Afrika-Meisterschaft: Adly gewinnt, vier dürfen zum World Cup

von Klaus Besenthal
04.06.2021 – In Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, sind vor wenigen Tagen die afrikanischen Kontinentalmeisterschaften zu Ende gegangen. Im "Open", an dem Männer ebenso wie Frauen teilnehmen durften, hatten am Ende die Spieler eines einzigen Landes alles abgeräumt: Die zur Teilnahme am World Cup in Sotschi berechtigenden ersten vier Plätze gingen allesamt an ägyptische Großmeister, von denen sich Ahmed Adly zudem, hauchdünn vor Bassem Amin, Platz eins und damit den Titel "Afrikameister" gesichert hat. | Fotos von der Facebook-Seite der Meisterschaft

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Afrika-Meisterschaft 2021

"Malawi" - von diesem afrikanischen Staat werden die meisten unserer Leser schon gehört haben, doch zu wissen, wo dieses Land genau liegt, gehört in Deutschland sicher nicht unbedingt zur Allgemeinbildung. Malawi ist im südlichen Afrika ein Binnenstaat, hat also keinen eigenen Zugang zum Meer. Landgrenzen gibt es im Osten zu Mosambik, im Westen zu Sambia und im Norden zu Tansania. Zudem gehört ein großer Teil des 560 km langen Malawisees zu dem Land. Malawi wurde schon 1964 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen, so dass es von den Spannungen in den anderen Ländern der Region, die lange Zeit auch in deutschen Medien sehr präsent waren (Bürgerkriege in Mosambik und Angola, Entmachtung der Weißen in Rhodesien bzw. Simbabwe, Ende der Apartheid in Südafrika), nicht betroffen war.

Die Hauptstadt Lilongwe, der Schauplatz der Afrikameisterschaft, wurde erst 1947 gegründet. Es ist eine Stadt, die "auf dem Reißbrett" entworfen wurde.

Die Startrangliste des Opens wurde von Bassem Amin mit seinen 2701 Elopunkten angeführt. Schon der Spieler auf Platz 38 (insgesamt 59 Teilnehmer) brachte es aber nicht einmal mehr auf 2000 Punkte. Man kann also wohl mit Fug und Recht von einem starken Leistungsgefälle sprechen.

Nur ein weiterer Spieler hatte neben Amin eine Elozahl oberhalb von 2600 Punkten vorzuweisen: Der spätere Sieger Ahmed Adly (2615). Amin oder Adly - einer anderer Spieler kam eigentlich von vornherein nicht als Sieger in Frage. Am Ende hatten beide 8,0 Punkte aus den 9 Partien herausgeholt: Neben einem Remis im direkten Vergleich hatten sie in einer weiteren Partie gegen einen schwächeren Spieler jeweils einen halben Punkt eingebüßt. Die Feinwertung begünstigte dann schließlich Adly. Die beiden anderen Ägypter, die zum World Cup nach Sotschi fahren dürfen, heißen Adham Fawzy und Abdelrahman Hesham.

Dass Adly nach Feinwertung Erster wurde, war auch insofern gerecht, als Amin das direkte Aufeinandertreffen der beiden eigentlich hätte verlieren müssen - und das gleich mehrfach:

 

Spitzenspiel in Runde 6: Adly (rechts) gegen Amin

Neben dem Open gab es auch ein Frauenturnier, das von Jesse February (Mitte) aus Südafrika gewonnen wurde. Statt WIM darf sie sich künftig WGM nennen!

