Andrej Lilienthal wird 95

05.05.2006 – Er hat in der Schachwelt nur Freunde und Verehrer: Andrej Lilienthal, die lebende Legende, wird am Freitag, dem 5. Mai, 95 Jahre alt. Zum Geburtstag des ältesten Großmeisters der Welt in Budapest haben sich Schachfreunde aus nah und fern angesagt, darunter Großmeister Jewgeni Waskjukow, "64"-Chefredakteur Alexander Roschal oder Boris Chropow, Vizepräsident des St. Petersburger Schachverbandes. Gefeiert wird in einem Restaurant an der Donau. Der Berliner Schachjournalist Dagobert Kohlmeyer kennt Andrej Lilienthal seit vielen Jahren und hat seinen Freund in dieser Zeit oft interviewt. Zum Jubiläum des unverwüstlichen Grandseigneurs führte er mit Andrej Lilienthal ein Telefonat, in dem aktuelle Dinge besprochen und Erinnerungen aufgefrischt wurden. Zum Interview...

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Andrej, was macht die Gesundheit?
Danke, ich kann nicht klagen. Auch wenn mein Gehör in letzter Zeit etwas nachgelassen hat, fühle ich mich noch sehr gut. Kommst du zur Feier nach Budapest?


Der Autor zu Besuch in Budapest

Leider bin ich am 5. Mai verhindert, dich persönlich zu ehren, mein Lieber. Aber sicher sehen wir uns beim nächsten Schachevent. Welche Pläne hast du in naher Zukunft? Bist du noch immer so unternehmungslustig, was Schachreisen angeht?
Ja. Nach wie vor erhalte ich Einladungen. Kirsan Iljumschinow hat mich zum Beispiel als Ehrengast zur Schacholympiade nach Turin eingeladen. Ich werde gern mit meiner Frau dorthin fahren. Wir hoffen, dich dort zu sehen.

Ja sicher, Andrej. Lass uns noch einmal darüber reden, wie deine Laufbahn begann. Du hast verhältnismäßig spät damit angefangen, Schach zu spielen.
Meine ersten Züge auf dem Brett machte ich erst mit 16 Jahren. Ich war Schneider von Beruf und arbeitslos, dann aber nahm mich das Schach gefangen und gewann schnell die Oberhand.

Was bedeutet das königliche Spiel für dich?
Ich kann ohne Schach nicht leben. Noch heute analysiere ich jeden Tag, das muss einfach sein. Ich habe in meinem langen Leben unzählige Artikel geschrieben und häufig Analysen anderer Schachmeister widerlegt.


Der Grandseigneur des Schachs beim Simultan in Wien

Du verfolgst noch immer aufmerksam das Schachgeschehen. Was sagst du zum Gipfeltreffen Kramnik - Topalow in Elista?
Ich freue mich sehr darüber. Die Schachwelt braucht nur einen König. Ich mag beide Spieler, aber meine Sympathien gelten Wladimir Kramnik. Er ist hat Kasparow besiegt, ist also ein ganz Großer.


Lilienthal schaut Karpow und Kramnik bei der Analyse zu

Jeder hat seine Lieblingspartie. Bei dir ist es ganz sicher die gegen Capablanca in Hastings?
Ja klar. Viele halten sie für eine unsterbliche. Gegen ein solches Schachgenie erfolgreich die Dame zu opfern, das ist schon etwas ganz Besonderes. Es bleibt ewig im Gedächtnis. Interessant war vor allem, dass Capablanca bis dahin in seinem Leben noch nie in 26 Zügen verloren hatte.

Welche Spiele hast du noch in angenehmer Erinnerung?
1941 habe ich zum Beispiel gegen Botwinnik mit Schwarz strategisch sehr schön gewonnen. Es war schwieriger als gegen Capablanca, da er fast keine Fehler gemacht hat. Oder eine Schwarz-Partie gegen David Bronstein von 1953.

Was war dein größter Turniererfolg?
Ohne Frage der Gewinn bei der sowjetischen Landesmeisterschaft 1940 in Moskau. Stell dir vor, ich blieb in 19 Runden als einziger Teilnehmer unbesiegt.

