Bücher

19.12.2011 – Zum Jahresende möchten nicht nur Schachspieler Geld ausgeben - eine Möglichkeit dazu bietet die Anschaffung von Büchern. Bücher haben gegenüber anderen Medien eine Reihe von Vorteilen und sind deshalb einfach nicht auszurotten. Man muss sie nicht booten, sie gehen nicht zwischendurch wegen Energiemangel aus und man kann sich sofort einen Überblick über den Inhalt verschaffen. Außerdem kann man sie in Leder binden lassen und in großen Hallen aufstellen. Der große Nutzen bei der Wärmedämmung wurde bereits in der Vergangenheit angesprochen. In manchen Büchern kann man sogar gescheite Sachen lesen. Einige von diesen zum Thema Schach seien hier kurz vorgestellt.Bücher kaufen, z.B. bei Schach Niggemann... Aktuelle Bücher...

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ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

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Partiesammlungen

Garry Kasparov: Part I 1973-1985

Viele halten Garry Kasparov für den besten Schachspieler aller Zeiten - wahrscheinlich zurecht. 1985 eroberte er den Thron des Weltmeister und verlor den Titel im Wettkampf erst 15 Jahre später an Vladimir Kramnik, Dazwischen hat er eine Reihe von WM-Matches gespielt, die meisten gegen Karpov, außerdem gegen Short und Anand. Als Kasparov etwa 1979 aus dem Dunkel der UdSSR im internationalen Turniergeschehen auftauchte, war er schon ein ziemlich fortgeschrittener Spieler.

Nachdem Kasparov mit My great Predessors (5 Bände) eine Geschichte der besten Schachgeschichte abgeliefert hat und mit Kasparov on Modern Chess (3 Bände) die Entwicklung von Schacheröffnungen in den 1970er und 1980er Jahren sowie seine Begegnungen mit Karpov reflektiert hat, präsentiert er mit Garry Kasparov on Garry Kasparov eigene kommentierte Partien.

Die neue Reihe ist auf 3 Bände angelegt. Im vorliegenden ersten Band werden Partien der Jahre 1973 bis 1985 vorgestellt. Es ist Kasparovs vorweltmeisterliche Phase. Das Buch beginnt mit einigen autobiografischen Notizen aus der Kinder- und Jugendzeit, in denen Kasparov viele interessante Erinnerungen aus dem Baku der Sowjetzeit wiedergibt. Sein Vater, selber kein Schachspieler, hatte das Talent des Jungen erkannt und sich dafür eingesetzt, dass Garik Weinstein, so der Name von Geburt, Schach studiert. Im Alter von 39 Jahren stirbt der geliebte Vater an Blutkrebs und hinterlässt schmerzhafte Erinnerungen und eine Schachuhr.

Die erste der insgesamt 100 "memorable games" stammte aus dem Jahre 1973 und wurde in einem Jugendfreundschaftskampf gegen eine Auswahl Turkmenistans gespielt. Die letzte Partie entstammt dem WM-Kampf gegen Karpov aus dem Jahr 1985.

Der beste Schachspieler aller Zeiten kommentiert die Partien des besten Schachspielers aller Zeit. Was kann man da erwarten? Hochklassige Kommentare zu hochklassigen Partien, natürlich. Und so ist es auch. Logischerweise hat niemand Kasparovs Partien besser verstanden als Kasparov selbst. Die frühen Partien des jugendlichen Noch-nicht-Weltmeister sind vielleicht weniger gehaltvoll als die späteren. Aber jede Partie, die in diese Sammlung aufgenommen wurde, hat ihre Position in der Geschichte der Entwicklung dieses Schachspielers.

Wie schon in den vorherigen Büchern erzählt Kasparov auch die Geschichten, die zu den Partien gehören, so dass das Buch nicht nur ein reines Schachbuch ist, sondern sich auch gut zum Lesen eignet. Der Leser erfährt dabei viele interessante Details aus der Schachgeschichte. Interessant ist es auch, Kasparov dabei zuzuschauen, wie er "andere" Eröffnungen spielt. So war er in seiner Jugend ein Anhänger der Caro-Kann-Verteidigung, bis Gufeld ihn einmal auslachte und sagte: "Schau dich an. Du siehst aus wie einer von der Mafia. Du solltest nur Sizilianisch spielen."

Die Aufmachung dieses von Everyman verlegten Buches entspricht den Kasparov-Büchern der früheren Serien, großes Format, Hardcover, schönes und übersichtliches Druckbild.

