Bauernketten richtig anpacken

10.04.2015 – In der Französischen und der Königsindischen Verteidigung sind Bauernketten oft spielprägend. Sie beeinträchtigen den Bewegungsraum der Figuren auf beiden Seiten. Wann und wie sollte man sie aufbrechen? Welche Techniken muss man beherrschen? Robert Klenk hat sich die beiden einschlägigen DVDs von Gisbert Jacoby angesehen und ist von Umfang und Aufbereitung begeistert. Mehr...

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"Französische Bauernketten" und “Königsindische Bauernketten“ von Gisbert Jacoby

Rezension von Robert Klenk

Kurzfassung: Wer wissen will, was in diesen Ketten-Strukturen los ist, kann bedenkenlos zugreifen. Spieler höheren Levels sollten, falls sie eine der Eröffnungen neu spielen, allerdings ergänzend ein modernes Repertoire-Werk hinzuziehen. Besonders geeignet auch zu Lehrzwecken. Level: ab DWZ ca. 1400 bis 2300.

"Eröffnungen verstehen, nicht Varianten auswendig lernen. Wir lernen eine typische Stellung, verstehen sie und versuchen sie möglichst vielfältig anzuwenden" Mit dieser Einleitung beschreibt der Ex-Hübner Sekundant sein Werk ebenso kurz wie treffend.

Zum Formellen: Mit je etwa 9 Stunden Spielzeit sind beide Arbeiten mit das Umfangreichste und Fleißigste, was man bei Chessbase Produkten findet. Über 50 Beispiele in jeweils ca. 15 Kapiteln pro DVD zeigen eine Fülle von Material. Niveau und Tiefe variieren von Clip zu Clip, je nachdem geht die Laufzeit der Beiträge von wenigen Minuten bis hin zu einer halben Stunde.

Thema sind ausschließlich die Bauernketten-Strukturen der beiden Eröffnungen. Nicht behandelt werden etwa Abtausch-Französisch oder die Rubinstein-Variante, da hier ja keine Bauernketten entstehen. Insofern sollten Spieler, die eine der beiden Eröffnungen in ihr Repertoire aufnehmen wollen, sich ergänzendes Material besorgen.

DVD 1: Französische Bauernketten

Der Autor stellt vor allem Klassiker mit typischen Plänen vor, manchmal sogar Simultanpartien mit typischen strategischen Fehlern und deren Ausnutzung , die auch der Otto Normalo nachvollziehen kann. Aber auch moderne Partien aktueller Spitzenspieler finden ihren Platz.

Besondere Erwähnung verdient der – wie ich finde gelungene – Versuch Jacobys, Situationen mit schwarzem f7-f6 einer Art Klassifikation zu unterziehen, sprich wann ist der Zug gut und wann nicht.

Ein weiteres Highlight ist die ausführliche Behandlung typischer Endspiele. Hier lernt/wiederholt man gleich systematisch die Grundlagen (und mehr) zu den Themen „guter und schlechter Läufer“ bzw. „Schwächen auf einer Feldfarbe“.

Eine Auswahl weiterer wichtiger Themen:

  • Versuche des Schwarzen, den schlechten Läufer c8 loszuwerden (Lc8-a6 bzw. Lc8-d7-b5), weiße Gegenmaßnahmen
  •  Spiel des Schwarzen gegen die geschwächte Kettenbasis des Weißen auf d4
  • Der „Quartgriff“, eine spezielle Angriffsformation der Bauern, die GM Pfleger einst einprägsam als „Badewanne“ bezeichnete, z.B. Bh5 g4 f4 e5
  • Die schwarzen Auffang-Formationen f7-g6-h5 bzw. h7-g6-f5, sowie deren Bekämpfung durch Weiß
  • Schwarzes c5-c4
  • Weißes h2-h4-h5 und ggf. h6
  • Aktives schwarzes Gegenspiel am Königsflügel mit g7-g5

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DVD 2: Königsindische Bauernketten

Inhalt: Die klassische Königsindische Bauernkette und daraus resultierende Bauern-Strukturen, also weiße Bauern auf c4-d5-e4 gegen schwarze Bauern auf e5-d6-c7(c5). Ab und zu wird auch ein „Ausflug“ zu Stellungen unternommen, die formell zu Benoni gehören.

In insgesamt 14 Kapiteln geht Jacoby sehr ausführlich auf mögliche Partieverläufe und Kampfmethoden beider Seiten ein, wobei er immer weiter in die Feinheiten der Stellungen vordringt und damit sicher bis tief auf FM-Niveau vorstößt. Das Material ist allerdings so gut aufbereitet, dass auch weniger versierte Spieler sehr gut folgen können sollten.

Es werden überwiegend klassische Partien von ca. 1950 bis in die achtziger Jahre besprochen. Höhepunkt des Werks ist sicherlich die Besprechung des klassischen Königsinders mit 7... Sc6, 8.d5 Se7, 9.Se1. Sehr gut gefällt mir hier die diachrone Herangehensweise, d.h. die Geschichte der Variante wird Schritt für Schritt beleuchtet, was ich für das Verständnis besonders hilfreich empfunden habe, und die sonst nur sehr selten in Literatur und digitalem Trainingsmaterial zu finden ist. Wer mit Weiß bislang nichts Überzeugendes gegen den Königsinder gefunden hat, sollte hier auf jeden Fall mal nicht nur einen Blick riskieren.

Auch hier einige zentrale Themen:

  • Weißes Spiel am Damenflügel mit c4-c5, b2-4, a2-a4 (sehr ausführlich)
  • Weißer Durchbruch im Zentrum mit f2-f4, wann ist er günstig
  • Schwarze Auffangstellung am Damenflügel mit c7-b6-a5
  • Schwarzes c7-c6
  • Schwarzes c7-c5
  •  Der schwarze Angriff am Königsflügel mit f7-f5, insbesondere die Mar-del-Plata-Aufstellung
  • Der wichtige Läufer c8
  • Weiße Gegenmaßnahmen am Königsflügel, insbesondere h3-g4
  • Heterogene Rochade (Sämisch-Stellungen)

Einzige Kritik wäre, dass die Analysen sehr Weiß-lastig sind – am Ende des o.g. Se1-Kapitels fragt man sich schon, warum sich Schwarz überhaupt noch traut die Variante zu spielen. Was die DVD aber sicher nicht leisten will und kann ist den Stand aktueller Eröffnungstheorie darzustellen, dieser Anspruch wird auch nicht erhoben. Und auch Schwarzspieler liegen sicher nicht verkehrt, die weißen Möglichkeiten zu kennen.

Noch ein Wort zur Vortragsweise: Die ruhige und bedächtige Art des Hanseaten wurde in diversen Internetkommentaren ziemlich verrissen. Gut, der Entertainment-Faktor ist bei King, Ashley oder Finegold sicher höher. Aber: auf den Inhalt kommt es an! Und da habe ich bislang nichts Vergleichbares gesehen.

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