Auf einen Schlag berühmt: Arianna Caoili

08.01.2007 – Die australische Nationalspielerin Arianna Caoli wurde während der letzten Schacholympiade in Turin schlagartig weltbekannt, als sich während der Bermuda-Party der englische Nationalspieler David Gormally beim armenischen Nationalspieler Levon Aronian mit physischen Mitteln über dessen Tanzdarbietung mit Arianna Caoli beschwerte. Die englische Presse stürtze sich mit Begeisterung auf diesen Vorfall. "Ich war einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort", beurteilte die Australierin die Ereignisse, die ihr immerhin auch eine Einladung zur australischen TV-Show "Dancing with the Stars" einbrachte. Dort kam sie bis ins Finale. Dr. René Gralla interviewte Arianna Caoili für das Neue Deutschland. Interview im Neuen Deutschland...Nachdruck...

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Sie ist auf einen Schlag weltberühmt geworden. Als die australische Topspielerin ARIANNE CAOILI (19) während einer After-Chess-Party am Rand von Schacholympia 2006 in Turin mit Armeniens Nr. 3 der Weltrangliste, Lewon Aronjan (23), gut gelaunt abrockt, rastet der englische Großmeister Danny Gormally (30), seinerseits offenbar auch schwer verliebt in die schöne Brettsportlerin, plötzlich aus und streckt den nichtsahnenden Aronjan nieder. „Gormally-Gate“, titeln angelsächsische Blätter, und die internationale Presse hat seitdem ihre Sensation: Hooligans im stillen Denksport? Jetzt schildert ARIANNE CAOILI dem Autor DR. RENÉ GRALLA ihre eigene Sicht der Affäre.




DR. R.GRALLA: „Gormally-Gate“ hat viel Staub aufgewirbelt. Wie fühlen Sie sich danach?

ARIANNE CAOILI: Da gibt es eigentlich kein besonderes Gefühl. Ich war bloß am falschen Ort zur falschen Zeit. Unglücklicherweise haben die Zeitungen das zu einer großen Sache aufgeblasen.

DR. R.GRALLA: So funktioniert eben die moderne Mediengesellschaft …

A.CAOILI: … aber das ist doch traurig! Dieser Vorfall, der in Wahrheit ein Nicht-Ereignis war, hat die Aufmerksamkeit für Olympia völlig in den Hintergrund gedrängt. Obwohl in Turin nicht nur „Gormally-Gate“ gelaufen ist.

DR. R.GRALLA: Wie haben Sie die Attacke wahrgenommen?

A.CAOILI: Ich tanzte ganz einfach, das war überhaupt nicht provokant. Wie aus dem Nichts tauchte Danny Gormally auf und schlug auf Lewon Aronjan ein. Ich bin sofort weggegangen.

DR. R.GRALLA: Hat sich Herr Gormally zwischenzeitig bei Ihnen entschuldigt?

A.CAOILI: Ja. Und ich wünsche ihm alles Gute.

DR. R.GRALLA: Im Rahmen der „Chess Classic Mainz 2006“ haben Sie vor wenigen Monaten an den Welttitelkämpfen im so genannten „Chess960“ teilgenommen. „Chess960“ ist bekanntlich eine neue Schachvariante, bei der die Ausgangspositionen der Offiziere auf der Grundreihe des 64-Felder-Brettes ausgelost werden. Ihr Turnierauftritt in Mainz, Frau Caoili, brachte dem gleichfalls dort gestarteten Aronjan offenbar Glück: Der mittlerweile in Berlin lebende Großmeister besiegte den bisherigen Titelhalter Peter Swidler besiegt und gewann die WM 2006 im „Chess960“.

A.CAOILI: Der Wettbewerb ist fantastisch gelaufen für Lewon Aronjan.

DR. R.GRALLA: Gerüchte haben wissen wollen, dass Sie und Herr Aronjan zum Paar geworden sind … ?

CAOILI: … kein Kommentar.

DR. R.GRALLA: Haben Sie in Mainz das „Chess960“ zum ersten Mal ausprobiert?

A.CAOILI: Ja. Das hat Spaß gemacht, obwohl „Chess960“ auf den ersten Blick ziemlich schwierig aussieht.

DR. R.GRALLA: Werden Sie auch künftig bei Konkurrenzen im „Chess960“ antreten?

A.CAOILI: Sehr gerne. „Chess960“ ist eine echte Herausforderung.

