Anand bleibt Weltmeister

29.10.2008 – In der heutigen 11. Partie des Wettkampfes um die Weltmeisterschaft zeigte sich Viswanathan Anand unbeeindruckt von der Niederlage in der 10. Partie und verwandelte seinen zweiten "Matchball". Erstmals in diesem Match spielte er seinen Standardzug 1.e4. Kramnik versuchte, mit der von ihm selten gespielten Najdorf-Variante scharfes Spiel zu erreichen, doch Anand wich schnell auf weniger bekanntes Terrain aus und hatte keine Mühe, die Partie unter Kontrolle zu halten. Nachdem Anand Damentausch forcierte, stellte Kramnik in einem etwas schlechteren Endspiel bald seine Bemühung ein und bot Remis an. Anand gewinnt den WM-Kampf mit 6,5:4,5 und bleibt Weltmeister. Herzlichen Glückwunsch! Turnierseite... Analysen bei Spiegel-online...Bericht, Bilder, Partien...

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Schachweltmeisterschaft Anand vs. Kramnik
Die 11.Partie

Text: André Schulz
Fotos: Wolfgang Rzychon





Anand reicht mit Weiß ein Remis, Kramnik muss gewinnen. Das waren heute die Voraussetzungen für die 11. Wettkampfpartie der Schachweltmeisterschaft in Bonn. Anand, der sonst fast immer mit dem Königsbauern eröffnet, hatte sich für diesen Wettkampf 1.d4 als Hauptwaffe zurecht gelegt und war damit anfangs  sehr gut gefahren. Mit seinem Weißsieg in der sechsten Partie hatte der Titelverteidiger auf 3:0 nach Siegen erhöht und ging mit diesem Vorsprung in die zweite Halbzeit. Hier verpuffte aber allmählich die Überraschungswirkung von Anands neuer Eröffnung und Kramnik machte Boden gut. In der 9. Partie war der Herausforderer schon dem Sieg sehr nahe.

Neben dem Überraschungseffekt lag für Anand ein weitere Grund für seinen Eröffnungswechsel im Schwarzrepertoire Kramniks nach 1.e4. Dessen beide Hauptwaffen sind die Russische Verteidigung und die Berliner Variante in der Spanischen Partie - zwei sehr spröde Festungen, die kaum zu knacken sind. Für Anand ging es also in der Vorbereitung auch darum, mit Weiß Eröffnungen zu finden, in denen man gegen Kramnik auf Gewinn spielen kann. Beim Wettkampstand vor der 11. Partie - zwei Punkte Vorsprung für Anand - haben sich die Bedingungen aber gänzlich geändert. Jedes Remis ist dem Titelverteidiger recht, denn es bringt den Wettkampfsieg.

Anand eröffnete heute mit seinem Hauptzug, 1.e4 und hätte eine defensive Verteidigung sicher gerne gesehen. Für Kramnik machte es natürlich keinen Sinn mit seinen Standardverteidigungen zu antworten - er muss ja gewinnen. Also wählte er die Sizilianische Verteidigung und dort eine der schärfsten Abspiele, die Najdorf-Variante.

Diese hat der Russe zuvor in Turnierpartien nur äußerst selten gespielt. Um allen Vorbereitungen aus dem Weg zu gehen, entschied sich Anand mit 6.Lg5 für die alte Hauptvariante und nicht für den sonst so beliebten und sehr scharfen Englischen Angriff. 6.Lg5 hatte Anand wiederum zuvor nur einziges Mal in einer Turnierpartie gespielt - gegen Loek Van Wely im letzten Jahr in Wijk. 

Zu einem Duell in der Najdorf-Variante ist es zwischen Anand und Kramnik allerdings früher schon einmal gekommen. Beim Turnier in Dortmund 2004 wählte Kramnik diese Verteidigung gegen Anand, der damals allerdings mit dem 6.Le3 antwortete - und gewann.

Nach 7...Dc7 8.Lxf6 gxf6 spielte Anand mit 9.f5 einen Zug, der kürzlich beim Grand-Prix-Turnier in Sotschi zwischen Radjabov und Grischuk auf dem Brett stand. Vermutlich hatte der Weltmeister diese Partie verfolgt. Kramnik zog aber nun nicht wie in dieser Partie 9...Sc6, sondern zentralisierte zunächst mit 9...Dc5 die Dame, ein Zug, der an dieser Stelle schon mehrmals vorher gespielt wurde, u.a. vom Anand-Sekundanten Rustam Kasimdschanov.











Mit 12.exf5 spielte Kramnik den ersten neuen Zug in dieser Variante. In den drei bekannten Vorgängerpartien wurde stets 12...Ld7 gezogen, allerdings gingen alle drei Partien für Schwarz verloren. Mit seiner Antwort 13.De3, einem vorübergehenden Bauernopfer, verursachte der Weltmeister bei Kramnik nun seinerseits einiges Nachdenken.



Im weiteren Verlauf der Partie gab Anand die Kontrolle nicht aus der Hand, halbierte das schwarze Läuferpaar und besaßdie bessere Bauernstruktur, während der schwarze König unsicher stand. Anand selbst forcierte dann durch Damentausch den Übergang ins Endspiel, wo die schwarzen strukturellen Probleme weiter Bestand hatten. In einem etwas schlechteren Endspiel, in dem Schwarz kaum auf mehr als Remis hoffen durfte, stelle Kramnik schließlich im 24.Zug seine Bemühungen ein und bot Remis an. Anand akzeptierte natürlich, gewinnt somit den Weltmeisterschaftskampf 2008 in Bonn und bleibt Weltmeister.

 

 

 


Prominente Zuschauer




Prof. Robert von Weizsäcker (2.v.l.), Jeroen van den Berg


Pia, Madelaine, Tanja von Kelly Faces


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Vlastimil Hort macht Faxen. Demnächst ist seine DVD im ChessBase-Shop erhältlich


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Ehepaar Andreae: Schach-WM am Arbeitsplatz - super


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Der frühere BL-Schiedsrichter Heinz-Josef Ulrich kam extra aus seiner neuen Heimat Portugal,
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