Abschlusstabelle des Open

Rk. SNo   Name FED Rtg Pts.  TB1   TB2   TB3   TB4  Rp
1 2 GM Adly Ahmed EGY 2615 8,0 2382 50,0 55,0 0,0 2695
2 1 GM Amin Bassem EGY 2701 8,0 2310 45,5 50,0 0,0 2631
3 4 GM Fawzy Adham EGY 2473 7,5 2324 41,5 45,5 0,0 2629
4 8 GM Hesham Abdelrahman EGY 2400 6,5 2213 41,5 45,0 0,0 2355
5 23 FM Mwale Joseph MAW 2148 6,0 2323 45,0 49,0 0,0 2470
6 3 GM Bellahcene Bilel ALG 2508 6,0 2299 46,0 50,0 0,0 2394
7 32 CM Chipanga Chiletso MAW 2043 6,0 2296 43,0 47,0 0,0 2369
8 7 IM Bwalya Gillan ZAM 2405 6,0 2283 47,0 51,5 0,0 2379
9 13 IM Silva David ANG 2296 6,0 2250 41,5 44,5 0,0 2342
10 12 FM Barrish Daniel RSA 2306 6,0 2235 46,0 50,0 0,0 2328
11 5 IM Rakotomaharo Fy Antenaina MAD 2429 5,5 2434 50,5 54,5 0,0 2469
12 26 FM Mhango Banele RSA 2117 5,5 2408 47,5 50,5 0,0 2379
13 21 IM Nassr Ali ALG 2232 5,5 2359 47,0 48,5 0,0 2375
14 11 FM Kawuma Patrick UGA 2323 5,5 2337 47,5 51,5 0,0 2375
15 6 IM Wageih Kareim EGY 2425 5,5 2151 39,5 43,0 0,0 2203
16 20 FM Oragwu Chukwunonso NGR 2241 5,0 2308 42,0 46,0 0,0 2308
17 14 IM Mwali Chitumbo ZAM 2285 5,0 2249 41,0 44,5 0,0 2253
18 18 FM Osunfuyi Abimbola NGR 2246 5,0 2221 42,0 45,5 0,0 2221
19 16 FM Abdulraheem Abdulrahman Akintoye NGR 2264 5,0 2217 43,5 47,5 0,0 2221
20 27   Okeke Issac NGR 2097 5,0 2190 39,0 39,0 0,0 2108
21 9 IM Kayonde Andrew ZAM 2399 5,0 2176 42,0 46,0 0,0 2176
22 25   Methu Joseph Muragu KEN 2119 5,0 2148 36,5 40,0 0,0 2132
23 10   Ajibola Olanrewaju NGR 2337 5,0 2147 43,0 47,0 0,0 2170
24 30   Masango Spencer ZIM 2071 5,0 2138 40,0 42,0 0,0 2055
25 19 FM Talbi Chafik ALG 2244 5,0 2134 41,5 44,5 0,0 2142
26 28 FM Mphungu Gerrard MAW 2096 5,0 1976 35,0 37,0 0,0 1911

insgesamt 59 Teilnehmer

Abschlusstabelle des Frauenturniers

Rk. SNo   Name FED Rtg Pts.  TB1   TB2   TB3   TB4  Rp
1 6 WIM February Jesse Nikki RSA 1824 7,0 1848 46,0 50,5 0,0 2009
2 3 WIM Nassr Lina ALG 1960 6,5 1800 46,0 50,0 0,0 1909
3 2 WIM Moaataz Ayah EGY 2028 6,5 1794 43,5 47,0 0,0 1927
4 4 WFM Mwango Lorita ZAM 1912 6,0 1817 46,0 50,5 0,0 1883
5 1 WGM Wafa Shahenda EGY 2145 6,0 1748 46,0 50,0 0,0 1818
6 10 WCM Charinda Kudzanayi ZIM 1702 6,0 1738 44,0 47,5 0,0 1816
7 29   Shriyan Santosh Priyasha MAW 1285 5,5 1727 42,0 46,0 0,0 1770
8 9 WFM Marape Naledi BOT 1717 5,5 1708 41,5 45,0 0,0 1741
9 17 WFM Mongeli Sasha KEN 1553 5,5 1649 38,5 39,0 0,0 1657
10 23 WFM Staal Michaela Francis RSA 1356 5,5 1540 38,5 39,0 0,0 1560
11 15 WCM Wanjiru Lucy KEN 1623 5,5 1538 36,0 39,5 0,0 1567
12 27   Badenhorst Chloe RSA 1316 5,0 1739 42,5 47,0 0,0 1731
13 5 WFM Ogbiyoyo Perpetual Eloho NGR 1880 5,0 1696 44,5 47,0 0,0 1694
14 16 WCM Banda Natalie Katlo BOT 1560 5,0 1668 38,0 39,5 0,0 1637
15 12 WCM Ndirangu Joyce Nyaruai KEN 1659 5,0 1607 40,5 44,0 0,0 1566
16 8   Nakabo Peninah UGA 1730 5,0 1591 42,0 45,0 0,0 1600
17 14   Makwena Christine ZIM 1638 5,0 1497 37,5 41,0 0,0 1495

insgesamt 34 Teilnehmerinnen

Partien vom Open

 

Ergebnisse bei chess-results

Facebook-Seite der Afrika-Meisterschaft


Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Nordseepferdchen Nordseepferdchen 09.06.2021 10:23
Vielen Dank für diesen schönen Bericht, derzeit scheinen ja die ägyptischen Spieler die Schachszene Afrikas zu beherrschen. Kann mich erinnern, dass es vor ein paar Jahren auch mal ein paar nordafrikanische Spieler aus Marokko und Tunesien gab, die aber wohl später wegen Streitigkeiten die Verbände gewechselt haben und dann für andere Nationen angetreten sind. Würde mich sehr freuen, von Zeit zu Zeit etwas mehr über die Schachaktivitäten auf diesem wohl für das Schach noch recht unbekannten Kontinenten zu lesen.
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