Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
28.04.2026 – Gegen den amtierenden Weltmeister zu gewinnen, ist schwer. Der erste deutsche Schachspieler, dem das nach dem Zweiten Weltkrieg gelang, war Wolfgang Unzicker, lange Jahre die Nummer 1 der Bundesrepublik Deutschland – bei der Mannschaftseuropameisterschaft 1961 überspielte er den damaligen Weltmeister Mikhail Botvinnik. Da wollte Wolfgang Uhlmann, lange Jahre die Nummer 1 der DDR, nicht nachstehen. Er konnte 1962 bei der Schacholympiade in Varna gegen Botvinnik gewinnen – allerdings nicht ganz so überzeugend wie Unzicker ein Jahr zuvor. | Bild: Wolfgang Uhlmann 1970 | Foto: Rob Mieremet, Anefo
15.04.2026 – Die 14. und letzte Runde des Kandidatenturniers bot noch einmal unterhaltsames Schach, auch wenn Javokhir Sindarov bereits als Sieger feststand. Leider ging die Unterhaltung auf Kosten von Matthias Blübaum, der mit Weiß gegen Anish Giri einen taktischen Trick übersah und schnell unter die Räder kam. Ein versöhnlicher Abschluss eines insgesamt enttäuschenden Turniers gelang hingegen Fabiano Caruana: Er spielte mit Schwarz gegen Andrey Esipenko eine Modellpartie im Drachen-Sizilianer. Sindarov und Wei Yi trennten sich schnell Remis, genau wie Praggnanandhaa und Hikaru Nakamura. | Foto: Nils Rohde
14.04.2026 – Javokhir Sindarov hat es geschafft! Mit einem souveränen Remis gegen Anish Giri in Runde 13 sicherte sich der 20-jährige Usbeke den Sieg im Kandidatenturnier und darf später in diesem Jahr gegen Gukesh um die Weltmeisterschaft spielen. Nach der Runde fand der frisch gebackene Turniersieger noch Zeit für ein kurzes Interview mit Arne Kähler. Genau wie Sindarovs Trainer und "Geheimwaffe", Roman Vidonyak. | Foto: Nils Rohde
14.04.2026 – Vor 100 Jahren, am 14. April 1924, endete in Dresden ein Weltklasseturnier, mit dem der Dresdener Schachverein sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Souveräner Sieger war Aron Nimzowitsch: Er holte 8,5 Punkte aus 9 Partien und hatte am Ende 1,5 Punkte Vorsprung vor Alexander Aljechin, der ein Jahr später Weltmeister werden sollte. In der zweiten Runde des Turniers spielte Nimzowitsch eine Partie, die Schachgeschichte schrieb.
09.04.2026 – Javokhir Sindarov ist beim Kandidatenturnier weiter in bestechender Form und gewann in Runde 10 überzeugend gegen Praggnanandhaa. Sindarov, der vor der Runde mit 1,5 Punkten Vorsprung klar in Führung lag, versuchte gar nicht erst, diesen Vorsprung mit vorsichtigem und solidem Spiel über die Ziellinie zu retten, sondern ließ sich gegen Praggnanandhaa auf eine zweischneidige und komplizierte Stellung ein. Dieser Mut bescherte ihm einen überzeugenden Sieg. Die drei anderen Partien der Runde endeten mit Remis, und so hat Sindarov vier Runden vor Schluss wieder zwei Punkte Vorsprung. Und er hat in Runde 10 nicht den Eindruck gemacht, als ob er auf der Zielgeraden straucheln könnte. | Foto: Michal Walusza / Fide
08.04.2026 – Matthias Blübaum gilt als solider Spieler, aber in Runde 9 des Kandidatenturniers scheute er gegen Tabellenführer Javokhir Sindarov kein Risiko. Er spielte von Beginn an aggressiv, aber musste am Ende froh über ein Remis sein. Sindarov konterte Blübaums Angriff souverän, aber verpasste dann im entscheidenden Moment einen Gewinn. Im Duell der Verfolger gewann Anish Giri mit Schwarz gegen Fabiano Caruana und liegt jetzt "nur" noch 1,5 Punkte hinter Sindarov. Praggnanandhaa stand gegen Wei Yi lange Zeit auf Gewinn, aber fand keinen Weg zum Sieg. Und auch Hikaru Nakamura und Andrey Esipenko trennten sich Remis. | Foto: Michal Walusza / Fide
