Braucht die Schachweltmeisterschaft eine Reform?

von Stephan Oliver Platz
09.12.2018 – Alle 12 Partien der Weltmeisterschaft zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana endeten remis. Das gab es bisher noch nie. Benötigt die Weltmeisterschaft eine Reform. Stephan-Oliver Platz beleuchtet verschiedene Aspekte. | Fotos: Nikolai Dunaevsky (Agon)

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Wenig prickelnd: 12 Remispartien

Gedanken über den WM-Austragungsmodus

Die WM 2018 zwischen Magnus Carlsen und seinem Herausforderer Fabiano Caruana verfolgte ich zu Hause live über das Internet. Leider konnte ich diesmal nicht selber vor Ort sein, aber die Live-Kommentierung von GM Yasser Seirawan, GM Maurice Ashley und WGM Jennifer Shahade aus den USA war interessant genug. Garry Kasparow, Vishy Anand und Wladimir Kramnik wurden per Skype zugeschaltet und äußerten sich zum Spielgeschehen, wobei ich vor allem Kasparows Einschätzungen der Lage sehr beeindruckend fand, weil sie oft einen merkwürdigen Gegensatz zu den Computeranalysen darstellten, welche Maurice Ashley präsentierte. Weniger prickelnd erschienen mir die zwölf klassischen Partien, welche Carlsen und Caruana spielten, wobei ich allerdings weder den einen, noch den anderen Spieler dafür kritisieren möchte. Schließlich ging es um den Titel eines Weltmeisters und um eine ganze Menge Geld! Vor diesem Hintergrund wird Carlsens Entscheidung, die 12. Partie nicht auf Gewinn zu spielen, verständlich: Warum sollte er etwas riskieren, wenn er sich doch sicher war, das Schnellschachduell für sich entscheiden zu können? Das 3:0 im Stechen gab ihm vollkommen recht. Dennoch bleibt ein gewisses Unbehagen zurück: 12 x Remis hintereinander - soll das die Zukunft des Schachs sein?

Ungeeigneter Modus

Meine These: Der heutige Austragungsmodus einer WM im klassischen Schach ist nicht geeignet, einen spannenden und inhaltsreichen Kampfverlauf hervorzubringen, jedenfalls nicht, was die Partien mit langer Bedenkzeit angeht. Wir hatten von 1951 bis 1972 und noch einmal von 1985 bis 1993 eine Fülle hochspannender, auf 24 Partien angesetzte WM-Kämpfe. Warum eigentlich wurden seitdem mehrfach die Regeln geändert? Das betrifft nicht nur die Anzahl der zu spielenden Partien, sondern auch die Einführung des sogenannten "Tie-Breaks" mit immer weiter verringerter Bedenkzeit. Auch die Bedenkzeit für die regulären, "klassischen" Partien wurde im WM-Austragungsmodus im Laufe der Jahre immer mehr verringert. Bobby Fischer und Boris Spassky bekamen noch 2 1/2 Stunden Bedenkzeit für die ersten 40 Züge. Später waren es nur noch 2 Stunden. Heute sind es nur noch 1 Stunde und 40 Minuten bei einer Zugabe von 30 Sekunden je Zug von Anfang an. Hat diese dauernde Verkürzung der Bedenkzeit zu inhaltsreicheren und spannenderen Partien geführt? Wohl kaum. Und warum soll ein Tie-Break mit Schnellschachpartien dafür herhalten müssen, den "klassischen" Schachweltmeister zu küren? Muss ein Weltmeister im Marathon-Lauf (42 Kilometer) auch der beste 200- oder 100-Meter-Läufer sein?

