Sagar Shah (Sa): Harshit, herzlichen Glückwunsch zu deiner fantastischen Leistung! Das Saint Louis Masters 2026 war ein stark besetztes Turnier. Erzähl uns etwas von der Atmosphäre und von den Spielern, mit denen du es zu tun hattest.
Harshit Raja (HR): Danke! Ja, es war ein unglaublich starkes Turnier. Wenn in der Teilnehmerliste Namen wie Fabi (Fabiano Caruana) und Andy Woodward stehen, dann weiß man: Das ist absolute Spitze. Es war ein Einladungsturnier mit nur 100 Spielern, und die Spielstärke war entsprechend hoch – die durchschnittliche Elozahl meiner Gegner lag ungefähr bei 2570 oder 2580.

Harshit Rajas Ergebnis bei den Saint Louis Masters | Quelle: Chess-Results
Sa: Du hast 13 Elo-Punkte gewonnen und eine Performance von über 2600 erzielt. Kannst du uns etwas über deine Partien erzählen?
HR: Ich habe das ganze Turnier über sehr solide gespielt. Am Ende standen ein Sieg gegen Robby Kevlishvili, eine Niederlage gegen Varuzhan Akobian und sieben Remis gegen sehr starke Gegner, darunter Abhimanyu Mishra, Grigoriy Oparin, Alexander Fier und andere. Meine Hauptstrategie für dieses Turnier war, möglichst sicher und stabil zu spielen – und das hat meistens geklappt.

Small Talk vor der Partie: Harshit Raja plaudert mit Fabiano Caruana | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Sa: Deine Partie gegen Grigoriy Oparin war eine taktische Achterbahnfahrt. Du hast gesagt, dass du dich für „Kaffeehaus-Komplikationen“ statt für strategisches Schach entschieden hast. Warum?
HR: Grigoriy ist ein Freund aus Uni-Tagen, und ich wusste, dass er etwas Spezielles gegen mich vorbereitet hatte, weil er sich früh für eine seltene Variante entschieden hat. Ich hatte das Gefühl: Wenn wir reines Positionsschach spielen, ist er mir überlegen. Also habe ich den ungewöhnlichen Zug De3 gespielt, um Unruhe zu stiften und Komplikationen anzustreben.
Der kritische Zug der Partie war 15.Dd2 - Weiß erlaubt Schwarz mit Schach auf b2 zu nehmen.
Ich dachte fast zehn Minuten über diesen Zug nach, und kam zu dem Schluss, dass ich gute Gewinnchancen haben würde, wenn er den Bauern schlägt (Lxb2+). Dann hätte ich Ideen wie f4 nebst f3 gehabt, um seine Dame abzulenken. Später in der Partie fand Grigoriy jedoch mit h6 eine unglaubliche Verteidigung, die schließlich zum Dauerschach führte.
Sa: Du hast auch die Najdorf-Partie gegen Robby Kevlishvili sehr überzeugend gewonnen. Wie sieht deine Vorbereitung gegen solche Profis aus?
HR: Ehrlich gesagt sind die Eröffnungen mein größtes Problem, weil ich nicht so viel spiele wie etliche der anderen. Aber ich habe gemerkt: Sobald ich aus der Eröffnung heraus bin, kann ich mit ihnen auf Augenhöhe kämpfen.
In der Najdorf-Partie war ich deshalb froh, nach nur 13 Zügen mit Schwarz schon eine so gute Stellung zu haben. Ich blieb geduldig, verzichtete auf schnellen Bauerngewinn, um die Partie strategisch unter Kontrolle zu haben – und stand schließlich auf Gewinn.

Harshit gilt als Najdorf-Experte - die Partie gegen Robby zeigt warum! | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Sa: Viele Fans kennen dich als Kommentator. Hat diese Rolle deine Sicht auf das Spiel verändert?
HR: Das hat tatsächlich dazu geführt, dass ich am Brett viel entspannter geworden bin. Mein Freund Aryan (Tari), der mich hier in Saint Louis unterstützt hat, meinte auch, dass ich nach inspirierter und ruhiger wirke, nachdem ich als Kommentator gearbeitet habe.
Ich habe gemerkt, dass mir diese Mischung gefällt. Wenn Schach meine einzige Einnahmequelle wäre, wäre der Druck nach einem schlechten Ergebnis – etwa wenn man in der letzten Runde verliert und nicht ins Preisgeld kommt – für mich zu groß. So spiele ich lieber ab und zu ein Turnier und genieße die Partien wirklich.

Spieler und Kommentator zu sein, ist nicht immer leicht! | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Sa: Was steht 2026 als Nächstes für dich an?
HR: 2026 ist interessant, weil es weniger Freestyle-Turniere gibt, dafür aber die Olympiade, das Kandidatenturnier und die Weltmeisterschaft anstehen. Ich muss noch planen und entscheiden, welche Turniere ich kommentiere und welche ich spiele.
Im Moment freue ich mich einfach, wieder meine frühere Spielstärke erreicht zu haben und mich gegen einige starke Gegner ordentlich zu schlagen.

Schach spielen und sich amüsieren - GM Harshit Raja mit GM Denis Kadric und GM Varuzhan Akobian | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Am Ende gewann Mikhail Antipov das Turnier | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

In Runde 3 spielte Mikhail Antipov Remis gegen Caruana - aber aus den letzten 4 Runden holte er 4 Punkte. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Die Gegenwart und die Zukunft des amerikanischen Schachs: Fabiano Caruana und Andy Woodward | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

Frisch verheiratet: Eric Rosen und Irene Sukandar | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club
Nach dem Turnier in Saint Louis schlüpfte GM Harshit Raja wieder in die Rolle des Kommentators - hier kommentiert er das Masters in Prag für ChessBase India