Bildungssenatorin Dinges-Dierig von Jugendlichen gefeiert

19.01.2006 – Kann Schülerprotest Politiker überzeugen? In Hamburg hat's funktioniert. Als vor einem Jahr die Schließung des Gymnasiums Uhlenhorst-Barmbek (GUB) beschlossen wurde, war damit auch die Zukunft der ältesten deutschen Schulschachgruppe bedroht. Die SG HHUB, die seit 50 Jahren von Schülern selbständig geleitet wird und zur Zeit 100 Mitgliedern zählt, organisierte über mehrere Wochen phantasievolle und pressewirksame Schachveranstaltungen: Schulvergleichskampf an 100 Brettern, Schachweltrekordversuch, Schach auf dem Rathausmarkt, Schach-Demo zur Schulbehörde bis hin zu Pressefotos mit Uwe Seeler. Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig reagierte beispielhaft: diesem bundesweit einzigartigen Schüler-Schachprojekt werden nun bundesweit einzigartige Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt: die "Villa Finkenau" in Hamburg-Uhlenhorst ist die neue Heimat der SG HHUB mit einem bundesliga-tauglichen Turniersaal, Trainingsräumen, Küche und Aufenthaltsräumen. Vergangene Woche wurden die frisch renovierten Räume von der Senatorin feierlich eingeweiht. Das Fest-Video (6 min)...Mehr...

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Die Eröffnung der Villa Finkenau
Im Rahmen des Hamburger Schulentwicklungsplans werden infolge des Schülerrückgangs zahlreiche Schulen geschlossen. Zu diesen gehört auch das Gymnasium-Uhlenhorst Barmbek. Normalerweise ist eine Schule letztendlich nur ein Gebäude an einem bestimmten Standort. Lehrer und Schüler können auch anderswo genauso gut lehren und lernen. Doch das Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek (GUB) ist etwas besonderes: Hier ist die Heimat der ältesten und noch bestehenden Schulschachgruppe Deutschlands. Vor 50 Jahren wurde sie vom Schüler und späteren Referendar Christian Zickelbein noch am Heinrich Hertz Gymnasium gegründet, dann hat sie sich verselbständig und wurde als reine Schülerinitiative über 50 Jahre als Schachgemeinschaft Heinrich Hertz und Uhlenhorst Barmbek u.a. in den Räumen des GUB ununterbrochen weiter geführt. Die älteren Schüler brachten den jüngeren Schach bei und um das Schach herum entwickelte sich eine lebendige Sozialgemeinschaft mit vielerlei Aktivitäten. Das Angebot war so spannend, dass es von den 500 Schülern des GUB 100 Schüler, das sind 20%, wahr nahmen. Auch das einzigartig in Deutschland.

Als klar war, dass das GUB eines der Schulen sein würde, die geschlossen werden würden, war diese Tradition bedroht. Statt den Kopf jedoch deprimiert in den Sand zu stecken, kämpften die Schüler mit vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen für den Erhalt, wenn nicht der Schule, dann doch zumindest der Schulschachgruppe.

Anfang 2003 überreichte die
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig Christian Zickelbein für sein Lebenswerk Im Schach den Bundesverdienstorden. Anlässlich der Übergabe kam es auch zu einem Gespräch über die Zukunft der SG. Die Senatorin gab schon damals zum Ausdruck, wie sehr ihr am Erhalt der Schachgruppe gelegen ist. Die SG sah sie als Prototyp und erfolgreiches Modell für ein sinnvolles Angebot für die in Hamburg zunehmend geplanten Ganztagsschulen. Und sie betonte, dass sie sich auch persönlich für den Erhalt der Gruppe einsetzen werde.

Vergangenen Donnerstag, am 12.Januar 2006 war es dann soweit. Senatorin und Schüler feierten zusammen die Eröffnung eines neuen Schachzentrums in der Villa Finkenau, gar nicht weit vom Gymnasium Uhlenhorst Barmbek entfernt. Gleichzeitig konnte man zusammen den 50-jährigen Geburtstag der SG begehen, die am 9.1.1956 gegründet wurde. Der Geburtshelfer Christian Zickelbein war leider zur Feier nicht anwesend, sondern im Urlaub. Den hat er sich aber auch verdient.

Gefeiert wurde aber nicht nur die Eröffnung, sondern die gemeinsame Leistung. Die Jugendlichen feierten ihre Senatorin, die durch persönlichen Einsatz für diese tolle Möglichkeit gesorgt hat. Und die Senatorin würdigte in ihrer Rede die Leistung der Schachfreunde, die durch ihr Engagement nachhaltig um den Erhalt der Gruppe gekämpft haben und die mit ihrem Angebot eine sinnvolle Anlaufstelle für alle Hamburger Schüler bieten. Und das wäre der Senatorin am liebsten. Wenn alle Hamburger Schüler von dieser schönen Möglichkeit Gebrauch machen.


Die Senatorin freute sich zusammen mit der SG: "Das war nur möglich, weil auf der einen Seite eine ganz große Gruppe wirklich supermäßig gekämpft hat und es gab eine andere große Gruppe mit ganz großen offenen Ohren."

Nach den kurz gehaltenen Ansprachen kamen die Schüler dann aber schnell zum Schach, denn darum geht es ja hier. Zu den Programmpunkten gehörte die historisch erste Partie zwischen Kim-Lukas und der Hamburger Vize-Mädchenmeisterin Maike. Fritz&Fertig-Co-Autor Björn Lengwenus regelt die Bedenkzeit wie folgt: "Kim-Lukas geht in die 6. Klasse und spielt mit 6 Minuten, Maike hat noch 2 Jahre bis zum Abi, also spielt sie mit 2 Minuten." Dann kommentierte er die Partie im Fußball-Radioreporter-Stil.


Partieübertragung ohne dgt-Brett, Internet oder Leinwand: Björn Lengwenus kommentiert im Stile eines Hörfunk-Fußballreporters: spannender geht's nicht!
 

Der ersten Zug machte natürlich der Ehrengast, Senatorin Dinges-Dierig:

Kurze Beratung der Senatorin mit Kim-Lukas, dann....

... spielte Senatorin Alexandra Dinges-Dierig den Eröffnungszug: 

e2-e4 (Bobby Fischer: "Best move")

Danach kam dem anwesenden Großmeister Dr. Helmut Pfleger die wichtigste Aufgabe zu: Er eröffnete das Buffet. Und erst als sich dort alle beteiligt hatte, zeigte er noch eine Partie und spielte anschließend simultan gegen 20 Gegner.

Fotos:

Der 1. Vorsitzende der SG: Fabian Thiele dankte allen "Rettern der SG" und besonders der Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig.

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig und Großmeister Dr. Helmut Pfleger.

Der neue Wettkampfsaal: statt Rückenschule jetzt Hirn-Gymnastik!

Anna Hillberg und Daniel Zillmer präsentierten auf der Bühne ein 35 Minuten Feuerwerk aus Ansprachen und Aktionen. 

Der große Wettkampfsaal wurde eingeweiht mit der ersten offiziellen Blitzpartie zwischen Kim-Lukas und Maike, der Hamburger Vize-Mädchenmeisterin. Björn Lengwenus regelt die Bedenkzeit: "Kim-Lukas geht in die 6. Klasse und spielt mit 6 Minuten, Maike hat noch 2 Jahre bis zum Abi, also spielt sie mit 2 Minuten."

Helmut Pfleger atmete SG-Atmosphäre: "Es ist herzerwärmend! Ich bin mir ziemlich sicher, daß es etwas derartiges wie diese Schulschachgruppe mit diesen Räumlichkeiten kein zweites Mal in Deutschland zu finden ist!"

Renate Schneider (l.) vom Verein des Hamburger Abendblatts "Kinder helfen Kindern" war begeistert und überbrachte eine großzügige Spende: "Das ist beste Kinder- und Jugendarbeit."

Der Gästebucheintrag der Senatorin sagt alles.

Zwei "SG-Fans" im Gespräch: Dr. Helmut Pfleger und Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig.

Großmeister Dr. Helmut Pfleger kommentierte statt einer Weltmeisterschaftspartie diesmal eine Stadtligapartie von SG Mitglied Artur Reuber auf dem Demobrett.

Das Publikum: 100 SG-Mitglieder, viele Gäste und Freunde

Helmut Pfleger spielte simultan gegen 20 SG-Mitglieder und Gäste...

... und gewann standesgemäß mit 18,5 : 1,5

Drei alte SG-Vorsitzende: André Ventura, Michael Geißler und Björn Lengwenus

Das SG-Büro: ausgerüstet mit Rechnern und Chessbase-Software.

Trainingsräume gibt's auch...

... noch einer...

...und Platz für einen Kicker ist auch noch vorhanden.

Und hier kann man gemütlich analysieren.

Und eine tolle Küche wurde auch nicht vergessen. Nele hat die supertolle Dekoration der Wettkampfhalle organisiert.

In einer großen Küche kann man große Buffets vorbereiten

Alles schön, wenn....

...ja wenn da nicht hinterher der Abwasch wäre: aber dafür gibt's natürlich im Schachzentrum einen Geschirrspüler.

 

 

Fotos: Benjamin Bartels, Nadja Woisin
Film Nadja Woisn, Pascal Simon

Text: André Schulz, Rainer Woisin

 

 

 

 

 

 

 



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