Fazit: Ein weiteres großartiges Kasparov-Buch mit vielen tollen Partien.



Garry Kasparov on Garry Kasparov, Part 1 1973 - 1985
520 Seiten, gebunden, Everyman, 1. Auflage 2011
30,95 Euro
In englischer Sprache


A. Michaltschischin/ O. Stetsko: Kämpfen und Siegen mit Magnus Carlsen

Erst vor ein wenigen Tagen erschien diese Sammlung mit Partien des Weltranglistenersten Magnus Carlsen. Der Norweger begeistert seit einigen Jahren die Schachwelt. In diesem Buch wird sein schachlicher Werdegang vorgestellt. Adrian Michaltschischin ist Leiter der FIDE-Trainerakademie, sicher einer der besten Schachtrainer der Welt und hat auch bei ChessBase schon eine Reihe von DVDs zu Mittelspielthemen vorgestellt. Oleg Stetsko ist als Co-Autor mehrer Schachbücher verzeichnet. Im Klappentext erfährt man, dass er früher Militärpilot war. Sicher hat er sich bei längeren Flügen in seiner Mig-21 die Zeit mit einem Steckschach vertrieben.

Magnus Carlsen ist "Everybody's Darling", nicht nur in der Schachpresse. Und das völlig zurecht. Der junge Mann aus Norwegen ist pures Gold für die Schachwelt. Er stammt aus einer "ganz normalen" Familie, in der ein schachbegeisterter Vater seinen Kindern, drei Mädchen und einem Jungen, eben auch Schach beibringt. Nun ist Norwegen zwar nicht der Nabel der Schachwelt. Das macht aber nichts. Inzwischen kann man im Internet mit jedem in der Welt Schach spielen und auf seinem Computer mit ChessBase alle Partien anschauen und analysieren. Magnus lernt Schach mit fünf Jahren, aber erst mit acht Jahren fängt er mit ernsthaftem Turnierschach an. Seine frühen Ziele sind: 1. Seine älteren Schwestern schlagen. 2. Seinen Vater schlagen  3. Norwegischer Meister werden. Nacheinader kann er das verwirklichen und bald danach hätte er fast auch noch Garry Kasparov beim Schnellschachturnier 2004 in Reykjavik besiegt. Der beste Schachspieler aller Zeiten wundert sich hinterher, wieso jemand aus "the middle of nowhere" so gut Schach spielen kann. Zum ersten Mal seit Bobby Fischer gibt es wieder einen Schachspieler aus dem "Westen", der das Zeug zum Weltmeister hat, und dabei auch noch wie ein ganz normaler Mensch daher kommt, ohne jede Allüren. Die Bekleidungsfirma G-Star wählt ihn, einen Schachspieler (!), als Werbebotschafter für ihre Kampagne. 

Im vorliegenden Buch wird Carlsens biografischer Werdegang kurz angerissen und mit einigen Partiefragmenten unterfüttert. Es folgen auf über 300 Seiten 64 analysierte und kommentierte Partien, die in drei Gruppen unterteilt sind: 1. Vom Meister zum Großmeister, 2. Der Weg nach oben, 3. Das Leben an der Weltspitze. Die Partien werden dabei im Zusammenhang mit den Umständen, unter denen sie gespielt wurden, vorgestellt. Ao erfährt man nebenher auch noch etwas vom internationalen Schachturnierzirkus. Trainer, Kommentatoren und Journalisten, die sich zu den Erfolgen des neuen Superstars äußern, werden zitiert, so dass sich auch für den nicht so informierten Leser ein ganz gutes Bild von der "Schachpersönlichkeit" Carlsens ergibt. Carlsens Stärken sind sein fotografisches Gedächtnis und seine unglaublich Energie, die ihn jede Partie auf Gewinn spielen lässt, auch in völlig ausgeglichenen Stellungen. Berühmt ist z.B. Carlsens Sieg gegen Ponomariov im Turm-Endspiel mit drei gegen drei Bauern an einem Flügel. Selbst vier gegen drei Bauern wäre für jeden anderen Spieler noch remis.

Und was sagt Carlsen selbst? "Lieber wäre ich der beste Fußballer der Welt. Aber so ist es auch OK."

Anregende Lektüre für Fans des Schachsuperstars mit hohem Lehrwert.

