Blitz-Schach

04.03.2009 – "Macht Karjakin zum Spieler des Jahres," fordert Misha Savinov in seinem Bericht und gibt damit offenbar schon jetzt seine Stimme zur Wahl des Schachoscars ab. Tatsächlich zeigte das einstige Wunderkind nach seinem Sieg beim Corus-Turnier stabile Form auf hohem Niveau und gewann auch das Moskauer Qualifikations-Turnier zur Blitzweltmeisterschaft. Manche Profis musste vor dem Beginn eine für Großmeister ungewohnte Hürde nehmen und 300 Euro Startgeld entrichten. Nur die Aeroflot-Open-Teilnehmer kamen gratis ins Turnier. Für Karjakin hat sich die Investition ohne Zweifel gelohnt. Für seine 300 Euro Einsatz bekam er 10.000 Euro Siegprämie wieder heraus. Das Blitzturnier liegt nun allerdings schon eine ganze Woche zurück. Inzwischen sind einige Spieler zum Capelle la Grande-Open weiter gereist. Oder zur Europameisterschaft - und haben unterwegs noch schnell in der Bundesliga gespielt. Das ist das wahre Blitz-Schach. Misha Savinovs Bildbericht...

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Macht Karjakin zum Spieler des Jahres!
Von Misha Savinov
 
Es gab 40.000 Gründe am Qualifikationsturnier zur Blitzweltmeisterschaft teilzunehmen, das in Moskau am 26. Februar, einen Tag nach Ende des Aeroflot Opens gespielt wurde. Die Teilnehmer der A1 und A2 Aeroflot-Turniere hatten das schöne Privileg, ohne Startgeld am Blitzturnier teilnehmen zu dürfen, die anderen mussten Startgeld entrichten – 300 EUR. Doch das hielt eine Reihe starker Spieler, die auf das Aeroflot Open verzichtet hatten, nicht auf, frohen Mutes an diesem eintägigen Turnier teilzunehmen, in dem der Gewinner zehn Riesen ausgezahlt bekam. Svidler, Mamedyarov, Gashimov, Jakovenko, Pomonariov, Tkachiev, etc., etc... Ein großer Name fehlte – aber Grischuk hatte eine gute Entschuldigung.
 
Den Großteil des Turniers verfolgte ich die Spitzenbretter, machte Fotos und plauderte mit den Spielern, die ihre Partien beendet hatten. Die meisten Teilnehmer haben nur wenig Zeit sich auszuruhen: nächste Woche beginnt die Europameisterschaft in Budva. Relativ kleine Preise (bedenkt man die Lebenshaltungskosten!) und ein sehr starkes Teilnehmerfeld – aber viele Spieler freuen sich über die Möglichkeit, am Weltmeisterschaftszyklus teilzunehmen. Und spielen immer noch gerne ein bisschen Blitzschach, selbst wenn es sie vor Beginn der Europameisterschaft eine Menge wertvoller Energie kosten könnte!
 

 
Der spätere Sieger Sergey Karjakin kam kurz vor Mittag an, zog sein Jackett aus, begrüßte Freund und Bekannte, um dann frühstücken zu gehen. Vielleicht ist das einer der Gründe für seinen Erfolg – neben brillantem schachlichem Können und neu gewonnenem Selbstvertrauen nach seinem Sieg in Wijk aan Zee.
 

 
Die Organisatoren bei der Einschreibung für das Turnier. Hier versuchen polnische Großmeister drei Anmeldungen unter Dach und Fach zu bekommen. Die Verwirrung klärte sich, als der dritte Spieler eintraf.
 

 
Das Leben außerhalb des Spielsaals war so bunt wie eh und je beim Aeroflot Open. (Mitte: Großmeister Vlad Tkachiev und Aleksey Aleksandrov)
 

 
Die Schiedsrichter baten die Spieler an die Bretter. Die Spieler folgten der Aufforderung, beeilten sich dabei aber nicht sonderlich, sondern machten immer wieder Pause, um Freunden Hallo zu sagen. Hier trifft Ernesto Inarkiev Sergey Grigoriants.
 

 
Dieses Mal gab es keine Online-Übertragung. Ein paar Dinge mussten noch in Ordnung gebracht werden.
 

 
Von links nach rechts – Max Dlugy, Ruslan Ponomariov, Zakhar Efimenko und Josef Resch. Mr. Resch hat nicht gespielt J aber wollte ein so großartiges Turnier nicht verpassen.
 

