Bareevs Geheimnis gelüftet

Eric Lobron kam per Rikscha
So viel Schach
habe ich schon lange nicht erlebt. In meiner Journalistenrolle komme ich
meistens zu irgendeinem Turnier und sehe nur Schachspieler, fotografiere
sie,...

Yasser Seirawan
...führe
Interviews mit ihnen, plaudere ein wenig...

Turnierleiter Jeroen van den Berg
...und trinke
etwas.

John van der Wiel und Julian Borowski

Jan Timman mit Freundin
In Wijk war es
diesmal ganz anderes. Weil mir nämlich eine großartige Idee in Kopf kam –
meinen Vater Abram Khasin mitzunehmen.
Mein Vater war
sofort begeistert, zum Einen spielte dort sein Lieblingsschüler Ewgeni Bareev
mit und zum Anderen, weil er zuvor noch nie in Holland war. Er wollte unbedingt
die berühmte Grachten von Amsterdam sehen, was wir dann auch an einem der
Vormittage geschafft haben.

"Deine Kais, Amsterdam..."
Gesagt – getan.
Ewgeni, der diesmal keinen Sekundanten mitgebracht hatte, kümmerte sich um
Vaters Unterkunft, wie es sich für Sekundanten gehört in demselben schönen
Hotel Zeeduin, das direkt am Meer liegt. Nach einem furchtbaren Start (3 aus 9)
hoffte er insgeheim, dass der alte Trainer ein Wunder vollbringen würde. Und
das funktionierte auch! Kaum kamen wir am Donnerstag an, grub er zu Ehren
seines Trainers eine Variante der Französischen Verteidigung, die er schon ewig
nicht mehr gespielt hatte, aus.

Vielleicht nahm er gegen Topalov etwas frech einen Bauer, ganz nach meinem und
Vaters Geschmack und gewann die Partie. Danach noch eine mit Weiß gegen Ivan
Sokolov, dann eine kurze Pause – Remis gegen Peter Leko und die letzte Runde
wieder gewonnen – gegen Vladimir Akopjan. Somit war das Turnier für ihn mit 6,5
aus 13 doch noch gerettet. Vater war dann mächtig stolz auf seinen ehemaligen
Schüler, alle Partien haben wir natürlich live miterlebt. Das hieß für mich,
zusammen mit Vater im Pressezentrum angestrengt auf die Monitore schauen,
nachdenken, Varianten berechnen und sofort mit den anderen Sekundanten prüfen.

Vladimir Chuchelov und Abram Khasim im Pressezentrum
Jeder einzelne
Trainer war natürlich hauptsächlich an den Partien seines Schützlings
interessiert, wie die Eröffnung so läuft, ob die Vorbereitung etwas bringt oder
nicht, wie viel Zeit noch bis zur Zeitkontrolle verbleibt.

Andrey Rychagov, Sekundant Schirovs

Alexey Shirov

Post Mortem: Die Analyse: Shirov und Van Wely. Kiebitze:
Ljubojevic, Chuchelov, Topalov
Hin und wieder
schüttelten sie nach Ausführung bestimmter Züge ihre Köpfe, ab und zu rannten
sie zu den Computern und prüften mit Hilfe von starken Schachprogrammen
mögliche scharfe Fortsetzungen, manchmal schlichen sie sich in den Saal, um an
der Haltung der Spieler zu verstehen, ob sie sich wohl oder unwohl fühlen und
wenn nichts mehr half, gingen sie mit großen Schritten vor dem Eingang auf und
ab und rauchten.
Doch wenn alles
nach Plan läuft, erzählen sie lustige Storys oder zeigen Fotos von ihren
Kindern.

Danailov, Sekundant von Topalov, zeigt seine Tochter im Internet
Meistens konnte
ich die Stellungseinschätzung von ihren Gesichtern ablesen. Nur Aruna, die
Ehefrau von Vishy Anand, konnte nichts aus der Fassung bringen.

Hat gut Lachen: Aruna
Immer ein
freundlichen Lächeln, saß sie dort und las meistens oder wechselte ein paar
Worte mit den Journalisten. Im nachhinein glaube ich, dass sie das Endergebnis
irgendwie schon gewusst haben musste, um so die Ruhe zu bewahren, sogar während
der vorletzten Runde, als Anand seine erste und einzige Partie verlor und sein
Turniersieg plötzlich nicht mehr sicher war. So sah ich es. Doch in der letzten
Runde machte der Großmeister aus Indien ein schnelles Remis und ging zufrieden
spazieren. Er überließ Fortuna das weitere Geschehen und sie war offensichtlich
auf seiner Seite. Weder Adams noch Leko konnten ihre Partien gewinnen, deshalb
der alleinige Sieg. Völlig verdient, möchte ich sagen. Er spielte das gesamte
Turnier in gewohnter Manier, souverän, mit vielen neuen Ideen, und natürlich
wie immer sehr schnell.

Anand: Der die Figuren tanzen lässt
Bei ihm tanzten
die Figuren fast, so leicht opferte er etwas, oder umgekehrt, ungeachtet der
offenen Linie nahm er einen h4 Bauern weg und das sogar ungestraft, obwohl es
immerhin gegen den Weltmeister Wladimir Kramnik ging! „Hast Du alles bis zum
Ende durchgerechnet?“ – fragte ich ihn nach dieser Partie. „Es gab eben in der
Position keine andere Wahl“ - antwortete Vishy – „Also musste ich ihn nehmen“.
Er spielte in diesem Turnier also mit Abstand das beste Schach. Anand hat zum
vierten Mal das traditionelle Turnier in Wijk aan Zee gewonnen, was vor ihm nur
3 Großmeister geschafft haben. (daraus könnte man eine Quizfrage machen. Einer
davon war Max Euwe. Wer waren die anderen?)

Der Sieger: Anand

Der Collina des Schachs: Schiedsrichter Geurt Gijssen
Im B-Turnier
landeten plötzlich zwei jungen Kubaner vor dem lange führenden Fressinet. Das
war eine Überraschung.

Lazaro Bruzon

Lenier Dominguez
Doch die wahre
Sensation ist der Erfolg eines 13-jährigen Norweger, Magnus Carlsen. Er gewann
das gut besetzte C-Turnier und erreichte damit nicht nur eine GM-Norm, sondern
auch die Qualifikation für das B-Turnier im nächsten Jahr.

Magnus Carlsen
Der Junge wurde
zum absoluten Publikumsliebling. Keiner der bekannten Großmeister genoss so
viel Aufmerksamkeit wie er. Und das nicht nur während der Partie. Auch danach
versammelten sich eine Menge Menschen, um den Kommentaren des jungen
Schachspieler zu lauschen.


Da er sich von der
Schule zurückgezogen hat, und sich fast ausschließlich auf das Schachspielen
konzentriert (seine Familie hat dieses Entschluss gefasst und sein Vater
begleitet ihn zu allen Schachturnieren) und dazu noch von dem führenden
norwegischen Großmeister Simon Agdestein trainiert wird, glaube ich, dass ihm
eine große Schachkarriere bevorsteht. Leider ist die heutige Situation in der
Schachwelt so unklar, dass niemand voraussehen kann, ob in 10 Jahren ein
Supergroßmeister, was der kleine Magnus heute werden möchte, überhaupt noch von
seinem Beruf leben kann. Aber dies ist ein ganz anderes Thema.

Schachbretter für Dreierschach

Wijk ist familiär: Familie Nijboer

Russisches Quartett

Bankett der Spieler
Bis demnächst:
Anna Dergachova