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Edition Olms; Auflage: 1., Auflage 2011
ISBN-10: 3283010218
ISBN-13: 978-3283010218
24,95 Euro

Das Buch erschien gleichzeitig auch in englischer Sprache, ebenfalls bei Edition Olms:
Adrian Mikhalchishin/Oleg Stetsko: Fighting Chess with Magnus Carlsen

 

Eröffnungen


Boris Awruch: Grünfeld-Indische Verteidigung, in zwei Bänden

Die Anzahl der interessanten Neuerscheinungen mit Eröffnungsthemen scheint mir gegenüber den Vorjahren deutlich zurück gegangen zu sein. Eine Ausnahme bilden die zwei Bände von Boris Awruch (engl: Boris Avrukh) zur Grünfeld-Verteidigung. Der israelische Großmeister mit russischen Wurzeln gehört zu den Spitzenspielen des Landes und hat mehrfach in der Landesauswahl gespielt. Mit seinem zweibändigen Werk 1.d4 hat er sich bereits sehr erfolgreich als Autor betätigt. Zuvor hat er auch schon über viele Jahre für das ChessBase Magazin und andere Publikationen kommentiert. Auch seine Monografie zur Grünfeldindischenverteidigung ist im Quality Chess-Verlag erschienen und wurde schon bald nach Erscheinen aus dem Englischen in deutsche Sprache übertragen.

Das Konzept der Monografie zur Grünfeld-Verteidigung ist das gleiche wie bei 1.d4 - hier aus Sicht des Spieler der schwarzen Steine, aber natürlich haben auch Spieler, die gegen Grünfeld antreten, ihren Nutzen. Awruch gibt zu jeder Variante, die Weiß wählen könnte eine Repertoire-Empfehlung und stellt diese so ausführlich dar, dass man damit getrost - dem Konzept der Quality Chess Reihe "Grandmaster-Repertoire", in dem die Bänder erschienen sich, tatsächlich auch gegen Großmeister antreten könnte. Zu diesem Zweck hat Awruch alle Varianten maschinell geprüft, dabei zahlreiche Fehler und Ungenauigkeiten entdeckt und viele Neuerungen gefunden. Da Awruch selber die Grünfeld-Verteidigung als Hauptwaffe gegen 1.d4 im Repertoire hat, ist er seiner Aufgabe auch mit einem gehörigen Maß an Eigeninteresse gefolgt.

Band 1 enthält Nebenvarianten wie 3.f3, das Fianchetto-System, Varianten mit 4.Da4 und 4.Db3, die Geschlossene Variante (4.e3). Abspiele mit 4.Lf4 und 4.Lg5 /5.Lg5, sowie die Russische Variante 5.Db3, kurz: alles außer der Abtauschvariante. Band 2 enthält die "alte" Abtauchvariante (Weiß zieht den Königsspringer nach e2) und die neue Abtauschvariante mit Sf3.

Awruchs Monografie über Grünfeld-Indische Verteidigung ist ein überzeugendes Werk. Der Leser spürt überall im Text, dass der Autor seine Verteidigung wirklich gut kennt. Wie in allen anderen Publikationen dieses Verlages sind die Notationen, Haupt- und Nebenvarianten sehr übersichtlich und leicht lesbar dargestellt. Viele, aber auch nicht zu viele, Diagramme unterstützen die Lesbarkeit. An jedem Kapitelende folgt ein Fazit mit einer genauen Beurteilung des jeweiligen Abspiels. Hier und zwischendurch gibt Awruch auch allgemeine Hinweise zu Plänen und Spielanleitungen. Ich wüsste nicht, wie man es noch besser machen könnte.

Wenn man überhaupt irgend etwas Kritisches anmerken möchte, dann wäre höchstens darauf hinzuweisen, dass eine Repertoireauswahl immer auch eine unter Umständen starke Reduktion darstellt. Dies ist konzeptionell begründet und eine Komplett-Darstellung einer großen Eröffnung ist heutzutage sicher nicht nur mühsam, sondern angesichts der riesigen Partienmengen zumindest in Buchform auch kaum mehr möglich. Aus schwarzer Sicht ist der Verlust sicher überschaubar, aber der Nutzen für den Weißspieler ist in einigen Varianten doch stark reduziert.

Eine Frage wäre noch, ob ein Amateurspieler Nutzen aus diesem Buch ziehen kann oder ob es nicht zu speziell ist: Ich denke, dass auch Spieler ab 1500 Elo hier eine ausgezeichnete Anleitung zur Grünfeld-Verteidungung an die Hand bekommen. Auch wenn man nicht alles auswendig lernt, bleibt beim Lesen einiges hängen und wer sich die Mühe macht. Varianten auswendig zu lernen, kann damit eine Menge an mangelndem Spielverständnis kompensieren - denn viele Varianten der Grünfeld-Verteidigung sind sehr konkret.

