Beginn der 44. Dortmunder Schachtage

von André Schulz
06.07.2016 – Am Samstag beginnt im Dortmunder Orchesterzentrum das 44ste Sparkassen Chess-Meeting. Die Weltelite trifft dort auf die besten deutschen Spieler. Rekordsieger Kramnik könnte bei seiner 22sten Teilnahme seinen 11. Sieg einfahren, muss sich aber gegen starke Konkurrenz wie Fabiano Caruana oder Maxime Vachier-Lagrave durchsetzen. Alle Partien sind auch hier und auf Playchess live zu sehen. Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

 

Die 44. Dortmunder Schachtage - das Sparkassen Chess-Meeting

Der Ursprung der heutigen "Dortmunder Schachtage" geht auf die Bewerbung Dortmunds als Ausrichter des Wettkampfes um die Weltmeisterschaft 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer zurück. Den Zuschlag bekam, wie allgemein bekannt, Reykjavik und die Schachgeschichte nahm einen ganz anderen Verlauf. Im folgenden Jahr fanden in Dortmund dann aber die Internationalen Deutschen Meisterschaften statt und bald danach die I. Dortmunder Schachtage mit Heikki Westerinen als Sieger. Die große Dortmunder Schachtradition war geboren. Das Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting ist seit vielen Jahren das Aushängeschild des deutschen Schachs. In diesem Jahr findet es zum 44sten Mal statt.

Auch 2016 ist das Turnier wieder erstklassig besetzt. Untern anderem nehmen die Nummer zwei, drei und fünf der aktuellen Weltrangliste teil.

Das Teilnehmerfeld

Vladimir Kramnik (RUS)
Fabiano Caruana (USA)
Maxime Vachier-Lagrave (F)
Leinier Dominguez (CUB)
Jewgeni Najer (RUS)
Rainer Buhmann (D)
Ruslan Ponomariov (UKR)
Liviu-Dieter Nisipeanu (D)

"Turnierveteran" in diesem Feld ist Vladimir Kramnik, der als 16-Jähriger erstmals in Dortmund dabei war, 1992 - damals noch im A-Turnier. 1993 nahm er erstmals im GM-Turnier teil und wurde Zweiter hinter Karpov. In diesem Jahr spielt Kramnik dass 22ste Mal mit und könnte zum elften Mal gewinnen. Zehn Turniersiege konnte der 14. Weltmeister schon verzeichnen. Die letzten beiden Turniere gewann allerdings Fabiano Caruana. Das diesjährige Sparkassen Chess-Meeting wird vom 9. bis 17. Juli im Orchesterzentrum NRW (Brückstraße 47) ausgetragen.

Die Spieler der Großmeisterturniers

Wladimir Kramnik (Russland)

Kein Sparkassen Chess-Meeting ohne Wladimir Kramnik. Der 40-jährige Russe gewann 2011 zum letzten Mal in Dortmund, markierte jedoch mit insgesamt zehn Erfolgen einen Rekord für die Ewigkeit. Der Exweltmeister nimmt mit einer ELO-Zahl von sagenhaften 2801 eine Ausnahmestellung in der Schachwelt ein und muss als Nr. 2 in der aktuellen internationalen Rangliste nur einem gewissen Magnus Carlsen, dem amtierenden Weltmeister, den Vortritt lassen. Beim Turnier in „seinem Revier" startet der mit Lorbeeren reich dekorierte Großmeister immer als einer der Topfavoriten, wird aber inzwischen von der jungen Generation gejagt.

Fabiano Caruana (USA)

Der in den USA geborene Schachstar mit italienischen Wurzeln wurde schon mit 14 Jahren Großmeister. Mit 16 besetzte Fabiano Caruana das erste Brett von Italiens Nationalmannschaft. Seither ging seine Erfolgskurve steil nach oben. Gleich bei seiner Premiere in Dortmund sorgte Fabiano als jüngster Teilnehmer des Chess-Meetings 2012 mit 19 Jahren für einen Paukenschlag, als er die 40. Internationalen Schachtage gewann. Diesen bemerkenswerten Erfolg konnte er 2014 und 2015 wiederholen. Inzwischen spielt Caruana wieder für den USA-Schachverband und liegt mit 2795 ELO auf Platz 3 der Weltrangliste. Er ist neben Kramnik heißester Anwärter auf den Turniersieg in Dortmund.

Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich)

Maxime Vachier-Lagrave nimmt zum ersten Mal am Sparkassen Chess-Meeting teil. Der 25-jährige Großmeister ist mit einer ELO-Zahl von 2788 die Nr. 5 der aktuellen Weltrangliste. Vachier-Lagrave ist für seine schnelle Auffassung bekannt und gewann 2015 bei der Blitzweltmeisterschaft in Berlin die Silbermedaille. Mit der Nationalmannschaft errang er dasselbe Edelmetall 2013 bei der Europameisterschaft. Vachier-Lagrave gehört in den nächsten Jahren zu einer Reihe von Akteuren, denen ein Angriff auf Magnus Carlsens Weltmeisterkrone zuzutrauen ist. In Dortmund zählt er zu den Favoriten für den Turniersieg.

Ruslan Ponomarjow (Ukraine)

Zum wiederholten Mal gibt der FIDE-Champion von 2002 in Dortmund seine Visitenkarte ab. 2010 gewann Ruslan Ponomarjow das Sparkassen Chess-Meeting. Bei seiner Premiere bezwang der ukrainische Großmeister den Seriensieger Wladimir Kramnik in einer großartigen Partie. Ponomarjows Vorbild ist der frühere Weltmeister Bobby Fischer, seine Schachtechnik erinnert an den Amerikaner. Äußerlich von schlanker Gestalt, zeigt sich Ponomarjow abseits der Turniersäle als begeisterter Sportler. Seine gute Kondition macht ihm zu einem zähen Kämpfer, der nur sehr schwer zu schlagen ist.

Jewgeni Najer (Russland)

Der 38-jährige Großmeister aus Moskau startet zum ersten Mal beim Sparkassen Chess-Meeting. Die Qualifikation dafür erreichte Jewgeni Najer durch den Sieg beim diesjährigen Aeroflot Open in der russischen Hauptstadt. Er gewann das Turnier vor dem punktgleichen Boris Gelfand (Israel), der schon öfter in Dortmund spielte. Jewgeni Najer erlernte Schach als Fünfjähriger von seinem Vater und machte schon im Jugendalter mit beachtlichen Leistungen auf sich aufmerksam. So siegte er bei der russischen Meisterschaft U20. Den Großmeistertitel trägt Najer seit 1999. Sein bisher größter Erfolg war der Gewinn der Einzel-Europameisterschaft 2015 in Jerusalem.

Leinier Dominguez (Kuba)

Der 32-jährige Großmeister aus der Karibik feiert seine Premiere in Dortmund, mit ihm startet zum ersten Mal ein Spieler aus Lateinamerika beim Sparkassen Chess-Meeting. Leinier Dominguez ist mehrfacher kubanischer Einzelmeister und spielt seit 2000 bei allen Schacholympiaden für sein sportbegeistertes Land. Er gewann verschiedene hochkarätige internationale Turniere, darunter das Capablanca-Memorial in seiner Heimat. Im Herbst 2008 wurde Dominguez Weltmeister im Blitzschach. Er gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zur erweiterten Weltspitze und ist immer für eine Überraschung gut.

Liviu-Dieter Nisipeanu (Deutschland)

Liviu-Dieter Nisipeanu startet nach 2015 zum zweiten Mal beim Sparkassen Chess-Meeting. Bei seiner ersten Teilnahme stand „Nisi" kurz vor dem Turniergewinn, bis ihn Supergroßmeister Fabiano Caruana in der letzten Runde stoppte. Der gebürtige Rumäne spielt seit 2014 für den Deutschen Schachbund und ist nach dem Wechsel von Arkadij Naiditsch nach Aserbaidschan die neue Nr. 1. In der Weltrangliste liegt er mit einer ELO-Zahl von 2667 auf Platz 78. Der 39-jährige Großmeister feierte 2005 mit dem Gewinn der Einzel-Europameisterschaft seinen größten Erfolg. Mit seiner Erfahrung und seinem aggressiven Spielstil kann Nisipeanu auch 2016 in Dortmund für Furore sorgen.