 
Dmitry Jakovenko war der Spieler mit der höchsten Elo-Zahl, aber schätzte seine eigenen Chancen realistisch ein – Dmitry galt im Blitzen nie als einer der Spitzenleute. Er wurde 55.
 

 
Sergey Karjakin begann das Turnier als Nummer 7. Es gab nur sechs Plätze im Finale, aber ich hatte keinen Zweifel, dass Sergey sich qualifizieren würde, da er bislang in allen Satellites erfolgreich gewesen war. Außerdem war er ein bisschen erzürnt darüber, dass er keine Gelegenheit bekommen hatte, sich letztes Jahr für das Turnier in Kasachstan zu qualifizieren.
 

 
Brandheiße Favoriten: Vugar Gashimov...
 

 
... und Shakhriyar Mamedyarov. Letzterer ließ nie einen Zweifel daran, dass er am Blitzturnier teilnehmen würde, selbst nachdem er sich vom Aeroflot Open zurückgezogen hatte, weil er glaubte, einer seiner Gegner hätte betrogen.
 

 
Van Wely – Robson: das Revanchematch! Ray Robson gewann im Aeroflot A1 Open, aber im Blitz nahm der Holländer Revanche – 2-0.
 

 
Peter Svidler hatte in seiner ersten Partie (gespielt wurden 9 Doppelrunden) gegen IM Alexei Pridorozhni eine hoffnungsvolle Stellung, die er irgendwie hielt und sogar gewann! Auf dem Foto sieht man, wie Peter versucht, seine Figuren zu entwickeln. Peter gewann den Wettkampf 2-0, aber am Ende landete sein Gegner vor ihm und wurde Achter.
 

 
Die erste Überraschung: Max Dlugy zertrümmert Mamedyarov in ihrer ersten Partie (der Wettkampf endete 1-1).
 

 
Arkadij Naiditsch hatte wirklich Pech, nur Siebter zu werden. Ja, er gewann Geld; nein, er hat sich nicht fürs Finale qualifiziert.
 

 
Jakovenko, Karjakin und Svidler gewannen ihre Erstrunden-Wettkämpfe alle mit 2-0.
 

 
Ruslan Ponomariov hatte mit 5 aus 6 einen guten Start, kam dann aber außer Tritt und landete schließlich auf dem 18. Platz.
 

 
Der übliche Ärger mit den Uhren: Dieses Mal verweigerte die Uhr Ernesto Inarkiev zwei Sekunden Zeitzuschlag nach jedem Zug (die Bedenkzeit betrug 3 Minuten + 2 Sekunden).
 

 
Hauptschiedsrichter Filipovicz entschied zugunsten Inarkievs, der den Wettkampf aber dennoch 0-2 verlor.
 

 
Die engen Freunde Valentina Gunina und Sergey Yudin saßen in einer der Runden nahe beieinander (was bei 82 Brettern gar nicht so leicht ist!). Das inspirierte IM Yudin so sehr, dass er drei Runden später schon am ersten Brett saß und am Ende schließlich auf einem respektablen elften Platz landete.
 

 
Der berühmte Trainer Anatoly Bykhovsky (viele Jahre hat er das sowjetische Jugendteam trainiert und in den 90ern war er Trainer von Alexander Grischuk) beobachtet, wie Ray Robson gegen Vadim Zvjaginsev spielt.
 

 
Peter Svidler schlägt Van Wely in Runde 4 mit 2-0.
 

 
Alexander Khalifman ist zu Besuch. Er nahm weder am Aeroflot Open noch am Blitz teil und wurde freudig begrüßt.
 

 
Spielen macht Spaß, Zuschauen macht noch mehr Spaß und den Zuschauern zuzuschauen macht am meisten Spaß! Von links nach rechts: Vladimir Potkin, Boris Grachev, Maxim Rodshtein und Evgeny Tomashevsky.
 

 
Tatiana Kosintseva und Yury Dokhoian, Trainer der russischen Frauen-Nationalmannschaft. Tatiana erzielte +2 beim Aeroflot A1 Open – eine ausgezeichnete Leistung der jungen Dame!
 

 
Sergey Karjakin setzte sich vom Start weg an die Spitze und spielte regelmäßig an Brett 1. Hier versucht er verzweifelt, an sein Brett zu kommen.
 

 
An Brett 4 spielt Ruslan Ponomariov gegen Schachfanatiker Semyon Dvoirys: 1-1.
 

