Bamberg: Miss Mar del Plata und außerdem ein Banküberfall

von André Schulz
03.07.2020 – Am Rande des Bamberger Jubiläumsturnier sorgte die Ankunft von Boris Ivkovs Frau Olga Kesic, Miss Mar del Plata 1955, und ein Banküberfall im benachbarten Nürnberg für Gesprächsstoff. Die Nürnberger Bankräuber wurden aber bald gefasst. Beim Schach machte Lothar Schmid einen großen Sprung.

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Borislav Ivkov durfte sich freuen. Denn inzwischen ist seine Frau und sein vierjähriger Sohn in Bamberg eingetroffen. Boris Ivkovs Frau Olga Maria Kesic ist in Argentinierin und ihr Geburtsname verrät, dass sie serbische Vorfahren hat. Mit 19 Jahren wurde sie "Miss Mar del Plata 1954/55."

Olga Maria Kesic 

Im Jahr 1955 spielte Boris Ivkov das Turnier des Schachclubs von Buenos Aires mit. Der 21-Jährige gewann vor Svetozar Gligoric und es war Miss Mar del Plata, also Olga Kesic, die ihm den Preis überreichte. Zwischen den beiden jungen Leuten funkte es und nun lebt Ivkov mit seiner Miss in Belgrad. Allerdings brachte seine schöne Frau ihm für die elfte Runde des Bamberger Jubiläumsturniers kein Glück, oder aber sein Glück sieht anders aus als ein Schachergebnis.

Ivkov, vor der Runde zusammen mit Tigran Petrosian engster Verfolger von Spitzenreiter Keres, wenn man 1,5 Punkte Abstand noch als eng bezeichnen darf, verlor gegen Heikki Westerinen. Der jugoslawische Großmeister spielte seine eigenwillige Eröffnung, Modern Defence oder Robatsch Verteidigung, wie er es auch schon in einigen der Runden zuvor, gegen Lothar Schmid, Jürgen Teufel und Andereas Dückstein getan hatte, durchaus erfolgreich. Auch hier kam Ivkov gut aus der Eröffnung, doch dann verlor er einen Bauern und musste ein schlechtes Endspiel bestreiteten. Während Westerinen einen Gutteil der Partie in hoher Zeitnot absolvierte, versuchte Ivkov seinen Gegner mit taktischen Tricks doch noch zu Fall zu bringen. Das gelang ihm aber nicht.
 

 

45.Sb6 Lf3 46.a7 Tf6 47.Te8+ Kg7 48.Sd7 Tf4 49.Tb8 Ld5 50.Sb6 Lc6 51.Tc8 Tg4+ 52.Kf2 Tf4+ 53.Ke3 Lh1 54.Tc1 Lg2 55.a8D Lxa8 56.Sxa8 Kf6 57.Sc7 Tf5 58.Kd4 Tf4+ 59.Kd5 Ke7 60.Te1 h5 61.Te4 Tf1 62.Kc6 Tc1+ 63.Kb6 Tb1+ 64.Kc6 Tc1+ 65.Kb7 Tc5

 

66.Te2 [66.Kc8 hätte auch gereicht: 66... d5 67.Te1 Kd6 68.e7 Txc7+ 69.Kd8] 66...Tf5 67.Kc6 Tc5+ 68.Kb6 Tf5 69.Ta2 Tf1 70.Ta5 Tb1+ 71.Kc6 Tc1+ 72.Kb7 Kf6 73.Kc8 
1–0

Von der Niederlage Ivkovs profitierte Lothar Schmid. Gegen Milko Bobotsov erhielt der Karl-May-Verleger aus der Eröffnung heraus eine überlegen Stellung, die er im Schwerfigurenendspiel technisch sauber verwertete. Ein weit vorgerückter Freibauer im schwarzen Lager verursachte großen Kummer. Das Endspiel wurde in beiderseitiger Zeitnot absolviert.

 

30.Ted1 Td4 [30...Tbb8 31.a3 Kg7 32.T6d3 Kg6 33.Tf3] 31.T1xd4 exd4 32.b3 [32.Txd4 Df1+ klappt unter Großmeistern nur äußerst selten.] 32...De5 33.Dc7 d3 [Schwarz fischt noch etwas im Trüben, aber die Partie ist gelaufen.] 