Die negativen Folgen der Bedenkzeitverkürzung

Weil für die ersten 40 Züge deutlich weniger Bedenkzeit zur Verfügung steht, als dies früher der Fall war, kommt der Eöffnungsvorbereitung im Spitzenschach eine immer größere Bedeutung zu.  Bobby Fischer sprach in diesem Zusammenhang von "pre-arranged games" und meinte, das Schach sei "tot".  Wer die ersten 20 - 25 Züge einer Partie aus dem Gedächtnis herunterleiern kann, hat von vornherein einen großen Vorteil, nicht nur, weil diese Züge bereits zu Hause erprobt wurden, sondern auch, weil ihm für den Rest der Partie mehr oder sogar deutlich mehr Bedenkzeit zur Verfügung steht als seinem Gegner, der vielleicht schon zehn Züge vorher anfangen musste, selbst zu denken. Noch zusätzlich verschärft wird diese Situation durch die gestiegende Spielstärke der modernen Schachprogramme. Während früher ein ganzes Team von sowjetischen Spitzengroßmeistern Anatoli Karpow dabei half, Eröffnungsneuerungen für seine Wettkämpfe gegen Viktor Kortschnoj vorzubereiten, kann heute jeder technisch halbwegs Versierte ein solches Großmeister-Team in Form von "Stockfish", "Komodo", "Houdini", "Fritz" und anderen Schachprogrammen für sich arbeiten und analysieren lassen. Und warum sollte man diese technischen Möglichkeiten eigentlich ungenutzt lassen? Es käme doch auch kein Mathematiker auf die Idee, auf den Einsatz eines Computers zu verzichten und stattdessen mit dem Rechenschieber oder mit Papier und Bleistift zu arbeiten. Und doch bleibt die Gefahr bestehen, dass das Spitzenschach durch die ausufernde Analyse von "Eröffnungs-"varianten auf kurz oder lang zu mechanisch werden könnte. Wie könnte man diesem Trend entgegenwirken?

Mehr Bedenkzeit + längeres Match = Spannendere Partien

Spannendere und inhaltsreichere Partien erfordern meines Erachtens einerseits zusätzliche Bedenkzeit für die beiden Spieler und andererseits mehr Matchpartien. Wozu benötigen die Spitzengroßmeister mehr Bedenkzeit? Wer z. B. frühzeitig einen Bauern opfert für Kompensation (Entwicklungsvorsprung, offene Linien, mehr Raum, Angriffschancen), kann es sich nicht leisten, einen schwächeren Zug zu machen, denn das genügt bereits, um die Kompensation einzubüßen und in Verlustgefahr zu geraten. Wie soll man aber die stärksten Züge finden, wenn immer weniger Bedenkzeit zur Verfügung steht? Daher sollte meiner Meiung nach die Bedenkzeit für ein WM-Match wieder erhöht werden auf 2 1/2 Stunden für die ersten 40 Züge, und zwar in folgender Form:

Jeder Spieler bekommt 1 Stunde und 50 Minuten Bedenkzeit + 1 Minute Zugabe je Zug von Anfang an. Damit stehen für die ersten 40 Züge wieder 2 1/2 Stunden Bedenkzeit zur Verfügung und anschließend immer noch 1 Minute je Zug. Selbst wenn eine Partie 100 Züge dauern sollte, würde sie in spätestens 7 Stunden beendet sein. Und gerade für die Eröffnung und das Mittelspiel würde die zusätzliche Bedenkzeit sowohl dem Angreifer, wie dem Verteidiger zugutekommen. Gehaltvollere und spannendere Partien wären die Folge.

24 Partien sind besser als 12

Die Anzahl der Partien wurde von einst von 24 auf 12 halbiert! Wer kann da noch viel riskieren? Die erste Verlustpartie wiegt umso schwerer, je kürzer ein Match ist. Wenn 24 Partien zu spielen sind, kann selbst ein 0:2-Rückstand noch nicht vorentscheidend sein, wie u. a. aus dem WM-Kampf Spassky - Fischer 1972 zu ersehen ist.

Weg mit dem Tie-Break

Außerdem sollte man meines Erachtens nach dem Herausforderer wieder auferlegen, den Weltmeister zu besiegen, und zwar im klassischen Schach, nicht in Schnell- oder Blitzpartien. Diese Vorgabe würde wesentlich die Matchstrategie beeinflussen. Solange ein Stechen mit Schnell- oder Blitzpartien bei Gleichstand garantiert ist, besteht überhaupt keine Notwendigkeit, auf Gewinn zu spielen, weder für den Herausforderer, noch für den amtierenden Weltmeister. Diese Tatsache beeinflusste wesentlich den Verlauf der Schach-WM 2018!

Noch ein weiterer Gesichtspunkt spricht gegen ein Stechen mit Schnell- und Blitzpartien: Die Tagesform entscheidet. Jeder Schachspieler weiß es aus eigener Erfahrung: Übermüdet und schlecht ausgeschlafen braucht man zu einem Wettkampf im Blitz- oder Schnellschach gar nicht erst anzutreten! Übermüdung führt beinahe zwangsläufig zum Verlust. Und der Grad der Übermüdung nimmt sicherlich während eines anstrengenden WM-Kampfes immer mehr zu! Was bei Partien mit langer Bedenkzeit noch nicht so sehr ins Gewicht fällt, erweist sich bei knapper (Schnellschach) und knappster Bedenkzeit (Blitzschach) als entscheidend. Bei einem WM-Kampf im klassischen Schach geht es jedoch darum, den besten Schachspieler der Welt zu ermitteln. Dazu ist ein Stechen mit Schnell- und Blitzpartien nicht mehr als ein Notbehelf. Und außerdem: Es gibt doch eigene Weltmeisterschaften sowohl im Schnell-, wie auch im Blitzschach.

