Bericht vom Pokalfinale

13.03.2002 – Auch ohne ihre Stars Adams, Shirov und Bareev konnte die Mannschaft des Lübecker SV am vergangenen Wochenende den deutschen Mannschaftspokal 2002 erringen, wobei der Finalgegner Baden-Oos (mit Svidler, Hübner, Krassenkov und Keitlinghaus) alles andere als ein Leichtgewicht war. Entsprechend gut ist die Laune bei den Leuten von der Trave. Eckhard Stomprowski berichtet. Mehr...

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Pokalfinale
von Eckhard Stomprowski

Die Partien des Finales zum Nachspielen...


Baden-Baden

Es wird Frühling. Eine Zeit, die reich ist an Höhepunkten im Veranstaltungskalender des Deutschen Schachbundes. Die Ligasaison neigt sich langsam dem Ende zu und die Spielzeit im Pokalwettbewerb findet traditionsgemäß im März den End- und Höhepunkt.

„Roulettenburg“, wie Dostojewski das badische Städtchen so treffend umschrieb, durfte diesmal die Finalrunden im Einzel- und Mannschaftswettbewerb ausrichten. Der Baden-Badener Verein SC Baden-Oos befindet sich seit Jahren auf einem schach-sportlichen Höheflug, der seinesgleichen sucht. Nach drei Aufstiegen in Folge zweifelt niemand ernsthaft daran, dass dieser in der Saison 2002/03 in der höchsten deutschen Liga nicht nur vertreten sein wird, sondern auch bei der Ermittlung des Meisters seinen Hut in den Ring werfen wird. Der Titel des Deutschen Mannschaftspokalsiegers wurde von dem rührigen Mannschaftsführer Thilo Gubler gewissermaßen als seine Herzensangelegenheit jetzt schon eingefordert, nachdem seine Damen den entsprechenden Erfolg schon unter Dach und Fach gebracht hatten. Nicht ohne Grund, denn mit dem WM Halbfinalisten Peter Swidler, dem polnischen ehemaligen Weltranglistenzehnten Michael Krasenkow, der deutschen „Schachlegende“ Dr. Robert Hübner und Robert Keitlinghaus stand eine waffenstarrende Truppe bereit, die niemand zu fürchten hatte.

Allein, vor den Erfolg haben die Götter die Gegner gesetzt und so versammelten sich am 09.03, in der „bel etage“ des Kurhauses/Casinos neben dem Ausrichter der USC Magdeburg, die SF Stuttgart und eben wir als Titelverteidiger eingefunden. Nach herzlichen Be-grüßungsworten durch Vertreter der Kurstadt, den Vorsitzenden von SC Baden Oos Ger-sinska und dem Badischen Schachverband, griff die für den TV Tegernsee in der 1. Liga startende Großmeisterin Kachiani-Gersinska (in Parallelfunktion Ehefrau des Ooser Präsidenten!) in den Lostopf und zauberte die Halbfinalpaarungen Lübecker SV-USC Magdeburg sowie SF Stuttgart-SC Baden Oos hervor. Gewissermaßen ein Glücksgriff, denn so standen alle Zeichen auf eine Entscheidungsbegegnung zwischen dem Lübecker SV als Titelverteidiger und den ambitionierten Oosern für den Sonntag. Die Magdeburger waren mit Slobodjan, Markgraf, Ivanov und Kapischka doch eher als Überraschungselement sehen und die Stuttgarter hatten zwar Mihail Golubev an Bord, der in der Tegernseer Bundes-ligarunde phantastische Partien lieferte; es fehlten aber mit den GM Jörg Hickl und Christian Gabriel wichtige Entscheidungsträger. Insbesondere das Fehlen von Hickl überraschte, war er es doch, der die SG Porz im Viertelfinale praktisch im Alleingang bezwang.