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07.04.2026 – Javokhir Sindarov scheint beim Kandidatenturnier 2026 unter einem glücklichen Stern zu stehen. In Runde 8 spielte er gegen Andrey Esipenko ein farbloses Remis, aber dennoch konnte er seinen Vorspung ausbauen: mit 6,5 aus 8 liegt er jetzt ganze zwei Punkte vor Fabiano Caruana und Anish Giri. Caruana verlor mit Schwarz gegen Nakamura, Giri gewann mit Weiß gegen Praggnanandhaa. Matthias Blübaum kam mit Schwarz gegen Wei Yi zu einem weiteren Remis. | Foto: Fußballstar David Luiz führt den zeremoniellen Anfangszug aus | Foto: FIDE / Michal Walusza
07.04.2026 – Vincent Keymer hat es geschafft! Mit einem schnellen Remis gegen Maxime Vachier-Lagrave in der neunten und letzten Runde des grenke Freestyle Open in Karlsruhe sicherte er sich den Turniersieg nach Wertung und die Qualifikation für die Freestyle-WM 2027. Durch das Remis kamen Keymer und Vachier-Lagrave beide auf 7,5 Punkte aus Partien, aber Keymer gewann dank besserer Wertung. Mit einem halben Punkt Rückstand folgten 7 Spieler mit je 7 Punkten. Zu dieser Gruppe gehörte auch Magnus Carlsen, der nach Wertung Dritter wurde. | Foto: Nils Rohde/ChessBase
20.03.2026 – Am 29. März soll das Kandidatenturnier 2026 in Zypern beginnen. Aber seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran am 28. Februar 2026 gibt es Befürchtungen, dass Zypern zum Ziel iranischer Angriffe werden könnte, und Anfang März hat der Iran Militärbasen auf Zypern tatsächlich angegriffen. Jetzt hat der Unternehmer und Schach-Mäzen Wadim Rosenstein angeboten, das Kandidatenturnier 2026 kurzfristig nach Deutschland zu verlegen.
13.03.2026 – Alice Lee hat es wieder geschafft: Mit einem 1,5-0,5-Sieg im "Grand Final Reset" gegen Carissa Yip gewann die 16-Jährige in Saint Louis den American Cup nach 2024 und 2025 zum dritten Mal in Folge. Der Sieg brachte ihr ein Preisgeld von $49.000 und einen Elo-Gewinn von 18,2 Punkten. | Foto: Alice Lee und Maurice Ashley | Foto: Saint Louis Chess Club / Lennart Ootes
11.03.2026 – Anfang des Jahres gewann Christian Glöckler in Wijk das Qualifiers-Turnier, jetzt gelang ihm beim Schachfestival in Prag ein weiterer Erfolg: Er landete im Open mit 7,5 Punkten aus 9 Partien (+6, =3) und einer Performance von 2578 auf Platz 2. Ein wichtiger Sieg gelang ihm in der Schlussrunde: Er gewann mit Schwarz gegen den tschechischen IM Richard Stalmach, der lange an der Spitze gelegen hatte. Nach dem Sieg nahm sich Glöckler Zeit, um die Partie dem ChessBase-Team zu erläutern. | Foto: Screenshot
10.03.2026 – Das Karel Janecek Open ist Teil des Prager Schachfestivals, der Sieger darf im Jahr darauf im Challengers spielen. Dieses Privileg sicherte sich 2026 der indische Großmeister Krishnan Sasikiran. Nach sechs Runden lag er mit 5 aus 6 auf dem geteilten 6. bis 14. Platz, aber dann gewann er die drei restlichen Partien und war am Ende mit 8 aus 9 alleiniger Erster. Bei seinem Schlussspurt gelang ihm in Runde 6 eine Glanzpartie mit verblüffenden taktischen Motiven. | Foto: Nils Rohde
