Achtung, Ruhetag! Vorsicht, Sommerzeit!

28.03.2012 – Nach sechs Runden wurde in Plovdiv bei der Europameisterschaft ein Ruhetag eingelegt. Ein solcher ist bei einem so schweren Turnier unbedingt notwendig, meint Dejan Bojkov. Doch Ruhetage bergen Gefahren: Mancher Spieler hat gerade "Betriebstemperatur" erreicht und muss dann einen Tag lang zwangsweise pausieren. Gleich zwei Ruhetage wurden sechs georgischen Spielern aufgezwungen. Sie hatten - trotz vorheriger Warnung in sechs Sprachen - übersehen, dass in Bulgarien in der Nacht von Samstag auf Sonntag wegen der Sommerzeit die Uhren eine Stunde vorgestellt wurden. Als sie zur Partie erschienen, war es eine Stunde zu spät. Null Toleranz - null Punkte. Zwischenbilanz...

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Den Ruhetag heil überstehen
Von Dejan Bojkov

2008 habe ich auch in Plovdiv gespielt und weiß aus Erfahrung, dass der Ruhetag einen doch vor schwere Herausforderungen stellt. Die meisten Spieler neigen dazu, sich entweder zu viel Ruhe zu gönnen und sich zu sehr zu entspannen oder übertreiben bei Zerstreuung und Vergnügen. Manch einer verliert seinen Rhythmus. Trotzdem ist ein so schweres Turnier ohne Ruhetag kaum vorstellbar. Fast alle Partien werden ausgekämpft, eine Tendenz, die durch die neuen Regeln begünstigt wird – vor dem vierzigsten Zug dürfen die Spieler nicht miteinander reden und kein Remis vereinbaren.


Eltadj Safarli


Ivan Salgado


Yuriy Krivoruchko
 


Evgeny Postny

Allerdings kann man bei dreimaliger Stellungswiederholung mit Hilfe des Schiedsrichters Remis reklamieren. Von dieser Option wird allerdings kaum Gebrauch gemacht, da die Spieler in den vorherigen Jahren gesehen haben, dass man ein ordentliches Plus braucht, wenn man sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren oder in die Medaillenränge kommen will.


Top-Favorit Caruana


Giri kiebitzt


Viktor Bologan


Artyom Timofeev




Kiril Georgiev hat sich kurz vor dem Turnier den Arm gebrochen


Richard Rapport


Nils Grandelius


Gawain Jones


David Howell

Nach sechs Runden führte eine Gruppe von nicht weniger als zehn(!) Spielern die Tabelle an! Jeder von ihnen lag bei +4 und gestern haben sie an den fünf Spitzenbrettern gegeneinander gespielt. Ihnen auf den Fersen ist ein großes Verfolgerfeld, in dem jeder möglichst viel Boden gut machen will.

Doch ganz egal, wie hoch die Elo-Zahl, vor Fehlern ist keiner gefeit. Schauen Sie sich nur an, wie es Shakhriyar Mamedyarov, der Nummer zwei der Setzliste, ergangen ist – in sechs Runden hat er gerade einmal sechs Remis erzielt. Ganz und gar untypisch für seinen aggressiven Stil! Gestern kam er schließlich zu seinem ersten Sieg.
 


Der frühere Europameister Zdenko Kozul


Der Ex-Europameister Emil Sutovsky


Ilya Nyzhnyk


Auch abseits des Bretts ist niemand vor Missgeschicken geschützt. So kam eine Gruppe georgischer Spieler in Runde sechs zu einem zweiten, allerdings unfreiwilligem, Ruhetag. Denn die Uhren wurden in Bulgarien auf Sommerzeit umgestellt und irgendwie haben die Georgier die Warnungen der Schiedsrichter (die in sechs Sprachen ausgesprochen wurden!), in der nächsten Runde doch entsprechend früher am Brett zu sein, überhört. Ein Grund dafür mag sein, dass die Uhren in Georgien nicht umgestellt werden. So kamen die Georgier zu spät ans Brett und fielen der Null-Toleranz-Regel zum Opfer.


Der frühere Anand Sekundant Ubilava im Gespräch mit Emilia Djingarova


Antoaneta Stefanova

Doch allen diesen Missgeschicken zum Trotz geht das Turnier weiter und die Spieler genießen es. Und auch wir können am starken und schönen Schach, das in Plovdiv gespielt wird, weiter erfreuen

In der gestrigen siebten Runde gab es an den Spitzenbrettern nur eine entschiedene Partie. An Brett eins überwand Sergei Azarov die von Arkadij Naiditsch errichtete Berliner Mauer und liegt jetzt mit 6/8 alleine in Führung.


Sergei Azarov

Heute bekommt er es an Brett eins mit Vladimir Malakhov zu tun, einem feinen Herrn aus Russland. Malakhov hat bislang 5,5 Punkte auf dem Konto, genau wie zehn weitere Spieler.



Eine bemerkenswerte Partie in der sechsten Runde war übrigens der wunderschöne Sieg von Victor Laznicka gegen Romain Edouard!



Schöne Grüße aus Plovdiv, bleiben Sie am Ball und verfolgen Sie das Geschehen hier bei der Europameisterschaft weiter!

www.dejanbojkov.blogspot.com



 

 



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