Zu lang und keine Sponsoren?

Das Argument, dass ein WM-Kampf über 24 Partien heute zu lange dauern und sich keine Sponsoren finden würden, überzeugt mich nicht. Wenn vier Partien pro Woche gespielt werden, endet die WM spätestens nach sechs (spannenden) Wochen. Und es muss ja nicht jedes Jahr eine WM stattfinden. Alle 2 - 3 Jahre sollte doch genügen.

Magnus Carlsen ist ein würdiger Weltmeister

Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich noch eines hinzufügen:  Magnus Carlsen hat meines Erachtens verdient gewonnen. Er wäre mit großer Wahrscheinlichkeit auch einem "ausgeschlafeneren" Herausforderer im Schnellschach überlegen gewesen. Dennoch würde ich mir wünschen, dass die nächste Weltmeisterschaft in einem anderen, besseren Modus ausgetragen wird. Dieser Beitrag soll eine Diskussion hierüber anstoßen, nicht nur bei den zahlreichen Fans und Anhängern des königlichen Spiels, sondern auch bei den Verantwortlichen der FIDE.

 




Stephan Oliver Platz (Jahrgang 1963) ist ein leidenschaftlicher Sammler von Schachbüchern und spielt seit Jahrzehnten erfolgreich in der mittelfränkischen Bezirksliga. Der ehemalige Musiker und Kabarettist arbeitet als freier Journalist und Autor in Hilpoltstein und Berlin.
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Woodpusher_XL Woodpusher_XL 19.12.2018 06:02
Wie wäre es denn mit folgendem Vorschlag:

Der reguläre Wettkampf sollte sich über 14 oder besser noch 16 Partien erstrecken, denn das Kandidatenturnier umfasst 14 Runden und auch der FIDE World Cup als eine der Qualifikationsmöglichkeiten zum Kandidatenturnier hält für seine Finalisten 16 Partien mit regulärer Bedenkzeit bereit. Der eigentliche Weltmeisterschaftskampf sollte nicht kürzer sein als die vorgelagerten Qualifikationsturniere.

Um trotzdem die Gesamtdauer überschaubar zu halten, sollten Ruhetage nur noch nach jeweils drei Partien stattfinden. Das wäre schon deshalb gerechter, weil dann nicht immer derselbe Spieler nach den Ruhetagen mit Weiß aufschlägt. Der merkwürdige Farbwechsel in der Mitte des Wettkampfs wie bisher praktiziert kann deshalb entfallen. Er ist sowieso ungerecht, weil er in der jetzigen Regelung dazu führt, dass derselbe Spieler in der ersten und in der letzten Partie (psychologisch sicher die wichtigsten Partien des Wettkampfs) Weiß erhält.

Herrscht danach Gleichstand, so sollte – ohne einen weiteren Ruhetag einzuschieben – ein Tiebreak in Form einer Doppelrunde, also zwei Partien mit langer Bedenkzeit an einem Tag, stattfinden. In beiden Partien sollte es keinen Zeitzuschlag geben, so dass eine Entscheidung auch in der Zeitnotphase fallen kann.

Sollte es nach dem Tiebreak immer noch unentschieden stehen, so behält der Weltmeister seinen Titel, da es dem Herausforderer nicht gelungen ist, diesen zu schlagen.
Falk Falk 11.12.2018 11:08
Muss es denn sofort Schnellschach sein? Etwas weniger Bedenkzeit und eine Variation der Bedenkzeit würden doch auch schon etwas bewirken. Also meist klassische Bedenkzeit, etwas moderne Bedenkzeit, dazu etwas verkürzte Bedenkzeit und etwas Stress (Phasen ohne viel Ruhezeit - z.B. 2 kürzere Partien an einem Tag) gibt. Aber natürlich auch Erholungsphasen (für gute Züge und gute Vorbereitungen nach Pausen). Einfach verschiedene Rhythmen.

Weiß jemand, ob so was schon mal in einem Match versucht wurde? Ich kann mich eigentlich nur daran erninnern, dass die Variation gleich Fischer-Schach, Bind oder Partien mit echter Verkürzung (Schnell- oder Blitzschach wie bei der Weltmeisterschaft hinterher) gewesen sind. Das sollte man bei einer klassischen Schach-Weltmeisterschaft natürlich vermeiden.