 
Der erste Spieler, der Karjakins Einladung überlebte, war Vugar Gashimov – sie trennten sich in der fünften Runde 1-1. Tatsächlich konnte sich Karjakin in einer der Partien nur mit Glück halten.
 

 
Organisator Alexander Bakh verfolgt die Partien an den Spitzenbrettern. Hinter ihm stehen IM Dmitry Novitzky und GM Alexander Huzman.
 

 
Svilders Nachlassen begann in Runde 7: 0,5-1,5 gegen Karjakin. Danach verlor Peter mit dem gleichen Ergebnis gegen Bareev und nachdem er so alle Chancen auf Qualifikation und einen vernünftigen Preis eingebüsst hatte, wurde er auch noch 0-2 von Mateusz Bartel abserviert. Einer der Top-Favoriten bei jedem Blitzturnier landete nur auf dem 47. Platz.
 

 
Können Sie sich vorstellen, dass Bareev dieses Turmendspiel mit einem Mehrbauern auf d2 nicht gewann? Nun, er hat sogar verloren! Doch Respekt vor Evgenys Kampfgeist: Die nächste Partie machte er Remis und gewann dann zwei Wettkämpfe nacheinander: erst gegen Svidler und dann gegen Alexander Rakhmanov. Das 2-0 im zweiten Wettkampf sicherte Bareev den vierten Platz – 13 Punkte aus 18 Partien!
 

 
Zhou Jianchao wurde Sechster und qualifizierte sich für die Blitzweltmeisterschaft.
 

 
Runde 8, Karjakin schlägt Tkachiev 2-0. In der Schlussrunde zerlegte Tkachiev Igor Lysij 2-0 und gehörte wieder zu den sechst Besten – er wurde Fünfter!
 

 
Der Armenier Zaven Andriasian bereitete sich auf seinen Kampf gegen Vugar Gashimov in Runde 8 vor. Der Wettkampf endete 1-1, genau wie Andriasians Schlussrundenmatch gegen Naiditsch. Dadurch wurde der Armenier Neunter.
 

 
Schaut mal, wer da kommt! Shakhriyar Mamedyarov begann schrecklich, fiel auf die 50%-Marke zurück und gewann dann sechs Partien in Folge!
 

 
Peter Svidler erzählt Vugar Gashimov seine traurige Geschichte.
 

 
Das Finale! Sergey Karjakin, der das ganze Turnier über geführt hatte, musste in der Schlussrunde gegen den starken Shakhriyar Mamedyarov antreten. Karjakin brauchte einen Punkt aus zwei Partien und hatte in der ersten Partie Schwarz.
 
Und es war eine großartige Partie! Leider wurden die Partien nicht online übertragen. Mamedyarov kam im Meraner zu großem Eröffnungsvorteil, den er energisch ausbaute. Karjakin fand eine Reihe guter Verteidigungszüge, aber nach der missratenen Eröffnung war seine Stellung nicht mehr zu halten. Als beide Spieler nur noch drei Sekunden auf der Uhr hatten, opferte Mamedyarov einen Läufer auf g5. Karjakin nahm mit dem h-Bauern und jetzt spielte Shakh nicht Dxg5+ nebst h5-h6, sondern sofort h5-h6+??, worauf Karjakin den Bauern einfach nahm: Kxh6. Mamedyarov erkannte sofort, dass er den Gewinn verpasst hatte, warf einen verzweifelten Blick auf die Uhr, ballte seine linke Hand zur Faust und erzwang kopfschüttelnd das Dauerschach.
 

 
In der letzten Partie hatte Karjakin alles unter Kontrolle. Er erhielt großen Vorteil und irgendwann bot sein Gegner klug Remis an. Sergey nahm an und sicherte sich so den ersten Platz. Mamedyarov wurde am Ende Dritter.
 
Die Schlusstabelle: http://www.aeroflotchess.com/blitz/2009/tournament_table_acc_places.html

 
Glückwunsch an die Gewinner! Mir und zahlreichen anderen Zuschauern hat es großen Spaß gemacht, dieses Turnier zu verfolgen. Ich würde mich sehr freuen, mehr als nur zwei solche Turniere pro Jahr zu sehen und ich bin überzeugt, solche Turniere verdienen ein viel größeres Publikum. Wie bei der Weltmeisterschaft in Kasachstan, wo die Partie mit hochklassigen Kommentaren live im Fernsehen übertragen wurde. Das ist die Zukunft des Schachs.
 
 

 

 

 



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