Betrugsfall bei ProChessLeague

05.10.2020 – Das Finale der Chess.com ProChessLeage wurde von einem Betrugsfall überschattet. Tigran Petrosian soll nach dem Befund des Chess.com Fair Play Teams im Finale mit Computerunterstützung gespielt haben. Seiner Mannschaft wurde der Sieg aberkannt, der Spieler lebenslang für Teilnahmen auf dem Server gesperrt.

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Die Chess.com-Turnierserie ProChessLeague wird von einem Betrugsfall überschattet, in den der bekannte armenische Großmeister Tigran Petrosian verwickelt ist.

Im Finale der Serie spielte die Mannschaft der Saint Louis Arch Bishops (u.a. Caruana, So, Dominguez) gegen die Mannschaft Armenian Eagles (u.a. T. Petrosian, Martyrosian, Maghsoodloo). Die Armenian Eagle gewannen das Finale und damit 20.000 Dollar für den ersten Preis, aber schon kurz darauf wurden gegen Tigran Petrosian Betrugsvorwürfe vorgebracht. 

Wesley So war sich so sicher, dass er die Vorwürfe öffentlich äußerte. Tigran Petrosian reagierte darauf mit einem sehr aggressiven Post, in dem er Wesley So beschimpfte.

Der Veranstalter Chess.com untersuchte den Vorwurf und kam zu dem Schluss, dass Petrosian gegen die Fair Play Vorschriften verstoßen habe. Einige der Partien sind auffällig fehlerfrei und die die Züge decken sich mit Computervorschlägen. Zwar werden die Spieler während der Partien über mitlaufende Webcams überwacht, aber Petrosian soll während der Partien häufig nach unten geschaut haben, wo er mutmaßlich Zugang zu mitlaufenden Computeranalysen hatte. Chess.com kam zu der Überzeugung, dass Petrosian auch schon im Halbfinale Computerunterstützung herangezogen hatte.

Die Qualität moderner Schachengines ist inzwischen so gut, dass selbst Engines für Mobilgeräte auf Spitzenniveau mitspielen können.

Chess.com hat den Armenian Eagles den Sieg aberkannt und die Saint Louis Arch Bishops zu Siegern erklärt. Tigran Petrosian Serverzugang wurde gelöscht und der Spieler lebenslang für Teilnahmen auf dem Chess.com-Server gesperrt.

Presseerklärung von chess.com

Die Saint Louis Arch Bishops sind die Gewinner der 2020 PRO Chess League 2020! Die Armenia Eagles wurden aufgrund von Verstößen gegen das Fairplay nachträglich disqualifiziert.

Nach einer gründlichen Untersuchung stellte das Fairplay-Team von Chess.com fest, dass GM Tigran L. Petrosian, der für die Armenia Eagles spielte, sowohl im Halbfinale am 25. September, als auch im Finale am 27. September gegen die Fairplay-Bestimmungen verstoßen hat.

Chess.com und die PRO Chess League haben Petrosian wegen seiner Handlungen lebenslang gesperrt. Gemäß Abschnitt F der Bestimmungen der Pro Chess League wurde den Armenia Eagles die Teilnahme an zukünftigen Spielzeiten der PRO Chess League untersagt.

Der Spielleiter der PRO Chess League, IM Greg Shahade, veröffentlichte die folgende Erklärung:

"Es ist immer bedauerlich, wenn der Liga Beweise für Verstöße gegen das Fairplay vorgelegt werden, aber wir stehen hinter den Beweisen des Fairplay-Teams von Chess.com."

Die Saint Louis Arch Bishops haben damit die Pro Chess League zum dritten Mal gewonnen - zum zweiten Mal in Folge. Das gesamte Preisgeld für den zweiten, dritten und vierten Platz, insgesamt $10.000, geht nun zu gleichen Teilen an die Canada Chessbrahs und die China Pandas.

 

Presseerklärung bei Chess.com...

Meldung bei FAZ...