Rainer Buhmann (Deutschland)

Für Rainer Buhmann ist es die erste Teilnahme beim Sparkassen Chess-Meeting. Als Nr. 3 der deutschen Rangliste befindet er sich in der Form seines Lebens und klopft mit einer ELO-Zahl von 2645 an die Tür zur den Top 100 der Weltrangliste. Buhmann ist seit 15 Jahren Nationalspieler. 2001 gewann er mit Deutschland Bronze bei der Europameisterschaft und gehörte zum Team, das 2011 Gold bei der EM in Griechenland gewann. Der 35-jährige Großmeister hat zahlreiche Turniererfolge vorzuweisen, doch das mit absoluter Weltklasse besetzte Chess-Meeting ist qualitativ eine Premiere für ihn. Buhmann startet daher in Dortmund als Außenseiter.

 

Quelle: Turnierseite

 

Spielplan:

Runde 1: 9. Juli, 15 Uhr
Caruana – Vachier-Lagrave
Nisipeanu – Ponomariov
Najer – Buhmann
Dominguez Perez – Kramnik

Runde 2: 10. Juli, 15 Uhr
Vachier-Lagrave – Kramnik
Buhmann – Dominguez Perez
Ponomariov – Najer
Caruana – Nisipeanu

Runde 3: 12. Juli, 15 Uhr
Nisipeanu – Vachier-Lagrave
Najer – Caruana
Dominguez Perez – Ponomariov
Kramnik – Buhmann

Runde 4: 13. Juli, 15 Uhr
Vachier-Lagrave – Buhmann
Ponomariov – Kramnik
Caruana – Dominguez Perez
Nisipeanu – Najer

Runde 5: 15. Juli, 15 Uhr
Najer – Vachier-Lagrave
Dominguez Perez – Nisipeanu
Kramnik – Caruana
Buhmann – Ponomariov

Runde 6: 16. Juli, 15 Uhr
Vachier-Lagrave – Ponomariov
Caruana – Buhmann
Nisipeanu – Kramnik
Najer – Dominguez Perez

Runde 7: 17. Juli, 13 Uhr
Dominguez Perez – Vachier-Lagrave
Kramnik – Najer
Buhmann – Nisipeanu
Ponomariov – Caruana

Einlass: Eine Stunde vor Spielbeginn

Autogrammstunde: 14. Juli, 15 Uhr
mit den Stars des Supergroßmeisterturniers im Kundenzentrum der Sparkasse Dortmund, Freistuhl 2–4

 

Alle Sieger des Dortmunder Großmeisterturniers

1973 Westerinen
1974 Szabó
1975 Westerinen
1976 Romanischin
1977 Smejkal
1978 Andersson
1979 Georgadse
1980 Keene
1981 Kusmin
1982 Hort
1983 Suba
1984 Gruenfeld
1985 Rasuwajev
1986 Ribli
1987 Balaschov
1988 Lputjan
1989 Geller
1990 Tschernin
1991 Stohl
1992 Kasparov
1993 Karpov
1994 Piket
1995 Kramnik
1996 Kramnik
1997 Kramnik
1998 Kramnik
1999 Leko
2000 Kramnik
2001 Kramnik
2002 Leko
2003 Bologan
2004 Anand
2005 Naiditsch
2006 Kramnik
2007 Kramnik
2008 Leko
2009 Kramnik
2010 Ponomariov
2011 Kramnik
2012 Caruana
2013 Adams
2014 Caruana
2015 Caruana

 

Turnierseite Sparkassen Chess-Meeting...

ChessMeeting2016 Programmheft...

Orchesterzentrum...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

Holger Lorenz Holger Lorenz 08.07.2016 10:26
Anstatt alle Gewinner der vergangenen Turniere aufzulisten hätte ich lieber Informationen darüber gehabt, ob die Partien live kommentiert werden und ggf. von wem und ob vielleicht Livebilder zu erwarten sind. Keine Infos dazu!
Wosch Wosch 08.07.2016 12:41
Ich freue mich auf dieses beste Turnier auf deutschem Boden und hoffe, dass die beiden Deutschen eine gute Rolle spielen können. Übrigens: Liviu Nisipeanu ist seit 53 Spielen ungeschlagen(!) Wollte das nur mal erwähnt haben, weil diese überaus bemerkenswerte Bilanz dem Kommentator offensichtlich entgangen ist. Warum Nisipeanu mit dieser Spielbilanz nicht die FIDE Weltrangliste anführt?
Gegen eloschwächere Spieler ist N. zu oft remisbereit. Das wird ihm in diesem Klasse-Turnier ja nicht passieren LOL. "Aggressiver Spielstil" Eher das Gegenteil bei seiner Bilanz.
1