Awruchs Monografie zur Grünfeld-Indischen Verteidigung ist ein herausragendes Eröffnungswerk- sowohl inhaltlich, als auch in Bezug auf die Darstellung und Lesbarkeit. Für viele Schwarzspieler ist sie sicher ab sofort die neu "Grünfeld-Bibel", für den Weißspieler eingeschränkt nützlich.


Boris Awruch
Grünfeld-Indische Verteidigung, Band 1
362 Seiten, gebunden, Quality Chess, 1. Auflage 2011.
24,99 Euro

Boris Awruch
Grünfeld-Indische Verteidigung, Band 2
270 Seiten, gebunden, Quality Chess, 1. Auflage 2011, original erschienen 2011.
24,99 Euro

Taktik

Helmut Pfleger: Zeit-Knaller


Mit seiner Schach-Kolumne in der Zeit erzielt Dr. Helmut Pfleger eine große Reichweite im Bemühen, Schach populär zu machen. Und der Bamberger Großmeister nutzt diese Chance seit vielen, vielen Jahren sehr gut. In der schacherzählerischen Tradition eines Martin Beheim-Schwarzbachs: ein leichtfüßige Begleittext wird mit einer pointierten Kombination verbunden. Viele Zeit-Leser, auch wenn sie sonst keine Berührung mit Schach haben, schätzen die Kolumnen sehr.

Für die vorliegende Sammlung, oder soll man sagen: Retrospektive, wurden 120 besonders amüsante Zeit-Kolumnen aus drei Jahrzehnten zusammengestellt. Der Band enthält außerdem ein umfangreiches Interview mit dem Kolumnisten selbst und als Zugabe noch ein mehrseitiges Lebens-Kalendarium zahlreicher bekannter Schachspieler.

Helmut Pfleger
Zeit-Knaller

159 Seiten, kartoniert, Edition Olms, 1. Auflage 2011
16,80 Euro



Erinnerungen

Yuri Averbakh: Centre-Stage and Behind the Scenes

Im Jahr 1935 gab Emanuel Lasker in Moskau ein Simultanvorstellung, an der auch drei jugendliche miteinander befreunde Schachspieler teilnahmen: Isaac Linder, Vassily Smyslov und Yuri Averbakh. Alle Anfang der 1920er Jahre geboren gingen sie im Schach ihren Weg. Linder wurde Schachhistoriker, Smyslov Weltmeister und Yuri Averbakh ein starker Großmeister, "Endspielpapst", Schachjournalist, Trainer und Funktionär (Vizepräsident des Schachverbandes). Man kann es sich kaum vorstellen, aber Averbakh moderierte tatsächlich früher im sowjetischen Fernsehen nicht nur eine Schachsendung, sondern eine solche, die nur Endspiele zum Thema hatte. So populär war Schach. Als Spieler und als Vertreter des sowjetischen Verbandes war Averbakh bei vielen Turnieren und Wettkämpfe zugegen.

Yuri Averbakhs "Centre-Stage and Behind the Scenes" ist eine sehr persönliche Autobiografie eines Menschen, der eng mit dem Schach verbunden war. Schachpartien sind allerdings überhaupt keine enthalten. Averbakhs Erinnerungen beginnen mit ein paar Splittern aus den frühen 1920er Jahren. Er berichtet von seinen Eltern und Großeltern, die mütterlicherseits aus Kaluga stammen, wo auch Averbakh 1922 geboren ist. In seinem Vorwort umreißt er in wenigen Sätzen schon die Ereignisse, die das Leben seiner Generation bestimmen - die postrevolutionäre Phase, die Stalinzeit, den großen Terror, den großen Vaterländischen Krieg, die Zeit der Stagnation, die Perestroika und das Ende der Sowjetunion. Mit den folgen Berichten lädt der Zeitzeuge den Leser ein, ihn auf seiner Erinnerungsreise zu begleiten. Wer sich für Geschichte, besonders für Schachgeschichte, interessiert, für den ist dieses Dokument eine ergiebige Quelle, vor allem natürlich aus dem Reich der Sowjetunion. Die Menschen sterben früh, wegen der schlechten Lebensbedingungen, oder verschwinden zu Zeiten des Großen Terrors, Mitte der 1930er Jahre, auch einfach. Manchmal sind es Zufälle, die einem das Leben erhalten. Während Averbakh bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 17-jährig noch zur Schule gehen darf, wird sein ein Jahr älterer Freund Volodya Peterson eingezogen und stirbt zwei Jahre später an der Front.

