Aeroflot-Open: Nach zehn Starts in den Hangar?

von Ari Ziegler
14.02.2011 – In diesem Jahr hat das Aeroflot-Turnier zum zehnten Mal abgehoben. Hauptsponsor ist die russische Fluggesellschaft "Aeroflot", mitverantwortlich für den stattlichen Preisfonds, der dem Sieger ein Preisgeld von 20.000 USD einbringen wird. Doch es gibt Gerüchte über eine möglicherweise endgültige Landung, meldet Anna Burtasova in ihrem Bericht. Turnierdirektor Alexander Bkah hat in einem Interview auf www.chess-news.ru erklärt, eine Neuauflage im nächsten Jahr sei bisher nicht gesichert, was daran liegt, dass es einen Wechsel in der Führungsetage gab. Alexander Dvorkovich, bekanntlich nicht immer der gleichen Meinung wie sein Executiv Officer, notierte hingegen auf Twitter, dass er keinen Zweifel an der Fortsetzung habe- was auch als Anweisung des Kreml nahen Verbandschef verstanden werden könnte. Auch wenn die Anzahl der Teilnehmer in diesem Jahr geringer ist als in den Vorjahren, bleibt die Qualität des Feldes bestechend. Bericht und viele Impressionen...

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“Aeroflot-Open” startet zum 10. Mal

Das “Aeroflot-Open” 2011 feiert ein Jubiläum – das stärkste Open in Moskau findet zum 10. Mal statt. Oder sollte man besser sagen, es startet zum 10. Mal? Der Sponsor des großen Turniers ist die “Aeroflot"-Fluggesellschaft und so können Schachspieler, die an dem Turnier teilnehmen wollen, billiger als sonst in die russische Hauptstadt fliegen. Dieses Jahr entschieden sich die Organisatoren auch dafür, die beim Kauf eines Flugtickets üblichen Flughafen- und Treibstoffsteuern zu erstatten.



Das Turnier wird im Hotelkomplex “Izmailovo” ausgetragen. Früher wurde im “Russia”-Hotel mit Blick auf den Roten Platz gespielt, aber dieses Hotel musste seine Pforten schließen und das Turnier brauchte neue Räume.



Seit drei Tagen schneit es wieder in Moskau und es herrschen eisige Temperaturen. Zu Beginn des Turniers war es noch ungewöhnlich warm für den russischen Winter.



So sieht es vor dem Hotel aus.



Aber treten wir ein und gehen in den dritten Stock.




Der Eingang zum Spielsaal. Um 9:30 spielen hier die Teilnehmer des C-Turniers, um 15:00 Uhr beginnt das A- und das B-Turnier.



Souvenirs mit dem Symbol des Turniers.


Allerdings gibt es Gerüchte, dass dies das letzte Aeroflot-Open sein könnte. In einem Interview mit der russischen Webseite www.chess-news.ru erklärte Turnierdirektor Aleksander Bakh: “Als über das diesjährige Turnier entschieden wurde, erörterten wir auch ein mögliches Open im nächsten Jahr. Ich kann nicht garantieren, dass es stattfindet, aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ungefähr einen Monat nach Ende dieses Turniers werde ich mich mit den Verantwortlichen von “Aeroflot” treffen und versuchen, sie davon zu überzeugen, die Tradition dieser Turniere fortzuführen. Allerdings hat “Aeroflot” jetzt neue Entscheidungsträger und die müssen überzeugt werden, dass dieses Turnier wichtig für sie ist.”

 



Alles ist bereit für die Runde. So sieht der Spielsaal eine halbe Stunde vor Beginn der Runde aus. Man muss nicht hundertprozentig pünktlich zur Partie da sein, aber wenn man mehr als eine halbe Stunde zu spät kommt, verliert man die Partie kampflos.



Monitore mit Live-Übertragung am Eingang zum Spiellokal. Um möglichem Betrug vorzubeugen, werden die Partien mit einer Zeitverzögerung von 15 Minuten übertragen.


Wie Sie sehen, beenden manche Spieler ihre Partien recht früh. In diesem Turnier gibt es keine speziellen “Remis-Regeln”.



In der Nähe der Monitore kann man die Partien analysieren.



Die Schiedsrichter tragen Uniform, damit sie aus der Menge herausstechen.




Der Beginn der Runde. Hauptschiedsrichter Gert Gijssen weist routiniert noch einmal darauf hin, dass Handys auszuschalten sind.

Die Reaktion des Vorsitzenden des verantwortlichen Komitees des Russischen Schachverbands erfolgte prompt. In seinem Twitter-Account schrieb Arkady Dvorkovich, er hätte “keinen Zweifel daran, dass die “Aeroflot”-Turniere weiter stattfinden werden”.