Wenn man Blitz oder Schnellschach einschieben würde, ich glaube, das würde der Würde bzw. dem Anspruch des klassischen Schachs entgegen stehen. Nachdem es im klassischen Schach keine Entscheidung gegeben hat - das ist etwas anderes als wenn das Schnellschach das wichtigste Element mitten in den klassischen Partien ist.
phenomenonly phenomenonly 11.12.2018 11:58
Da lobe ich mir dann doch ganz außerordentlich z.B. einen Levon Aronian, wenn dieser gegen jemand wie Grischuk auf f7 einen Turm opfert (Sinquefield Cup)! Theoretisch betrachtet einfach falsch (die gnadenlosen Engines entlarven es für jedermann), aber praktisch war dieser "Tin cup"-Versuch eben von Erfolg gekrönt!
Und auch ich hätte noch einen Vorschlag, wie man die Spieler bei "normalen" Partien zu mehr Risikobereitschaft ermuntern könnte: man zieht den Schnellschachwettkampf einfach vor! Dann hätte Fabi - wenn er ihn auch bereits dann verloren hätte - mit Schwarz mehr Risiko nehmen müssen, anstatt diese Partien praktisch unausgespielt "abzuschenken"!?
Wobei - dann würde der Sieger dieses Vergleichs erst recht mauern!? Vor allem, wenn es dann Fabi gewesen wäre ... !? Oder hätte dann sogar Magnus ... ?!
Vielleicht sollte man sich hier ja am Fußball ein Beispiel nehmen - braucht eine Begegnung einen Sieger, dann gibt es erst eine Verlängerung, und dann das Elfmeterschießen! Übertragen aufs Schach: Nach den 12 Partien gibt es bei Gleichstand 2 x 15 min Verlängerung (= 2 Extrapartien), und wenn diese noch immer keine Entscheidung gebracht haben sollten, erst dann das Elfmeterschießen, also den Schnell- und ggf. auch Blitzschach-Tiebreak! Letzteres dürfte doch deutlich besser sein, als eine Münze zu werfen (wie früher im Fußball) oder den "Sieger" am Roulettetisch zu ermitteln (wie bei Hübner-Smyslov anno '83 ...).
Den Wettkampf aber doppelt (=24 Partien) auszutragen, dürfte bei dem dickgepackten Terminkalender heutiger Profis nicht mehr wirklich drin sein. Klar, sie müßten sich eben Zeit nehmen. Aber etwas Planungssicherheit wäre doch auch ganz schön. Und bei 24 Partien kann es eben nach 13 Partien zuende sei (ok, eher unwahrscheinlich) - oder erst (ohne Tiebreak) nach 24 (sehr viel eher unwahrscheinlich ... - s.a. Sevilla!)! Und je nachdem, wäre es für Fabi schwer geworden, für London (diesmal das heute beginnende Finale der "Chess Classic") zuzusagen oder nicht.
phenomenonly phenomenonly 11.12.2018 11:55
Wäre Magnus bei dieser WM auf jemanden kreativen wie einen meiner Lieblingsspieler Bashkaran Adhiban getroffen, hätten wir sicher die eine oder andere entschiedene Partie gesehen - und nicht nur, weil Magnus der stärkere Spieler ist!
Und warum braucht eine Partie eigentlich einen Sieger, um interessant zu sein!? Das sollten wir uns alle (!?) (auch ich mich ...) selbstkritisch fragen!? War nicht z.B. Partie 6 sehr spannend!?
Und der baldige "Remistod" des Schachspiels wurde ja erstmals bereits ... ... so um 1930 herum befürchtet - nachdem ein extrem starker und auch kreativer Spieler wie Alexander Aljechin (etwas vergleichbar mit Magnus) gegen einen anderen extrem starken und auch soliden Spieler wie Jose Raoul Capablanca ("=" Caruana) getroffen war, und diese "gerade" einmal 9 entschiedene bei 34 gespielten Partien "zustande" gebracht haben (bei 1 x 7 und 1 x 8 Remispartien in Folge, welche durch gerade einmal einen Sieg Aljechins in Partie 21 unterbrochen wurden, es also sogar fast 16 Remispartien in Folge gegeben hätte! Und dies bereits 1927!). Und es ist insgesamt doch etwas anders gekommen.
Ich denke auch, daß der allgemeine Versuch, absolut "korrekt" zu spielen (was eben nahezu zwangsläufig zu vielen Remisen führt), auch psychologischen Ursachen geschuldet ist - denn früher konnte jeder schwache Züge machen, und im Prinzip konnte niemand dies wirklich sicher nachweisen. Heute jedoch sieht selbst jemand, der überhaupt kein Schach spielen kann, aufgrund einer zugeschalteten Engine, wenn sich jemand einen groben Schnitzer geleistet hat. Oder er glaubt dies zumindest zu erkennen - denn auch Engines irren bekanntlich immer wieder! Und dieser Aspekt könnte sich auch bei vielen Spitzenspielern ins Unterbewußtsein eingebrannt haben, und sie zu einer vorsichtigeren Spielweise verleiten.
phenomenonly phenomenonly 11.12.2018 11:54
