Ahmed Adly: Jugendweltmeister

09.11.2007 – Mitte Oktober wurde Ahmed Adly Weltmeister U-20, der erste Jugendweltmeister aus Ägypten und der erste Jugendweltmeister aus Afrika. Im Interview mit Andreas Albers spricht Adly über die Weltmeisterschaft, Kampfgeist, seinen Weg zum Großmeister, die Trainer, die ihm dabei halfen und gesellschaftliche Pflichten, die der WM-Titel mit sich bringt. Außerdem verrät er, dass er einmal zu den Top Ten in der Welt gehören möchte und gerne in der Bundesliga spielen würde. Und er berichtet von einer lebensbedrohlichen Krankheit und erklärt, welche Rolle Humor in seinem Leben spielt. Zum Interview...

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Frage: Hallo Ahmed, erst einmal Glückwunsch zu deinem Erfolg bei der Jugendweltmeisterschaft!

Antwort: Ja, ein großer Erfolg.

F: Konntest du dir vorstellen, dieses starke Turnier zu gewinnen, bevor du zur Weltmeisterschaft gefahren bist? Wann hast du erkannt, dass du eine Chance hast, Weltmeister zu werden?

A: Gut, ich habe gedacht, dies ist mein letztes Jahr U-20, also müsste ich gut abschneiden, aber ich habe nicht erwartet, hier zu gewinnen. Tatsächlich habe ich erwartet, unter die ersten fünf zu kommen, mein Verband und mein ägyptischer Trainer haben allerdings gemeint, ich müsste unter die ersten 15 kommen. Dass ich das Turnier gewinnen könnte, habe ich in der letzten Runde erkannt, die ich gewinnen musste, um Erster zu werden.

F: Wie war das bei der Weltmeisterschaft? Erst hast du geführt, dann hast du zwei Partien nacheinander verloren, aber dann ein Comeback gestartet….

A: Das war wirklich ein großer Erfolg für mich. Ich habe zwei Partien verloren, eine Partie war leicht Remis und in der zweiten Partie stand ich nach perfekter Eröffnungsvorbereitung vollkommen auf Gewinn, aber was soll man machen, wenn man in Zeitnot kommt. Allerdings schaffe ich es meist, ein Comeback zu starten (lacht)..

F: Dieser Sieg war mit Sicherheit das beste Ergebnis deiner jungen Schachkarriere, oder?

A: Natürlich ist es das beste der besten, aber ich hatte schon ein paar gute Ergebnisse, z.B. in Reykjavik, wo ich Performance von 2725 erzielt habe.

F: Du hast schon gegen einige der besten Junioren gespielt (okay, nicht gegen Radjabov, Karjakin, Carlsen); welchen Eindruck hast du von deinen Gegnern? Du hast in der letzten Runde gegen Georg Meier aus Deutschland gespielt, was hältst du von ihm?

A: Ich habe keine Angst vor Spielern mit hoher Elo-Zahl. Übrigens habe ich schon gegen Carlsen gewonnen, mit Schwarz beim Turnier in Reykjavik 2006 (was Susan Polgar dazu brachte, sich zu fragen, wie ein solch unbekannter Spieler gegen den Helden gewinnen konnte!!).

Carlsen - Adly zum Nachspielen...

Die letzte Runde war sehr schwer für mich, weil ich hier nicht nur gut Schach spielen, sondern auch meine Nerven in den Griff kriegen musste, denn nur mit einem Sieg wurde ich Erster, ein Remis hätte mir den zweiten Platz gebracht, was ich natürlich nicht wollte. Georg Meier spielt sehr gut, allerdings glaube ich, er hat das Problem, mit Schwarz zu oft mit Remis zufrieden zu sein. Was übrigens zu einem Problem bei meiner Vorbereitung führte, denn mein ägyptischer Trainer gab mir bei unserem Internet-Chat - er konnte beim Turnier nicht dabei sein - den Rat, Remis zu machen… doch ich hatte das Gefühl, ich könnte gewinnen (lacht).


Georg Meier

Partie Adly gegen Meier zum Nachspielen...

F: Wie verlief deine Schachkarriere: Von wem hast du Schach gelernt, welche Trainer hattest du in den letzten Jahren?

A: Tatsächlich habe ich mit Fechten begonnen und war darin so gut, dass meine Fechttrainer mir eine glänzende Zukunft prophezeiten. Aber als ich Schach gelernt habe, gefiel mir Schach besser und als ich neun Jahre alt war, meinte mein ägyptischer Trainer, ich würde der erste ägyptische Großmeister werden. Tatsächlich war es dann mit 16 so weit.

