Bücher, Bücher, Bücher

11.12.2008 – Als die ersten PCs in die Wohnzimmer der Menschen einzogen, lautete die Prophezeiung berufener Experten, dass nun das Ende des Buches gekommen sei. Doch das Gegenteil war der Fall. Erst mit Hilfe des Computers war es nun praktisch jedermann möglich, die technische Hürde zur Anfertigung einer Vorlage für ein Buch zu überwinden. Die Anzahl der erschienenen Bücher multiplizierte sich um ein Vielfaches gegenüber der Vorcomputerzeit. Dies galt auch für das Schach. Im Vergleich zu Software-Angeboten auf DVDs kommen die Vorteile von Büchern besonders im Winter zur Geltung. Bücherregale an Außenwänden bewirken eine hervorragende Wärmedämmung. Bei einigen Büchern ist dies sogar der einzige Nutzen. Wir stellen im Unterschied dazu 14 zumeist druckfrische Dämmplatten vor, bei denen es sich meistenteils lohnt, sie vor dem Aufstellen durchzulesen bzw. mit dem Analysebrett durchzuarbeiten. Bücher, z.B. bei Schach Niggemann kaufen... 14 Bücher...

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14 Bücher
Rezensionen von André Schulz

Die besprochenen Bücher wurden von Schach Niggemann, sowie den Autoren Mario Tal, Marion Bönsch-Kauke und Christian Warneke zur Verfügung gestellt.



Turnierbuch, Schachgeschichte

Garry Kasparov: Kasparov vs Karpov

Das Buch von Garry Kasparov "Kasparov vs Karpov" wird als zweiter Teil der Reihe "Kasparov on modern Chess" vorgestellt. Der ausgezeichnete erste Teil "Revolutions in the 70s" befasste sich mit der Entwicklung bestimmter Eröffnungen, denen Kasparov im Laufe seines Karriere Interesse entgegen gebracht hat. Anscheinend besteht zwischen den beiden Bänden kein direkter inhaltlicher Zusammenhang - hier eine Sammlung von Eröffnungsanalysen und Partien, dort die Auseinandersetzung mit dem ärgsten Rivalen -, trotzdem gibt es aber doch mehr als nur eine zufällige Zusammenfassung unter einen Reihentitel, wenn man die Dinge in der zeitlichen Abfolge von Kasparovs Schaffen als Schachspieler betrachtet.

Kasparov stellt die nicht immer nur schachliche Konfrontation mit seinem Vorgänger als Weltmeister Anatoly Karpov aus seiner Sicht dar, angefangen mit den ersten Begegnungen, als der junge Karpov gegen den noch jüngeren Kasparov 1975 in Leningrad simultan spielte über die erste echte Turnierpartie bei den UdSSR-Mannschaftsmeisterschaften 1981 bis zu den ersten beiden Weltmeisterschaftsmatches, von denen der erste bekanntlich unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen abgebrochen wurde und Kasparov im zweiten 1985 schließlich den Titel eroberte.

Der Leser erfährt einige interessante biografische Details aus Kasparovs Leben, die vielleicht nicht jedem bekannt sind, so z.B. die Umstände seiner Namensänderung von Weinstein in Kasparov und dass Leonard Barden im Guardian schon nach Kasparovs siebtem Platz bei den UdSSR-Jugendmeisterschaften 1975 in diesem den Nachfolger von Karpov als Weltmeister sah - im Jahr 1990! Barden behielt recht und hat sich nur um ein paar Jahre in seiner Voraussage vertan.

Das Buch enthält 76 Partien zwischen den beiden besten Spielern jener Zeit. Mit Kasparov hat der etwas bessere der beiden Spieler die Partien auf die kompetenteste Weise kommentiert, die man sich vorstellen kann. Wie könnte man je besseres Anschauungsmaterial für die Entwicklung des eigenen Schachverständnisses erhalten als von dem Spieler, den viele für den besten der Schachgeschichte überhaupt halten? Auch wer das Buch mehr aus dokumentarischem Blickwinkel sieht, kommt auf seine Kosten. Das Nacherleben der Schlacht zwischen den beiden führenden Schachspielern ist auch aus über 20-jähriger Distanz noch ein Atem beraubendes Schauspiel.

Das häusliche Analysebrett eines jeden Schachfreundes wird seinem Besitzer auf ewig dankbar sein, dass auf ihm solch großartige Partien und Analysen ausgeführt wurden.

Fazit: Großes Kopfkino für alle Schachfreunde, egal ob fortgeschritten oder Anfänger


Garry Kasparov: Kasparov vs Karpov
In englischer Sprache. Gebunden, 424 Seiten
Verlag: Everyman Chess, 2008
Preis EUR 31,70
ISBN-10: 1857444337
ISBN-13: 978-1857444339

 



Robert Hübner: Der Weltmeisterschaftskampf Lasker - Steinitz 1894 und weitere Zweikämpfe Laskers.

Am Beginn seiner 27 Jahre währenden Weltmeisterstand - vermutlich ein Rekord für die Ewigkeit - stand Laskers Gewinn des Wettkampfes gegen Steinitz 1894. Zuvor hatte Emanuel Lasker schon eine Reihe von Wettkämpfen gespielt, die ihm wertvolle Erfahrung für den kommenden WM-Kampf geliefert hatten. Dazu gehört das Match gegen Curt von Bardeleben, 1889 in Berlin, der Wettkampf gegen Jaques Mieses 1889/1890 in Leipzig, der Wettkampf gegen Henry Edward Bird Februar 1890 in Liverpool, der Zweikampf gegen Nickloas Miniati März 1890 in Manchester, der Wettkampf gegen Berthold Englisch September 1890 in Wien, das Match gegen Joseph Henry Blackburne Mai/Juni 1892 in London, der Zweikampf gegen Henry Edward Bird August/September 1892 in Newcastle-upon-Tyne und der Wettkampf gegen Jackson Showalter Dezember 19892 in Logansport und April 1893 in Kokomo.