Averbakhs erste intensive Begegnung mit Schach und seinen Stars ist die besagte Simultanvorstellung von Lasker und Spielmann am Rande des Moskauer GM-Turniers. Für das Turnier selber im Museum der feinen Künste hatte Averbakh keine Eintrittskarte bekommen, zu groß war das Interesse der Bevölkerung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu ersten Sportvergleichen zwischen Sportlern der UdSSR und solchen aus den kontrollierten Ländern, die aber zum Ärger von Stalin wenig erfolgreich verliefen. So kam es, dass die Sportler, auch die Schachspieler, mit finanziellen Anreizen zu besonderen Leistungen angespornt wurden.

Nachdem Averbakh Vizepräsident seines Verbandes wurde, war er bei vielen Turnieren und kritischen Wettkämpfen dabei und berichtet in seiner Autobiografie auch von Begebenheiten hinter den Kulissen, die bisher nicht bekannt geworden sind. Eines dieser Turniere war das Kandidatenturnier in Curacao von 1962. Petrosian, Geller und Keres spielten dort nur kurze Remisen gegeneinander, um sich gegen den härtesten Konkurrenten Fischer besonders anzustrengen. Fischer hat dies später als Verschwörung der Sowjetspieler gegen ihn öffentlich angeprangert. Averbakh weist diese Deutung zurück. Petrosian und Geller seien immer gute Freunde gewesen und hätten auch bei anderer Gelegenheit schnell remis gespielt. Keres sei ein untadeliger Sportsmann gewesen - was stimmt - und es sei schwer vorstellbar, dass der Este sich für so etwas hergegeben hätte. Die Gründe für seine Remis lägen woanders.

Es gibt zahlreiche weitere Hintergrundberichte zu besonderen Schnittpunkten der Schachgeschichte. Averbakh setzt außerdem in einigen Kurzportraits Denkmäler für einige Sowjetmeister und Zeitgenossen, die hierzulande nicht so bekannt geworden sind.

Spannende Lektüre für Schachfreunde, die vom Schach mehr als nur Varianten wissen wollen.

Yuri Averbakh: Centre-Stage and Behind the Scenes
Personal Memoir of a Soviet Chess Legend
268 Seiten, kartoniert, New in Chess, 1. Auflage 2011
ISBN-10: 9056913646
ISBN-13: 978-9056913649
28,90 Euro

Lesebuch

Frank Wenzel: 64 berühmte Felder

Das knapp 250 Seiten starke Buch von Frank Wenzel ist der gelungene Versuch, Schach auf leichtfüßige erzählerische Weise dem Leser näher zu bringen. Entsprechend der Anzahl der Felder auf dem Schachbrett stellt der Autor in 64 Kapiteln Motive und Themen des Schachspiels vor und verbindet diese mit berühmten Partien und Begebenheiten aus der Schachgeschichte. So erfährt der kommende Schachfreund gleichzeitig etwas über "Schachtechnik" und Schachkultur. Das Buch ist hübsch aufgemacht und liefert einen unterhaltsamen Einstieg in die Welt des Schachs. Ideale Urlaubslektüre.

Ein nettes Lesebuch, dass viel Appetit auf Schach macht.

Frank Wenzel
64 berühmte Felder
240 Seiten, Verlag: Pro Business; Auflage: 1., Auflage 2010
ISBN-10: 3868055789
ISBN-13: 978-3868055788
Preis: ca. 25 Euro


 


Roman

Gerhard Josten: Aljechins Gambit

Die Umstände von Alexander Aljechins Tod, 1946 in Estoril lassen eine Reihe von Fragen offen. Gemäß des Totenscheins wäre der 4. Schachweltmeister an seinem Abendessen erstickt. Auf dem bekannten Bild, dass den toten Aljechin an einem Tisch sitzend zeigt, sind leere Teller zu sehen, aber keine Essensreste. Erstickte er etwa am allerletzten Bissen seiner Mahlzeit?

Weitere Ungereimtheiten führten zu verschiedenen Verschwörungstheorien, die man in dem Artikel: Alechins Tod - ein ungelöstes Rätsel? nachlesen kann. Es war genau dieser Artikel auf der ChessBase-Newsseite, der Gerhard Josten zu der vorliegenden Erzählung inspirierte.