 

34.cxd3 [34.Dxd8 gewinnt auch: 34...dxc2+ 35.Kc1 (35.Kxc2 Dc5+ führt tatsächlich zum Dauerschach.) 35...De1+ 36.Kxc2 De4+ 37.Td3 De2+ 38.Td2 De4+ 39.Kc3 De3+ 40.Kc4 Dxd2 41.Dg8+ Kf5 42.d8D] 34...De1+ 35.Kb2 De5+ 36.d4 De1 37.Dc2+ Kg7 38.h3 Db4 39.Td5 Db7 40.Df5 Db4 41.Dg4+ Kf8 42.Df4 Ke7 43.De3+ 1–0

Das Duell der beiden Bamberger Spieler Helmut Pfleger und Jürgen Teufel entschied Pfleger für sich:

 

40.h6+

[40.Dxf4 hätte auch gewonnen: 40...gxf4 41.Sf5+ Kf7 42.Sxe7 Kxe7 43.Ke2 Kd6 44.Kd3 (Aber nicht 44.Kf3? Ke5 und es ist Schwarz der gewinnt.) 44...Ke5 45.h6 Weiß gewinnt den Tempokampf. 45...Kd6 usw. (Oder 45...f5 46.g5 f3 47.g6) 46.Ke4] 

40...Kg8 41.Dc8+ Kf7 42.Df5 Kg8 43.d6 Dxd6 44.Sd5 Le5 45.Kg2 Df8

 

46.f4 gxf4 47.g5 f3+ 48.Kf1 [Natürlich nicht 48.Kxf3 fxg5 und die Partie wird remis.] 48...Kh8 49.Kf2 Ld4+ 50.Kxf3 Kg8 51.gxf6 De8 52.Dg4+ 1–0

Paul Keres spielte remis, aber Tigran Petrosian wurde von Klaus Klundt ein ordentlicher Schrecken eingejagt:

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lc4 a6 7.Lb3 b5 8.0–0

 

8.... Lb7 [Vorsichtiger ist 8...Le7] 9.Lxe6 [Ein "intuitives" Opfer auf Angriff. Warum nicht? Schwarz muss aufpassen.] 9...fxe6 10.Sxe6 Dd7 [10...Dc8!?] 11.Sd5

[Natürlich nun nicht 11...Dxe6 12.Sc7+; Tatsächlich wurde das Opfer schon einmal gespielt, in einer Fernpartie in England, dort ging es mit 11...Kf7 12.Sg5+ Kg8 13.Sb6 Dc6 14.Sxa8 Lxa8 15.f3 weiter, mit unklarer Situation, aber Weiß gewann.

[Petrosians Lösung ist nicht unbedingt besser:] 11...Lxd5 12.exd5 Kf7 13.g4 [13.Lg5!? mit der Idee Tausch auf f6 und Dh5.] 13...h6 14.f4 Da7+ 15.Kh1 Sbd7

 

16.g5 [Angst kennt Weiß keine.] 16...Db7 [Schwarz muss die Figur zurückgeben. Das Endspiel ist ausgeglichen. 16...Se8 17.Dg4 mit der Absicht 18. Sd8 kam kaum in Betracht.]

17.gxf6 Sxf6 18.Df3 Dxd5 19.f5 Le7 20.Le3 g5 21.Tad1 Dxf3+ 22.Txf3 Tac8 23.c3 Se8 24.Ld4 Lf6 25.Te3 Lxd4 26.Txd4 Kf6 27.a4 Tb8 28.Tb4 ½–½

Die übrigen Partien endeten ebenfalls remis.

Für mehr Gesprächsstoff als das Schachturnier sorgte ein Banküberfall, der sich gestern am hellichten Tage im benachbarten Nürnberg zutrug, mitten in der Innenstadt. Kurz vor Geschäftsschluß erschienen zwei junge Männer in der Bayerischen Vereinsbank und bedrohten die fünf Angestellten im Kassenraum mit schussbereiten Pistolen, wie sich später herausstellte Attrappen. Einer der Täter sprang über den Tresen, raffte das Geld auf dem Zahltisch zusammen, etwa  80.000 Mark und packte es in eine Aktentasche. Dann flohen die Täter. Der ganze Überfall dauerte nur wenige Sekunden. Die Polizei war aber im Nu vor Ort und sperrte mit ihren Fahrzeugen die Ausfallstraßen und riegelt die Gebäude drum herum ab.

Foto: Helmholz

Die Besucher eines Kinos, die sich dort gerade den überaus erfolgreichen Sexstreifen "Engelchen, oder die Jungfrau von Bamberg anschauten (Mit Gila von Weitershausen in der Hauptrolle. Eine Bamberger Jungfrau will ihre Unschuld verlieren, das geht aber nur in der Großstadt München.) wurden ins Helle gezerrt und peinlich genau überprüft. Die Filmmusik stammt übrigens vom Jazzmusiker Jacques Loussier

Die Großfahnung dauerte fünf Stunden. Dann fand man die beiden Täter, erst den einen in Nürnberg, dann den anderen in Fürth. Beide hatten eine Aktentasche und jeweils 40.000 Mark bei sich. Leugnen war zwecklos.

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.