Artur Jussupov erklärt Rücktritt

05.09.2002 – Am Rande des 5.Pyramiden-Franken-Cups und des Länderkampfes gegen Griechenland erklärte der deutsche Nationalspieler Artur Jussupov seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Als Grund für den Verzicht gab Jussupov die Dopingkontrollen an, die neuerdings von der FIDE durchgeführt werden. "Dopingregeln sind so kompliziert, dass normale Menschen ohne medizinischen Betreuer sie nicht verstehen und im Schach gibt es keinen Mannschaftsarzt." Auch Dr. Robert Hübner will aus dem gleichen Grund nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen Mehr...

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Artur Jussupov spielt nicht mehr in der Nationalmannschaft
Von Axel Fritz und Christian Warneke

Großmeister Artur Jussupow, der im Jahr 2000 die Deutsche Nationalmannschaft zur Silbermedaille bei der Schacholympiade in Istanbul führte, hat überraschend seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt.

Am Rande des Pyramiden-Franken-Cups in Fürth begründete er diesen Schritt mit den unverhältnismäßigen, für die Zukunft geplanten, Dopingkontrollen des Weltschachverbandes FIDE. „Man ist an ein FIDE-Tribunal ausgeliefert“, sagte Jussupow „Das erinnert mich an die stalinistischen Verfahren in den dreißiger Jahren.“ Der Weltverband habe Dopingkontrollen angekündigt, ohne richtig zu definieren, was unter Doping im Schach zu verstehen sei. Trotzdem seien bei möglichen Verstößen Disqualifikationen und hohe Geldstrafen angedroht worden. „Dopingregeln sind so kompliziert, dass normale Menschen ohne medizinischen Betreuer sie nicht verstehen und im Schach gibt es keinen Mannschaftsarzt“, erklärt der Großmeister die Problematik „Ich habe kein Vertrauen in die FIDE. Das ist momentan keine demokratische Organisation.“ Die drakonischen Strafen könnten als Waffe gegen die Spieler eingesetzt werden.  

Der Weltverband strebt unter seinem umstrittenen Präsidenten Kirsan N. Ilyumzhinov die Aufnahme in die olympischen Sportarten an und sucht den Schulterschluss - zumindest in Dopingfragen - mit dem IOC. Doch für die olympischen Spiele 2008 in Peking ist dieser Traum schon geplatzt. Der IOC-Vorstand lehnte vor knapp einer Woche eine Neuaufnahme ab. „Wir werden wahrscheinlich nie olympisch werden“, resigniert Artur Jussupow.

Leistungssteigernde Substanzen in Schachsport  sind bislang unbekannt.  Untersuchung des Niederländischen Schachbundes ergaben keine Indizien oder Beweise für die Wirksamkeit von „Hirndoping“.  „Sowohl dämpfende als auch stimulierende Substanzen haben unliebsame Nebenwirkungen, die einen erwünschten Effekt eher überwiegen“, fasst Dr. Helmut Pfleger seine Untersuchungsergebnisse zusammen. Der bekannte deutsche Schachgroßmeister und promovierte Mediziner befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Doping beim Schachspiel. Nach Meinung von Jussupow gibt es nur ein wirksames Mittel: „Doping im Schach ist, wenn man einen Computer benutzt.“

Seine Entscheidung sei allerdings rein persönlich. „Ich kann junge Spieler verstehen, die das machen, um Weltmeister zu werden. Ich bin dafür zu alt und habe es nicht mehr nötig.“ Aus Loyalität zum Deutschen Schachbund habe er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht: „Ich habe mit dem Bundestrainer Uwe Bönsch und Geschäftsführer Horst Metzing lange diskutiert.“ Doch selbst die gute Stimmung im Team und die erfolgreiche Arbeit des Bundestrainers konnten ihn nicht umstimmen. „Ich bin ersetzbar. Ich hoffe, dass die Leute auf meinem Platz gut spielen.“ Er habe seine Freiheit zu wählen, genutzt.  

Auch Schachlegende Robert Hübner, der in den siebziger Jahren in den Kandidatenturnieren zur Weltmeisterschaft bekannt wurde, verzichtet auf Grund der geplanten Veränderungen auf weitere Einsätze im Nationalteam. Als Vertreter hat Bundestrainer Bönsch die Großmeister Jörg Hickl und Alexander Graf nominiert.

 

 


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