Einige durchaus interessante Überlegungen von Stephan Oliver Platz zu dieser Thematik ... . Ich könnte mich aber für eine Verlängerung auf wieder 24 Partien nicht begeistern, obwohl ich früher ein großer Fan dieses Formats war, und für mich der WM-Kampf anno '87 in Sevilla der beste, den ich verfolgen durfte! Und ich weiß auch nicht, ob es nicht vielen anderen genauso geht ... . Denn was, wenn wir am Ende 24 Remispartien zu Buche stehen hätten!? Und für s o unwahrscheinlich halte ich dies nicht, wenn selbst ein so unglaublich starker Spieler wie Carlsen gegen einen anderen unglaublich starken wie auch insgesamt sehr soliden Spieler wie Caruana antreten muß, wo letzterer dann vor allem mit Schwarz darauf bedacht ist, die WM nicht zu gewinnen, sondern vor allem nicht zu verlieren ... . Vielleicht fehlte ihm einfach die Matcherfahrung!? Hat Fabi vor diesem Match überhaupt schon einmal etwas vergleichbares bestritten!? Vielleicht hätte er das ja auch trainieren sollen (ich glaube nicht, daß er dies tat)!?
Bei allem sollte man aber auch nicht vergessen, daß das Ganze auch irgendwie "blöd" gelaufen ist - hatte Magnus doch in Partie 1 eine klar gewonnene Stellung, welche er auch gewonnen hätte, wäre er nicht nervös geworden (anders kann ich es mir nicht erklären, daß er dies nicht tat), und bei einem Sieg von ihm hätte ich doch "gerne" Fabi mal mit Schwarz so Eröffnungen wie Damengambit oder Russisch spielen sehen wollen, die zwar solide sind, aber eben auch kein großes Gewinnpotential haben! Da lobe ich mir doch Magnus, der eben nicht nur mit Weiß alles Mögliche versucht hat, sondern auch mit Schwarz immer das aktivste (Sizilianisch) gewählt hat, und von daher ist er für mich der verdiente Sieger, weil e r permanent versucht hat, das Match zu gewinnen! Selbst das remis in Partie würde ich in diese Kategorie stecken, da hat er wohl verstanden, daß er zuvor nicht die besten Züge gemacht hatte, und daß er nicht die beste Tagesform hat, und es sogesehen zurecht beendet hat.
DSAM DSAM 10.12.2018 01:01
Es ist absurd, ein Tretroller-Rennen im Falle des Gleichstandes (ja! Zielfoto!) nun mit einem Formel.1-Rennen entscheiden zu wollen, weil sich damit vielleicht auch mehr Werbe-Einnahmen generieren ließen. Die Mehrheit der Kommentatoren sieht das bezogen auf Schach offenbar ähnlich, andere hingegen finden's ganz nett. Die vorgeschlagene Rückkehr zur traditionellen Regel, dass bei Gleichstand der Herausforderer eben nicht Champion wurde, ist wegweisend.
Diese Kürze der Wettkämpfe hat damit zu tun, dass der ulkige letzte FIDE-Prsd. glaubte, durch mehr Rasanz den "Sport" attraktiver machen zu können, damit endlich olympisch zu werden (wofür eigentlich?) und mediale Präsenz gewinnen zu können. Der glaubte aber auch noch ganz andere Sache, Stichwort Besucher aus dem Weltall. Gekommen sind welche aus dem Finanzamt. Kirsan Il. ist nun inaktiv, also: 24 Partien.
fjordfish har Recht damit, auf das völlig absurde Kandidatenturnier und dessen Vorturniere hinzuweisen, wo z.B. pure Zocker wie Sascha "Poker" Grischuk ausschließlich Remisen ansteuerte, um nun endlich blitzen zu können. Das wird ja ganz bestimmt viele neue Sponsoren für diesen "Sport" entflammt haben ...
Rat aus Deutschland ist in der FIDE ja offenbar kaum gefragt (das Geld schon), so dass der Einfluss auf eine bessere Regelung unter dem nun neuen F'IDE-Präsidium bei Null liegen dürfte.
"Dass Du bei Elfmerschießen immer den Kanal wechselst ... Du hältst die Spannung nicht aus, nicht wahr? - "Nein. Das Fußballspiel ist ja dann vorbei. Das, was dann kommt, ist etwas Anderes, jedenfalls kein Fußballspiel."
termatzor termatzor 10.12.2018 09:59
Ich fände es ja interessant, den Tiebreak vor den 12-24 klassischen Runden zu spielen. Dann würde schachlich entschieden, wer im Falle eines Gleichstands den Titel bekommt, und Endrundentaktiererei macht keinen Sinn mehr...
Crimsonseahawk1 Crimsonseahawk1 10.12.2018 09:34
Alleine der Verlauf der diesjährigen WM sowie die nicht enden wollen Diskussionen um den Modus zeigen im Kern das die ständigen "Modernisierungen" des alten Spieles Schach in die ganz falsche Richtung geführt haben. Alleine was in der 12. Partie passiert ist widerspricht jedem sportlichen Grundsatz indem man um einen Wettkampf zu gewinnen auch mal seinen Gegner in "der regulären Zeit" besiegen muss.
JoelH_DE JoelH_DE 10.12.2018 08:29
20 Partien in klassischer Bedenkzeit 40/2+20/1+30 Min. Rest und der Herausforderer muss gewinnen. Dieser Zeitbonus ist einfach Unsinn und verhindert echte Zeitnot, aber die gehört m.E. zum Spiel dazu. Und den Tie-Break hätte man sich auch gespart. Des Weiteren müsste der Herausforderer im Laufe des Zweikampfes immer mehr Risiko gehen, gehaltvolle Partien wären als garantiert.
hinni hinni 10.12.2018 07:44
Ich finde einen bereits in einem anderen Thread vorgeschlagenen Modus sehr attraktiv:

15 Partien, und der Herausforderer bekommt eine Weißpartie mehr und muss gewinnen. Farbfolge für den Herausforderer: SW WS SW WS SW WS SW W.

Vorteile dieses Modus:

– Mehr Partien (15 statt 12) führen zu mehr Risikobereitschaft, weil man mehr Chancen hat, einen Partieverlust auch wieder auszugleichen.

– Wie früher, muss der Herausforderer zeigen, dass er den WM schlagen kann. Dem WM reicht also ein 7,5 : 7,5, dafür aber hat der Herausforderer eine Weißpartie mehr.

– Die vorgeschlagene Farbfolge wird in vielen Fällen Spannung bis zum Schluss bieten, weil der Herausforderer ggf. mit seinen letzten beiden Weißpartien den Wettkampf noch drehen kann.

Je nach den vorhandenen Rahmenbedingungen kann man für den Wettkampf natürlich auch eine andere Partienzahl ansetzen (13, 17, 19, 21).
fjordfish fjordfish 10.12.2018 04:42
Es gibt nur eine Einzige Möglichkeit mehr Dynamik reinzubringen,
Der Weltmeister behält bei Gleichstand seinen Titel !
Friedrich Volkmann Friedrich Volkmann 10.12.2018 02:25
Mit der vorgeschlagenen Bedenkzeit könnte ich mich anfreunden, mit der Ausdehnung auf 24 Partien weniger. Denn erstens ist es unlogisch, das WM-Finale endlos in die Länge zu ziehen, wenn im Kandidatenturnier, wo jeder gegen jeden nur 1 oder 2 Partien spielt, der Finalist vergleichsweise zufällig ermittelt wurde. Man müsste auch den Kandidatenzyklus auf mehr Partien ansetzen, und das ist heute nicht mehr machbar, weil die Dichte an Spielern zu groß ist. Zweitens gewinnt, grob gesagt, bei einem Match über 24 Partien nicht der bessere Schachspieler, sondern der mit der besseren physischen Kondition. Ich habe einmal an einer Europameisterschaft teilgenommen, die 2½ Wochen lang gedauert hat. Damals war ich erst 32 und war trotzdem nach 2 Wochen ausgelaugt, ich fing mir unter dem Stress sogar einen Infekt ein.