27.02.2026 – Runde 1 des Masters in Prag brachte vier Siege und ein Remis, in Runde 2 ging es mit drei Remis und zwei Siegen gemächlicher zu. Aber die Gewinnpartien waren interessant. David Anton stand nach der Eröffnung schlecht gegen Jorden Van Foreest, gewann dann aber unerwartet schnell in nur 27 Zügen. Und Hans Niemann übersah gegen Aravindh Chithambaram in Gewinnstellung und Zeitnot eine versteckte taktische Möglichkeit und verlor. | Bild: Aravindh Chithambaram und Hans Niemann | Fotos: Petr Vrabec, Schachfestival Prag
26.02.2026 – Vincent Keymer erwischte in der ersten Runde des Prager Schachfestivals einen Fehlstart und verlor mit Schwarz gegen Jorden Van Foreest. Dabei verpasste er nach missglückter Eröffnung einen versteckten Konter, mit dem er das Ruder hätte herumreißen können. Diese Partie war typisch für die Auftaktrunde in Prag: Alle fünf Partien der ersten Runde verliefen abwechslungsreich und kämpferisch. Vier endeten mit einer Entscheidung, und nur Weltmeister Gukesh und Hans Niemann trennten sich remis. Allerdings war dieses Remis die längste Partie der Runde. | Fotos: Petr Vrabec, Schachfestival Prag
19.02.2026 – Die holländische Schachlegende Jan Timman ist am 18. Februar 2026 im Alter von 74 Jahren gestorben. Timman hat das Schach als Spieler, Autor und Studienkomponist jahrzehntelang geprägt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er die Nummer zwei der Welt, und seine gesamte Laufbahn hindurch hat er zahlreiche Schachspieler durch seine Partien, sein Leben und seine Bücher inspiriert. | Foto: Jan Timman 2019 | Foto: Lennart Ootes
17.02.2026 – Deep Blue war der erste Computer, der einen Wettkampf gegen den amtierenden Weltmeister gewinnen konnte. Im Mai 1997 schlug Deep Blue Garry Kasparov in einem Wettkampf über sechs Partien mit 3,5:2,5. Deep Blue war auch der erste Computer, der überhaupt eine Partie mit klassischer Bedenkzeit gegen einen amtierenden Weltmeister gewinnen konnte – die erste Partie des ersten Wettkampfs zwischen Deep Blue und Kasparov. Angesichts dieser Erfolge wird leicht vergessen, dass Kasparov den ersten Wettkampf mit 4:2 gewann und den Supercomputer, der im Schnitt 126 Millionen Stellungen pro Sekunde berechnete, dabei manchmal wie einen besseren Anfänger aussehen ließ. | Kasparov hat die Möglichkeiten des Computers früh erkannt | Foto: ChessBase
10.02.2026 – In wenigen Tagen, am 13. Februar, beginnt in Weissenhaus die Freestyle-Weltmeisterschaft. Turnierfavorit ist Magnus Carlsen, mit dabei ist aber auch Deutschlands Nummer 1, Vincent Keymer. Die Generalprobe verlief für Keymer erfolgreich: Am 6. Februar, eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft, gewann der Deutsche den Freestyle Friday auf chess.com und verwies Carlsen nach Wertung auf Platz zwei. | Foto: Vincent Keymer in Weissenhaus 2025 | Foto: Lennart Ootes
04.02.2026 – Die Netflix-Serie "The Queen's Gambit" hat dem Schach viele Fans beschert und das Bild des Schachs verändert. Die Serie war so erfolgreich, dass der Fernsehsender Arte im November 2025 eine über dreistündige Sendung gedreht hat, in der sich Lara Schulze, Georgios "The Big Greek" Souleidis und Moderator Cedric "Doktor Whatson" Engels über "The Queen's Gambit", Schach und die Welt des Schachs unterhalten. In der Arte-Mediathek erschien jetzt zusätzlich eine 36-minütige Zusammenfassung mit Höhepunkten dieses langen Gesprächs.
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