 



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aikar aikar 12.10.2020 01:02
Ich habe erfahren, Turnierorganisatoren konnten verlangen, die Kamera auf ein beliebiges Punkt des Raumes richten zu lassen. Falls etwas verdächtiges vorkommt, ist das eine gute Möglichkeit, den Fairplay zu prüfen. Warum hat keiner während des Turniers von dieser Möglichkeit gebrauch gemacht ? Ich nehme an, es gab nichts Verdächtiges.
D.h. für Oganisatoren hat eher das Turnierergebnis nicht gepasst. Petrosian reagierte vielleicht nicht optimal auf Vorwürfe von Wesley So. Noch schlechter war die Reaktion der Organisatoren.
aikar aikar 10.10.2020 11:30
@listopad
Ihre Überlegungen sind sehr eingeschränkt: jemand ist experte, er hat immer recht. Eine dogmatische Denkweise.
Ich frage mich, ob die Fortsetzung dieser Diskussion noch Sinn hat.
listopad listopad 10.10.2020 04:36
@aikar:
Werter Schachfreund, es ist immer hilfreich mehr Aufmerksamkeit dem geschriebenen Text und dessen Inhalt zu widmen und vom unnötigen Pathos abzusehen. Der armenische GM Petrosian hat im öffentlichen Raum eine Reaktion von sich gegeben, die ihn in der breiten Schachöffentlichkeit menschlich in ein schlechtes Bild gerückt hat. Jemand, der öffentlich so auftritt sollte damit rechnen, dass sein Verhalten nicht unkommentiert bleibt. Und zwar unabhängig davon, ob man betrogen hat oder nicht - das ist ein Thema für Experten und nicht Gegenstand meiner Ausführungen.
aikar aikar 09.10.2020 10:53
@listopad
Sie glauben zu wissen, anhand der Reaktion bestimmen zu können, wer da Recht hat?
Das ist das Problem. Solche Vorurteile haben nichts mit Wahrheit oder Objektivität zu tun.
Mit einem unbegründeten Vorwurf Konfrontiert zu sein ist unangenehm. Das ist unbestritten.
Eigene Emotionen in so Eine Situation kontrollieren zu können ist schwer und kann keine Voraussetzung sein für eine Verurteilung.
rollinghills rollinghills 08.10.2020 09:53
Sieht man Petrosian im Video ist klar, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Mann schaut in einer extrem komplizierten Stellung regelmäßig nach unten und nicht aufs Brett, und man sieht, dass er kaum rechnet. So verhält sich kein Spitzenspieler in einer extrem wichtigen Partie, in der es um eine Menge Geld geht. Das ist eindeutig.
Suttles Suttles 07.10.2020 08:22
Wirklich ein schwieriger Fall. Habe Ray Tischbiereks Ausführungen im aktuellen "Schach" gelesen, seine Niederlage gegen einen ungewöhnlich stark spielenden 1800er, der später aber nicht als Cheater eingestuft wurde. Verglichen damit müsste man auch Petrosian als unschuldig einschätzen.
Aber solche allgemeinen Abwägungen führen eben nicht weiter, man braucht konkrete Argumente. Auf dem Youtube-Kanal von Souleidis wird Petrosian-So gezeigt, und als Weiß in der Anfangsphase die Computerempfehlung Ta1-c1 zieht, merkt Souleidis an, dass er diesen Zug nicht recht versteht. Bis dahin waren alle Züge für ihn nachvollziehbar, dieser nicht.
ABER: Petrosian spielt diese Eröffnung (Königsindischer Angriff) häufig. Und wenn man ein wenig Theorie kennt, weiß man, dass auch menschliche Spieler in genau demselbem Stellungstyp schon das "mysteriöse" Ta1-c1 gespielt haben (ich selbst konnte mich spontan an meinen alten Taimanov-Band "Königsindisch bis Altindisch" erinnern und habe es nachgeschlagen: 2.Auflage, S.161, Partie Tscheremissin-Tschumak 1976: 15.Tac1.).
Dieser spezielle Zug ist also definitiv nicht als Indiz auf Computerhilfe zu werten. Natürlich handelt es sich nur um ein kleines Detail im Großen und Ganzen, aber es zeigt exemplarisch, wie ein unbegründeter Verdacht erzeugt werden kann.
Master R. Master R. 07.10.2020 04:03
Eine Untersuchung Anhand von Indizien ist ein Witz.
Im Zweifel für den Angeklagten!
Einem "Super-GM" ohne Beweise einen Turniersieg abzuerkennen ist eine Farce.
Betrug im Turnierschach ist verwerflich, aber eben nur sehr schwer zu 100% zu verhindern.
Der Veranstalter sollte daraus lernen, auf den "Rechtsweg" zu verweisen ist mir zu billig.
Wer hat schon die Ruhe, die nerven und die Geduld, das auszufechten.
Hexenjagd trifft die Sache ganz gut, da wird "die Sau durch das Dorf getrieben"...
Es ist schon übel und schlimm genug, da der Name (eines ehem. WM) nun immer mit Betrug in Verbindung gebracht werden wird!"!!
listopad listopad 06.10.2020 07:52
@aikar: Wenn den armenischen GM keine Schuld trifft, warum dann so eine nervöse Reaktion? Jemand, der sich nichts vorzuwerfen hat, wird ruhig und sachlich antworten, wenn überhaupt. Unabhängig davon, ob er seine Schuld eingesteht oder gegen selbige gerichtlich vorgeht - ein Bild von sich als Mensch hat er bereits der breiten Öffentlichkeit offenbart.
aikar aikar 06.10.2020 06:59
Hiermit blamiert sich IM Greg Shahade...

