7.Lg5 gegen Modernes Benoni

15.01.2021 – Das aktuelle ChessBase Magazin #199 bietet mit 11 Eröffnungsartikeln wieder reichlich Stoff für Ideenliebhaber. Unter anderem untersucht IM Patrick Zelbel mit 7.Lg5 eine Überraschungswaffe gegen Modernes Benoni. Reagiert Schwarz mit dem Standardzug 7...Lg7, empfiehlt unser neuer Autor die Idee von Matthias Blübaum: 8.Sd2!?, was e2-e4 und später evtl. auch noch f2-f4 vorbereitet. Lassen Sie sich zeigen, wie Weiß gegen einen unvorbereiteten Gegner "riesigen Vorteil" erreichen kann und wie der Nachziehende dem Läuferzug am besten begegnen sollte.

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Spezial: Themenschwerpunkt AVRO 1938. "All in One": Anish Giri und Igor Stohl sezieren zwei topaktuelle Eröffnungsabspiele. Analysen von Duda, Firouzja, Nielsen u.a. Videos von Erwin l'Ami, Daniel King und Mihail Marin. 11 Eröffnungsartikel u.v.m.

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7.Lg5 gegen Modernes Benoni

Patrick Zelbel stellt eine Vielzweckwaffe vor

 

Modernes Benoni ist eine der aktivsten Eröffnungen gegen 1.d4 Sf6 2.c4 und zeigte sich in letzter Zeit in guter Verfassung. Sowohl gegen die Klassische Variante (7.Sd2 nebst 8.e4, 9.Le2, 10.0-0) als auch die Moderne Hauptvariante (7.h3 Lg7 8.e4 0-0 9.Ld3 b5!) haben die Spieler auf der Schwarzseite ordentliche Gegenchancen gefunden, also sieht theoretisch gesehen hier alles prima aus. Das aktuelle Lf4-System ist ein wenig lästig für Schwarz, aber zurzeit wird jeder Nachziehende, der Modernes Benoni wählt, dafür gewappnet sein. Daher begab sich der stärkste deutsche Schachspieler GM Matthias Blübaum auf die Suche nach frischen Wegen gegen Modernes Benoni und erkundete den Zug 7.Lg5, auch ein Favorit des berühmten GM Simen Agdestein, der ja für viele junge Talente als Coach tätig war - einschließlich Magnus Carlsen. Blübaums jüngere Partien in den Jahren 2019 und 2020 haben dazu inspiriert, diese Überraschungswaffe näher zu inspizieren.

Die Idee

Das wichtigste Ziel dieses Systems ist es, eine verbesserte Version des Klassischen Hauptvariante gegen Modernes Benoni zu bekommen. Wir können unsere folgenden theoretischen Abspiele mit dieser Eröffnungssequenz vergleichen: 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.Sf3 g6 7.Sd2 Lg7 8.e4 0-0 9.Le2 Te8 10.0-0 Sbd7 11.a4 Se5,

 

womit eines der Hauptschlachtfelder von Benoni erreicht ist. Hier wäre ein Versuch für Weiß der Zug 12.Sdb1!?, welcher sich durch die begrenzten Aussichten unseres schwarzfeldrigen Läufers erklären lässt. Wie großartig wäre es, wenn dieser auf g5 stünde und wir einen Bauernmarsch mit f2-f4 und e4-e5 einleiten könnten? Mit 7.Lg5 versuchen wir ergo, eine extrem verbesserte Version dieses Standardabspiels zu erreichen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Schwarz in irgendeinem Moment mit ...h7-h6 und ...g6-g5 unseren Läufer g5 angehen kann. Dann müssen wir dessen Tausch gegen den schwarzen Springer zulassen, wonach wir wiederum versuchen werden, mit der Springertour Sf3-d2-c4-e3 die Schwäche des f5-Feldes auszunutzen.

Theorie

A) Höchstwahrscheinlich wird unser Gegner mit dem üblichen Entwicklungszug 7...Lg7 reagieren. Nunmehr lautet Blübaums Zugfolge 8.Sd2!?, was e2-e4 vorbereitet. Hier hat Schwarz eine Wahl:

A1) 8...0-0 ist offensichtlich die Standardreaktion, einfach normale Entwicklung. Nach 9.e4 Te8 10.Le2 Sa6 (10...a6 11.a4 leitet über zu 8...a6) 11.0-0 Sc7 erreichen wir eine bekannte Stellung:

 

Nach 12.a4!, was hässliche ...b7-b5-Ideen stoppt, steht der Spieler auf der Schwarzseite vor einer sehr schwierigen Wahl, wie wir in Vorobiov,E - Ris,R 1-0, Kavala 2009, sehen werden, wo Weiß nach 12...b6 13.f4!, was 14.e5 vorbereitet, eine großartige Stellung bekam.