Du lebst vorwiegend in Budapest. Bobby Fischer war auch eine ganze Zeit dort. Wie lange kennst du ihn schon?
Seit den 50er Jahren, als Bobby zum ersten Mal in Moskau war. Später sahen wir uns zu verschiedenen Olympiaden. Als Fischer im Herbst 1992 mit Spasski in Jugoslawien sein Re-Match spielte, frischten wir unsere Freundschaft wieder auf. In den 90er Jahren hatten wir in Budapest ständig Kontakt.

Wie oft habt ihr euch gesehen?
Mehrmals wöchentlich. Wir verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Es machte mir Freude, mich mit diesem Schachgenie zu treffen. Wir redeten dann über alles Mögliche. Meist zeigte ich ihm etwas am Brett und wir analysierten. Wir haben auch Feste gemeinsam mit Freunden gefeiert.

Du warst ja auch Gastgeber beim Treffen Iljumschinow - Fischer in Budapest...
Das war eine aufregende Sache. Wir verlebten bei uns zu Hause sehr interessante Stunden. Bobby und Kirsan haben dabei auch Schach gespielt, aber nach Fischers Regeln. Wie du dir denken kannst, hatte der FIDE-Präsident keine Chance.

Gibt es Fotos von diesem Abend?
Nein, du weißt doch, dass sich Bobby nicht fotografieren lässt. Für Journalisten hatte er immer wenig übrig. Um sie machte er stets einen großen Bogen. Ich bin übrigens sehr froh darüber, dass Bobby jetzt in Island seine Ruhe gefunden hat.

In deinem Privatleben, Andrej, giltst du als sehr angenehmer Mensch und Frauenfreund.
Ich bin zum dritten Mal verheiratet. Und immer mit russischen Frauen. Sie sind die besten der Welt, ob sie nun Jewgenija, Ludmilla oder Olga heißen. Ich bin übrigens nicht der einzige ausländische Großmeister, der ein Faible für russische Frauen hat. Retis Gattin war eine Schauspielerin aus Russland, Capablanca hatte auch eine russische Frau.

Wie lange lebst du jetzt mit Olga zusammen?
Wir haben vor knapp 20 Jahren geheiratet. Die Zeit kommt mir aber vor wie 20 Tage. Olga ist wesentlich jünger und sorgt sich rührend um mich. Mit einem Wort, sie macht mich glücklich.



Was ist wichtiger im Leben für dich als Schach?
Die Liebe und die Ehe. Ich bin wie gesagt zum dritten Mal unter der Haube, immer gesund geblieben und habe einfach viel Glück im Leben gehabt. Dazu haben drei gute Frauen aus Russland beigetragen. Ich sage jedem, "wenn du glücklich sein willst, versuche einmal, eine russische Frau zu heiraten!"

Danke und Happy birthday!

Biographisches:

Andrej Lilienthal wurde in Moskau geboren. Sein Vater war Elektroingenieur und Auto-Rennfahrer, die Mutter Opernsängerin. Als der Junge zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Ungarn, wo Lilienthal die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Die Verbindung zu Russland verlor er aber nie. Andrej absolvierte eine Schneiderlehre, wurde jedoch schon früh arbeitslos. Er erlernte das Schachspiel erst als Jugendlicher, spielte aber schon nach kurzer Zeit so gut, dass er damit seinen Unterhalt verdienen konnte. Das unstete Leben eines Schachprofis führte ihn durch halb Europa. Im Cafe "Central" in Wien, im "La Regence" in Paris oder im Cafe "König" in Berlin kannte man ihn.



In den 30er Jahren beendete er das Zigeunerdasein und siedelte wieder nach Moskau über. Andrej Lilienthal erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft und spielte mehrmals erfolgreich im UdSSR-Championat. 1940 wurde er gemeinsam mit Igor Bondarewski Landesmeister der Sowjetunion. Er gewann eine Reihe internationaler Turniere und bezwang in seinen besten Jahren Schachgrößen wie Lasker, Capablanca, Euwe oder Botwinnik. Allein sein zu gutmütiger Charakter hinderte ihn wohl daran, ganz nach oben auf den Schacholymp zu kommen.