Nicht zustande kam ein Wettkampf gegen Tarrasch. Lasker lud ihn zum Wettkampf um 1000,- Mark ein, doch Tarrasch, der gerade den Schachkongress in Dresden gewonnen hatte, lehnte mit dem Hinweis ab, Lasker solle erst ein großes Turnier gewinnen.

Die Wettkämpfe wurden anscheinend um heute gering erscheinende Summen gespielt, doch die Preissummen spiegeln nicht die wirklichen Verhältnisse jener Zeiten wider. Tatsächlich entsprechen die 450,- Mark, die zwischen Lasker und Mieses im Wettkampf von 1889 zur Disposition standen, heute einer Kaufkraft von fast 4000 Euro. 

Hübner würdigt die "Vorbereitungswettkämpfe" Lasker in angemessener Weise auf 55 Seiten am Anfang seines Werkes und kommentiert einige der Partien. Die Partiekommentare sind zum Teil knapp, aber treffend und beschreiben den Charakter der Partien. Mitunter widmet Hübner den Partien auch etwas längere Betrachtungen, ohne dabei jedoch ausschweifend zu werden.

Im Anschluss folgt die ausführliche Betrachtung des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Wilhelm Steinitz und Emanuel Lasker, der von März bis Mai 1894 in New York, Philadelphia und Montreal stattfand und über 19 Partien geführt wurde. Lasker gewann mit 12:7, wobei nur vier Partien remis endeten.

Robert Hübner bespricht alle Partien dieses WM-Kampfes ausführlich und kommentiert unter Einbeziehung früherer Partiekommentierungen, gemäß dem wissenschaftlichem Ansatz, den der Autor bei allen seinen Arbeiten zugrunde legt: Ältere Quellen und neue eigene Gedanken führen zum erhofften Erkenntniszugewinn. Tatsächlich hat das Nebeneinander der Anmerkungen für den lesenden und nacherlebenden Schachfreund einen durchaus lehrreichen Effekt. 

Das Schlusskapitel bietet eine Betrachtung des spannenden Wettkampfes Laskers mit Carl Schlechter in Wien und Berlin Januar/Februar 1910. Erst mit der zehnten und letzten Partie gelingt dem Titelverteidiger der Ausgleich, der zur Titelverteidigung genügte. In diesem Wettkampf sieht Hübner neben dem Zweikampf gegen Capablanca den größten Misserfolg in Laskers Karriere.

Hübners Buch über die Wettkämpfe Emanuel Laskers eignet sich als hervorragende Lektüre für jeden Schachfreund, der sich abseits des hektischen Schachalltags auf diesen Genuss einlassen möchte. In wohltuend sachlichem und unaufgeregten Stil vermittelt der sowohl schachlich wie historisch kompetente Autor dem Leser auf profunde Weise ein bedeutendes Stück deutscher Schachgeschichte. Das Buch ist zudem ausgezeichnet aufgemacht und auch optisch eine Zierde für jeden Bücherschrank.

Fazit: Sehr empfehlenswerte Darstellung eines bedeutenden Stücks deutscher Schachgeschichte


Robert Dr. Hübner: Der Weltmeisterschaftskampf Lasker-Steinitz 1894
und weitere Zweikämpfe Laskers
Deutsch, 236 Seiten, 311 Diagramme, 15 Fotos, Gebundene Ausgabe
Verlag: Edition Marco, 2008.
Preis: 34,00 Euro
ISBN-13 978-3-924833-22-0



Mario Tal: Bruderküsse und Freudentränen


"Bruderküsse und Freudentränen. Eine Kulturgeschichte der Schacholympiaden" erschien gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Dresdner Schacholympiade und ist eine umfangreiche Materialsammlung zur Geschichte der Schacholympiaden. In akribischer Fleißarbeit hat der Autor viele verfügbare Quellen genutzt und die verschiedenen Schacholympiaden mit ihren Vorläufern von 1924 bis 2006 in vielen Einzelheiten beschrieben. Dabei hat Tal viele interessante und z.T. nur wenigen bekannt gewordene Details notiert. Bei der Schacholympiade Leipzig 1960 wurden z.B. noch die Berufe der Teilnehmer ermittelt und so erfährt man, dass der nicht wirklich erfolgreiche Luis Ballon aus Bolivien offenbar Schachprofi war, während Michael Tal als Beruf Journalist angab. Das Buch ist ein Lesebuch, Partien sind nur ausnahmsweise abgedruckt.

