32-Steiner in Kürze für alle verfügbar

01.04.2002 – Bei der Errechnung komplexer Spiel-Systeme hat Ken Thompson an den Bell Laboratories nach langwierigen Testreihen endlich den entscheidenden Durchbruch errungen. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Sicherherheitsbehörde NSA . "Im Prinzip ist das Schachspiel nichts anderes als eine sehr komplizierte Verschlüsselung. Nun haben wir endlich den Code geknackt", erklärte Ken Thompson in einem Interview gegenüber Science. Obwohl noch nicht alle Testprotokolle ausgewertet wurde, gibt es bereits einige Erkenntnisse in Bezug auf die Chancen in bestimmten Eröffnungen. Mehr...

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Die Eröffnungstheorie und datenbankbasierte statistische Werte haben immer schon darauf hingedeutet, mit Hilfe der 32-Steiner konnte der amerikanische Wissenschaftler Ken Thompson (Miterfinder von Unix) endlich den Beweis antreten: Der Anzugsvorteil von Weiß ist eklatant und bietet dem Spieler, der die weißen Steine führt, eine sehr hohe Gewinnchance, allerdings abhängig von der gewählten Eröffnung. 


Ken Thompson

Thompson konnte nachweisen, dass z.B. die meisten Sizilianischen Varianten nicht korrekt sind. Die Drachenvariante ist auch bei bestem schwarzen Spiel in spätestens 178 Zügen verloren. Besser ist die Tajmanov-Variante, allerdings muss auch hier Schwarz nach spätestens 254 Zügen die Waffen strecken. Bei anderen Varianten sieht es ähnlich aus. Noch nicht fertig mit der Auswertung ist der amerikanische Datenbankspezialist mit der Najdorf-Variante. "Es scheint, dass ca. 370 der Hauptsysteme mit ewigem Schach enden," gab Thomson bekannt, "einige Zugreihen müssen noch allerdings noch abgelesen werden." Bisher ist nur die Russische Verteidigung als absolute Remiseröffnung vollständig ausgewertet. In der Caro-Kann Verteidigung stehen noch die Ergebnisse des Panow-Angriffs aus. "Lässt man Panow außen vor, ist Caro-Kann in jedem Fall remis," so Thompson. 

Aber nicht nur die Profis werden einigen Nutzen aus den 32-Steinern ziehen können, Thompson will diese nämlich allen Schachfreunden zugänglich machen. "Mit 670 DVD-CDs ist der Lieferumfang zwar im Moment noch etwas groß, aber in einigen Jahren wird es Medien geben, auf denen man die Datenmenge ohne Probleme unterbringen kann. Für die effiziente Nutzung der 32er-Tablebases ist übrigens eine vollständige Installation aller Daten auf Festplatte unumgänglich." Matthias Feist (ChessBase) hat inzwischen erklärt, dass er bereits an einer Einbindung der 32er-Tablebases für Fritz arbeitet. 

In einer Blitzumfrage per eMail konnten wir schon einige Stellungsnahmen zu dieser neuen Entwicklung einholen. 

Gary Kasparov: "Mir war klar, dass das früher oder später kommen wird. Spieler mit gutem Gedächtnis (lacht) werden im Vorteil sein. In Partien gegen Computer wird das sicher Auswirkungen haben, obwohl ich nicht glaube, dass die Programme deshalb besser sind als damals Deep Blue. Ich bin sogar überzeugt, dass IBM schon 1997 Zugriff auf Beta-Ergebnisse hatte. Bisher wurden die Rechen-Protokolle ja nicht vorgelegt, aus gutem Grund, wie es scheint. " 

Vladimir Kramnik: "Die Computer werden eben immer stärker. Zum Glück habe ich gerade einen Vertrag unterschrieben, der mir zusichert, dass ich für meinen Wettkampf gegen Deep Fritz die Engine 30 Tage vorher zugeschickt bekomme. Dann kann ich mich für meinen Wettkampf gegen Fritz gut darauf einstellen."

Vishy Anand: "Wenn es notwendig ist, die 32-Steiner auswendig zu lernen, dann muss man das eben machen." 

Alexej Shirov: "Wahrscheinlich bekommt Kasparov die 32-Steiner viel früher als die anderen Spieler oder auf schnelleren DVDs."

John Nunn: "Eine sehr interessante Entwicklung. Ich habe schon die Vorbereitungen für mein neues Buch "The real complete Najdorf" begonnen. Außerdem konnten in der NCO (Nunn's Chess Opening) einige Vereinfachungen und Kürzungen durchgeführt werden, z.B. auf S.278 (2.Auflage): 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 =."

Robert Hübner: "Diese Nachricht bestärkt mich in meiner schon früher geäußerten Auffassung, dass die Computer den Menschen keinen Nutzen bringen und ihnen die Freude selbst an so harmlosesen Dingen wie Schach rauben. Im Übrigen bin ich ganz sicher, dass sich selbst bei flüchtigster Durchsicht zeigen wird, dass alle meine Partien von Grund auf fehlerbehaftet sind und alle meine Bemühungen damit völlig sinnlos waren." 

Peter Leko: "Ich habe gleich gewusst, dass Russisch ist beste Eröffnung für Schwarz."

Luis Rentero: "Die Spieler sollen wissen, dass auch nach Bekanntwerden dieser Nachricht keine Veranlassung besteht zu denken, man könne ein Kurzremis spielen, nur weil das Ergebnis vielleicht schon bekannt ist. Außerdem sehe ich keinen Grund mehr für die immer höheren Antrittsforderungen, schließlich ist doch schon alles maschinell vorgerechnet."

Kirsan Illiumshinov: "Das FIDE-Präsidium wird die Delegierten in Kürze über das Abstimmungsergebnis der nächsten Vollversammlung unterrichten, wonach die Bedenkzeit für die Finals angesichts der neuen technischen Entwicklungen auf 4 Minuten + 2 Sekunden festgelegt werden. Sollten Stichkämpfe notwendig werden, so werde diese im Internet mit der Bulletbedenkzeit von 1 Minute + 0 Sekunden gespielt. Wir haben eine Umfrage unter einem repräsentativem Internetweltmeister durchgeführt, der sich in überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen hat.

Frans Morsch: "Nachdem dies bekannt wurde, wusste ich ich im ersten Moment nicht so recht, wie ich die Fritz-Engine noch verbessern sollte, doch nun habe ich doch noch einige interessante Ideen, wie man das Spiel auch nach Einbindung der 32-Tablebases noch optimieren kann."


AS/1.4.2002




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