"Talent ist Talent", sagte Michail Botwinnik schon früh bewundernd über Andrej Lilienthal. Der fünfte Weltmeister der Schachgeschichte bekam die Klasse seines gleichaltrigen Großmeisterkollegen mehrmals am eigenen Leibe zu spüren. Viele Spieler, die selbst Schachlegenden sind, rühmen besonders das goldene Herz Lilienthals. David Bronstein schrieb einmal: " Andrej Lilienthal besitzt das gütigste Herz der Schachwelt. Das hinderte ihn daran, Turniere mit der nötigen sportlichen Bösartigkeit zu spielen. Er hatte am Schachbrett nur Freunde."



Wir zeigen vier herausragende Partien Andrej Lilienthals. Zuerst seine "Unvergängliche" gegen Capablanca, wo er als 23jähriger im englischen Schachmekka Hastings gegen den großen Kubaner spektakulär die Dame opferte. Zwei Begegnungen stammen aus der UdSSR-Landesmeisterschaft 1940, in der Lilienthal als einziger Teilnehmer unbesiegt blieb und am Ende mit Igor Bondarewski den ersten Platz teilte. Unter seinen Opfern war damals auch Botwinnik. Das letzte Spiel ist aus der Moskauer Meisterschaft gegen den Schachromantiker David Bronstein.

Lilienthal- Capablanca, Hastings 1934/35, Nimzoindisch
(Anmerkungen: Andrej Lilienthal)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 b6 Schwarz bereitet die Entwicklung des Läufers nach a6 vor. 6.f3 d5 7.Lg5 h6 8.Lh4 La6 9.e4 Ein Bauernopfer, das Aljechin zum ersten Mal ein Jahr zuvor, ebenfalls in Hastings, gegen Eliskases anbot. Sein Gegner lehnte - wie Capablanca - dankend ab. 9...Lxc4 10.Lxc4 dxc4 11.Da4+ Dd7 12.Dxc4 Dc6 13.Dd3 Weiß vermeidet den Damentausch und baut auf sein bewegliches Bauernzentrum. 13...Sbd7 14.Se2 Td8 15.0-0 a5 16.Dc2 Dc4 Die Dame blockiert zuverlässig den weißen c-Bauern. 17.e5 g5 18.exf6 gxh4 bringt dem Anziehenden nichts ein, da der f-Bauer verloren geht. 17.f4 Tc8 18.f5! e5 19.dxe5 Dxe4


20.exf6!! Ein weit berechnetes Damenopfer. Ich hatte es schon bei meinem Zug 18.f5 in Betracht gezogen und erwartete voller Aufregung die Antwort meines großen Gegners. Das Opfermotiv ist klar: Die unglückliche Lage des feindlichen Königs und die Passivität der schwarzen Figuren sollen ausgenutzt werden. Als entscheidende Angriffsmethode erweist sich die Öffnung der e-Linie. Im Unterschied zu anderen Opferpartien bekommt der schwarze König das erste Schach nicht sofort, sondern erst nach einigen Zügen. 20.Dxc2 21.fxg7 Tg8 22.Sd4 De4 Schweren Herzens gespielt, aber auch andere Wegzüge der Dame helfen Weiß nichts: 22.Dd2 23.Tae1+ Se5 24.Txe5+ Kd7 25.Td5+ Ke8 26.Te1+ oder 22. Dxc3 23.Tae1+ Se5 24.Txe5+ Kd7 25.Te7+ Kd6 26.Sb5+. 23.Tae1 Sc5 24.Txe4+ Sxe4 25.Te1 Weiß setzt den Schlusspunkt unter seine Kombination, wonach er materiellen Vorteil behält. 25.Txg7 26.Txe4+ Kd7 Schwarz gab gleichzeitig auf. Capablanca wartete die Antwort 27.Te7+ Kd6 28.f6 nebst 29. Lg3+ nicht ab, reichte mir lächelnd die Hand und gratulierte zum Sieg. Ich konnte mein Glücksgefühl nicht verbergen.

