Amsterdam: Jugendmannschaft siegt

30.08.2006 – Trotz einer Niederlage in der 9.Runde gegen Alexander Beliavsky qualifizierte sich Magnus Carlsen (Foto) als bester Jugendlicher für das kommende Amberturnier in Monaco. Der Norweger kam auf 6,5 Punkte und war zusammen mit Alexander Beliavsky der beste Einzelspieler. In der Mannschaftswertung besiegte das Team der Nachwuchsspieler die Mannschaft der erfahrenen früheren Spitzenspieler mit 28:22. In einem Interview mit Doggers schaak berichtet John Nunn über seine Erfahrungen. Das Turnier fand im Scheveninger System im Amsterdamer NH Grand Hotel Krasnopolsky statt (19. bis 29.August) und wurde von der NH-Hotelkette und der Max Euwe Gesellschaft durchgeführt. Turnierseite mit Livepartien und Livestream...  Interview mit John Nunn bei Doggers schaak...Bericht, Fotos, Partien...

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Jungstars gegen Erfahrung: 28:22 (Endstand)
 

Jungstars:
1 Carlsen, Magnus g NOR 2675 6.5 2700
2 Karjakin, Sergey g UKR 2679 6.0 2662
3 Wang Hao g CHN 2610 5.5 2626
4 Stellwagen, Daniel g NED 2575 5.0 2590
5 Smeets, Jan g NED 2532 5.0 2590
 
Erfahrung:
1 Beliavsky, Alexander G g SLO 2625 6.5 2724
2 Ljubojevic, Ljubomir g SCG 2551 4.5 2578
3 Andersson, Ulf g SWE 2542 4.0 2542
4 Jussupow, Artur g GER 2617 3.5 2504
5 Nunn, John D.M g ENG 2617 3.5 2504

NH Amsterdam: alle Partien...

Fotos: Max Euwe Gesellschaft


Ljubomir Ljubojevic zeigt seine Partie gegen Smeets

Alexander Beliavsky war der einzige Spieler aus der Mannschaft der erfahrenen Haudegen, der mit den jungen Spielern richtig mithalten konnte. Als bester Spieler seiner Mannschaft kam er auf 6,5 Punkte, genau soviel wie der beste Jugendliche Magnus Carlsen am Ende aufwies, und zwei Punkte mehr als der Nächstbeste Ljubomir Ljubojevic (4.5). Dem einzigen deutschen Spieler im Telnehmerfeld, Artur Jussupov, ging zum Schluss "die Luft aus". Er verlor die letzten drei Partien und teilte schließlich mit John Nunn den letzten Platz.

In einem Interview bei Doggers schaak teilte Nunn mit, dass er das doppelrundige Turnier mit insgesamt 10 Runden sehr anstrengend fand. Eigentlich hätte er seiner Elo-Zahl gemäß bei 5 Punkten landen müssen. Da er mangels Praxis und mit einer Turnierpause von nun sechs Jahren aber eher schlechter spiele, als seine Elozahl ausweist, hatte er sich ein Ziel von 4 Punkten vorgenommen, dass er jedoch um einen halben Punkt verfehlte.

Mit einer Mannschaftsergebnis von 28:22 entschieden die Jugendlichen das Treffen klar für sich. Magnus Carlsen erwies sich dabei als bester Punktesammler. In der 9. Runde widerfuhr ihm dem jungen Norweger dabei sogar eine Niederlage gegen Beliavsky, der sich als zäher Verteidiger erwies und dann einen erfolgreichen Konter platzieren konnte. Dennoch kam Carlsen auf 6,5 Punkte und entschied die Individualwertung für sich. Damit hat er sich für das kommende Amberturnier in Monaco qualifiziert.

Vergleicht man die beiden jüngsten großen Talente im Schach - Magnus Carlsen und Sergey Karjakin - miteinander, so macht der Norweger den Eindruck eines noch ungeschliffenen Rohdiamanten mit vielen Facetten, während Sergey Karjakins Stil ausgereifter wirkt. Dementsprechend sind die Ergebnisse. Carlsen gewinnt öfter, probiert Dinge aus, und verliert auch mal, weil etwas nicht funktioniert hat. Karjakin riskiert weniger, spielt öfter Unentschieden und verliert seltener. Zumindest für das Turnier in Amsterdam traf dies zu. Mit seinem Stil kam Karjakin auch auf 6 Punkte, wobei er ausgerechnet Jussupov zwei ganze Punkte abnahm.


Magnus Carlsen am Demobrett

Eine interessante Einladung war der Chinese Wang Hao.


Wang Hao (re.)

Der Name könnte in China etwa so häufig sein wie Michael Müller in Deutschland. Jedenfalls gibt es einen berühmten chinesischen Philosophen und Mathematiker gleichen Namens und auch der derzeitige Weltranglistenerste im Tischtennis heißt so. Als der völlig unbekannte Wang Hao im letzten das Dubai Open gewann hat er die Fachwelt und auch sich selbst völlig überrascht. Inzwischen hat der nun 17-jährige sich auf eine Zahl von 2610 katapultiert und würde vermutlich höher gewertet sein, wenn er mehr Gelegenheit zu Turnieren hätte. In Amsterdam kam er auf 5,5 Punkte.

Die beiden einheimischen Kräfte im Feld, Danel Stellwagen und Jan Smeets,  kamen beide auf 5 Punkte, aber auf ganz verschiedenen Wegen. Stellwagen verlor gegen Jussupov und bezwang Beliavsky, seine übrigen Partien endeten Unentschieden. Smeets remisierte gegen Andersson und Jussupov und entschied alle anderen Partien so oder so.


Jan Smeets (re) besiegte Artur Jussupov in der letzten Runde

Ulf Andersson, in seinen Glanzzeiten für seine Vorliebe für bisweilen sehr lange Partien bekannt, sorgte in Amsterdam für die kürzeste entschiedene Partie. Gegen Carlson gelang es ihm, einen Bauern zu gewinnen, doch im folgenden Gegenspiel geriet er so ins Grübeln, dass ihm bei zunehmend komplizierter Position die zeit ganz weglief und er nach einem netten Angriffszug von Carlsen aufgab. Da war außer den Zuschauern auch der Norweger überrascht, denn die Schlussstellung ist vielleicht besser für ihn, aber weit von einem Gewinn entfernt.


Anderssen und Carslen

Organisiert wurde das Turnier von der Max Euwe Gesellschaft in Koperation mit der NH -Hotelkette. Schauplatz war das schicke Grand Hotel Krasnopolsky gegenüber vom niederländsichen Könisgpalast.

Für die Schachfans weltweit boten die Organisatoren ein Novum, denn außer den Partien wurde auch die Videostreams über die Turnierwebseite in die Browser übertragen, eine Technik, die zuvor nur im Fritzserver zu sehen war.


Ruslan Ponomariov als Sekundant


Geurt Gijssen spricht mit Peter Heine Nielsen

André Schulz

 

 



Themen: Amsterdam 2006
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