Am Besten ist, wenn nichts passiert

27.11.2008 – Schiedsrichter, Unparteiische, Referees. Wie man sie auch nennt, sie haben es meist nicht leicht. Im Idealfall müssen sie gar nicht in Erscheinung treten, greifen sie ein, macht man sie gern zum Sündenbock. Nun ist Schiedsrichter beim Schach zu sein, sicher nicht so anstrengend wie Schiedsrichter beim Tennis, Fußball oder Basketball zu sein. Aber der Job hat dennoch seine Tücken. Anlässlich der Schacholympiade veröffentlichte die Neue Westfälische ein kurzes Porträt von Dirk Husemann, der Schiedsrichter in Dresden war, und Sebastian Siebrecht sprach für die Dresdner Neuesten Nachrichten mit Ralph Alt (Bild), dem Bundesturnierdirektor des Deutschen Schachbundes.Artikel in der Neuen Westfälischen...Zum Interview mit Ralph Alt...

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Wir machen das der Sache, nicht des Geldes wegen!" Schiedsrichter Ralph Alt über die Aufgaben der Unparteiischen und ihre Akzeptanz bei den Spielern.
Interview: Sebastian Siebrecht

Ralph Alt ist Bundesturnierdirektor des Deutschen Schachbundes (DSB). Der 61-Jährige leitet die Deutschen Einzelmeisterschaften und ist bei der Olympiade in Dresden als Sektorschiedsrichter im Einsatz. Für den Vorsitzenden Richter am Landgericht in München ist Neutralität oberstes Gebot. Die Dresdner Neuesten Nachrichten sprachen mit ihm über die Arbeit der Unparteiischen.

Wie groß ist das Schiedsrichterteam bei der Olympiade?

Ralph Alt: Wir sind insgesamt 113 Schiedsrichter. Davon sind 99 Matcharbiter, sieben Seniorarbiter, zwei Deputies und ein Hauptschiedsrichter. Darüberhinaus gibt es vier Mitglieder des TAP (Technical Administation Panel). Im Team sind vier Frauen und 50 ausländische Kollegen.

Was ist zu tun?

Wir müssen mindestens eineinhalb Stunden vor der Spielbeginn im Kongresszentrum sein. Ich teile die Schiedsrichter für die verschiedenen Kämpfe meines Sektors ein. Hierbei muss ich die Nationalität beachten. Dann müssen der korrekte Aufbau der Figuren kontrolliert und diese ausgerichtet werden. Auch die Bedenkzeit muss eingestellt werden. Während des Kampfes ist darauf zu achten, dass die Schachregeln eingehalten werden. Wir müssen die Ergebnisse erfassen und eine Spielbericht schreiben. Die Rundenauslosung erfolgt durch die TAP.


Alles unter Kontrolle: Blick auf das Spielgeschehen bei der Olympiade

Sind Streitfälle vorgekommen?

Das Turnier ist sehr ruhig verlaufen. Bei Zeitnot müssen wir bei Blättchenfall einschreiten. Partieverlust wegen Handyklingelns gab es nur einmal. Bezüglich der neuen Regel in Sachen Zuspätkommen (absolute Pünktlichkeit am Brett bei Rundenbeginn) mussten wir fünf Partien als verloren werten.

Wie ist die Struktur im Schiedsrichterwesen, kann man Titel erwerben, wie die Spieler?

Man fängt als Turnierleiter an. Dann kommt die Prüfung zum Regionalen Schiedsrichter. Die nächste Stufe ist der Nationale Schiedsrichter, welcher zumeist auch in der Bundesliga eingesetzt wird. Darüber kommt der Fide-Arbiter, die höchste Stufe ist der Internationale Schiedsrichter. Mindestens zwei Jahre muss sich der Schiedsrichter in der jeweiligen Stufe beweisen, zudem muss er Prüfungen ablegen.

Kann man davon leben?

Nur der Hauptschiedsrichter Ignatius Leong hat einen Posten im Generalsekretatriat der Fide und ein geregeltes Einkommen.


Hauptschiedsrichter Ignatius Leong (links) mit seinem Chef Kirsan Ilyumzhinov

Der Hauptteil der Schiedsrichter tritt für Spesenersatz an. Die Matchschiedsricher werden nach Fide-Statuten bezahlt und erhalten für die zwei Wochen Einsatz bei der Olympiade 750 Euro plus Vollverpflegung und Unterbringung im Doppelzimmer. Die meisten nehmen ein Einzelzimmer, dann werden 250 Euro abgezogen. Da bleibt kaum etwas übrig. Die deutschen Schiedsrichter mussten zuvor auch noch einen Lehrgang - im Juli oder den im September - hier in Elbflorenz besuchen. Auf größtenteils eigene Kosten. Wir machen das der Sache, nicht des Geldes wegen!

Wie sind Sie mit dem Turnier zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Es gab so gut wie keine Streitfälle. Wir werden von den Mannschaften als Respektpersonen geachtet. Dies ist nicht immer der Fall. Ein klarer Unterschied zwischen nationalen und internationalen Veranstaltungen. In der Bundesliga haben die Schiedsrichter einen anderen Stellenwert.

Gab es gar kein besonderes Vorkommnis?

Leider kam es zu einem Vorfall. Unser Schiedsrichter, Detlef Wickert, wurde aufgrund eines Disputs mit dem Fide-Offiziellen vom Exekutiv-Board, George Mastrokoukos, aus dem Turnier ausgeschlossen. In Zeitnot wies er ausgerechnet diesen mit etwas physischem Nachdruck zurecht, da dieser sich direkt am Brett sehr laut unterhielt. Wir versuchen, den Spielern gerecht zu werden und für gute Spielbedingungen zu sorgen, so dass diese sich nur auf die Partie konzentrieren können. Der beste Schiedsrichter ist der, der souverän arbeitet und für die Spieler kompetent auftritt und nur in kritischen Situationen eingreift.


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