Das Werk wäre als schacholympisches Lesebuch vielleicht empfehlenswert, würde der Autor das Thema nicht als Vehikel missbrauchen, um dem Leser in zahlreichen einseitigen Erläuterungen auf ermüdende Weise seine kommunistische Weltsicht aufzuzwingen. So verteidigt Mario Tal beispielsweise im Zusammenhang mit der Darstellung der Schacholympiade Leipzig 1960 auf S. 228 tatsächlich sogar noch den Mauerbau im Sinne der sozialistischen "Schutzwalltheorie" und vergisst dabei, dass die DDR seinerzeit von ihren eigenen Bürgern abgeschafft wurde, und zwar nicht, weil sie darin so glücklich waren. Eine an sich witzig gemeinte Anekdote zur Schacholympiade Dubrobnik 1950, als Larry Evans augenzwinkernd berichtet, er habe eine Einladung in Titos Regierungspalast genutzt, um dort das Klopapier zu klauen, weil es sonst im Land kein weiches Papier gebe, wird humorlos und beleidigt mit dem Hinweis kommentiert, dem mit "verleumderischer Zunge" berichtenden Evans sei wohl nicht bewusst gewesen, dass in seinem Heimatland USA die Bürger ja nicht einmal krankenversichert gewesen wären. Tal versucht zudem, seine Leser davon zu überzeugen, die UdSSR hätte 1950 die Schacholympiade im "reformsozialistischen" Jugoslawien nicht etwa boykottiert, sondern sei aus "Misstrauen gegenüber dem bürgerlichen Sport" fern geblieben. Die Schacholympiaden beim "Klassenfeind" BRD werden ebenfalls politisch verbrämt: München 1958 wird in Verbindung zur Wiederaufrüstung gestellt, Siegen 1970 als provinziell und ehemals faschistisch beschrieben, usw., usw.

Fazit: Trotz einiger interessanter Sachinformationen ist das Buch schwer verdaulich, da es sein eigentliches Thema viel zu oft verfehlt.
Das Buch wirkt an vielen Stellen so, als sei es seinerzeit noch von Margot Honecker in Auftrag gegeben, versehentlich liegen geblieben und nun im Nachhinein doch noch veröffentlicht worden. Wem jedoch die Jubelberichterstattung im Spartakiade-Stil von der Schacholympiade Dresden 2008 gefallen hat, der fühlt sich wohl auch hier zuhause.

Mario Tal: Bruderküsse und Freudentränen
Deutsch, Broschiert, 400 Seiten
Verlag: Papyrossa Verlagsges, 2008
Preis: 29,80 Euro
ISBN-10: 3894383933
ISBN-13: 978-3894383930




Eröffnungen

Monografien:

David Vigorito: Play the Semi-Slav

David Vigorito ist ein US-amerikanischer Internationaler Meister. Sein Buch über die Semislawische Verteidigung trifft den Nerv der Zeit, denn derzeit sind Meraner, Antimeraner und vor allem das Anti-Moskauer Gambit auch auf höchstem Niveau viel diskutierte Eröffnungen. Die einzelnen Abspiele werden anhand von beispielhaften Musterpartien von Spitzenspielern diskutiert. Nach jeder Partie folgt ein kleines Fazit, in dem der Autor auf typische Ideen hinweist und eine Gesamtabschätzung über die jeweilige Variante abgibt. Das Buch ist wie bei allen Büchern aus dem Quality Chess Verlag ausgezeichnet aufgemacht und macht auch inhaltlich einen hervorragenden Eindruck. Die Darstellung der Varianten ist sehr übersichtlich und im Anhang findet man einen Variantenindex und ein Verzeichnis der vollständigen Partien.

Fazit: Herausragende Einführung in das Gebiet der Halbslawischen Eröffnung. Besonders empfehlenswert.

David Vigorito: Play the Semi-Slav
In englischer Sprache, Broschiert, 277 Seiten
Verlag: Quality Chess, 2008
Preis 24,99 Euro
ISBN-10: 9185779016
ISBN-13: 978-9185779017


 


 



Jon Cox: The Berlin Wall

"Die Variante, die Kasparov" besiegte, heißt es im Innenteil als Untertitel zu Jon Cox' Buch "The Berlin Wall", das im gleichen Verlag - Qualitiy Chess" erschien wie obiges Buch von David Vigorito und sich durch dieselben Vorzüge in Bezug auf die Aufmachung hervortut. Tatsächlich war es die Unbezwingbarkeit der Berliner Verteidigung in der Spanischen Partie, die Garry Kasparov in seinem Weltmeisterschaftskampf gegen Vladimir Kramnik, London 2000, zur Verzweiflung trieb. Kramnik variierte zudem seine Züge innerhalb der Variante und Kasparov fand keinen Ansatzpunkt für seine gefährlichen Hausanalysen. "I was outprepared", war sein Fazit. Jonathan Speelman spielte zur gleichen Zeit in Hamburg in der Bundesliga, sah eine der WM-Partien und kommentierte: "Was, einfach gegen Kasparov die Damen tauschen und das ist es?". Wegen der scheinbaren Unüberwindlichkeit der Verteidigung und in Anspielung auf das Bauwerk in Berlin wurde die Verteidigung dann Berliner Mauer genannt.

Kurz vor dem Wettkampf zwischen Kasparov und Kramnik gewann die Berliner Variante an Popularität und wurde dann von Kramnik und seinem Team als Hauptwaffe gegen 1.e4 erkoren. Schon in der Eröffnung werden die Damen getauscht und es es entsteht ein Endspiel mit der immer gleichen Bauernstruktur, bei der die schwarze Majorität am Damenflügel entwertet ist. Eigentlich sind kaum Variantenkenntnisse notwendig. Im Vordergrund steht vielmehr das Verständnis der Struktur und der möglichen Endspiele.

