Berliner Frauenturnier kam gut an

20.11.2006 – Neben Mitorganisator Neues Deutschland hat heute auch die taz das Berliner Frauenturnier vom vergangenen Freitag gewürdigt. Sonja Beckmann widmete der Siegerin Elisabeth Pähtz in der taz ein Portrait. Für das Neue Deutschland hatte das Turnier weiter gehende Bedeutung: "Der heutige Tag markiert eine Richtungsentscheidung", sagte ND-Geschäftsführer Olaf Koppe in seiner Begrüßungsansprache. "Wir positionieren uns als Zeitung für die Schacholympiade 2008 in Dresden."Für die Webseite des Berliner Schachverbandes hat Frank Hoppe einen Bericht mit Fotos veröffentlicht. Taz: Die Frau, die intuitiv opfert... Artikel beim Berliner Schachverband... ND: Spannung im Hinterzimmer... ND: Das war zum Schluss ganz schön wild...Nachdruck...

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Nachdruck aus dem neuen Deutschland mit freundlicher Genehmigung.


Lust am Denken
Von Art Kohr




Am Ende triumphieren die besseren Reflexe. „Streckenweise habe ich gar nicht mehr richtig durchgeblickt“, bilanziert Elisabeth Pähtz, als alles vorbei ist, „das war ziemlich wild.“ Auch unter Druck kaltblütig zu reagieren, gerade das jedoch hat die 21-jährige bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber gelernt – die Erfurterin dient momentan als Obergefreite in der Bundeswehr - , deswegen pariert Elisabeth Pähtz alle Attacken mit traumwandlerischer Sicherheit und entscheidet das „1. ND-Damenturnier“ für sich.

Der heftige Schlagabtausch zwischen Deutschlands zweifacher Juniorenweltmeisterin und der Olympiasiegerin 2006, Inna Gaponenko (30) aus der Ukraine, ist dramatischer Höhepunkt der Schachgala, zu der das „Neue Deutschland“ und die Werbeagentur Dorland erstmals in die Räume der Emanuel-Lasker-Gesellschaft am Leuschnerdamm geladen haben.

Überregionale Medien, die Schachturniere veranstalten, die sind im Ausland nichts Ungewöhnliches; beispielhaft ist insofern Kopenhagens renommiertes Blatt „Politiken“ mit seinem alljährlichen „Politikens Cup“. An derartige Vorbilder knüpft nun die Berliner Tageszeitung „Neues Deutschland“ mit ihrem neu gestarteten Damenturnier an: eine Initiative, die ND-Geschäftsführer Olaf Koppe ausdrücklich als Richtungsentscheidung verstanden wissen möchte. „Wir wollen uns auf dem Markt positionieren als d i e Zeitung in Deutschland, die der Schachberichterstattung einen wichtigen Platz einräumt“, sagt er am Rand der Veranstaltung. „Das geschieht mit besonderem Blick auf Schacholympia 2008 in Dresden – und das Damenturnier heute markiert den Auftakt.“

Ein fachkundiges Publikum, darunter Horst Metzing, Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes, verfolgt den Vierer-Wettkampf. Neben Elisabeth Pähtz und Inna Gaponenko sind auch die Schweizer Meisterin Monika Seps (20) und die Deutsche Jugendmeisterin Melanie Ohme (16) aus Leipzig am Start; und ChessBase, das weltweit größte Schachportal, überträgt die Duelle live ins Internet.

Das Treffen der weiblichen Nachwuchsstars beweist: Es muss nicht immer Fußball sein, die Aktionen auf den 64 schwarz-weiß karierten Feldern können sich temporeich entwickeln wie Kombinationen auf dem grünen Rasen. Zumal eine deutlich verkürzte Bedenkzeit von vornherein keine Langeweile aufkommen lässt: zehn Minuten pro Match und Kandidatin in der Vorrunde sowie 20 Minuten in den Finals, danach ist Abpfiff.

Entsprechend schnell nehmen die Partien Fahrt auf, und rückt das Time-out näher, flitzen die Spielfiguren hin und her über den quadratischen Kampfplatz. Das ist auch vom letzten Zuschauerrang aus noch gut zu sehen, dafür sorgen Großdiagramme, die ein Projektor an die Stirnfront des Saales wirft. Public Viewing, nur dieses Mal im Schach, und Gemma Sedrakjan ist total begeistert: „Das finde ich super spannend!“ Die hellwache Siebenjährige hat das ND-Schachrätsel geknackt und eine Gala-Karte gewonnen, zusammen mit mehr als 30 weiteren Lesern, darunter das Brüderpaar Jeremias (7) und Leander Thiele (9) aus dem thüringischen Bad Frankenhausen.

Die Erwartungen der Fans werden nicht enttäuscht, die Spitzenfrauen vorne auf der Bühne schenken sich nichts. Monika Seps und Melanie Ohme heizen den Favoritinnen Elisabeth Pähtz und Inna Gaponenko tüchtig ein. So dass Großmeister Thomas Pähtz, Vater von Deutschlands Hoffnungsträgerin Elisabeth, ein Wechselbad der Gefühle durchmacht, während er in einem Nebenraum die Partien kommentiert: „Ich muss ja neutral bleiben“, sagt er tapfer, „aber das fällt manchmal nicht leicht.“



Ein emotionaler Spagat, den ihm Tochter Elisabeth dankt: Sie räumt den ersten Preis ab, ein 1000-Euro-Gutschein vom Sponsor GIS-Reisen inklusive. Die Zweitplatzierte Inna Gaponenko nimmt’s sportlich: „Das Turnier war sehr interessant.“ Ein Happy End gibt es für die Leipzigerin Melanie Ohme: Nach unglücklichen Niederlagen zum Auftakt fängt sie im Schlussspurt Monika Seps doch noch ab und teilt sich mit der Eidgenössin Platz drei. „Ein versöhnliches Ergebnis“, sagt Monika Seps. „Ich habe gesehen, dass ich auch gegen derart starke Konkurrenz Chancen habe“, analysiert Melanie Ohme, „das ist okay.“

Auch die kleine Gemma Sedrakjan strahlt. Sie hat schon die Potsdamer Stadtmeisterschaft in der Altersklasse U-8 gewonnen, und seit der ND-Schachgala glaubt sie nun ganz fest daran: „Ich werde Großmeisterin.“

Emanuel Lasker, Namenspatron der Wettkampfstätte und Rekordweltmeister von 1894 bis 1921, hätte das sicher gerne gehört. „Die Lust am Denken“: Dieser Leitspruch Laskers zieht sich über die Wand neben der Eingangstür. „Die Lust am Denken“: Mit blitzgescheiten jungen Frauen wie Elisabeth Pähtz und Melanie Ohme und einem Riesentalent wie Gemma Sedrakjan muss einem um den intellektuellen Standort Deutschland nicht bange sein.




 

 



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