Biel: Viermal Kampfschach

von Sebastian Siebrecht
28.07.2020 – Nach dem Ruhetag zeigte sich die Großmeister im Einladungsturnier in kämpferischer Stimmung. Harikrishna gewann das Spitzenspiel und Vincent Keymers Bilanz liest sich wie ein Binärcode: 1 0 1 0 1. Sebastian Siebrecht berichtet. | Fotos: Simon Bohnenblust, Sebastian Siebrecht

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Schachfestival Biel, 20.-29.7.2020

Großartiges Kampfschach, Keymer schlägt Studer

Die fünfte Runde des GM-T im klasssischen Schach kreiertete vier fantastische Kampfpartien, wie die Zuschauer sie lieben.

Nach dem Ruhetag mit entspannten Minigolf sprühten die Akteure voller Ideen und Spielwitz.

Keymer-Studer

Vincent Keymer spielte die scharfe 4.f3-Variante gegen den Nimzo-Inder des Schweizers Noel Studer und zeigte sich bestens präpariert. Bis zum 17.Zug schleuderte der junge Deutsche die Züge in sekundenschnelle aufs Brett. Studer musste die Qualität geben und suchte nach Gegenspiel mit einem starken Läufer. Keymer konnte aber auch nach dem Materialgewinn mit präzisen Zügen aufwarten und die Stellung im Angriffssinne weiter verschärfen. Mit taktischen Scharmützeln beendete er die Parte und steht nun wieder auf Tuchfühlung zur Spitze. Im klassischen Schach steht er bei starken 3 Punkten aus 5 Partien. 

Die absolute Spitzenpaarung der elostärksten Teilnehmer im Feld, des Tabellenfühers Radoslaw Wojtaszek und Pentala Harikrishna war ebenfalls ein Hochgenuss an Ideen.

Aus einer slawischen Partie wurde mit heterogenen Rochaden und beiderseitigen Königsangriffen ein munteres Hauen und Stechen. 

Der Inder konnte in ein besseres Endspiel schließlich abwickeln und punktete mit Schwarz voll. Somit hat er seine Chance genutzt in der Gesamtwertung an Wojtaszek heranzukommen und macht den Kampf um den Gesamtturniersieg wieder spannend.

 

[Das ist keine typische Stellung im Slawischen Damengambit.]

22...b3 23.Dxc3 bxa2+ 24.Ka1 Lb4 25.Dc2 Lxe1 26.h6? [Besser war 26.Tdxe1 Tfc8 27.Tc1 und Weiß spielt auf der c-Linie mit.]

26...Tfc8 27.Tdxe1 Sb4 28.Dxc7 Txc7 29.hxg7 [Nach der forcierten Folge erhält Schwarz nun das bessere Endspiel:]

29...Sc2+! [29...Kxg7 30.Lf3 Tb8 31.Teg1 ist weniger klar.]

30.Kxa2 Sxe1 31.Th8+ Kxg7 32.Txa8 Sxg2 33.Txa6 Sxe3 34.Ta3 Sf5 [34...Sc2 war noch etwas genauer, wegen der Gabel auf b4 nach Td3.]

35.Td3 Td7 36.d5 [Zeitverschwendung, forciert auch einen schwarzen Freibauern. Besser war gleich 36.b4]

36...Txd5 37.Txd5 exd5 38.b4 Sd4 39.Lg4 [39.Lf1 Kf8 und gewinnt.]

 

39...Sc6 40.b5 Sxe5 41.b6 Kf6 42.b7 Sc6 43.Ka3 Ke5 44.Ka4 Kd6 45.Kb5 Kc7 46.Kc5 Se7 [Schwarz spielt es technisch sauber.]

47.b8D+ Kxb8 48.Kd6 f5 49.Ld1 g4 50.Ke5 [50.Kxe7 g3 51.Lf3 d4; 50.Ke5 Sg6+ 51.Kd4 g3 52.Lf3 Sh4] 0–1

Der Spanier David Anton Gujiarro scheint in Biel in Fahrt zu kommen. Es schien bisher, dass er Anlaufschwierigkeiten in allen Disziplinen habe, aber heute spielte er eine für ihn typische Meisterleistung gegen Michael Adams, der zuletzt für Furore gesorgt hatte.

