Das Match gegen den 26-jährigen Spanier Jaime Santos Latasa begann für Vishy Anand mit einer Schlappe: In einer eigentlich bestens bekannten Spanisch-Variante kollabierte die Stellung des Inders nach zwei schwachen Zügen frühzeitig und in rasendem Tempo:

Den Verlust dieser ersten Partie konnte Anand sicher leicht verschmerzen
Anand erholte sich schnell: Der Inder gewann die zweite Partie, remisierte die dritte und machte in der vierten alles klar:
Ein junger Spieler gegen einen Vertreter der alten Garde - das sind auch beim anderen Halbfinale zwischen dem 20-jährigen Andrey Esipenko und seinem 54-jährigen Gegner Boris Gelfand die Vorzeichen. Gespielt wird am Samstag ab 16.30 Uhr.
Esipenko belegt zurzeit Platz 58 auf der Weltrangliste (Elo 2682), nachdem er mit seiner Elozahl schon oberhalb von 2700 Punkten gewesen war. Vermutlich befindet sich der junge Russe gerade in einer erzwungenen Neuorientierung: Er ist jetzt nicht mehr als Russe unterwegs, sondern wird in den offiziellen Ergebnislisten mit dem Kürzel "FID" dem Weltverband zugeordnet. Zumindest aber ist er unterwegs - außerhalb Russlands. Auch den inzwischen berühmten "Brief gegen den Krieg" hatte er unterschrieben.
Im schönen Spanien, wo Schach nicht, wie in Russland, "hoch politisch" ist, wo man einfach frei leben und seinem Beruf nachgehen kann, hat Esipenko vor dem Duell mit Gelfand (auch er hat eine Diktatur - Belarus - hinter sich gelassen, um nach Israel zu gehen) zunächst eine Simultanvorstellung gegeben:
Simultáneas de Esipenko en el Hall de Filosofía y Letras de la Universidad de León pic.twitter.com/aJTuUwAcDU
— Magistral de León (@ajedrezleon) July 7, 2022

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