04.08.2022 – Die indischen Youngster, "Indien" starteten bei der Schacholympiade wie die Feuerwehr und setzten sich mit fünf Siegen an die Spitze. Doch gegen Armenien gab es einen Rückschlag. Was lief falsch? Thorsten Cmiel auf Ursachensuche. | Fotos: FIDE (Lennart Ootes, Madelene Belinki)
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Indien 2 mit erster Niederlage
Die Welt tanzt. Indien weint. Gegen ein starkes armenisches Team mussten die Youngster erstmals hinter sich greifen, trotz eines erneut überragenden Gukesh am Spitzenbrett. Was ist passiert? Indien 2 verlor an den zwei hinteren Brettern. Es ist erkennbar, dass die Mannschaft aktuell mit einer klaren Marschroute antritt: Schwarzpartien sollen Remis ausgehen und mit Weiß wird etwas versucht. Diese Strategie funktioniert bei den erfahrenen indischen Teams und den Vereinigten Staaten, aber kann man junge Tiger zähmen? Nimmt man den Spielern ihre Kreativität durch solch eine Vorgabe? Über diese Frage kann jetzt der Mannschaftskapitän Ramesh am Ruhetag nachdenken.
Bermuda-Party
Gukesh spielt gegen Sargissian, ganz Indien schaut zu
Die mediale Aufmerksamkeit gehört bislang den jungen Tigern, dabei spielen sechs indische Teams bei dieser Schacholympiade mit und schlagen sich bislang hervorragend.
Presseraum
Die indischen Frauen führen sogar verlustpunktfrei. Der gemeinsame Aufmarsch des Teams der Youngster ist inzwischen Kult und vielleicht deshalb traf das Team in der sechsten Runde später ein. Shagar Shah, Schachbotschafter, Menschenfänger und Kopf von Chessbase India stellte daher die anderen vorderen Teamsettings vor.
Wo ist Indien?
Gukesh punktet weiter
Surya Ganguly, der Spitzenspieler der dritten indischen Mannschaft und ehemalige Sekundant von Anand, twitterte, dass er sich manchmal frage wie viele Runden schon gespielt seien, dann schaue er wie viele Punkte Gukesh habe. Punktlandung.
Gegen Gabriel Sargissian zeigte Gukesh erneut eine hervorragende Vorbereitung. Die Stellung nach der erwartbaren Startphase ist einfacher für den Inder zu spielen. Der weiße Aufmarschplan auf der g-Linie ist offensichtlich, wohingegen Schwarz noch keine Angriffsmarke am anderen Flügel attackieren kann. Gukesh hatte hier mit 70 Minuten etwa doppelt so viel Restbedenkzeit wie sein Gegner. Der Inder gab seinem Gegner nach einem Fehler noch eine kleine Chance als er etwas zu ungestüm angriff. Sein Gegner gab den Zug zurück, Gukesh antwortete mit einem prophylaktischen Zug und die Partie war entschieden.
Gukesh
Schlussphase bei Gukesh
Nihal erfüllt Aufgabe souverän
Am zweiten Brett glich Nihal in einer offensichtlich gut vorbereiteten Variante überzeugend aus und zeigte gute Technik beim Übergang in ein Turmendspiel. Der Kampf wurde in der sechsten Runde an den hinteren beiden Brettern entschieden.
Nihal entschlossen
Adhiban mit verbrauchtem Tag
Gegen den armenischen Großmeister Samvuel Ter-Sahakyan gelang Adhiban wenig an diesem Tag. Aus der Eröffnung heraus hatte Adhi eine interessante Stellung erreicht. Die kritische Stellung entstand nach dem dreizehnten Zug von Schwarz.
