50 Jahre Matthias Deutschmann!

16.09.2008 – Oft wird in Deutschland gefragt: Wo bleibt der Schachnachwuchs? Mancher bricht jedoch seine durchaus viel versprechende Schachkarriere ab und macht etwas ganz anderes. Zum Beispiel Matthias Deutschmann. Als Jugendlicher im C-Kader und als Bundesligaspieler für den SK Zähringen aktiv, ging er plötzlich mit dem Kabarett fremd. Für das deutsche Kabarett ein großes Glück, und heute, wo aus Kabarett nur noch Comedy geworden ist, ist er einer der letzten echten Kabarettisten. Doch auch dem Schach blieb er treu. Zwischen den Vorbereitungen für sein Programm war auch noch etwas Platz für Studien in der Grünfeld-Verteidigung. Als die Computertechnik weit genug für Deutschmann war, kehrte er als Stimme für das Schachprogramm mit Verve in die Schachszene zurück. Mancher Schachspieler schaut verblüfft auf, wen er die Stimme seines Gegners hört. Heute feiert mit Matthias Deutschmann ein großer deutscher Kabarettist und ein begeisterter Schachliebhaber seinen 50sten Geburtstag. Wir gratulieren ganz herzlich und sprachen kurz mit dem Jubilar.Webseite von Matthias Deutschmann...Interview mit Matthias Deutschmann...

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"Es gibt Zeiten des Steinewerfens und Zeiten des Steinesammelns"
Interview mit Matthias Deutschmann

50 Jahre Deutschmann - davon viele Jahre als Wanderer zwischen zwei Welten: Kabarett und Schach. Wie verträgt sich das?

Inzwischen ganz gut. Meine schachlichen Ambitionen habe ich mit der Wirklichkeit des Tourneealltags verrechnet. Ich habe in den letzten drei Jahren 8 Turnierpartien gespielt.


Festrede zum 125sten Jubiläum des Deutschen Schachbundes


Simultan gegen Viktor Kortschnoj, rechts: FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Joachim Beerfeltz


Einmal Kasparov über die Schulter schauen
 

Wie und wann ist überhaupt die Leidenschaft zum Schach entstanden?

Ich war 1970 Mitglied in der Schach AG des Gymansiums. Mein erstes Schachbuch war ein Leitfaden von Theo Schuster. Das zweite war schon ein Buch über den WM Kampf Spassky - Fischer von Conel Hugh O' Donel Alexander. Der Wettkampf und dieses Buch waren wohl der Auslöser.

Was waren deine großen Meilensteine der Schachkarriere?

Na, ja von Karriere kann man nicht so richtig sprechen. 1973 Eintritt in den Schachverein Emmendingen. 1977 Badischer Jugendmeister. Für Freiburg-Zähringen spielte ich dann in der Bundesliga. Ich war kurze Zeit im Deutschen National-C-Kader. Partien gegen GMs waren damals seltene Ereignisse. Gegen Kavalek habe ich Anfang der 80er Remis gespielt. Vielleicht war das der Höhepunkt. Damals stand das Kabarett schon eindeutig im Vordergrund und hielt mich davon ab mehr zu spielen und zu trainieren.

Gab es Weggefährten im Jugendschach, aus denen (schachlich) etwas geworden ist?

Ralf Lau, Eric Lobron und Stefan Kindermann sind alle GMs geworden.

Hast du einmal davon geträumt Schachprofi zu werden? 

Wie sagt das russische Sprichwort: "Das ist lange her und nicht mehr wahr!"

Wer waren deine großen Vorbilder?

Nach einer Niemzowitsch-Phase (Alles blockieren!) begeisterte ich mich für Michail Tal (Alles zerschlagen!).

Wie würdest du selbst deinen Stil beschreiben?

Aggressiv. Ich verabscheue Betonschach. Das Leben ist zu kurz um langweilige Partien zu spielen.

In der Laskergesellschaft hast du einmal Susan Polgar in einer Internetpartie das Fürchten gelernt - mit dem etwa ungalanten Blackmar-Diemer-Gambit. Neigst du auch im Kabarett zu Frontalangriffen?


Gespräch mit Edzard Reuter


Matthias Deutschmann beim Internetspiel gegen Susan Polgar


Analyse der Partie am Tisch des WM-Kampfes von 1910

Mein Kabarettstil ist inzwischen etwas positioneller geworden. Ich schätze aber weiterhin taktische Finessen.

Wo wird mit härteren Bandagen gekämpft: Im Schach oder im Kabarett? 

1976 bei der Deutschen Jugendmannschaftsmeisterschaft in Berlin trat eine älteren Dame an Ralf Lau heran und fragte: "Was braucht man um gut Schach zu spielen?" Ralf antwortete mit großem Gestus: "Meine Dame, in erster Linie Boshaftigkeit!" Das vereint Schach und Kabarett.

Gibt es kabarettistische Vorbilder?

Wolfgang Neuss in Sachen Attacke und Hanns Dieter Hüsch im Umgang mit der Sprache.

Gibt es heute überhaupt noch das Kabarett im klassischen Sinne oder  ist alles zur Comedy geworden?

Klassisches Kabarett?! Das klingt wie Orthodoxes Damengambit. Comedy erinnert mich an Grobs Angriff. Dazwischen gibt es ein Universum von Möglichkeiten.

Gibt es Erfolg im Kabarett ohne das Fernsehen?

Aber sicher!

Was ist aus den politischen Idealen deiner Generation geworden? Mancher frühere Hausbesetzter fliegt heute als Funktionsträger lieber mit den Learjet, oder…?

Da kann ich nur mit dem Alten Testament salomonisch antworten: Es gibt eine Zeit des Steinewerfens und eine Zeit des Steinesammelns.

Unverzichtbares Requisit bei allen deinen Vorstellungen ist das Cello. Woher rührt die Liebe zur Musik und zum Cello?

Ich bin mit Musik aufgewachsen. Schuberts "Unvollendete", Bachs Violinkonzerte, Odettas "Sometimes I feel like a motherless child". Das prägt.

Als Stimme hat der Kabarettist Deutschmann ins Schach zurück gefunden:  Stimme des Schachprogramms Fritz. Wie kam es dazu und welche  Auswirkungen hat das für dich gehabt?

Das war doch eure Idee! Und sie war gut! Ich werde oft auf Fritz angesprochen.


Aufnahmen für Fritz. Das Mikro steht auf Fritz 4.


Spontan übernommene Hauptrolle bei der ChessBase-Nikolausfeier


Deutschmann und Fritz

Wer gewinnt bei der Weltmeisterschaft in Bonn und wird man dich dort  als Besucher sehen?

Wenn ich Zeit finde, dann komme ich und kommentiere! Ich setze auf  Anand. Der spielt fröhlicher. Das kann der Schachwelt nur gut tun.


Deutschmann kommentiert Internetpartien bei Thalia in Bremen 

 

Links:

Festrede von M. Deutschmann zum 125. Gründungsjubiläum des Deutschen Schachbundes...

Videoausschnitt aus seinem Programm... (aus einer Privatvorstellung während der Buchmesse in Frankfurt)

 

 

 

 

 


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