Lilienthal - Bondarewski, UdSSR-Meisterschaft Moskau 1940, Französisch
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 Die Partie wurde in der letzten Runde gespielt und hatte entscheidende Bedeutung für den Gesamtsieg. Bondarewski lag mit einem Punkt in Führung. Ihm reichte also ein Remis zum Titelgewinn, deshalb wählte er diese Variante. 4.Sxe4 Sd7 5.Sf3 Le7 6.Ld3 Sgf6 7.Sxf6+ Lxf6 8.0-0 Gut war hier auch der Plan mit langer Rochade 8.De2 0-0 9.Le3 Te8 10.0-0-0 c5 11.h4, und Weiß besitzt günstige Angriffschancen. 8...c5 9.c3 Schwarz kann jetzt zwar den Bauern d4 isolieren, aber das bringt Weiß ein gutes Figurenspiel. 9...exd4 10.cxd4 0-0 Genauer scheint mir 10...Sc6 zu sein. Im Ergebnis der Eröffnung ist Weiß besser entwickelt. Damit dieser Vorteil nicht verloren geht, muß der Anziehende die Gelegenheit nutzen und Schwächen im feindlichen Lager schaffen. 11.Dc2 In ähnlichen Stellungen spielt Weiß gewöhnlich De2, weil seine Dame auf der c-Linie leicht attackiert werden kann. Auch hier verdient dieser Zug Aufmerksamkeit. Warum aber entschloss sich Weiß dazu, die Königin in die offene Linie zu stellen? Antwort darauf geben seine folgenden Läufermanöver. 11...g6 12.Lf4 Sb6 13.Lc7 De7


14.Le4 "Nach längerem Überlegen kam ich zu der Erkenntnis, dass Weiß keine realen Angriffsmöglichkeiten besitzt. Die leichte Gedrängtheit der schwarzen Figuren ist vorübergehend, der Gegner verfügt über große Verteidigungsressourcen. Nach 14.Lxb6 axb6 kompensiert das schwarze Läuferpaar den Doppelbauern. Trotz meines klaren Entwicklungsvorsprungs beschloss ich, die Partie zu vereinfachen und in ein etwas besseres Endspiel überzuleiten." (Lilienthal). 14...Sd5 15.Lxd5 exd5 16.Le5 Die schwarzfeldrigen Läufer sollen unbedingt getauscht werden. Mit seinen letzten Manövern hat sich Weiß auch der Schwäche auf d4 entledigt. 16...Lf5 Bondarewski bezeichnete diesen Zug später als schematisch und schlug die Variante 16...Lxe5 17.Sxe5 f6 18.Sf3 Lg4 (oder 17.dxe5 Lg4) mit wahrscheinlichem Remis vor. 17.Lxf6 Dxf6 18.Db3 Le4 19.Se5 Db6 Schwarz will den Damentausch, um nach f2-f3 die Drohungen gegen die Bauern b7 und d5 und 20.Sd7 zu verhindern. 20.Dxb6 axb6 Wird sich die leichte Schwäche des doppelten b-Bauern im Endspiel auswirken? 21.Tfc1 Tfc8 22.a3 Lf5 23.g4 Le6 24.h3 f6 Im Falle von 24...Txc1+ 25.Txc1 Tc8 26.Txc8+ Lxc8 wäre der Kampf Springer gegen Läufer für Schwarz wegen der schwachen Bauern am Damenflügel sehr schwer zu führen. 25.Sd3 g5 26.f3 Kf7 27.Kf2