Der englische Internationale Meister Jon Cox zäumt daher das "Berliner Pferd" konsequenterweise von der anderen Seite auf. Zu Beginn der Betrachtung des über 300 Seiten starken Buches stehen nach einer kurzen Einführung über die positionellen Gegebenheiten die möglichen "Berliner" Endspiele und Empfehlungen, wie diese zu behandeln sind. Die Erläuterungen erfolgen anhand von Beispielen aus der Turnierpraxis. Diese nehmen etwa 70 Seiten Raum ein, werden also gründlich untersucht. Es folgt im zweiten Abschnitt eine Darstellung der typischen positionellen Themen in der Berliner Verteidigung auf noch einmal etwa 50 Seiten. Schließlich stellt der Autor im zweiten Teil des Buches aber auch die Eröffnungstheorie dar.

Jon Cox' Buch besticht durch seinen logischen Ansatz in der Darstellung dieser Eröffnung und durch die Gründlichkeit der Darstellung.

Fazit: Beispielhafte und ausführliche Erläuterung einer sehr populären Eröffnungsvariante. Wer bisher noch nicht die Berliner Verteidigung spielte, sollte jetzt damit beginnen.

Jon Cox: The Berlin Wall
In englischer Sprache, Broschiert, 312 Seiten
Verlag: Quality Chess, 2008
Preis: 23,99 Euro
ISBN-10: 9185779024
ISBN-13: 978-9185779024

 



 

John Emms, Glenn Flear, Andrew Greet: Dangerous Weapons 1.e4 e5

John Emms ist der Autor einiger ganz ausgezeichneter Eröffnungsbücher, von denen ich "Play the Open Games with Black" (2000) hervorheben möchte. Hier tritt er als Co-Autor in der Reihe Dangerous Weapons aus dem Haus "Everyman Chess" auf. Wieder sind die Offenen Spiele das Thema. Das Buch stellt eine Reihe von Offenen Spielen vor, die im Zuge der Konzentration der modernen Eröffnungstheorie auf z.B. Najdorf, Marshall-Gambit oder Russisch ins Hintertreffen geraten sind, trotzdem aber eine Vielzahl von anspruchsvollen und gehaltvollen Varianten bieten. Dabei werden sowohl aus weißer wie schwarzer Sicht Vorschläge unterbreitet. Zu den betrachteten Varianten gehört der Max-Lange Angriff 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0-0 Sf6 5.d4, die Hauptvariante der Italienischen Partie (aus schwarzer Sicht), das Evans Gambit (aus schwarzer Sicht), Königsläufer-Gambit, Mittelgambit und einiges mehr. Das Buch ist inhaltlich überzeugend, insoweit eine Ideensammlung das sein kann, und bietet dem Schachfreund eine Reihe von interessanten Anregungen für das nächste Open. Was mir nicht gefiel, ist das billige Papier und das gewöhnungsbedürftige einspaltige und z.T. etwas unübersichtliche Layout.

Fazit: Interessanter Ideengeber für unternehmungslustige Spieler

John Emms, Glenn Flear, Andrew Greet: Dangerous Weapons 1.e4 e5
In englischer Sprache, Broschiert, 336 Seiten
Verlag: Everyman Chess, 2008
Preis: 23,40 Euro
ISBN-10: 1857445422
ISBN-13: 978-1857445428
 

 

 


Deutsche Übersetzung englischer Originalwerke:

Nigel Davies: Geheimnisse der Modernen Verteidigung
und
John Watson: Gefährliche Waffen: Französisch

Diese beiden Bücher lagen mir in als gebundene Bände in deutscher Übersetzung der Originalausgaben "John Watson: Dangerous Weapons: The French" bzw. "Nigel Davies: Starting Out: the Modern" vor und sind bei Everyman erschienen. Der Verlag vermutet offenbar ein großes Potential nicht-englischsprachiger deutscher Schachfreunde und könnte damit vielleicht auch recht haben. Im großen und ganzen sind die Übersetzungen vor allem sachlich in Ordnung, aber manchmal stutzt man schon bei der Übersetzung bestimmter Sätze, Ausdrücke oder Bezeichnungen. So wird im Buch zur Modernen Verteidigung die Variante mit der englischen Bezeichnung "Austrian Attack" zum "Österreichischen Angriff", etwas vor dem wohl am meisten die Preußen in den schlesischen Kriegen Angst hatten. Im Schach heißt die Variante auf deutsch "Dreibauernangriff".
 
Viele Titel der aus dem Englischen übersetzten Bücher, auch in anderen Verlagen, geraten oft sehr hölzern und wirken ungelenk. In den beiden Beispielen hier hält sich die deutsche Vertitelung geschmacklich noch in Grenzen. Die englische Reihe "Starting out" - im Deutschen würden man vielleicht titeln "Anfangen mit" - schien den Übersetzern offenbar ganz und gar unübersetzbar, weshalb sie noch das universale "Geheimnisse (der)..." einfügten. Aus "Starting out. the Colle" wurde z.B. "Colle Geheimnisse" - was nach 70er Jahre und Aufklärungsfilmen klingt.
Hier sind es also die Geheimnisse der "Modernen Verteidigung".  Auch der andere Titel: "Gefährliche Waffen: Französisch. Verblüffen Sie Ihre Gegner!" ist zwar eine lange Ansammlung von Worten aus dem deutschen Wörterbuch, vermittelt aber nicht wirklich den Eindruck, deutsche Sprache zu sein. Gemeint war wohl: Überraschungswaffen in der Französischen Verteidigung.