Der GM T.L.Petrosian ist Jugendweltmeister gewesen und spielt auch weltmeisterlich vielleicht nicht so konstant, wie man sich wünschen würde. Wie schon bekannt, er ist selber Kämpfer für Fairplay.

Was wird ihn Vorgeworfen?
Beim spiel schaut ab und zu hinunter: es ist nicht verboten. Viele schauen rechts oder links. Manche schauen in Himmelsrichtung.
Zweite Vorwurf: ein Komputerprogram vermutet böses. Ich bin selber ein Softwarespezialist und Zeitlang habe ich mich mit Künstlichen Intelligenz beschäftigt. Da kann mann viel falsch interpretieren.
Mein Vorwurf an IM Greg Shahade ist, dass seine Schlußvolgerungen und Enstscheidungen zu schnell und unbegründet sind, deswegen auch inkompetent.

Erinnert mich an mittelalterliche Hexenjagd.
Pemoe6 Pemoe6 06.10.2020 04:08
Das ist eine interessante Sache. Aber wie ist es - muss Petrosian seine Unschuld beweisen oder chess.com die Schuld?
Rheingauer Rheingauer 06.10.2020 12:39
@Pemoe6 Ich denke schon, dass sich chess.com dessen bewußt ist! Zumal Petrosian eine Klage in den USA, auch als Armenier, ja offen steht. Falls er wirklich zu unrecht beschuldigt wurde, wäre er ja dumm wenn er diesen Weg nicht einschlagen würde. Gute Anwälte gibt es ja in den Staaten genug!
Pemoe6 Pemoe6 06.10.2020 09:54
@Rheingauer: Natürlich sehe auch ich die Schwierigkeiten, und ich will auch nicht bestreiten, dass in den "hohen Schachkreisen" auch Betrug vorkommen kann (man denke nur an die Geschichte mit der französischen Nationalmannschaft seinerzeit bei der Olympiade).
Aber so, wie es lief, geht es eben nicht. Hätte man sich diese Maßnahme auch bei einem US-Bürger getraut? Denn (nehmen wir einmal an, der Vorwurf wäre ungerchtfertigt) was ist das für eine Rufschädigung für einen professionellen Spieler von immerhin diesem Kaliber! Was man daraus vor einem US-Gericht machen kann, ist ja bekannt. Ich denke nur mal an die uralte Story (ich glaube aus den 1990ern): Der Chef eines US-Unternehmens hatte ungerechtfertigterweise einen Angestellten bezichtigt, ein Telefon gestohlen zu haben. Das kostete ihn wegen Rufschädigung etc. letzten Endes eine zweistellige Millionensumme. Und war es nicht McDonalds, die aus Angst vor einem Prozess wegen einer Tasse verschütteten heißen Kaffees auf die Hose eines Kunden diesem eine Tageseinnahme als Äquivalent anboten? Das waren schon Milliarden.
Meriten Meriten 06.10.2020 09:34
Heftig, dass ohne stichhaltigen Beweis (den hat die Online-Plattform nicht vorgelegt, sondern nur ihr Team hat eine Behauptung in den Raum geworfen, das ist gar nichts, wenn wir von Beweisen reden) der Spieler gesperrt worden ist. Sicheres Online-Schach ist nicht möglich. Deshalb ist es irrsinnig, Online-Turniere mit höheren Preisgeldern auszutragen und im Nachhinein auf Verdacht (!) Spieler zu sperren.
