Bobby Fischer als Entertainer

von Johannes Fischer
10.04.2017 – Am Freitag, den 7. April 2017, berichtete ChessBase über eine Show der amerikanischen Talkshow-Legende Dick Cavett, in der Bobby Fischer zu Gast war. Kurz darauf schickte einer unserer Leser ein Link zu einem Video, in dem Fischer in einer Sendung des berühmten amerikanischen Entertainers Bob Hope zu sehen ist. Es ist nicht nur sehr lustig, sondern zeigt auch die Widersprüchlichkeit der Person Fischers.

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Bob Hope (geboren am 29. Mai 1903 in Eltham, Großbritannien, gestorben am 27. Juli 2003) gilt als einer der renommiertesten US-amerikanischen Unterhaltungskünstler. Im Laufe seiner langen Karriere erhielt er mehr als 1.500 Auszeichnungen, darunter fünf Ehren-Oscars. Nachdem Fischer durch seinen Sieg gegen Boris Spassky in Reykjavik 1972 Weltmeister geworden war, lud Hope den exzentrischen Fischer in eine seiner Fernsehsendungen ein. Es wurde eine sehr unterhaltsame, lustige und denkwürdige Show.

Frank Brady, Autor der Fischer-Biographie "Endgame" schreibt im Vorwort seines Buches über die paradoxe Persönlichkeit Fischers: "Bobby war verschlossen, aber auch offenherzig; großzügig, aber auch geizig; naiv, aber auch gut informiert; grausam, und doch freundlich; religiös und doch ketzerisch. Seine Partien waren voller Charme und Schönheit und Bedeutung. Seine abscheulichen Behauptungen waren voller Grausamkeit, Vorurteile und Hass."

Im der Aufzeichnung der Bob Hope Show kann man diese Widersprüche erkennen. In Reykjavik war Fischer bereit, den Wettkampf abzubrechen und kampflos zu verlieren, weil er sich von Kameras gestört fühlte, bei Bob Hope scherzt er über Kameras. Im Laufe seiner Karriere forderte Fischer immer wieder ungewöhnlich hohe Gagen, in der Fernsehshow scherzt er darüber. Vor allem aber scherzt und lacht er über sich selbst - auch wenn der Dialog zwischen Fischer und Hope nicht spontan, sondern einstudiert war.



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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NihonKikaku NihonKikaku 10.04.2017 08:09
Das Vorwort zeigt schon welche herausragenden Qualitäten Frank Brady hat.

Abgesehen davon verstehe unter Grausamkeit was anderes, Fischer war vielleicht markant, aber Grausam??
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