Die Gerüchte über Probleme mit der Organisation des Turniers, in dem der erste Preis im A-Turnier 20.000 USD beträgt, könnten durch die Änderungen, die dieses Jahr erfolgt sind, weiter angeheizt werden. So gibt es dieses Jahr kein A2-Turnier. Stattdessen können Spieler mit einer Elo-Zahl von mehr als 2549 im A-Turnier teilnehmen, während Spieler mit einer Elo-Zahl zwischen 2549 und 2300 im B-Turnier spielen dürfen und Spieler mit einer Elo-Zahl von weniger als 2300 im C-Turnier spielen können.

Hier ein paar Zahlen über die Beteiligung an dem Turnier:

2001 - 363
2002 - 370
2003 - 476
2004 - 644,
2005 - 673
2006 - 630
2007 - 450
2008 - 432
2009 - 406
2010 - 264
2011 - 300

Aber heißt weniger Quantität (wenn man die Teilnehmerzahlen 2011 mit den Zahlen der Jahre 2004-2006 vergleicht) auch weniger Qualität? Nicht beim “Aeroflot-Open”! 86 Spieler gehen im A-Turnier an den Start und nur 15 von ihnen sind keine Großmeister. Und die Nummer Eins der Setzliste ist Gata Kamsky, hinter ihm folgen Sergey Movsesian, Dmitry Jakovenko und Maxime Vachier-Lagrave.

Tomashevski und Le Quang Liem zu Beginn ihrer Partie in Runde 5. Die Partie wurde schließlich Remis und damit gab der Vietnamese seinen ersten halben Punkt ab!

Mit 4,5 aus 5 liegt Evgeny Tomashevsky auf dem geteilten zweiten Platz.

Tigran Petrosian und Sergey Movsesian gehen gut gelaunt an die Bretter.

 

Gata Kamsky ist nicht in guter Form: Er verlor bereits gegen Le und gegen Ding und liegt mit 3 aus 6 im Mittelfeld.

Trotzdem steht der amerikanische Großmeister im Mittelpunkt des Interesses.



Die Spitzenbretter der fünften Runde. Viorel Bologan macht seine Übungen.

Ivan Cheparinov hat 4 aus 6, genau wie Ding Liren.

Robert Hess und Artem Timofeev.

Alexander Khalifman hat bislang nur Remispartien gespielt!



Chanda Sandipan verlor in Runde 3 gegen Gata Kamsky, aber gewann dann zwei Partien in Folge und hat jetzt 4 aus 6.

Dmitry Jakovenko spielt meistens Remis, aber gewinnt manchmal auch – 4 aus 6.

Vadim Zviagintsev folgt Jakovenkos Beispiel – zwei Siege, vier Remis.

Dieses äußerst starke Feld führt gleich von Beginn an zu interessanten Begegnungen. Um am Ende in solchen Turnieren ganz vorne zu landen, muss man nicht jede Partie gewinnen, aber es ist wichtig, nicht zu verlieren. Der Spitzenreiter nach Runde 6, Le Quang Liem, hatte in Bezug auf diese Turnierstrategie allerdings seine eigene Meinung. Er gewann die ersten vier Runden und schlug dabei Kamsky in Runde 4.

Nur Evgeny Tomashevsky und Rustam Kasimdzhanov, die mit einem halben Punkt Rückstand auf den führenden Le Quang Liem auf der Lauer liegen, gelang es bislang, dem Vietnamesen einen halben Punkt abzunehmen.

Doch tauchen wir mit ein paar Bildern doch direkt ins Turnier ein:


Robert Hess aus den USA verlor gegen Maxime Vachier-Lagrave und liegt bei 50 Prozent.

Avetik Grigorian, der armenische Meister des letzten Jahres, trägt gerne Sonnenbrillen.

Aleksandra Kosteniuk und Natalia Pogonina spielten etliche Runden nebeneinander, aber mittlerweile hat die Ex-Weltmeisterin einen halben Punkt mehr.

Der Sieger des Rundenturniers beim “Moskau-Open”, Boris Grachev, räumte in einem Interview ein, dass es schwer ist, zwei starke Turniere hintereinander zu spielen und ein freier Tag nicht ausreichend sei, um sich zu erholen. Dessen ungeachtet hat +2 und 4 aus 6!



Ni Hua

Daniel Vocaturos Lieblings-Baseballkäppi.

Zhao Xue lag im B-Turnier mit 4 aus 5 gut im Rennen, aber verlor dann in Runde 6 gegen Tigran Kotanjian.

Kotanjian ist in Gruppe B mit 5 aus 6 einer der Spitzenreiter.

Drei Runden sind noch zu spielen…


 

 

 

 

 

 

 




Ari Ziegler, IM und früherer Präsident des Schwedischen Schachverbandes.
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