AVRO, Runde 11: Botvinniks Meisterwerk

von Klaus Besenthal
13.06.2020 – Am Sieg von Mikhail Botvinnik (Foto) über José Raúl Capablanca in der 11. Runde des AVRO-Turniers werden sich noch viele kommende Generationen von Schachspielern erfreuen. Der 27-jährige Sowjetrusse hatte gegen den früheren Weltmeister zunächst zielstrebig eine glasklare, auf einem Zentrumsvorstoß fußende Strategie umgesetzt, bevor er schließlich mit zwei brillanten Figurenopfern den finalen Königsangriff einleitete. Im Schatten dieser Glanzpartie ging die eigentlich wichtigere Nachricht fast unter: Dass sich nämlich Paul Keres die alleinige Tabellenführung sichern konnte, weil sein Konkurrent Reuben Fine eine weitere Niederlage quittieren musste.

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AVRO-Turnier 1938

Botvinniks doppeltes Figurenopfer unmittelbar vor dem Schlussangriff war von seltener Schönheit; dass dieser Schlussangriff von der - erfolgreichen! - Flucht des weißen Königs vor den Schachgeboten der gegnerischen Dame noch einmal kurz unterbrochen wurde, war dagegen ein eher prosaischer Vorgang. Was schwieriger zu berechnen war, die Opfer oder die Königsflucht, kann jeder für sich entscheiden:

 

Mit diesem Partiegewinn erreichte Botvinnik zugleich auch den zweiten Tabellenplatz, den er sich allerdings vorerst mit Reuben Fine teilen muss.

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Exweltmeister Capablanca hat einen schweren Stand beim AVRO-Turnier

Für den zunächst so souverän ins Turnier gestarteten Reuben Fine läuft es mittlerweile gar nicht mehr gut: Gegen Exweltmeister Euwe erlitt der US-Amerikaner nun schon seine dritte Niederlage. In einer äußerst scharfen Eröffnungsvariante geriet Fine vollkommen aus dem Tritt, nachdem er den Läufer seines Gegners auf das starke Feld f5 gelassen hatte:

 

Reuben Fine ist etwas zurückgefallen, darf aber immer noch auf den Turniersieg hoffen

Paul Keres reichte in seiner Partie gegen Samuel Reshevsky ein Remis, um sich die alleinige Tabellenführung zu sichern. Dieses Unentschieden erzielte der junge Este schließlich doch noch sicher, nachdem er zunächst schlechter gestanden hatte:

 

Drei Runden vor dem Ende des Turniers deutet Vieles auf den Sieg von Paul Keres hin

Und was machte der amtierende Weltmeister? Alexander Aljechin kam nach einem verfehlten Königszug seines Gegners Salo Flohr zu einem schließlich spielerisch leicht aussehenden Sieg:

 

Allzu weit ist Alexander Aljechin eigentlich noch gar nicht abgeschlagen, doch insgesamt drei starke Spieler, die allesamt vor ihm platziert sind, wird er wohl drei Runden vor Schluss nicht mehr überholen können 

Ergebnisse der 11. Runde

Reshevsky ½:½ Keres

Fine 0:1 Euwe

Botvinnik 1:0 Capablanca

Aljechin 1:0 Flohr

Tabelle nach der 11. Runde

 

Partien

 

Turnierseite



Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.

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