Zweitens finde ich das Tiebreak aus Schnellpartien ok. 4 Schnellschachpartien sagen mehr als eine langsame Partie darüber aus, wer der bessere Schachspieler ist. Natürlich spielt die Tagesform eine Rolle, aber die tut es auch bei einer langsamen Partie, und auch die Eröffnungstheorie hilft in der langsamen Partie genauso - immerhin hat man mehr Zeit, sich die im Hinterkopf gespeicherten Analysen wieder ins Bewusstsein zu holen. Wenn man den Einfluss der Eröffnungstheorie aufs Ergebnis vermindern wollte, dann wär keine lange Bedenkzeit (siehe Fernschach), sondern Fischerandom die Lösung. Als dessen Gegenstück verstehe ich den Begriff "klassisches Schach". Was sonst sollte klassisch daran sein? Die Bedenkzeit ist nicht klassisch, immerhin spielte man früher ohne Inkrement, und noch früher spielte man ganz ohne Uhr. Genauso könnte man von einer Weltmeisterschaft im "klassischen Schach" verlangen, dass nur Königsgambit gespielt wird oder dass die Spieler Zigarre rauchen.

Es wär aber sicher eine gute Idee, das Tiebreak auf 2 Tage auszudehnen. Wie schon andere festgestellt haben, könnte man dafür den Ruhetag vor der 12. Partie einsparen.
Phantasy Phantasy 09.12.2018 11:49
Der Autor hat mich ueberzeugt.
BeatingGonzo BeatingGonzo 09.12.2018 08:21
@Krennwurzn
Die Masse der Schachfans wird sich wie eh und je damit arrangieren müssen, die WM und die alltäglichen Plichten unter einen Hut bringen zu müssen. Gegenüber früherer Zeit hat man aber heutzutage über das Internet die Möglichkeit, zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt ein- und aussteigen zu können. Konditionelle Anforderungen dürfte es eher gekostet haben, sechs Stunden regungslos in einem Moskauer Theater oder Gewerkschaftshaus aus seinem Sitz ausharren zu müssen. Schach ist nun mal der perfekte Internetsport!
Carl Haffner Carl Haffner 09.12.2018 06:42
Es gab spannende Partien mit Gewinnstellungen auf beiden Seiten und der Umstand, dass diese ungenutzt blieben lässt sich m.E. weder auf die Anzahl der Partien pro Match noch auf die Bedenkzeit zurückführen. Auch die WM 2016 hätte vom Ergebnis her bei konsequenter Ausnutzung der Gewinnmöglichkeiten mehr als zwei entschiedene Partien haben können. Was man tatsächlich überdenken sollte ist die Frage, ob ein "Tie-Break" beibehalten werden soll oder der WM nach altem Muster im Falle eines Unentschieden seinen Titel behält. In diesem Falle hätte Fabi das Remisangebot nicht annehmen sondern seine unangenehme Stellung ausspielen müssen und alles wäre gut.
Falk Falk 09.12.2018 05:46
Um noch mal das Gleichnis zu bemühen: Wenn mach 41,9 km noch eine Gruppe gemeinsam läuft, dann entscheidet der Sprint über 200m. Dass das Schnellschach eine komplett andere Sportart ist, kann ich nicht erkennen. Zumal ja sowieso sehr viel vorbereitet wird und häufig Carlsens Vorbereitung kritisiert wurde.

@Abseitsregel im Schach
Ein Mischen der Bedenkzeiten - das wird nicht kommen, aber interessant wäre es schon. Volle Bedenkzeit, volle Bedenkzeit, moderne Bedenkzeit, moderne, verkürzt, verkürzt (an einem Tag), verkürzt, verkürzt (an einem Tag), modern, modern, voll, voll, modern, modern uswusf.
Und zum Schluss aber mindestens 2x voll.
Krennwurzn Krennwurzn 09.12.2018 05:29
Bei einer Verlängerung des Wettkampfes gebe ich zu bedenken und damit ehrlich zu, dass schon aktuelle WM-Kämpfe mich als Zuschauer in konditionelle Schwierigkeiten bringen, weil es auch ein Leben und Arbeiten neben dem Schach gibt.
kamikaze85 kamikaze85 09.12.2018 05:24
Ich kann die Kritik am Tiebreak nicht nachvollziehen. In vielen Sportarten gibt es bei Gleichstand einen verschärften Modus, um zur Entscheidung zu gelangen. Elfmeterschießen hat gar nichts mehr mit dem eigentlichen Fußball zu tun, trotzdem wird es niemals hinterfragt.
Auch der Vergleich zwischen Marathon und 100- bzw. 200 Meterlauf hinkt enorm. Ich würde es eher mit Biathlon vergleichen: Hier gibt es auch verschiedene Wettkampfarten: Sprint, Einzelrennen, Verfolgung, Massenstart. Auch wenn es dafür jeweils Spezialisten gibt, setzen sich meist immer die stärksten Sportler durch. Genauso ist es beim klassischen Schach und dem Schnell- (bzw. Blitz-) Schach. Es gibt Spezialisten, aber die stärksten Spieler sind in jeder der drei Weltranglisten vorne zu finden.
Viel sinnvoller finde ich den anderen Vorschlag, die Anzahl der Partien zu erhöhen. Ob es 24 Partien sein müssen, glaube ich gar nicht, schon mit 18 Partien würde dann vermutlich den Effekt erzielen, dass die Spieler wieder etwas mehr riskieren. Die Ruhetage kann man auch gerne reduzieren.
huw huw 09.12.2018 04:59
Sehe ich auch so