Meine Trainer: 1. Hassan Khaled: Technischer Direktor des ägyptischen Schachverbands. Ich verdanke ihm sehr viel, da er mein Schachtalent entdeckt hat, als ich jung war. Auch heute noch hilft er mir im psychologischen Bereich und bringt mich nach vorne.

2. Igor Rausis: Er trainierte mich 2001 für drei Monate, was mir geholfen hat, etwas über Weltmeister zu lernen. Allerdings hat er damals nicht geglaubt, dass ich ein guter Schachspieler werden könnte. Dafür war er 2007 derjenige, der geglaubt hat, dass ich Jugendweltmeister werden könnte und mir den Rat gab, in der letzten Runde auf Gewinn zu spielen (lacht).

3. Edvin Kengis: Er trainierte mich 2005 ein Jahr lang und ich verdanke ihm unendlich viel, da er an mein Schachtalent geglaubt hat, und mir gezeigt hat, wie ich ein starker Schachspieler werden kann.

F: Wie wurdest du bei der Rückkehr nach Ägypten empfangen? Weiß irgendjemand, dass du Weltmeister bist?

A: Der Empfang in Ägypten war nichts Besonderes, aber ein paar Medien haben angefangen, sich für Schach zu interessieren, also hoffe ich, dass dies in Zukunft besser wird.

F: Ägypten gehört nicht zu den klassischen Schachländern; hat Schach in Ägypten einen kulturellen Hintergrund oder kulturelle Bedeutung?

A: Schach ist in Ägypten nicht sehr populär, aber als Weltmeister habe ich die Pflicht, meiner Gesellschaft zu helfen und sie verstehen lassen, wie gut Schach ist. Mein Traum ist es, dass ich für das Schach in Ägypten einmal das tun kann, was der große Petrosian für das Schach in Armenien getan hat.

F: Du bist der erste afrikanische Weltmeister, ist das für dich von besonderer Bedeutung?

A: Ja, natürlich bedeutet es viel für mich, der erste afrikanische und arabische Weltmeister zu sein. Ich hoffe, das trägt in Zukunft dazu bei, dass Afrikaner und Araber eine Chance haben, an Weltmeisterschaften teilzunehmen.

F: Ich habe in einer deutschen Schachzeitschrift gelesen, dass du vor ein paar Jahren zusammen mit ein paar anderen Schachspielern ein Turnier in Nigeria gespielt hast. Alle von euch haben sich mit Malaria infiziert, aber du hast das überlebt, weil dein nächstes Turnier in Griechenland stattfand und du dort in einem guten Krankenhaus warst. Stimmt diese Geschichte?

A: Ja, das geschah leider, als wir an der Afrika-Olympiade teilnahmen. Ich war schwer krank und bin beinahe gestorben. Vorher wog ich 60 Kilo, nach der Krankheit 32 Kilo, man kann sich also vorstellen, wie schwer die Krankheit war. Zwei Jahre konnte ich kein gutes Schach spielen, aber der Tod zweier meiner Mannschaftskameraden, die nicht so schwer krank waren wie ich, hat mich viel mehr erschüttert. Also Gott sei Dank, dass ich noch am Leben bin.

F: Ich kenne dich seit dem Dubai Open 2004 und ich kann mich nicht erinnern, dich je nicht in scherzhafter Stimmung sehen zu haben? Kannst du ernsthaft sein?

A: Scherze zu machen hilft mir dabei, mich gut zu fühlen, aber natürlich kann ich auch ernst sein, vor allem am Schachbrett! Ich möchte keiner dieser Spieler sein, die psychologische Probleme haben und außer Schach nichts im Leben haben. Ich ziehe es vor, sozial zu sein und viele Freunde zu haben (lacht).


(Fast) immer guter Dinge: Jugendweltmeister Ahmed Adly

F: Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wie wichtig war dieser Sieg für deine Karriere?

A: Nun, ich hoffe, in Zukunft um die Weltmeisterschaft spielen zu können und zu den Top Ten im Schach zu gehören. Natürlich ist dieser Sieg sehr wichtig für meine Schachkarriere, vor allem, weil er es mir jetzt leichter macht, Einladungen zu starken Turnieren in der ganzen Welt zu erhalten, worüber ich mich sehr freue, da ich meine Tickets nicht mehr selbst bezahlen muss (lacht).

F: Hast du je ein Turnier in Deutschland gespielt?

A: Leider noch nicht, aber ich träume davon, für eine starke Mannschaft in der Bundesliga zu spielen, die ich für eine der stärksten Ligen der Welt halte.

F: Ahmed, danke für das Interview und die Zeit, die du dir genommen hast

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