27...Ke7? Schablonenhaft. Schwarz führt den König ins Zentrum und erhält ... ein schlechtes Endspiel! Richtig war 27...Txc1 28.Txc1 Tc8 29.Txc8 Lxc8, und danach konnte der König in die Brettmitte gehen. 28.Ke3 Kd6 29.Txc8 Txc8 30.h4! Diese Möglichkeit hatte Schwarz unterschätzt. 30...h6 Weiß nimmt jetzt die h-Linie in Besitz, wonach sich der Gegner nicht mehr richtig verteidigen kann. 31.hxg5 hxg5 32.Th1 Te8 33.Kd2 Ld7 34.Th6 Tf8 35.Se1 "Lilienthal behandelt das Endspiel vorzüglich", schreibt Bondarewski im Turnierbuch, das er 1941 in seiner Heimatstadt Rostow am Don herausgab. Der weiße Springer will über c2-e3 nach f5. 35.Ke7 36.Sc2 Tf7 37.Se3 Le6 38.Kc3 Weiß verstärkt seine Stellung noch mehr. Der König geht nach b4. Schwarz muß jetzt nicht nur an die Verteidigung seiner b-Bauern denken. Auch die Bauern d5 und f6 müssen geschützt werden. Das alles ist auf einmal nicht zu schaffen. 38...Kd6 39.Kb4 Ld7 40.Sf5+ Kc7 Nach 40...Lxf5 41.gxf5 gehen Schwarz schnell die Züge aus: 41...Kc6 42.a4! Kc7 43.Kb5 oder 42...Tf8 43.Th7 Td8 44.Tf7 Td6 45.b3 b5 46.a5 b6 47.a6, und Verluste sind nicht zu vermeiden. 41.a4 Le6 42.Sg3 Ld7 43.Sh5! Jetzt führt die positionelle Überlegenheit von Weiß zum Materialgewinn. 43...f5 44.Sf6! fxg4 45.Sxd5+ Kb8 Hier wurde die Partie abgebrochen.


46.fxg4 Der weiße Abgabezug ist der beste. Es scheint nur so, als ob 46. Th8+ die Partie sogleich entscheiden würde. Darauf folgt 46...Ka7 47.Sc7 b5 48.a5 b6 49.a6 Lc6!, und das Mattnetz ist zerrissen. Weiß bekäme dann sogar noch Schwierigkeiten. 46...Lxg4 47.Sxb6 Tf2 48.b3 Ld1 49.d5! Kc7 50.a5 Td2 51.Th7+ Kb8 52.d6! Td4+ Ein hübsches Finale wäre 52...Txd6 53.Th8+ Kc7 54.Tc8 matt. 53.Kc5 Th4 54.d7 Kc7 55.d8D+ Schwarz gab auf. Nach 55.Kxd8 56.Td7+ verliert er den Läufer.

Lilienthal - Botwinnik, Moskau 1940 Damenindisch
(Anmerkungen: A. Lilienthal)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.0-0 0-0 7.Sc3 Se4 8.Dc2 Sxc3 9.Dxc3 d6 10.Dc2 f5 11.Se1 Sc6 12.d5! Danach behält Schwarz die Schwäche c7 auf der halboffenen Linie. 12.exd5 13.cxd5 Sb4? Botwinnik greift fehl. Er will den Springer über a6 nach c5 spielen und ihn dort mit a7-a5 befestigen. Mit seiner Antwort verhindert Weiß das Vorhaben und erhält großen Vorteil. 14.Dd2! a5 15.a3 Sa6 16.b4! Lf6 17.Lb2 Dd7 18.Lxf6 Txf6 19.Sd3 a4 20.Tac1 Df7 21.Sf4 Der Springer hat eine dominierende Stellung eingenommen. Strategisch steht Schwarz bereits auf verlorenem Posten, aber bis zum Ende des Kampfes ist es noch weit. 21.Lc8 22.Tc3 Ld7 23.Tfc1 h6 24.h4 Ta7 25.h5 Ta8 Mit feinem Spiel hat Weiß seine Überlegenheit ausgebaut und geht jetzt zum entscheidenden Angriff über. Die c-Linie dient dabei als Trampolin für das Herüberschwenken der Türme zum Königsflügel. 26.Te3! Kh7 27.Tcc3 Tb8 28.Dd3 Ta8 29.Sg6 Txg6 Schwarz gibt die Qualität, um das Eindringen des Gegners auf der 7. Reihe zu verhindern. 30.hxg6+ Kxg6 31.Te6+! Kh7 Nach 31.Lxe6 32. dxe6 ginge der Turm a8 verloren. 32.g4 c5 33.b5 Sc7 34.gxf5 Sxb5 35.f6+ Kg8 36.Tc4 Te8 37.Tg4 Zwingt den Gegner zur Öffnung des Königsflügels. 37.g5 38.Txe8+ Lxe8 39.Te4 Kf8 40.Te7 Dg6 40...Dxf6 scheitert an 41.Txe8+ Kxe8 42.Dxb5+. 41.Le4 Dh5 42.Lf3 Dg6 43.Txe8+! Schwarz gab auf. 43...Dxe8 wird mit 44.Dh7 Df7 45.Dxh6+ Kg8 46.Lh5 beantwortet.

