Biel: Adams schlägt Keymer

von Sebastian Siebrecht
23.07.2020 – Der jüngste Teilnehmer des GMT-Turniers in Biel, Vincent Keymer ging - das vorherige Rapidturnier mit eingerechntet - als Tabellenführer in die dritte Runde, fand aber im Weltklasse-Großmeister Michael Adams seinen Meister. Die übrigen Partien endeten remis. Sebastian Siebrecht berichtet und sprach mit Turnierdirektor Paul Kohler.

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2020 mit 8 Mio. Partien und über 80.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!
ChessBase 15 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen.

Mehr...

Keymer ausgebremst

Die zweite Runde im klassischen GM-T brachte den jungen Deutschen einen unangenehmen Gegner. Der ehemalige Weltklassespieler und Halbfinalist um die Weltmeisterschaft, Michael Adams, zeigte eine für ihn typische Partie. Unscheinbar und unauffällig wurde jegliche Dynamik der Stellung entzogen und Schwarz konnte keinerlei Verschärfungen finden oder Öl ins Feuer gießen. Vielmehr wirkte Adams abgeklärt und wartete nur auf kleine Schwächen, die er ganz langsam verdichtete. Trotzt hartnäckiger Gegenwehr bis ins lange Damenendspiel musste sich die Nachwuchshoffnung nach 69 Zügen seinem Schicksal fügen.

In dieser Art von Stellung ist Adams extrem stark. Vincent wird seien Lektion daraus ziehen und morgen mit frischer Energie wieder angreifen. 

Alle weiteren Partien endeten nach ausgekämpften Verlauf Unentschieden, womit Radek Wojtaszek, Vincent Keymer in der Gesamtwertung zunächst an der Tabellenspitze ablöst.

Spielen hinter Plexiglas

Im C-HTO hat nun der Topfavorit Christian Bauer als einziger Großmeister alle Partien souverän gewinnen können.

Christian Bauer, unbesiegt

Der Zeilenschreiber wollte es, wie in jungen Jahren, nicht wahrhaben, lehnte in seiner Partie das Remisangebot ab und der Gegner schaffte mit der letzten Sekunde den Kontrollzug und den entscheidenden Konter.

Sebastian Siebrecht

Also wieder seriös spielen 😉.   

Unter den neun Tabellenführern befinden sich vier deutsche Hoffnungen.

Partien GMT

 

Gesamttabelle

Rank Name Games Classical Rapid Blitz Total
1 GM Radoslaw Wojtaszek 9 3 12 0 15
2 GM Vincent Keymer 9 4 10 0 14
3 GM Michael Adams 9 5.5 8 0 13.5
4 GM Pentala Harikrishna 9 3 10 0 13
5 GM Arkadij Naiditsch 9 5.5 5 0 10.5
6 GM Romain Édouard 9 3 4 0 7
7 GM David Antón Guijarro 9 1.5 4 0 5.5
8 GM Noël Studer 9 1.5 3 0 4.5

Tabelle C-HTO

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Kamber Bruno 3,0 0,0
2 Bauer Christian 3,0 0,0
  Meins Gerlef 3,0 0,0
4 Contin Daniel 3,0 0,0
  Rohrer Christophe 3,0 0,0
6 Jovanovic Sladjan 3,0 0,0
7 Karsay Pascal 3,0 0,0
8 Decker Nils 3,0 0,0
9 Buchenau Frank 3,0 0,0
10 Gschnitzer Adrian 2,5 0,0
11 Baenziger Fabian 2,5 0,0
12 Fecker Noah 2,5 0,0
13 Bellahcene Bilel 2,5 0,0
14 Moriniaux Colin 2,5 0,0
15 Schulz Michael 2,5 0,0
16 Borner Daniel 2,5 0,0
17 Saya Ethan 2,5 0,0
18 Youssoupov Moisse 2,5 0,0
19 Lorscheid Gerhard 2,5 0,0
20 Pahud Cedric 2,5 0,0
21 Mathieu Phileas 2,0 0,0

150 Teilnehmer

Interview mit OK-Direktor Paul Kohler

SS: Biel ist das erste Schachfestival, welches in Corona-Zeiten stattfindet.

Wie kam der Entschluss, das traditionsreichste europäische Schachfestival doch durchzuführen?