Starb der Schachweltmeister wirklich infolge seines zu hohen Alkoholgenusses an einem Stück Fleisch oder wurde er für seine Aktivitäten während des Zweiten Weltkrieges von der Résistance oder dem KGB ermordet? Mit Hilfe von Gerhard Jostens Erzählung kann man diese Ideen an der Seite eines örtlichen Kommissars, der sich bei der eigenmächtigen Aufklärung des Falles plötzlich inmitten einer weltweiter Prozesse sieht, auf unterhaltsame Weise verfolgen. Am Ende steht jedenfalls eine überraschende Wendung des Falles.

Gerhard Josten
Aljechins Gambit.
153 Seiten, Verlag Helmut Ladwig, Gebundene Ausgabe:
ISBN-13: 9783941210349
ISBN-10: 3941210343
Preis: 25 Euro


 

Kultur- und Wissenschaft

Ernst Strouhal (Hrsg.): Schach und Alter
Passagen des Spiels III

"Alter" ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Die Menschen werden immer älter und damit steigt auch der Anteil der Menschen im fortgeschrittenen Alter innerhalb unserer Gesellschaft. Diese sind jedoch größtenteils am wirtschaftlichen Produktionsprozess nicht mehr beteiligt. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt nach. Welche Rolle kann Schach als Übungssport für das Gehirn hier einnehmen?

2008 wurde in Wien an der Universität für angewandte Kunst ein interdisziplinäres Symposium "Spiel und Alter" durchgeführt, dessen schriftlicher Niederschlag sich in diesem Buche in insgesamt 14 Aufsätzen wiederfindet. Diese kreisen im verschiedene Aspekte des Themas "Schach und Alter". Unter den Autoren findet man neben dem des Initiators Prof. Ernst Strouhal bekannte Namen wie: Christian Hesse, Michael Ehn, Hans Holländer, Helmut Pfleger, Harry Schaack oder Susanne Poldauf. Unterschiedliche Fragestellungen werden behandelt, wie: Wodurch entsteht Schachverständnis? Kann man Schachintelligenz üben? Was ist Begabung? Kann man durch Schach das "Altern" verzögern und kann mit Schach verbundene geistige Beschäftigung auch als Demenz - und Alzheimer-Prävention dienen? Dazu werden verschiedene Studien zitiert und präsentiert. In einigen Beiträgen werden Schachspieler  - im Dialog, z.B. Stefan Kindermann - oder im Portrait - Viktor Kortschnoj - vorgestellt. Vlastimil Hort und Viktor Kortschnoj - wer könnte das besser - sprechen über die Kunst, Niederlagen zu verdauen. Michael Ehn liefert eine hochinteressante demografische Analyse des Wiener Schachvereinslebens - ohne Zweifel auf fast jeden anderen Schachbezirk in der Welt übertragbar.

Eine interessante Ausatzsammlung zu einem Thema, dass uns in der Zukunft mehr und mehr beherrschen wird.

Ernst Strouhal (Hrsg.): Passagen des Spiels III: Schach und Alter
210 Seiten, Kartoniert, Springer-Verlag/ Wien, 1. Auflage 2011
34,-  Euro
 

Außerdem erschienen:

 

Ulrich Schädler und Ernst Strouhal (Hrsg.): Spiel und Bürgerlichkeit
Passagen des Spiels I

Ulrich Schädler und Ernst Strouhal (Hrsg.): Passagen des Spiels I: Spiel und Bürgerlichkeit
348 Seiten, Springer-Verlag Wien, 1. Auflage 2010
Taschenbuch: 348 Seiten
ISBN-10: 3709100828
ISBN-13: 978-3709100820
ca. 38,- Euro

 

Matthias Fuchs und Ernst Strouhal (Hrsg.): Das Spiel und seine Grenzen
Passagen des Spiels II

Matthias Fuchs und Ernst Strouhal (Hrsg.)
Passagen des Spiels II: Das Spiel und seine Grenzen
272 Seiten, Verlag: Springer Vienna; 1. Auflage 2010
ISBN-10: 3709100844
ISBN-13: 978-3709100844
ca. 34,- Euro
 

Nikolaos Karatsioras: Das Harte und das Amorphe

Das Schachspiel als Konstruktions- und Imaginationsmodell literarischer Texte
Dissertation zur Rolle des Schachspiels in literarischen Texten.

Nikolaos Karatsioras: Das Harte und das Amorphe
Das Schachspiel als Konstruktions- und Imaginationsmodell literarischer Texte.
262 Seiten, Kartoniert, Frank&Timme,1. Auflage 2011
29,80 Euro


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