Anton-Adams

Nach verhaltenen Eröffnungsverlauf konnte der Spanier einen gefährlichen Königsangriff inszenieren.

Über die dann geschwächten weißen Felder konnte er entscheidend in die Stellung eindringen und die Partie mit einem Mattangriff abschließen.

Adams mit seiner Frau Tara MacGowran

Die Partie zwischen Romain Edouard und Arkadij Naiditsch wurde ebenfalls turbulent und mit scharfer Klinge geführt. Sehr kreativ wurde von beiden Spielern der volle Punkt angestrebt. Im Endspiel hatte der Franzose dann die besseren Chancen, die er aber nicht entscheidend umsetzen konnte.

Edouard-Naiditsch

Heute fordert Vincent Keymer den Tabellenführer, den Polen Radoslaw Wojtaszek. Wir sind gespannt, ob es wieder ein Feuerwerk geben wird!

Partien

 

Gesamtstand

Rank Name Games Classical Rapid Blitz Total
1 GM Radoslaw Wojtaszek 26 8.5 12 11 31.5
2 GM Pentala Harikrishna 26 12.5 10 6 28.5
3 GM Michael Adams 26 8.5 8 11 27.5
4 GM Vincent Keymer 26 12 10 4.5 26.5
5 GM David Antón Guijarro 26 9.5 4 8.5 22
6 GM Arkadij Naiditsch 26 7 5 6.5 18.5
7 GM Noël Studer 26 7 3 5 15
8 GM Romain Édouard 26 6 4 3.5 13.5

Corona-Hauptturnier

Im Corona-Hauptturnier konnte der französische Großmeister Christian Bauer seine Vormachtstellung ausbauen, er gewann gegen den Deutschen Adrian Gschnitzer.

Christian Bauer

Skandinavisch - solide und schlagkräftig gegen 1.e4

Die Skandinavische Eröffnung (1.e4 d5) führt den Gegner auf ein weniger vertrautes Terrain als z.B. Sizilianisch, Französisch oder 1.e4 e5-Systeme. Bereits mit dem ersten Zug kämpft Schwarz um die Initiative.

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Überraschend stark war bisher der 16-jährige Phileas Mathieu aus Frankreich, der auf dem zweiten Platz mit beeindruckenden 6/7 steht. Drei Deutsche befinden sich in der Verfolgergruppe mit 5,5 Punkten.

Frank Buchenau

Der Göttinger FM Frank Buchenau konnte mit einem Remis gegen GM Bilel Bellahcene überzeugen.

Tabelle

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Bauer Christian 6,5 31,5
2 Mathieu Phileas 6,0 27,5
3 Buchenau Frank 5,5 30,5
4 Meins Gerlef 5,5 30,0
5 Baenziger Fabian 5,5 28,5
6 Bellahcene Bilel 5,5 28,0
7 Fecker Noah 5,5 28,0
8 Siebrecht Sebastian 5,5 26,0
9 Saya Ethan 5,5 26,0
10 Kamber Bruno 5,5 25,5
11 Rohrer Christophe 5,0 29,0
12 Gschnitzer Adrian 5,0 28,5
13 Schulz Michael 5,0 27,5
14 Pham Khoi 5,0 26,0
15 Adrian Claude 5,0 26,0

150 Spieler

In der Vorschlussrunde werden die Weichen für den Turniersieg gestellt, am ersten Brett fordert der 16-jährige Schweizer FM Noah Fecker den Tabellenführer.

Übrigens: Die Schweizer essen auch im Hochsommer liebend gern Fondue. Ob im Restaurant, am See oder im privaten Beisammensein der Organisatoren.

Lecker!

Turnierseite...

 




Sebastian Siebrecht, Jahrgang 1973, spielt seit seinem elften Lebensjahr Schach und wurde 2008 Schachgroßmeister. Neben seiner Schachkarriere gründete er eine Eventagentur und betätigte sich als Kommentator, Moderator, Speaker, Analytiker und Journalist. Darüber hinaus engagierte er sich für Grundschulschachprojekte. Seit 2012 bietet er in Einkaufszentren in der Reihe "Faszination Schach" Schachunterricht und Schachevents an. 2015 wurde er vom Deutschen Schachbund als "Trainer des Jahres" ausgezeichnet.
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