Anand gegen Carlsen: Noch zwei Wochen...

23.10.2013 – In etwas mehr als zwei Wochen wird in Chennai die erste Partie des WM-Kampfes zwischen Viswanthan Anand und Magnus Carlsen gespielt. Von Anand weiß man, dass er sich wieder in Bad Soden vorbereitet hat. Dabei hat er auch viel Wert auf körperliche Fitness und Ausdauer gelegt. Entscheidet die bessere Physis über den Ausgang des Wettkampfes? Anand und Carlsen...

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Anand gegen Carlsen: Die Spannung steigt...

Am 7. November wird offiziell der mit Spannung erwartete Wettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen eröffnet. Die erste Partie wird am 9. November gespielt. Bisher trat Anand dreimal zur Titelverteidigung an, 2008 gegen Kramnik in Bonn, 2010 gegen Topalov in Sofia und 2012 gegen Gelfand in Moskau. Dreimal war Anand erfolgreich, aber die Ergebnisse wurden immer knapper. Gegen Kramnik gewann er noch recht deutlich, auch dank der besseren Vorbereitung und des besser arbeitenden Teams. Gegen Topalov war das Ergebnis schon knapper und gegen Gelfand gewann Anand erst im Stichkampf.

Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass Anand sich zur Vorbereitung auf seine Wettkämpfe nach Bad Soden zurückzeiht. Der Ort bei Frankfurt liegt sehr zentral und günstig, um dort die Sekundanten aus den verschiedensten Ländern zu versammeln, ohne dass diese  allzu lange Anfahrten haben - die weiteste Anreise hat vermutlich Anand selbst. So kann es also passieren, dass man durch Bad Soden läuft, vielleicht zu Mittag od am Abend beim "Italiener" ist, und plötzlich einer Gruppe von spielstarken Schachgroßmeistern begegnet, darunter dem Schachweltmeister. Außer der zentralen Lage und der Nähe zum Flughafen Frankfurt sprach noch etwas für Bad Soden. Hier ist der frühere "Chess Classic" Organisator Hans-Walter Schmitt zuhause und hat das "Chesstiger"- Trainingszentrum ins Leben gerufen.

Dieses kann Anand auch für seine Zwecke nutzen. Zudem hat sich das Chesstiger-Team in der Vergangenheit als wichtiger organisatorischer Rückhalt für den Weltmeister erwiesen. Als Anand 2010 auf seiner Anreise nach Sofia nach seinem Zwischenstopp in Frankfurt wegen des Vulkanausbruchs in Island festsaß, organisierten die Chesstigers schnell einen Minibus mit Fahrer, der Anand mit seiner Mannschaft nach Sofia kutschierte. Und Hans-Walter Schmitt wird von Anand inzwischen schon als Privat-Maskottchen angesehen. Wenn der frühere Siemens-Manager dabei war, ging es immer gut aus für den Weltmeister. Schmitt gehört zu den Sorte Mensch, die Probleme aus dem Weg räumen - bisweilen im wörtlichen Sinne.

Diesmal war es für Anand besonders wichtig, sich weit weg, nach Bad Soden zurück ziehen zu können. Der Wettkampf wird in Chennai, in seiner Heimatstadt ausgetragen. Dort ist Anand so populär, dass die Kinder ihm hinterherrufen, wenn sie ihn auf der Straße entdeckt haben.  Schon einmal, 1994, spielte Anand in Indien einen Wettkampf, damals gegen Kamsky - doch der Rummel um seine Person hat seiner Konzentration damals nicht gut getan. In Bad Soden ist man da etwas gelassener. 

Auch für die Vorbereitung auf seinen Wettkampf gegen Carlsen ist Anand wieder in Bad Soden in Klausur gegangen. Um die Zusammensetzung der Teams wird traditionell ein großes Geheimnis gemacht. Schließlich könnte man aus den Sekundanten möglicherweise auf die Eröffnungen schließen, die für das Match vorbereitet wurden. Wer sind Anands Sekundanten? Die Schachinteressierten Einwohner von Bad Soden wissen es vermutlich ganz genau. Alle anderen müssen raten. Einfacher ist es, die Spieler zu nennen, die nicht mehr dabei sind. Peter Heine Nielsen, der bei den letzten Kämpfen als Sekundant von Anand dabei war, arbeitet demnächst wieder für Carlsen und bleibt deshalb fairerweise bei diesem Wettkampf ausdrücklich neutral. Rustam Kasimdzhanov ist auch nicht mehr dabei. Die beiden Topsekundanten vemuten, dass sie im Zuge verschiedener WM-Vorbereitungen mehr Zeit miteinander verbracht haben, als mit ihren Frauen bzw. Lebensgefährtinnen. Vom "alten" Anand Team bleiben noch Radoslaw Wojtaszek und Surya Shekhar Ganguly. Aber natürlich hat Anand sich noch ein paar weitere Topspieler ins Boot geholt.