Mit 3,5:0,5 über Magdeburg und 2,5:1,5 über Stuttgart erledigten Lübeck und Baden Oos am Samstag die „Pflichtaufgaben“. In beiden Begegnungen waren die favorisierten Teams nie in Verlustgefahr und so konnte es am sonntäglichen Morgen zum erwarteten Show-Down kommen. Sowohl Samstags wie Sonntags kommentierte Kachiani-Gersinska die Spiele und sah nach einer guten Stunde die Ooser in den Sizilianisch-Duellen an Brett 1 und 3 aber auch an Brett 2 mehr oder weniger deutlich vorne. Lediglich Lars-Bo Hansen gegen Ludger Keitlinghaus hatte im Caro-Cann einige Vorteile erarbeitet. Doch 6 Stunden ist eine lange Bilanz und auf den 64 Feldern kann viel geschehen. Zunächst aber sollte die Großmeisterin Recht behalten. Wladimir Epischin hatte gegen Peter Swidler reichlich Mühe, Ausgleich zu erzielen. Nach dem erzwungenen 7. Dg4 war schon 7. ...g6 erzwungen und es dauerte viele Züge und noch mehr Zeitverbrauch, um eine gewisse Konsolidierung zu erreichen. Nach der Zeitkontrolle konnte Peter Swidler mit dem Bauerndurchbruch 48. b5 dank besser positionierten Leichtfiguren die Ooser Führung vermelden.


Svidler-Epishin

Aus Lübecker Sicht geschah dann aber Erfreuliches. Sizilianisch-Experte John Nunn, der Michael Krasenkow bereits wohl in der Eröffnung mit 9. a4 überraschte, hatte ganz offensichtlich die strategischen und positionellen Feinheiten der Stellung besser im Griff. Nach 20....Sf4 brachte die erstaunliche Riposte 21. Sd6+ John endgültig auf die Siegerstrasse und wenig später war der Ausgleich da. Die verbliebenen Partien von Lars-Bo Hansen gegen Ludger Keitlinghaus und Jon Speelman gegen Michael Keitlinghaus standen verheißungsvoll. Ersterer erarbeitete sich nach dem Bauernopfer (12. Db7x) deutliche Stellungsvorteile, die nach 18. Te8 zum Gewinn des Bauernpaares b/c führte.


Keitlinghaus-Hansen

Doch der Mehrbauer war im entstandenen Turmendspiel leider nicht verwertbar und so lag die Entscheidung schließlich in den Händen von Jon Speelman gegen Robert Hübner.


Speelmann (re.) gegen Dr.Hübner

Ein merkwürdiger Aufbau von Jon (außer c/f wurden alle anderen Bauern nur bis zur dritten Reihe gezogen (!)) ließ Kachiani-Gersinska zu dem Analyse-Urteil „so spielt man, wenn man Angst hat“ verleiten. Eine Fehleinschätzung. Ganz offensichtlich war Jon mit den Feinheiten des Aufbaus besser vertraut. Nach dem Tausch seiner Bauern e/f gegen b/g verblieb Jon mit Läuferpaar und entferntem Freibauern. „Wir müssen optimistisch sein“ wurde im Nebenraum ängstlich analysiert. Doch dazu bestand kein Anlass mehr. Es bedurfte zwar noch weitgehender Berechnungen, doch Jon erwies sich auch hier als Meister der Materie. Im 62. Zug gab Robert auf, begleitet vom stillen Jubel auf Lübecker Seite.


Sieger unter sich: Svidler und Nunn

Der Cup geht also wieder in die Hansestadt. Die Gastgeber hatten die Enttäuschung bald überwunden und gratulierten herzlich und aufrichtig. Vor uns lag noch eine lange Fahrt nach Lübeck, doch was ist das schon gegen den süßen Geschmack des Erfolges.

Auch der Einzelpokal ging in den Norden. Hannes Langrock vom HSK konnte den Berliner Ulf von Herman im Entscheidungsblitz niederhalten. Stuttgart schlug Magdeburg 2,5:1,5 und so blieb immerhin „Bronze“ in Baden Würtemberg.



Hannes Langrock





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