Aus Spielern werden Leute

17.03.2010 – Mancher, der einst vom Schach gefangen genommen wurde, entschied sich dann doch für eine berufliche Karriere abseits der 64 Felder. So konzentrierte sich Sieghart Dittmann, von 1956-1960 DDR-Auswahlspieler auf drei Schacholympiaden an der Seite von Wolfgang Uhlmann , lieber auf seine medizinische Laufbahn, wurde Professor für Epidemiologe und leitete ein Büro der WHO in Kopenhagen. Sein Freund Klaus Möckel, begabter Jugendspieler in der DDR, studierte Romanistik und wurde ein bekannter Schriftsteller, der vor allem mit seinen Kriminalromanen Erfolg hatte. Nun stellte der Autor sein neuestes Werk vor, das allerdings ein ganz anders Thema hat: Die Mätressen am französischen Königshof. Im Spiel der Damen spielt das Spiel der Könige zwar nur eine Nebenrolle, wurde aber sicher, ähnlich wie Kartenspiele und Billard, auch gepflegt. Auf einer Lesung gab es für Möckel und Dittman Gelegenheit zum Wiedersehen. Als Dritter im Bunde berichtet Dagobert Kohlmeyer. Mehr...

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Königliche Damen und geistreiches Spiel
Von Dagobert Kohlmeyer

Mein Berliner Schachfreund Klaus Möckel ist ein bekannter Schriftsteller, der vor allem mit Kriminalromanen Furore machte. Etliche von ihnen sind verfilmt worden. Möckel gehörte in jungen Jahren zu den hoffnungsvollen Nachwuchsspielern der DDR, gab seine Schach-Ambitionen aber schon früh zugunsten von Familie und Beruf auf. Der heute 75-Jährige ist auch ein bekannter Romanist. Jetzt hat Möckel ein dickes Buch über die Geliebten der Könige am französischen Hof vorgelegt. Vier Jahre arbeitete der Autor daran, studierte zu diesem Zweck auch vor Ort in Frankreich viele Quellen. Herausgekommen sind zwölf fesselnde Porträts ganz unterschiedlicher und sehr beeindruckender Frauen, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert lebten. Auch wenn es in dem Werk nicht um das Schachspiel geht, es wird nur einmal im zweiten Kapitel erwähnt, kann man nach Möckels Worten davon ausgehen, dass die Mätressen als gebildete Damen die Kunst solcher Brettspiele wie Dame oder Schach beherrschten. Ansonsten wurde am Hofe vor allem Karten und Billard gespielt, erklärt der Autor.



Bei der vergnüglichen Lektüre sieht man es schwarz auf weiß: Frankreichs königliche Mätressen waren schön und mächtig. Sie ließen sich ihre Dienste mit Schlössern und Adelstiteln vergolden. Ihre Rolle erschöpfte sich aber nicht nur im Liebesdienst. Sie nahmen Einfluss auf das Leben am Hof und manchmal auch auf die politischen Geschicke des Landes. Häufig jedoch waren sie von Neid, Missgunst sowie Intrigen umgeben. Auch selbst erwiesen sie sich als Meisterinnen im Ränkespiel.

Als berühmteste aller französischen Mätressen gilt ohne Zweifel die Marquise von Pompadour. Sie war eine gebildete und kunstbegabte Dame, die verschwenderisch sowie mitunter großherzig sein konnte und eine schöne Umgebung liebte. In jedem Frühjahr hat sie, so Klaus Möckel, alle ihre Räume mit frischen Blumen schmücken lassen. Madame Pompadour ist das elfte Kapitel im Buch gewidmet.

Bei einer Lesung und Buchpräsentation in der Berliner Urania (es war der Internationale Frauentag) würzte Möckel die Lektüre mit Anekdoten vom Sonnenkönig Ludwig, dem XIV. und anderen historischen Persönlichkeiten.



Das Buch „Die Gespielinnen des Königs“ liest sich nicht nur sehr amüsant, es gibt gleichzeitig einen faszinierenden Einblick in die Geschichte des französischen Hofes zwischen Spätmittelalter und Französischer Revolution.



Klaus Möckel: Die Gespielinnen des Königs, 395 Seiten, Verlag Das Neue Berlin 2010, 16,95 Euro



Dass Klaus Möckel noch immer ein starker Schachspieler ist, der auch heute noch gern mal die Figuren tanzen lässt, zeigt sein Sieg über Viktor Kortschnoi bei einem Simultan in Berlin.



Kortschnoi – Möckel...

Im illustren Kreis der Gäste dieses Abends befand sich auch Möckels Schul- und Schachfreund Professor Sieghart Dittmann. Der 75-Jährige ist ein bekannter Epidemiologe, der u.a. die Abteilung für Infektionskrankheiten und Impfprogramme des Regionalbüros Europa der WHO in Kopenhagen leitete. Älteren Schachfreunden ist Dittmann sicher noch bekannt, denn er spielte von 1956 -1960 im DDR-Team an der Seite von Wolfgang Uhlmann bei drei Schacholympiaden.


Dittmann und Möckel

Zugunsten seiner Medizinlaufbahn hängte er dann (ähnlich wie Möckel) jedoch seine Schachkarriere an den Nagel. Als eine von Dittmanns besten Partien gilt der Sieg über Gedeon Barcza bei der Olympiade 1958 in München.

Dittmann – Barcza


 

 

 

 


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