50 Jahre Fischer gegen Spassky

von André Schulz
05.07.2022 – Kein Schach-Wettkampf hat jemals die Massen so elektrisiert wie das Match zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky in Reykjavik 1972. Und kein Weltmeisterschaftskampf hat sich so tief in die Erinnerungen eingegraben wie dieser, aber nicht alle Medien gehen mit dem Thema angemessen um. Nun jährt sich das Ereignis zum 50sten Mal. Aber wann genau?

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Als offizieller Beginn des Weltmeisterschaftskampfes war eigentlich der 1. Juli 1972 festgelegt worden. An diesem Tag fand im Nationaltheater in Reykjavik die Eröffnungsfeier statt, jedoch ohne den Herausforderer. Bobby Fischer überhaupt noch nicht angereist. Er zickte noch herum. So, wie man es von ihm schon bei vielen anderen Gelegenheiten gewohnt war.

Nachdem er sich mit seinen Siegen über Larsen, Tajmanov und Petrosian als Sieger qualifiziert hatte, befand sich der Herausforderer mit allen an der Organisation Beteiligten im Streit und in Verhandlungen, vor allem um den Austragungsort, die Preisbörse und die Beteiligung der Spieler an den Einnahmen.

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Gudmundur Thorarinsson, Präsident des isländischen Schachverbandes hatte noch bis zum Schluss mit den Vertretern von Fischer verhandelt. Der Wettkampf stand kurz vor dem Abbruch. Schließlich räumte Gudmundur Thorarinsson Fischer noch eine Frist ein. Seine Erinnerungen an "The Match of all Time", hat der Cheforganisator in seinem kürzlich erschienen Buch veröffentlicht. Es gab noch andere Helden, die den Wettkampf retteten, zum Beispiel Schiedsrichter Lothar Schmid, der an kritischer Stelle vor der 3. Partie die Nerven behielt, und vor allem Boris Spassky, der nicht, wie sein Verband es wünschte, den Wettkampf platzen ließ. 

"Die meisten Isländer wünschten sich damals einen Sieg des sympathischen Spassky", zitiert Holger Hank in seinem Beitrag für die Deutsche Welle den damals 16 jährigen späteren isländischen Großmeister Helgi Olafson: "Spassky war ein Gentleman."

Am 2. Juli hätte die Auslosung der Farben stattfinden sollen, doch da Fischer immer noch nicht anwesend war, wurde dieser Termin auf dem 4. Juli verschoben. Am 3. Juli setzte sich Fischer endlich in den USA ins Flugzeug und trat die Reise nach Reykjavik an. Der englische Millionär Jim Slater hatte das Preisgeld inzwischen verdoppelt.

Am Morgen des 4. Juli kam Fischer in Reykjavik an, erschien aber nicht zur Auslosung, sondern schickte seinen Sekundanten Lombardy. Die Sowjets sahen das als Affront und brachen die Zeremonie ab. Sie wurde schließlich, jetzt doch unter der Anwesenheit von Fischer, der sich auch für sein Fehlen beim ersten Termin entschuldigt hatte, am 7. Juli wiederholt.

Auf Antrag der Sowjets wurde die 1. Partie nun auf den 11. Juli verschoben. Fischer erschien, wenn auch mit einer sechsminütigen Verspätung. Die Show konnte beginnen. Es wurde ein Drama. Oder ein Thriller? Auf jeden Fall war es nervenaufreibend. Und kein Wettkampf ist danach jemals wieder so minutiös dokumentiert worden. 

Zahlreiche Medien erinnern dieser Tage an das Jubiläum diese denkwürdigen Wettkampfes um die Schachweltmeisterschaft von 1972. Im Laufe der Jahrzehnte war das Ereignis in einer Vielzahl von Büchern gewürdigt worden. Der Hollywood-Film "Bauernopfer" von 2014, mit Tobey Maguire als Fischer und Liev Schreiber als Spassky erzählt ebenfalls die Geschichte des Wettkampfes und auch vom Weg dorthin.

Nicht alle Medien gehen ernsthaft mit dem Thema um. In den USA gibt es eine populäre TV-Serie "Drunk History". Ein anscheinende betrunkener Prominenter erzählt Episoden aus der Geschichte. Manche Passagen der Weltgeschichten kann man vielleicht nur so erzählen. In einer Folge wird auf diese Weise auch der Wettkampf Fischer gegen Spassky zusammengefasst. Nun ja.

 

DW: 50 Jahre Fischer gegen Spassky: Der Kalte Krieg auf dem Schachbrett...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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