A2) 8...a6 9.a4 0-0 (nach Einschaltung der a-Bauernzüge ist 9...h6 nicht so clever, da nach 10.Lh4 g5 11.Lg3 Sh5 12.Sc4 Sxg3 13.hxg3 Schwarz zusätzlich sein b6-Feld geschwächt hat. Diese Stellung betrachten wir in Agdestein,S - Karlsson,L 1-0, Gjovik 1983) 10.e4 Sbd7 11.Le2 Te8 (11...h6 12.Lh4 Dc7 wird untersucht in Bluebaum,M - Leniart,A 1-0, Katowice 2019) 12.0-0 h6 13.Lh4 ist eine sehr gute Stellung für Weiß:

 

Die Optionen von Schwarz sind sehr begrenzt, daher wählte er in einer Reihe von Partien 13...g5 14.Lg3 Se5, um die dunklen Felder gut in den Griff zu bekommen. Aber 15.f4! gxf4 16.Lxf4 ergibt dennoch dynamischen Vorteil für Weiß dank des unsicheren schwarzen Königs. Eine wichtige Idee ist ein Springertransfer über e3 in Richtung des geschwächten Feldes f5 - Volkov,S - Benidze,D ½-½, Malatya 2016..

A3) 8...h6 9.Lh4 g5 (9...Sbd7 10.e4 0-0 11.Le2 Te8 12.0-0 g5 13.Lg3 Se5 14.f4! ähnelt sehr Abspiel A2), Livaic,L - Ahmadzada,A ½-½, Porto Carras 2018.) 10.Lg3.

 

Schwarz sollte sofort 10...Sh5! ziehen, um den Läufer zu tauschen wonach 11.Sc4 Sxg3 12.hxg3 0-0! 13.e4 a6 14.a4 De7 in einer Partie des jungen Weltmeisters aufs Brett kam (Carlsen,M - Janssen,R ½-½, Wijk aan Zee 2004). Wahrscheinlich kann man danach durchaus an 15.Le2!? nebst f2-f4-Ideen denken, aber auch die Partiefortsetzung 15.Se3 ist thematisch und führte nach der Eröffnung zu einer Gewinnstellung für Weiß.

B) Die andere Option, die ich den Benoni-Spielern auf der Schwarzseite empfehlen würde, ist das direkte 7...h6 8.Lh4 g5 9.Lg3 Sh5!. Nach dem üblichen 10.Nd2 (die ruhigere Alternative 10.e3 dürfte zu ausgeglichenen Stellungen führen, wie wir in Severinov,V - Sauermann,W 1-0, ICCF Postal 2003, sehen können) Sd7 haben wir die folgende Stellung:

 

In Trick ist, dass nach 11.Sc4 der weiße Springer mit 11...Sb6! ausgebremst wird, wenngleich Weiß in Agdestein,S - Ljubojevic,L 1-0, Wijk aan Zee 1988, dennoch gewann. Den üblichen Zug 11.e4!?N werden wir in den Anmerkungen zu dieser Partie untersuchen.

Fazit: Die Entwicklung des weißen Läufers nach g5 ist ein seltener Gast auf allen Ebenen und damit eine fantastische Überraschungswaffe gegen Modernes Benoni. Wir konnten feststellen, dass Weiß gegen die typische Aufstellung mit dem Vormarsch f2-f4/e4-e5 riesigen Vorteil aus der Eröffnung bekommt. Ist man erst einmal dort angelangt, fällt das Spiel sehr leicht. Daher sollte Schwarz den provozierenden Läufer sofort mit ...h7-h6 und ...g6-g5 vertreiben. Das schwächt zwar das f5-Feld, aber er kann sofort 9...Sh5 folgen lassen und den Läufer auf g3 beseitigen. Aus theoretischer Warte steht Schwarz ordentlich, aber in den Anmerkungen zu der letzten Partie gab es für uns nach 11.e4 eine Menge frischer Stellungen zu sehen, welche in der Praxis erprobt werden sollten. Ich freue mich auf weitere Partien in diesem komplexen Abspiel.

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