Hier sollte der Inder im 14. Zug seinen Läufer nach c4 ziehen und die Fesselung des d-Bauern auf der langen Diagonale nutzen. Nach Schlagen auf c4 hängt der Läufer auf b7 und Schwarz kann sich nicht auf d2 bedienen, weil der Turm a8 ebenfalls angegriffen wäre. Adhiban spielte einen Zug Marke (Schablone und zog seinen f-Turm nach d1. Der Inder hatte offenbar andere Pläne und versuchte ein Angriffsspiel gegen den gegnerischen König zu organisieren. Samvuel beorderte seinen Springer zum Königsflügel und verhinderte durch die Präsenz einer weiteren Figur Ärger. Schwarz stand mindestens bequemer mit seinen hängenden Bauern und übernahm durch einen typischen Vorstoß im Zentrum die Initiative.
Samvuel Ter-Sahakyan
In der folgenden Stellung ist Adhibans Dame attackiert.
Ranauk versucht die Mauer
Die ganze Tragik der indischen Matchstrategie lässt sich anhand der Partie von Ranauk zeigen: Er war offenkundig auf ein Remis präpariert, hatte eine ausgeglichene Stellung, aber kam offenkundig mit einer perspektivlosen Verteidigungssituation nicht zurecht. Vermutlich erging es dem Inder wie jedem Spieler mit langer Vorbereitung: Nach einer Blitzphase muss man einen Weg finden, um in der Partie anzukommen.
Ranauk ist am Zuge und spielte hier seinen Bauern von b7 nach b5. Dieser Zug ist unvorsichtig und positionell unnötig, ohne die Stellungsbewertung (Ausgleich) zu verändern. Es ist in dieser frühen Phase des Endspiels noch nicht ersichtlich, welche Aufstellung des b-Bauern für Schwarz sinnvoll ist. Ein Bauer auf b6 beispielsweise gibt dem König mehr Möglichkeiten und bietet Schutz. In der Diagrammstellung gab es keinen Grund den b-Bauern überhaupt zu ziehen. Ein Bauer auf einem schwarzen Feld (b6) ist zwar später angreifbar, aber das müsste Weiß erst einmal hinbekommen.Der nächste Zug von Ranauk ist ebenfalls ein Bauernzug (26...f7-f6) und der ist genauso zu kritisieren.Schwarz sollte Bauernzüge nur als Folge von gegnerischen Drohungen spielen. Einige Züge später griff Ranauk mit einem passiven Zug seines Turmes daneben und musste sich einer durch den b-Bauernzug ermöglichten Mattdrohung erwehren. Es folgten noch viele Züge, aber die Sache war entschieden.
In seiner täglichen, exklusiven Kolumne zur Schacholympiade kritisierte Vishy Anand die Eröffnungswahl in der Partie von Ranauk.
Indien 2 ist aktuell an dritter Position in der offenen Klasse. In der siebten Runde spielt Indien 1 gegen das dritte indische Team. Das verspricht ein intensives Match zu werden. Die vielleicht spannendste Frage der Aufstellungen in der siebten Runde dürfte jedoch sein, ob Levon Aronian für die Vereinigten Staaten gegen Armenien antritt. Die Youngster müssen gegen sehr stark aufspielende Kubaner ran, die bisher zwei Kämpfe remisiert (Spanien und Ukraine) und gegen Aserbaidschan gewonnen haben. Bei den Frauen liegt das erste indische Team nach einem Sieg gegen Georgien klar vorne, vielleicht reduziert das die Aufmerksamkeit, die bisher fast ausschließlich auf den jungen Tigern lag.
Der indische Spitzenspieler Pentala Harikrishna merkte in einem Interview an, dass sämtliche indischen Teams neben einem Headcoach zwei zuarbeitende Großmeister einsetzen. Indien habe viele junge Großmeister. Die Teams übernehmen die Arbeit mit Engines und seiner Meinung nach geht es darum, dass die Spieler am Ende einer Schacholympiade frisch sind.
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Eröffnungsvideos: Offenes Spanisch (Sipke Ernst) und Klassisches Sizilianisch (Nico Zwirs). Endspiel-Special von Igor Stohl: „Kurze oder lange Seite“ – wohin gehört der verteidigende König im Turmendspiel? „Wundertüte“ mit 35 Meisteranalysen.
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