Auch im Fließtext merkt man den Büchern an, dass es sich um Übersetzungen von englischen Büchern handelt. Die Übersetzung mag an vielen Stellen inhaltlich in Ordnung sein, aber auf deutsch würde man es vielleicht ganz anders schreiben. So wird aus dem englischen "instructive games" das vorgeblich deutsche "Instruktive Partien". Gemeint ist wohl: "Lehrreiche Partien" oder einfach "Beispielpartien". Man muss allerdings zugestehen, dass gerade in England sich eine Vielzahl von Spielern aufs Schreiben oder aufs Publizieren verlegt und zusammen eine gewaltige Anzahl von recht brauchbaren Büchern auf den Markt geworfen haben. Im Gegensatz dazu sind nur wenige deutsche Spieler bisher auch als Autoren tätig geworden. So müssen wir eben mit dieser Form von Übersetzung leben.

Die Bücher des US-amerikanischen IMs John Watsons sind allesamt von ausgesprochen hoher Qualität und wurden bereits von vielen Rezensenten gelobt. Sein Werk "Dangerous Weapons: the French. Dazzle your opponents" stammt eigentlich aus dem Jahr 2006. Die Reihe "Dangerous Weapons" möchte Eröffnungen aus einem anderen Blickwinkel darstellen. Nicht die Hautvarianten sollen systematisch dargestellt werden, sondern Nebensystem und unterbewertete Überraschungsvarianten stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. Watson, der auch schon hervorragende Arbeiten im klassischen Stil zur Französischen Verteidigung vorgelegt hat, ist auch in der Lage, die Überraschungswaffen seiner Eröffnung darzustellen. Auf über 300 Seiten gibt es eine Vielzahl von interessanten, teilweise verblüffenden Anregungen für beide Seiten.

Nigel Davies' Einführungsbuch über die Moderne Verteidigung hat mit etwa 190 Seiten einen geringeren Umfang als das Watson-Buch und wendet sich nicht an die Trickser, sondern an Spieler, die diese Eröffnung erst noch kennenlernen wollen. Der englische Großmeister ist ein großer Spezialist der Modernen Verteidigung. Er kennt sie aus seiner eigenen Praxis und hat bereits mehre Bücher oder DVDs dazu vorgelegt. In dieser Darstellung bleibt der Autor auch immer auf dem Gebiet der Modernen Verteidigung, selbst dann, wenn es vielleicht ratsam erscheint zur verwandten Pirc - Verteidigung zu wechseln. Im Gegensatz zur Pirc-Verteidigung stellt Schwarz in der Modernen Verteidigung die Entwicklung des Sg8 zurück und wandelt deshalb manchmal auf dünnem Eis. Die Darstellung von Davies ist kenntnisreich und vermittelt eine solide Grundlage zum Spielen dieser Eröffnung.

Fazit: Zwei Bücher aus dem Everyman-Verlag für das deutschsprachige Publikum. Watson bietet in seinem Französisch-Buch eine Reihe von interessanten Nebenvarianten für Trickser mit Gebrauchtwagenhändler-Mentalität, aber auch eine Reihe von solideren Spielideen. Davies vermittelt Grundlagen zur Modernen Verteidigung anhand von ausgewählten Beispielpartien. Wer kann, sollte aber lieber die englischen Originalausgaben lesen.

Nigel Davies: Geheimnisse der Modernen Verteidigung
In deutsche Sprache, Gebunden, 192 Seiten
Preis: 23,00 Euro
Verlag: Everyman, 2008
ISBN-13: 978-1-85744-566-4

und

John L. Watson: Französisch. Verblüffen Sie Ihre Gegner!
In deutscher Sprache, Gebunden, 336 Seiten
Preis: 23,00 Euro
Verlag: Everyman, 2008
ISBN-13: 978-3-932336-15-7

 


 

Repertoirebücher, Übersichten

Boris Avrukh: 1.d4 - Volume 1

Auch Boris Arukhs Buch "1.d4 Volume" erschien im Qualilty Chess Verlag, hinter dem das Duo John Shaw und Jacob Aagaard steht. Der israelische Großmeister Boris Avrukh (30) ist einer der stärksten Spieler seines Landes und war Mitglied der israelischen Mannschaft, die bei der Schacholympiade in Dresden die Silbermedaille gewann. Über viele Jahre hat der Autor bereits mit Kommentaren am ChessBase Magazin mitgewirkt und sich auch dort durch seine sorgfältige Arbeit ausgezeichnet. Nun hat er auch sein erste Buch veröffentlicht. "1.d4" ist ein Repertoirebuch, das im Titel das Thema vorgibt. Band 1 beschäftigt sich mit allen Eröffnungen, in denen die klassische Antwort 1...d5 gespielt wird und stellt in insgesamt 29 Kapiteln die vom Autor empfohlenen weißen Antworten dar. Einen zentralen Raum nimmt dabei die Katalanische Eröffnung als Antwort auf das Orthodoxe Damengambit ein. Diese wieder sehr aktuelle Eröffnung wird mit großer Gründlichkeit über 12 Kapitel und mit knapp 250 Seiten sehr ausführlich und in allen Einzelheiten aus weißer Sicht dargestellt.