DR. R.GRALLA: Das klassische Schach haben Sie als Fünfjährige gelernt …

A.CAOILI: … indem ich das den College-Boys in meiner Heimatstadt Brisbane abgeguckt habe.

DR. R.GRALLA: Ihr Vater stammt von den Philippinen, wo Schach äußerst populär ist …

A.CAOILI: … jeder spielt das, die Besucher in den Einkaufszentren, die Taxifahrer an ihren Standplätzen. Die Schachkultur ist tief verwurzelt auf den Philippinen; Schach ist Nationalsport Nr. 2 und kommt gleich nach Basketball.

DR. R.GRALLA: Sie selber sind Internationale Meisterin. Wie geht es sportlich weiter?

A.CAOILI: Ich will vor allem mein Rating verbessern; aktuell liegt das bei ELO 2169. Natürlich möchte ich Großmeisterin werden, allerdings müsste ich dafür viel Zeit investieren, und daran hapert es momentan.

DR. R.GRALLA: Wie lange bleiben Sie aktiv im Wettkampfsport?

A.CAOILI: Schach gebe ich niemals auf. Jedes Jahr zu ein paar Turnieren reisen, das liebe ich.

ND: Was fasziniert Sie am Schach?

CAOILI: Schach ist Sport, Wissenschaft und Kunst zugleich: eine Mischung, die ich spannend finde. Obendrein ist Schach eine universelle Sprache: Egal, wer du bist und wo du bist, überall kannst du eine Partie austragen.

DR. R.GRALLA: Auf Ihrer Homepage nennen Sie als Vorbild im Schach den einstigen kubanischen Weltmeister José Raúl Capablanca.

A.CAOILI: Ich bewundere seinen klaren und harmonischen Stil.

DR. R.GRALLA: Ihre beruflichen Ziele?



A.CAOILI: Ich beabsichtige, Recht und Internationale Beziehungen zu studieren. Wahrscheinlich schreibe ich mich an einer Universität in Europa ein, möglicherweise in den Niederlanden, vielleicht auch in Paris.

DR. R.GRALLA: Ihr Talent im Schach und Ihr Interesse für internationale Beziehungen – da nähern Sie sich ja bereits dem Vorbild Capablanca an. Schließlich glänzte der neben seiner Schachkarriere auch als Diplomat. Überdies sind Sie eine attraktive junge Frau. Wie reagieren die männlichen Kollegen in der Szene – abgesehen vom Extremfall „Gormally-Gate“? Werden Sie oft zum Essen eingeladen?

A.CAOILI: Schach unterscheidet sich nicht von anderen sportlichen oder sozialen Aktivitäten. Bist du ein Mädchen, gibt es immer wieder Annäherungsversuche vom anderen Geschlecht. Das ist normal.

DR. R.GRALLA: Der optisch spröde Denksport hat – daran ändert auch nichts das viel publizierte Match von Weltmeister Kramnik gegen das Computerprogramm „Deep Fritz“ - ein Kommunikationsproblem. Soll Schach-PR mehr auf Frauen setzen, um für das Spiel zu werben?



A.CAOILI: Das fördert ganz sicher das allgemeine Interesse am Schach.

DR. R.GRALLA: Zwecks besserer Vermarktung propagiert die russische Großmeisterin Maria Manakowa sogar „mehr Sex im Schach“.

A.CAOILI: Da kann ich Maria Manakowa allerdings nicht folgen.

DR. R.GRALLA: Maria Manakowa redet nicht nur, sondern handelt. Sie hat sich recht freizügig fotografieren lassen.

A.CAOILI: Das ist ihre Entscheidung, sie muss selber wissen, was sie tut.

DR. R.GRALLA: Neben Ihrer Schachkarriere haben Sie noch Zeit gefunden, bei der australischen TV-Tanzshow „Dance With The Stars“ zu starten. Sie sind immerhin bis ins Finale gekommen. Wollen Sie ins Pop-Business wechseln?

A.CAOILI: Ich bin einfach nur vielseitig interessiert. Ich schreibe eigene Lieder, und gerade arbeite ich an einer CD. Einige meiner Freunde in Australien sind Musiker, die unterstützen mich.

 



Mehr Informationen zu Arianne Caoili auf „Arianne’s Page“: www.angelfire.com/jazz/caoili/chess.htm



 

 

 

 



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