85 Jahre Yuri Averbakh

08.02.2007 – Eine der größten Ereignisse im Moskau des Jahres 1935 war das internationale Großmeisterturnier, an dem mit Capablanca und Lasker zwei Ex-Weltmeister, mit dem aufstrebenden Botvinnik ein zukünftiger Weltmeister sowie zahlreiche weitere Schachstars teilnahmen. Drei Jungen besuchten das Turnier und die Simultanveranstaltungen und waren fortan vom Schachvirus infiziert.: Vassily Smyslov, Issac Linder und Yuri Averbahk. Während Ersterer es gar bis zum Weltmeister brachte, der Zweite ein bekannter Historiker wurde, machte sich der dritte der Freunde eine Namen als Top-Großmeister und Endspieltheoretiker. Mehrere Generationen lernten von Yuri Averbakh, wie man Schach mit wenigen Steinen spielt. Darüber hinaus war Averbakh als Schachjournalist und Schiedsrichter aktiv und leitete in den Siebzigern den UdSSR-Verband. Heute wird er 85 Jahre alt. Wir gratulieren. Interview mit Yuri Averbakh (2005)...Mehr...

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Yuri Lvovich Averbakh wurde am 8. Februar 1922 in Kaluga geboren. Sein Vater war jüdisch-deutscher Abstammung; der ursprüngliche Familienname der väterlichen Vorfahren war Auerbach. Seine Mutter war Russin.

Yuri lernt Schach mit sieben Jahren.  Seine wachsenden Begeisterung für das Schach wurde durch das große internationale Moskauer Schachturnier gefördert, an deren Rand Spieler wie Botvinnik, Lasker und andere Simultanveranstaltungen gaben. Der 13-Jährige Yuri besuchte die Veranstaltungen mit seinen Freunden Vassily Smyslov und Isaac Lindnder. Alle drei machten sich in der Schachszene einen Namen und blieben dem Schach bis heute verbunden.

Im Jahr 1938 wurde er Schülermeister der UdSSR. Den Titel "Meister der UdSSR" bekamm er 1944 verliehen. Dreimal, 1949, 1950, 1962, gewann er die Meisterschaft von Moskau. 1949 siegte er vor Spielern wie Andor Lilienthal, Yakov Estrin und Vladimir Simagin. 1952 wurde er zum Internationaler Großmeister ernannt. Zwei Jahre später gewann die Landesmeisterschaft der UdSSR mit 14,5 aus 19 und ließ dabei Spieler wie Mark Taimanov, Viktor Kortschnoj (geteilter zweiter Platz mit 13 P.), Tigran Petrosian, Efim Geller und Salo Flohr hinter sich. Zwei Jahre darauf, 1956, teilte er den ersten Platz mit Tajmanov und Boris Spassky und belegte im folgenden Stichkampf Platz zwei.

Averbakh Tocher Jane heirate später Mark Tajmanov.

Zu Averbakhs weiteren Erfolgen zählen Turniersieg in Dresden 1956, Djakarta 1956, Adelaide 1960, Wien 1961, Moskau 1962 (geteilter Erster), Bukarest 1971, Polanica Zdroj (geteilter Erster) und Manila 1979 (geteilter Erster)

Außerdem hatte er sich für das legendäre Kandidatenturnier Zürich 1953 qualifiziert, wo er den am Ende zehnten Platz unter 15 Teilnehmern belegte.

Seine Stil beschreibt er selber als sehr solide, der insbesondere für Spieler mit sehr taktischer Ausprägung sehr unangenehm war. So biss beispielsweise der geniale Taktiker Nezhmetdinov, der alle Spieler, selbst Talan einem guten Tag  taktisch bezwingen konnte, bei Averbakh auf Granit. In neun Partien erreichte Nezhmetdinov nur ein einziges Remis, alle übrigen Partien verlor er."

Auch gegen einige andere starke Spieler kann Averbakh auf eine positive zumindest ausgeglichene Bilanz verweisen. Laut Mega 2007 holte er gegen Petrosian (+1 aus 19), Polugaevsky (+2 aus 10) positive Ergebnisse und hatte gegen Smyslov Keres und Geller eine ausgeglichene Bilanz. Laut den Statistiken von chessmetrics.com war Averbakhs bestes Jahr 1957 mit einer historischen Elozahl von 2715 und Platz 8 in der Weltrangliste.

Im Jahr 1956 wurde Averbakh Internationaler Juror für Schachkompositionen und 1969 Internationaler Schiedsrichter. Das berüchtigte Kandidatenturnier von Curacao 1962 hat Averbakh als Mitglied der russischen Delegation miterlebt.

Außer als Spieler und Schiedsrichter war Averbakh auch als Schachjournalist sehr erfolgreich. Er arbeitete u.a für die Zeitschriften Shakhmaty v SSSR und Shakhmaty Bulletin. Zwischen 1956 und 1962 schrieb er die Endspielbücher, die ihn als einen der bekanntesten Endspielexperten auswiesen. Zunächst in russischer Sprache unter dem Titel Shakhmatnye okonchaniya erschienen und zwischen 1980 und 1984 in einer überarbeiteten Fassung neu aufgelegt, wurden die Bücher später in viele Sprachen übersetzt und waren die Grundlage für das Endspielwissen zahlreicher Schachschüler (engl.: Comprehensive Chess Endings, 5 Bände, dt.: Lehrbuch der Endspiele, Sportverlag, Berlin 1958).


Yuri Averbakh an dem Schachtisch, an dem 1910 in Wien der WM-Kampf Lasker gegen Schlechter gespielt wurde

Auch als Eröffnungstheoretiker hat sich Averbakh einen Namen gemacht. Die Variante der Königsindischen Verteidigung 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0-0 6.Lg5 ist nach ihm benannt.

Nachdem sich Averbakh Ende der 60er Jahr mehr und mehr vom Turnierschach zurückzog, war er von 1973 bis 1978 Präsident des Schachverbandes der UdSSR. Im russischen Fernsehen moderierte er zudem ein sehr populäre Schachsendung, die regelmäßig mehrere Millionen Zuschauer fand.


Averbakh, Linder, Kortschnoj

Auch jetzt noch ist Yuri Averbakh im Schach sehr aktiv. So gehört er mit seinem Freund Issak Lindner unter anderem der Lasker-Gesellschaft und den Chess Collectors an und beteiligt sich regelmäßig an deren Treffen.
 

André Schulz

 

 

 

 

 

 



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