Punkte.

Auf dem Podium: v.l.n.r. Holger Blauhut, Ingvar Andreasson und Smail Beslagic, der auch die Ratinggruppe 1 gewann

 

Ingvar Andreasson – Bo Olsson 1:0

 

Ergebnisse: https://member.schack.se/ShowTournamentServlet?id=7448
(Die Navigationsleiste ist ganz unten auf der Seite)

 



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