Im zweiten Teil folgt in 9 Kapiteln eine Erörterung der Slawischen Verteidigung, die Avrukh mit 3.Sf3 und 4.e3 bekämpft. Der Vorteil dieser Methode besteht im Unterschied zum klassischen Aufbau mit 3.Sf3 und 4.Sc3 darin, dass Schwarz keinen Weg in die solide Verteidigung mit 4...dxc4 und 5...Lf5 findet und auch nicht die scharfen und theorielastigen Varianten der Halbslawischen Verteidigung (Meraner, Botvinnik, Anti-Moskauer Gambit etc.) erreicht. Avrukh zeigt diesen Weg und übersieht auch keinen der möglichen Übergänge in andere Eröffnungen, wie z.B. in den Stonewall, wenn Schwarz zu 4...f5 greift. Der letzte Teil ist den übrigen Varianten nach 1...d5 gewidmet: Tarrasch-Verteidigung, Tschigorin-Verteidigung, Keres-Variante, Albins Gegengambit und Angenommenes Damengambit.

Im Vorwort stellt Boris Avrukh fest, dass es in jüngster Zeit im Spitzenschach einen Trend weg von 1.e4 und hin zu 1.d4 gibt. "1.d4 ist eine beliebte Waffe gegen Marshall. Russisch, usw." wird Shirovs Erklärung dafür zitiert. In der Tat hat viele Spieler eine gewisse Müdigkeit der z.T. sehr langen forcierten Varianten in den genannten Eröffnungen, aber auch Sweshnikov, Najdorf usw. ergriffen und sie wollen neue Dinge entdecken. Nicht zuletzt Anand hat gezeigt, dass man mit dem Wechsel zur richtigen Zeit, viel bewegen kann. Avrukhs sorgfältiges und auf hohem Niveau erstelltes Buch bietet auch dem Nichtprofi einen bequemen Einstieg in die d4-Welt, insofern er den Empfehlungen des Autors mit der Katalanischen Eröffnung als wichtigste Waffe gegen 1... d5 folgen möchte. Wir freuen uns auf Band 2.

Fazit: Sehr gründliche Darstellung der d4-Welt aus weißer Sicht auf Großmeisterniveau mit unverzichtbarer aktueller Darstellung der Katalanischen Eröffnung.

Boris Avrukh: 1.d4 - Volume 1
In englischer Sprache, Broschiert, 288 Seiten
Verlag: Quality Chess, 2008
Preis: 24,99 Euro
ISBN-10: 1906552053
ISBN-13: 978-1906552053

 





Alexander Matanovic, Zdenko Krnic (Hrsg.): Enzyklopädie der Schacheröffnungen Band E, 4.Auflage

Für alle älteren Schachspieler in der Vorcomputerzeit waren die Bänder der Enzyklopädie der Schacheröffnungen aus dem Schachinformator-Verlag in Belgrad praktisch die "Bibel" in Bezug auf die Eröffnungstheorie. Das gesamte Gebiet wurde in die Teilgebiete A, B, C, D, und E eingeteilt, mit zahlreichen weiteren alphanumerischen Unterteilungen, den so genannten Eco-Code. Dieser wird auch heute noch vielfach angewandt, nicht zuletzt in den ChessBase-Datenbanken. Vielen Schachspielern sind die ECO-Bezeichnungen in Fleisch und Blut übergegangen und jeder Caro-Kann-Spieler weiß, dass sein Gebiet z.B. B12-B19 umfasst, während die Meraner-Leute bespielsweise D45-D49 im Blick haben.

Der ECO-Code wurde in den Siebziger Jahren entwickelt und spiegelt auch den Stand der damaligen Zeit wieder. So gibt es große Strecken von Zahlencodes, die sich über Gebiete erstrecken, die heute eröffnungstheoretisch kaum noch Bedeutung haben, während sich die Theorie großer Abschnitt erst nach der Festlegung des Codes entwickelt hat. Die ganze moderne Abtauschvariante (mit Sf3) in der Grünfeldverteidigung, praktisch zur Hauptvariante geworden, muss sich einen einzigen ECO-Code teilen - D85. Die Sweshnikov-Verteidigung zwängt sich komplett in den Bereich B33. Es gibt viele weitere solcher Beispiele.

In der ECO werden die Eröffnungsvarianten thematisch katalogisiert und tabellarisch zusammen gefasst, wodurch eine sehr schnell zu erfassende Übersicht der einzelnen Varianten möglich ist. Jede Variante ist mit zahlreichen Anmerkungen versehen, die auf Kommentare oder Nebenvarianten verweisen. Im Laufe der verschiedenen Auflagen nach 1976 wurde der Abschnitt der Anmerkungen immer umfangreicher, was das Lesen der Tabellen erschwert, da häufiges Umblättern auf die Anmerkungen erforderlich ist. Eine einzelne Tabelle der aktuellen Auflage kann gerne auch einmal mit 500 Anmerkungen versehen sein, selbst Tabellen mit 700 Anmerkungen sind enthalten, so dass man sich fragen muss, ob eine Unterteilung der Gebiete auf mehr Tabellen und damit eine Aufteilung der Eröffnungsbereiche, hier Bereich "E", in mehrere Bände nicht vielleicht doch sinnvoll gewesen wäre.

