35. "Magistral Ciudad de León" mit Anand, Gelfand, Esipenko und Santos

von Klaus Besenthal
09.07.2022 – Das Turnier in der nordspanischen Stadt León mit den im Titel genannten vier Teilnehmern wird im K.-o.-Modus ausgetragen: Vor dem Finale werden zwei Halbfinals gespielt. Ein "Match" besteht aus jeweils vier 20+10-Partien; bei Gleichstand folgen zwei 5+3-Blitzpartien sowie ggfs. eine finale Armageddonpartie. Das erste Halbfinale zwischen Exweltmeister Viswanathan Anand und dem Spanier Jaime Santos Latasa wurde bereits am Freitag gespielt; Anand gewann mit 2,5:1,5. Am Samstag ermitteln Andrey Esipenko und Boris Gelfand Anands Gegner für das Finale am Sonntag (Beginn jeweils 16.30 Uhr). | Fotos: Magistral de Leon

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35. "Magistral Ciudad de León"

Erstes Halbfinale: Anand gegen Santos

Das Match gegen den 26-jährigen Spanier Jaime Santos Latasa begann für Vishy Anand mit einer Schlappe: In einer eigentlich bestens bekannten Spanisch-Variante kollabierte die Stellung des Inders nach zwei schwachen Zügen frühzeitig und in rasendem Tempo:

 

 

Den Verlust dieser ersten Partie konnte Anand sicher leicht verschmerzen

Anand erholte sich schnell: Der Inder gewann die zweite Partie, remisierte die dritte und machte in der vierten alles klar:

 

 

Master Class Band 12: Viswanathan Anand

Als Viswanathan Anand auf der europäischen Schachbühne erschien, hatte er in Indien schon einige Erfolge erzielt, die indischen Jugendmeisterschaften und als Jugendlicher auch die Landesmeisterschaften der Erwachsenen gewonnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Anand 1984 für die Schacholympiade in die indische Nationalmannschaft berufen. 1987 wurde er Juniorenweltmeister, 1988 verlieh die die FIDE dem 19-jährigen den Titel eines Großmeisters.

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Zweites Halbfinale Esipenko - Gelfand am Samstag

Ein junger Spieler gegen einen Vertreter der alten Garde - das sind auch beim anderen Halbfinale zwischen dem 20-jährigen Andrey Esipenko und seinem 54-jährigen Gegner Boris Gelfand die Vorzeichen. Gespielt wird am Samstag ab 16.30 Uhr.

Esipenko belegt zurzeit Platz 58 auf der Weltrangliste (Elo 2682), nachdem er mit seiner Elozahl schon oberhalb von 2700 Punkten gewesen war. Vermutlich befindet sich der junge Russe gerade in einer erzwungenen Neuorientierung: Er ist jetzt nicht mehr als Russe unterwegs, sondern wird in den offiziellen Ergebnislisten mit dem Kürzel "FID" dem Weltverband zugeordnet. Zumindest aber ist er unterwegs - außerhalb Russlands. Auch den inzwischen berühmten "Brief gegen den Krieg" hatte er unterschrieben.

Im schönen Spanien, wo Schach nicht, wie in Russland, "hoch politisch" ist, wo man einfach frei leben und seinem Beruf nachgehen kann, hat Esipenko vor dem Duell mit Gelfand (auch er hat eine Diktatur - Belarus - hinter sich gelassen, um nach Israel zu gehen) zunächst eine Simultanvorstellung gegeben:

Halbfinale Anand - Santos

Partien

 

 

Turnierseite


Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.