PK: Direkt zum Lockdown im März trafen wir uns mit dem Komitee und überlegten, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Der einfachste Weg wäre gewesen, das Festival direkt abzusagen, bevor irgendwelche Kosten entstehen würden und es im nächsten Jahr wieder zu versuchen. Aber ich bin Optimist und wir wollten die Geschehnisse begutachten, um diese der aktuellen Situation anpassen können. Als dann am 27.5. der Erlaß seitens der Schweiz kam, Veranstaltungen bis zu 300 Personen seien möglich, war der Weg frei. Wir erarbeiteten einen klaren Plan und das Team war sehr motiviert die 53-jährige Tradition in Biel aufrecht erhalten zu können.

Wir haben die Unterstützung der Stadt und der Partner, natürlich reduziert, aber es bestand die Möglichkeit das Schachfestival in diesem Rahmen anzubieten.

Paul Kohler

SS: Wie war die Resonanz der eingeladenen Spieler?

PK: Alle Akteure, die wir eingeladen haben, wollten spielen. Dennoch mussten wir wegen Reisebeschränkungen vier Spieler ersetzen. Zunächst Vorjahressieger Santosh Gujrathi Vidit aus Indien, dann Gata Kamsky und den Vietnamesen Lé Quang Liém, aber auch die Vizeweltmeisterin Alexandra Goryachkina, auf die ich mich sehr gefreut hatte, konnte nicht einreisen. Einen Tag vor Beginn musste dann nach Saleh Salem ersetzt werden. Er hatte Tickets und war abflugbereit am Flughafen in den Vereinigten Emiraten, durfte aber nicht ausreisen.

Somit ist kurzfristig Arkadij Naiditsch in Achterfeld gestoßen.

Pentala Harikrishna lebt übrigens in Tschechien und hatte somit keine Probleme mit den indischen Ausreisebestimmungen.

SS: Wie sieht es mit den Openteilnehmern aus?

PK: Wir haben sehr viele Stammkunden, auch viele ältere Spieler, einige gehören zur Risikogruppe und mussten daher schweren Herzens absagen, aber die, die unbedingt spielen wollten, sind dabei.

Dadurch, dass dieses Jahr keine Konditionen angeboten werden können, ist die Spitze natürlich nicht mit den vorjährigen MTO vergleichbar, aber auch hier können gerade viele jugendliche Talente ihre Erfahrungen sammeln und mit starken Meistern sich messen.

Gestern musste schon der erste Großmeister gegen ein deutsches Talent ein Remis zulassen.

Immer im Bild

SS: Wieviele Turniere umfasst das Schachfestival dieses Jahr?

PK: Wir haben am Samstag mit dem Chess960-ACCENTUS -Einladungsturnier begonnen, dann bereitete das Rapid am Sonntag den Auftakt zum Großmeistertriathlon, der Montag startete mit den klassischen Partien im GM-T und Samstag mit geht es dort mit dem Blitz weiter. Das Corona-Hauptturnier läuft von Montag bis nächste Woche Mittwoch. Zudem gibt es noch zwei Jugendturniere, zum einen das VINETUM Rapid am Samstag und ab Sonntag das Finale der Schweizerischen Jugendmeisterschaft.  

SS: Welche Einschränkungen müssen die Spieler in Kauf nehmen?

PK: Wir haben ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet, an welches sich alles Teilnehmer halten müssen. Bisher sieht alles sehr gut aus und es gibt keinerlei Beschwerden, alle Teilnehmer gehen gewissenhaft mit der Problematik um. Für uns ist die Desinfizierung der Bretter natürlich Mehrarbeit im Team, aber alles leistbar. Samstag beim Blitz wird es allerdings sportlich.Wenn es daher einmal zu Wartezeiten kommen sollte, bitte nicht entmutigen lassen. Wir geben unser Bestes.

SS. Vielen Dank für das Gespräch und ich wünsche ein weiterhin reibungsloses und entspanntes Festival!


Homepage Schachfestival Biel...

Das Schutzkonzept des Festivals (pdf)...

Exzellente Bilder:

https://www.flickr.com/photos/143150736@N02/albums/72157715169574008

Homepage C-HTO...

 

 




Sebastian Siebrecht, Jahrgang 1973, spielt seit seinem elften Lebensjahr Schach und wurde 2008 Schachgroßmeister. Neben seiner Schachkarriere gründete er eine Eventagentur und betätigte sich als Kommentator, Moderator, Speaker, Analytiker und Journalist. Darüber hinaus engagierte er sich für Grundschulschachprojekte. Seit 2012 bietet er in Einkaufszentren in der Reihe "Faszination Schach" Schachunterricht und Schachevents an. 2015 wurde er vom Deutschen Schachbund als "Trainer des Jahres" ausgezeichnet.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren