Altibox Norway Chess: Firouzja und Caruana starten mit Siegen

von André Schulz
06.10.2020 – Im Duell der Jugend siegte zum Auftakt des Norway Chess Turnier in Stavanger Alireza Firouzja gegen Jan-Krzysztof Duda. Fabiano Caruana setzte sich gegen den dritten jungen Spieler im Feld, Aryan Tari durch. Magnus Carlsen gewann gegen Levon Aronian im Armageddon. | Fotos: Altibox Norway Chess

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Zum achten Mal wird in Stavanger das Altbox Norway Chess Turnier ausgetragen. In diesem Jahr war es nicht leicht, die Tradition fortzuführen. Eigentlich wäre ein Termin in der ersten Hälfte des Jahres "normal" gewesen, aber in diesem Jahr ist angesichts der CORVID-19-Pandemie nicht normal. Die weltweite Infektionswelle flammt derzeit neu auf und so dürfen sich die Schachfreunde überall in der Welt freuen, dass diese Turnier überhaupt und vor allem real, also mit den Spielern vor Ort, an Tischen, mit Holzbrettern und Holzfiguren stattfindet. 

Der Weltmeister und norwegische Lokalmatador Magnus Carlsen ist wieder am Start, mit Fabiano Caruana und Levon Aronian zwei weitere internationale Großmeister der Extraklasse. Dazu hat man mit Aryan Tari ein norwegisches Talent und mit Alireza Firouzja den weltbesten Nachwuchsspieler eingeladen. Eigentlich war Anish Giri als sechster Mann vorgesehen. Der Niderländer zog es aber angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen vor, zuhause zu bleiben. Stattdessen spielt der junge polnische Spitzenspieler Jan-Krzysztof Duda.

Das Turnier mit sechs Großmeistern wird in zwei Umgängen mit Turnierbedenkzeit gespielt. Remisvereinbarungen vor dem 30. Zug sind nicht erlaubt. Und offenbar hat man sich in Norwegen vorgenommen, das Remis ganz auszumerzen. Wenn nämlich eine Partie remis endet, dann folgt nach einer kurzen Pause eine Armageddon-Partie in der gleichen Farbverteilung - Weiß mit einer Minute mehr auf der Uhr muss gewinnen, Schwarz reicht ein Remis zum... ja, zu was eigentlich? Zu einem Halbsieg? Die Punktevergabe spiegelt es wieder: Ein "normaler" Gewinn bringt drei Punkte, eine Niederlage 0 Punkte. Ein "Halbsieg" nach Armageddon bringt 1,5 Punkte für den Sieger und 1 Punkt für den Verlierer.

Es gab auch schon mal zu Anfang des 20. Jahrhunderts Experiment in dieser Richtung. Endete eine Partie beim Turnier in Paris 1900 beispielsweise remis, wurde ein Wiederholungspartie gespielt.

Schach lebt auch von seiner großen Tradition und man sollte an den Regeln nicht zu sehr herumdoktern. Das Remis ist ein Ergebnis, das zum Schachspiel dazu gehört und es gibt viele schöne und spannende Remispartien. Nur wenn beide Spieler keine Lust haben etwas zu riskieren, dann wird es mitunter langweilig. Das wird sich aber nicht durch Anhängen einer Elfmeterschießen-Partie ändern. 

Magnus Carlsen sucht Unterstützung

Levon Aronian und Magnus Carlsen produzierten in der Nimzoindischen Verteidigung eine ruhige und ausgeglichene Partien, in der die Luft bald raus war. Vor dem 30. Zug sind Remisvereinbarungen nicht erlaubt. Ab dem 30. Zug aber schon und so wurde die Partie im 30. Zug remis.

 

Remis. An den Isolani kommt Weiß nicht heran.

Levon Aronian in bunt

Es folgte also eine Armageddon Partie und hier musste Aronian gewinnen, wenn er auf 1,5 Punkte kommen wollte. Carlsen reichte ein Remis. In einer ausgeglichenen Stellung, die ihm auch nichts nutzte, stellte Aronian eine Figur ein.

 

37.Td8 wäre OK gewesen, wahrscheinlich mit Remis. Weiß spielte 37.Ka3 und stellte damit seinen Turm ein 37...De3. Halbsieg für Carlsen.

Alireza Firouzja

Eine durchweg spannende Partie lieferten sich Jan-Krzysztof Duda und Alireza Firouzja in der der Caro-Kann Verteidigung, Firouzja mit Schwarz. In der Offenen Variante mit 4...Lf5 rochierte Weiß lang und Schwarz kurz. Firouzja brachte ein Bauernopfer und kam dann mit seinem Angriff am Damenflügel zuerst, aber Weiß verteidigte sich. Nach dem Damentausch wechselte im Endspiel die Dynamik. Schwarz spielt nun mit seinen Freibauern am Königsflügel, Weiß am Damenflügel.

 

28... a5 [Nun droht Sxb2.] 29.Txc4 Tcxc4 30.Ld2 Tb5 31.Lxa5 Txh5 [Ein interessantes Endspiel. Materiell ist es ausgeglichen. Weiß hat drei verbundene Freibauern am Damenflügel, Schwarz 4:2 Bauern am Königsflügel.]

32.Tg1 Tb5 33.Ld2 h5 34.c3 g5 35.Kc2 [Weiß braucht etwas Zeit, um seine Bauern in Bewegung setzten zu können.]

35...g4 36.Sc1

 

36... g3!? [Das Endspiel wird sicher von Karsten Müller gründlich untersucht werden.]

37.b3 Tc8 38.a4 Tf5 39.Se2 h4 40.c4 e5 41.Le3 Lg5 42.Lxg5 Txg5 43.Th1 Th5 44.Kc3 [44.Sxg3 Tg5 45.Se4 Txg2+ 46.Kc3 mit offenem Ausgang, kam auch in Betracht.]

44...f5 45.b4 f4 [Die schwarze Idee ist h4–h3 und Durchbuch des g-Bauern.]

46.a5 [Danach bricht Schwarz wie gewünscht durch. Die Maschine empfiehlt 46.Sg1 e4 47.fxe4 Te8 48.Sh3 Txe4 49.Tf1 mit offenem Ergebnis.]

 

46...h3 47.gxh3 e4 48.fxe4 g2 49.Tg1 Txh3+ 50.Kd4 f3 51.c5 Kf7 [Oder 51...Th1 52.a6 Txg1 53.Sxg1 f2] 52.Sf4 f2 

0–1

Fabiano Caruana

Die Partie zwischen Aryan Tari und Caruana ist auch eröffnungstheoretisch interessant und entstand aus der Fianchettovariante der Sizilianischen Tajmanov-Variante.

 

Schwarz hat in der Eröffnung einen Bauern gegeben, steht hier etwas aktiver und hat im Moment die bessere Leichtfigur. Weiß kann nicht viel machen. 31.Lf1?! [Gibt die Röntgendeckung von e4 auf. Besser war 31.Te2 und falls 31...Tb8 32.Te3 b5 so 33.b4]

31...f5! 32.exf5 Txd5 [Damit hat Schwarz seinen Bauern zurückbekommen, denn der f5 wird nicht zu halten sein.]

33.Td3 Tcc5 34.Tad1 Txd3 35.Lxd3 e4 36.Le2 Sxf5 37.Lb5 Sd6 38.Le2 Ke6 39.Tc1 Ke5

 

[Das Endspiel ist in der Hand von Caruana gewonnen. Schwarz steht viel aktiver und hat einen schönen Freibauern. Man kann die sauberer Technik von Caruana bewundern.]

40.Td1 Tc7 41.Kg2 b6 42.La6 Tf7 43.Le2 Tf8 44.Tb1 Sf5 45.b4 Se3+ 46.Kg1 Sd5 47.Tb3 Tc8 48.bxa5 bxa5 49.c4 Sb4 50.Tb1 Kd4 51.Lf1 Sd3 52.Tb5 Tc5 53.Lxd3 exd3 54.Kf2 Kxc4 55.Tb1 Te5 0–1

Ergebnisse

Levon Aronian – Magnus Carlsen 1-1.5 (½-½, 0-1)
Aryan Tari – Fabiano Caruana 0-3
Jan-Krzysztof Duda – Alireza Firouzja 0-3

Stand

1-2. Caruana, Firouzja 3
3. Carlsen 1.5
4. Aronian 1
5-6.  Duda, Tari 0

Partien

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Krennwurzn Krennwurzn 06.10.2020 12:39
Da Schach sehr wahrscheinlich REMIS ist und man für den Gewinn FEHLER des Gegners braucht, muss man versuchen das RISIKO belohnen den Gegner in einen Fehler zu treiben .

Ob das aktuelle Elferschießen das Gelbe vom Ei ist ... naja vielleicht kommen mal bessere Ideen ins Spiel.
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