Und Carlsen? Magnus Carlsen hat auf seiner Facebook-Seite ein paar Bilder eines Vorbereitungscamps im August in Kragerö veröffentlicht. Dort sieht man ihn auf Fotos bei allen möglichen sportlichen Aktivitäten. Carlsen ist körperlich topfit, das ist sicher. Auch ein Video wurde eingestellt. Zwischen herum liegendem Tennisschlägern, Bällen und einem angebissenen Äpfeln blitzt der Norweger gegen Laurent Fressinet. Auch ein Schachbuch ist zu sehen: ein zerlesenes Exemplar des Endspielbuches von Karsten Müller und Frank Lamprecht. Ist das Arrangement nur zufällig so gewählt? Was ist die Botschaft: Ich bin topfit und studiere Endspiele?

Ist Fressinet in Chennai mit dabei? Vermutlich nicht. Carlsen kommentierte das Video mit "Eine Blitzpartie gegen eine Freund. Zu langsam, zu schwach. Aber ein netter Typ." Wenig überraschend wäre es aber, wenn Carlsens Schach-und Schulfreund Jon Ludvig Hammer mit ihm Team wäre. Aber wer sonst noch? Anfang Oktober geisterte eine Meldung der norwegischen Boulevard-Postille VG Net durch die Schachgemeinde, aufgeregt weiter getwitter, in der Carlsen mit Kasparov in Zusammenhang gebracht wurde. Bei erstem Hinsehen klang es wie "Kasparov hilft Carlsen beim Kampf gegen Anand". Bei näherem Hinsehen war genau das Gegenteil der Fall: Ein Reporter hatte Carlsen gefragt, ob Kasparow ihm beim WM-Kampf helfen würde. Und Carlsen hat geantwortet: "Nein, aber vielleicht sollte ich ihn mal fragen. Er weiß ja, wie man Anand schlagen kann."

Kürzlich hieß es, Carlsen hätte zur Vorbereitung ein Domizil auf den Malediven bezogen.

Eine nicht unerwartete Dynamik des kommenden WM-Kampfes könnte so sein: Anand ist bis in die Haarspitzen auf alle möglichen Eröffnungen vorbereitet. Carlsen versucht jeder Vorbereitung auszuweichen und spielbare Stellungen zu bekommen und dann seine Stärken zur Geltung zu bringen - viel Energie und gute Ideen in ausgeglichenen, aber noch nicht toten Endspielen. Experten meinen aber, dass es heutzutage alles andere als einfach ist, Stellungen unterhalb des Vorbereitungsradars zu bekommen. Man wird sehen.

Energie und physische Vorbereitung wird in jedem Fall eine Rolle spielen. Wenn einer Spieler in der Lage ist, in jeder Partie 60 Züge und mehr zu spielen, ohne schnell zu ermüden, der andere aber nicht, ist klar, wer hier im Vorteil ist. Diesen Punkt hat offenbar auch Anand erkannt, dessen Affinität zu Bewegungssportarten bisher gerade übermäßig ausgeprägt war. Bei seiner Vorbereitung in Bad Soden hat der inzwischen 43-Jährige deshalb auch viel Wert auf Ausdauertraining und Verbesserung der Fitness gelegt. Anand hat regelmäßig Waldläufe gemacht und sich eine Saisonkarte für das Bad Sodener Bad gekauft, um dort täglich 1000 Meter zu schwimmen. In der Zeit hat er sechs Kilo abgenommen, berichtet die Bad Sodener Zeitung.

 

Das Teaserbild ist allerdings nicht real. Kricket, Volkssport in Indien, hat Anand nur für einen Werbeclip seines Sponsor AMD gespielt:

 

 

 

 

Von André Schulz

Fotos: Chesstigers, VG Nett

Links:

Mate in Chennai...

Turnierseite der WM...

 


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