Neben den schon genannten gibt es weitere konzeptionelle Schwächen in der ECO. Der Druck mit einem fest definierten rechten Seitenrand erfordert, dass alle Varianten einer einzelnen Übersicht genau an der gleichen Stelle enden müssen. Wie mit der Schere abgeschnitten werden Zugfolgen der Partien durchtrennt, manchmal an sehr kritischen Stellen. Dann folgt das Urteil des Autors in klassischen Symbolen oder mit der vom Infomator-Team entwickelten internationalen Symbolsprache und den bekannten Zeichen für "Weiß steht etwas besser", "Weiß steht klar besser", "die Partie steht gleich", "unklar" usw. In vielen Fällen ist die Stelle, an der die Variante durchtrennt wurde, jedoch gar nicht für ein profundes Urteil geeignet. In der Beispielpartie entwickelte sich die Dinge vielleicht erst später in eine bestimmte Richtung und das Urteil über eine spätere Stelle in der Partie wurde vorgezogen. Oft genug hat sich das Urteil über eine Variante im Laufe der jüngeren Schachgeschichte auch als völlig falsch erwiesen und musste in der folgenden Auflage revidiert werden. Zuvor wurden aber noch zahlreiche Spieler, die daran glaubten, in die Irre geleitet.

Auch die Reduktion auf eine reine Symbolsprache birgt viele Missverständnisse. So kann das Urteil "=" alles mögliche bedeuten, z.B. "Die Stellung ist langweilig und totremis", "die Partie endet durch Dauerschach", "die Chancen sind in einer ruhigen Stellung ausgeglichen", "in einer scharfen und undurchsichtigen Stellung haben beide Seiten gleiche Möglichkeiten" und vieles mehr. Das Urteil "Weiß steht besser" legt dem Weißspieler einer Variante vielleicht nahe, in der Partie hier angekommen, entwickelten sich die Dinge praktisch von selbst in seinem Sinne. Doch ohne Verständnis der Gegebenheiten in einer Variante, die in der ECO niemals erklärt werden, wird er sich selbst dann schwer tun, wenn die Stellung laut ECO für ihn gewonnen sein sollte.

Ein weiterer Nachteil der ECO, die im vorliegenden Band etwa 670 Seiten umfasst, ist der lange Zeitraum zwischen zwei Auflagen. Die erste Auflage des E-Bandes erschien m.W. 1978. Die zweite Auflage wurde 1991 veröffentlicht, die dritte Auflage 1998. Nun erscheint erste 10 Jahre später die 4.Auflage.

Behält man die oben genannten kritischen Anmerkungen im Hinterkopf, so ist die ECO dennoch eine sehr interessante Lektüre für alle Turnierspieler, die sich schnell einen Überblick über bestimmte Eröffnungen verschaffen wollen. Bei der Fragestellung, "Was soll ich gegen die xy-Variante spielen", kommt man mit der ECO recht schnell zu einem brauchbaren Ergebnis. Zwar ist dieses mit Hilfe von Computer und Datenbanken u.U. noch schneller erreichbar, aber das Arbeiten mit Tabellenbuch und Schachbrett bietet ebenfalls viele Vorteile.

ECO Band E umfasst traditionell die Eröffnungen Katalanisch, Bogoindisch, Damenindisch, Nimzoindisch und Königsindisch. Die Codes sind so aufgebaut, dass die Nebenvarianten am Anfang aufgeführt werden, die Hauptvarianten am Schluss. Allerdings haben sich später wie gesagt manche Eröffnungen ganz anders entwickelt und ihre Hauptvarianten verlagert. Vom früheren Konzept, die einzelnen Gebiete namhaften Autoren zur Bearbeitung anzutragen, ist man seit langem abgekommen. Heute werden alle Eröffnungen vom gleichen jugoslawischen Autorenkollektiv bearbeitet. Besonders kurz nach Drucklegung ist die ECO, hier mit Band E in der 4.Auflage ein interessantes und überaus umfangreiches Tabellenwerk zur schnellen Begutachtung, aber auch zum intensiven Variantenstudium.

Fazit: Unverzichtbares und umfangreiches Tabellenwerk zum Eröffnungsstudium, besonders für Spieler mit fotografischem Gedächtnis geeignet.

Alexander Matanovic, Zdenko Krnic (Hrsg.):Enzyklopädie der Schacheröffnungen Band E, 4.Auflage
Figurine Notation, Gebunden, 672 Seiten
Informator Verlag, 2008
Preis: 37,00 Euro

 


Training

Mark Dvoretzky: Dvoretzky's Analytical Manual

Das Gute an Mark Dvoretzky ist, dass der Name selbst schon wegen der zahlreichen hervorragenden Arbeiten dieses erfolgreichen Trainers eine eigene Marke geworden ist, so dass man seine Arbeiten fast kaum mehr explizit loben muss, so selbstverständlich ist die hohe Qualität der Publikationen von Mark Dvoretzky. So zeichnet sich auch das über 400 Seiten dicke neue Werk "Analytical Manual" durch seine hohe inhaltliche Qualität aus. Das Buch stützt sich auf eine Artikelserie des Autors, die er ursprünglich auf der Webseite chesscafe.com veröffentlich hat und beschäftigt sich in 33 Kapiteln mit fünf großen Themenkreisen: 1. Taktik. 2. Endspiel 3. Training 4. Praktische Psychologie 5. Lasker. Zu jedem Thema gibt es eine Reihe von Partie- oder Stellungsbeispielen, die in der für Dvoretzky typischen lehrreichen Art diskutiert werden, wobei der Akzent auf den Nutzen für die praktische Partie gelegt wurde - im Unterschied zu einer häuslichen Computeranalyse, die andere Ziele verfolgt. Das Buch bietet jedem Schachfreund eine große Fülle an wertvollem Studienmaterial und viele Anregungen für das eigene Spielverständnis. Zum Vorwort wurde bemerkenswerterweise Karsten Müller eingeladen. Es würde mich nicht wundern, wenn Karsten demnächst noch von André Cheron posthum um ein Vorwort gebeten würde. So hohes Ansehen hat der Hamburger GM inzwischen in der Schachwelt erreicht.