Rheingauer Rheingauer 06.10.2020 08:50
Ich denke auch, dass die Strafe gerechtfertigt ist. Wie sonst sollte man Wettkämpfe, von denen man aus seinem Wohnzimmer spielen kann, auf Cheatingmöglichkeiten kontrollieren und Betrug im nachhinein beweisen können? Das ist ja schon im realen Schach heutzutage sehr schwer und nur bei professionellen Turniern noch einigermaßen zu händeln. Selbst im normalen Ligabetrieb/Vereins-Meisterschaften dürften Betrügereien mit dem Handy keine Seltenheit mehr sein! Beim normalen Online-Schach ist es sicherlich schon ein massiver wachsender Anteil. Ebenso übrigens der Anteil der Rüpel, für die Netikette ein Fremdwort ist. Das gibt es natürlich nicht nur beim Schach. Gerade was @ DoktorM im Amateursportbereich erwähnt, kann ich nur beipflichten. Bin selbst früher jahrelang MB gefahren und habe mir bei manchem Bekannten die Augen gerieben, was die, trotz gleichem Alter und sportlicher Konstitution, für Zeiten in Rennen gefahren sind!?
rico0911 rico0911 05.10.2020 11:48
Auf welches Niveau begeben wir uns hier eigentlich. Ob man Tigran Petrosjan mag oder nicht, ist völlig zweitrangig!
Es muss ihm der Betrug bewiesen werden, nicht umgekehrt!
Was hat denn das "Nachuntenschauen" für einen Beweischarakter. Niente ...
DoktorM DoktorM 05.10.2020 07:45
Beim Online-Schach wird betrogen, dass sich die Balken biegen. Vielleicht sind die Spitzenturniere wenig(er) davon betroffen, aber sonst ist alles möglich. Z.B. 1400er mit einem Matt in 6, die sonst noch nicht einmal 6 Halbzüge fehlerfrei rechnen können. Gerade beim Amateursport (Marathon, Triathlon, ...) sind die größten Betrüger und Doper unterwegs, weil sie nicht getestet werden. Fairplay ist eben etwas für Menschen mit Charakter.
Krennwurzn Krennwurzn 05.10.2020 04:16
Das Thema wird langsam ein wenig fad! Man kann nur hoffen, dass so eine Sache mal vor Gericht geht und diese BLACKBOX-Anschuldigungen (auch wenn die technisch immer besser werden) UNABHÄNGIG untersucht werden.
listopad listopad 05.10.2020 02:33
Es weniger der Betrugsvorwurf selbst, sondern die Art und Weise der Reaktion eines armenischen Großmeisters, die für sich spricht.
Pemoe6 Pemoe6 05.10.2020 02:26
Diese Erklärung klingt aber sehr dünn - "das Fair-Play-Team stellte nach gründlicher Untersuchung fest etc. etc."
Das hört sich ja so an, als ob man da manuell die Computerübereinstimmungen ausgezählt hat. Keine Software wie bei schach.de, die mit umfangreichen Algorithmen und unter Abgleich mit allen gängigen Schachengines Betrugswahrscheinlichkeiten ausrechnet? Oder kommt da was falsch rüber? Und ich kann mich gut daran erinnern, wie selbst die Zuverlässigkeit dieser Software vor kurzem noch sehr kontrovers diskutiert worden ist ...
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