Bronstein - Lilienthal, Moskau 1953 Königsgambit
(Anmerkungen: A. Lilienthal)
1.e4 e5 2.f4 exf4 Schon nach den ersten beiden Zügen war ich nervös. Ich erinnerte mich daran, wie mir mein Freund Paul Keres einmal mit dieser Eröffnung eine vernichtende Niederlage beibrachte. Dort zog ich 2...d5, und nach 3.exd5 e4 4.d3 exd3? (bedeutend stärker ist 4...Sf6 5.Sd2 exd3 6.Lxd3 Sxd5!) 5.Lxd3 Sf6 6.Sc3 Le7 7.Sf3 0-0 8.0-0 Sbd7 9.Lc4 hatte Schwarz für den Bauern keine Kompensation. 3.Sf3 d5 4.exd5 Sf6 In der Partie Spasski - Bronstein (Leningrad 1960) geschah 4...Ld6 5.c3 Se7 6.d4 0-0 7.Ld3 Sd7 8.0-0 h6?, wonach Schwarz die schlechtere Stellung bekam. Richtig war 8...Sg6 oder 8...Sf6. 5.Lb5+ c6 Nur so! Schwarz strebt die schnellste Entwicklung an. 6.dxc6 bxc6 7.Lc4 Sd5! Dieser Springerzug mutet seltsam an, weil er wie ein Zeitverlust aussieht. Aber mit ihm werden drei Ziele zugleich erreicht: 1) Schutz des Bauern f4, 2) Abriegelung des Läufers c4, 3) Möglichkeit, auf 8.De2 mit 8...Le6 zu antworten. 8.0-0 Ld6 9.d4 0-0 10.Sc3 Sxc3 11.bxc3 Sd7! Den Zug fand ich am Brett. Wie es sich zeigte, war das eine theoretische Neuerung. Die Fortsetzung gilt noch heute als die stärkste. 12.Ld3 c5 13.Sd2 Weiß will mit dem Springer nach c4 oder e4 gehen und den Bauern f4 gewinnen. 13...cxd4 14.cxd4 Sf6 15.Se4


15...Lg4! Jetzt wird klar, warum Schwarz vorsorglich auf d4 getauscht hat. Weiß kann den Läufer nicht durch 16.Sxf6+ Dxf6 17.Dxg4 gewinnen (wegen 17...Dxd4+). Der Bauer f4 ist nun schon mehr befestigt. 16.Dd2 Lc7 17.c3 Sd5 18.La3 Te8 19.Tae1 Se3 20.Txe3 Erzwungen, sonst nistet sich der schwarze Springer auf diesem Feld ein. Auf 20.Tf2 folgt 20...Dh4. 20...fxe3 21.Dxe3 Dh4 22.h3 Lh5 23.g4!? Anders kann Weiß seine Figuren nicht aktivieren, aber mit dem Textzug schwächt er natürlich seine Königsstellung. 23...Lg6 24.Df3 h5! 25.Tf2 Tab8 26.Te2 hxg4 27.Dxg4 Weiß würde gern die Damen tauschen, wonach ihm seine beiden verbundenen Freibauern gewisse Chancen einräumen. 27...Dh6! 28.Tf2 Te6 29.d5 Der letzte Versuch, den Kampf zu verwickeln. Es droht De3. 29...Txe4 30.Lxe4 Lxe4 31.Dxe4 Lb6 32.d6 Lxf2+ 33.Kxf2 Dd2+ 34.De2 Dxc3 35.d7? Ein Versehen in verlorener Stellung. 35...Dxa3 Weiß gab auf.


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