Fazit: Ein weiteres beispielhaftes Werk der Marke "Dvoretzky"

Mark Dvoretzky: Dvoretzky's Analytical Manual
In englischer Sprache, Broschiert, 400 Seiten
Verlag: Russell Enterprises Inc, 2008
Preis: 25,00 Euro
ISBN-10: 188869047X
ISBN-13: 978-1888690477

 

 


Schachpsychologie, Schachwissenschaft
 

Marion Bönsch-Kauke: Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf

Die Psychologin Marion Kauke ist über Ihren Ehemann Dr. Ernst Bönsch zum Schach gekommen und hat im Rahmen der Trainerausbildung des Deutschen Schachbundes und der FIDE bereits eine Reihe von Vorträgen in der FIDE-Trainerakademie in Berlin gehalten. Auch für die psychologische Ausbildung der Deutschen Nationalmannschaft war sie bisweilen verantwortlich. Das Buch "Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf" wendet sich an Schachlehrer, Trainer und Spieler, denen hiermit ein Stück "angewandte Psychologie" für ihre Schachbetätigung zur Verfügung gestellt werden soll. In elf Kapiteln werden verschiedene psychologische Aspekte des Schachtrainings vorgestellt und auch wenn dem psychologisch nicht ausgebildetem Leser manches etwas theoretisch erscheinen mag, kann man anhand einer Reihe von sehr praxisnahen Beispielen einigen Nutzen für sein eigene Einstellung im Wettkampfschach herausziehen. Manche Anleitungen sind unmittelbar lehrreich, z.B. der Umgang mit der eigenen Nervosität oder die selbstständige Trainingskontrolle mit Hilfe eines Trainingstagebuchs. Das Buch enthält zudem viele interessante Informationen zu schachpsychologischen Themen, darunter z. B. eine komplettes Schachpsychogramm Robert Fischers, seinerzeit aufgestellt von sowjetischen Großmeistern.

Fazit: Interessante Einführung in schachpsychologische Themen für Trainer und Wettkampfspieler

Marion Bönsch-Kauke: Nervenkrieg - von Aura bis Zweikampf
Broschiert, 318 Seiten
Verlag: Frank & Timme, 2008
Preis: 24,80 Euro
ISBN-10: 3865962041
ISBN-13: 978-3865962041

 




Marion Bönsch-Kauke: Klüger durch Schach

Während das vorgenannte Buch ein durchaus praktischer Leitfaden ist, verfolgt "Klüger durch Schach. Wissenschaftliche Forschung zu den Werten des Schachspiels." wie der Untertitel bereits aussagt einen sehr viel wissenschaftlicheren Ansatz. Die Autorin spürt der Frage nach dem Ursprung von besonderen schachlichen Fähigkeiten nach und stellt eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten vor, die zu diesem Thema bisher veröffentlicht wurden. Mit der Materialzusammenstellung betritt sie schon Neuland, denn zwar gibt es viele Bücher, die sich mit bestimmten Themen des Schachspiels und seiner Facetten beschäftigt, aber eine echte Metatheorie, die sich mit den Voraussetzungen zum Erwerb von herausragender Schachfähigkeit oder dem zugrunde liegenden psychologischem Antrieb beim Turnierschach beschäftigt, wurde bisher nicht systematisch entwickelt. Marion Bönsch-Kaukes 400 Seiten schweres Werk bildet nun einen hervorragenden Ausgangspunkt, diese Theorie auf wissenschaftlicher Grundlage zu erstellen. Die im Buch formulierten Imagethesen zum Schach werden auch Schulpädagogen mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

Fazit: Beeindruckendes Grundlagenwerk zur Metatheorie der Schachfähigkeit und ihres Nutzens für die Persönlichkeitsbildung.

Marion Bönsch-Kauke: Klüger durch Schach
Gebunden, 406 Seiten
Verlag: Leibniz, 2008
Preis: 24,80 Euro
ISBN-10: 393115503X
ISBN-13: 978-3931155032

 



Christian M. Warneke: Analytisches und strategisches Denken im Assessment Center

Dieses Buch erschien bereits im letzten Jahr und wurde mit dem zweiten Preis beim Wettbewerb um den Wissenschaftspreis 2007 der Karpow-Schachakademie ausgezeichnet. Christian Warnecke hat ein Studium der Psychologie und Sportwissenschaft absolviert und liefert mit seiner wissenschaftlichen Arbeit ein neues aus dem Schachspiel abgeleitetes Modell zur Beurteilung der analytischen und strategischen Fähigkeiten von Bewerbern in neudeutsch nun so genannten Assessment Centern. Dies wird vielleicht in erster Linie für Mitarbeiter oder Leiter von Personalbüros größerer Firmen eine interessante Anregung sein, da der Autor aber seinen Vorschlag mit der Darstellung einiger einigen grundlegenden Studien zum Thema Intelligenzentwicklung und Schach unterfüttert, ist das Buch auch für Schachpädagogen von Interesse.

Fazit: Aufschlussreiche Lektüre zum Thema Schach und Intelligenz


Christian M. Warneke: Analytisches und strategisches Denken im Assessment Center
VDM Verlag Dr. Müller, 2007
Preis: 68,00 Euro
ISBN: 978-3-8364-0975-9
 

 

 

 

 

 



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