- 24 Partien statt 12 Partien
- wenn es dann 12:12 steht dann bleibt der Welmsteiter der Weltmeister
- längere Bedenkzeit
- weniger Ruhetage

Natürlich ist das keine Garantie, aber es ist eine Option die man den Kandidaten bietet.
funbettor funbettor 09.12.2018 03:52
Mir aus dem Herzen gesprochen. Ist vielleicht eine Generationsfrage. Bin Jhg. 65.
BeatingGonzo BeatingGonzo 09.12.2018 03:36
Eine Schach-WM erhält seine Attraktivität einzig durch die beiden Protagonisten. Ob nun 12 oder 24 Partien die Lösung darstellen, lässt sich pauschal nicht beurteilen. Zwei der längsten WM-Kämpfe, Karpow vs. Kortschnoi 1978 sowie Karpow vs. Kasparow 1983/84 waren sehr lang - und trotzdem sehr spannend! Genauso wenig lässt sich aus einer Veränderung der Bedenkzeit schlussfolgern, ob es spannender oder weniger spannend wird. Eine Verlängerung der Bedenkzeit führt meines Erachtens sicherlich nicht zu einer Reduktion der häuslichen Vorbereitung. am Ende wird sich der Spieler durchsetzen, der am meisten investiert - gleiches Talent vorausgesetzt.

Die Rahmenbedingungen (Internetpräsenz, Kommentierung etc.) sind heutzutage anders bzw. haben eine ganz andere, weitaus größere Bedeutung als zu klassischen Schachzeiten. Hier muss man den Hebel ansetzen. Der Rest kommt von alleine, denn hochkarätige und gleichzeitig spannende Schachspieler gibt es zuhauf.
Abseitsregel im Schach Abseitsregel im Schach 09.12.2018 03:13
Sorry, ich halte diese Änderungen nicht für geeignet, Weltmeisterschaftsschach wieder attraktiver zu machen.

Der Geist der ausführlichen Eröffnungsvorbereitung lässt sich nicht zurück in die Flasche stecken. Eine Erhöhung der Bedenkzeit würde da also meines Erachtens gar nichts bringen. Sie würde vermutlich eher dazu führen, dass die Partien noch langatmiger werden. Und dann auch noch mehr Spiele? Um Gottes Willen!

Besser wäre es, man lässt abwechselnd klassische Partien und Blitz-Partien spielen. Das gäbe dem Ganzen mehr Pfeffer!
DoktorM DoktorM 09.12.2018 02:59
Eine WM mit 24 Partien könnte man auch in vier Wochen durchführen, wenn man sechs Partien in Folge spielt und danach einen Ruhetag folgen lässt. Die Anzahl der Ruhetage sind heutzutage viel zu hoch.
Krennwurzn Krennwurzn 09.12.2018 01:54
Die alten Zeiten sind neuen Realitäten gewichen und daher müssen wir versuchen unsere Wünsche im hier und jetzt zu realisieren. Was wünschen wir uns? Der Schachweltmeister im Turnierschach sollte durch Turnierschach ermittelt werden - nicht durch Schnell- und/oder Blitzschach.
Wie realisieren wir das? Mehr Partien, mehr Zeit … das entspricht nicht dem Zeitgeist und den wirtschaftlichen Möglichkeiten. Eine Möglichkeit wäre das alte Weltmeisterprivileg wieder aufleben zu lassen oder wir machen das Tiebreak für die Spieler extrem unattraktiv indem wir nur eine Armageddonpartie ansetzen (ungerecht und extrem zufällig und ekelig) - Aber nur so könnten wir die Entscheidung mehr in die klassischen Partien drängen und das wollen wir ja - oder?
BLarsen BLarsen 09.12.2018 10:48
Kann mich inhaltlich dem Artikel voll und ganz anschließen!
norbertgregor norbertgregor 09.12.2018 09:45
Bei allen guten und nachvollziehbaren Gedanken kommt ein Aspekt leider zu kurz: Wie weit muss/sollte/darf sich eine Sportart den modernen Zwängen von Markt und Medien anpassen? Es geht nämlich nicht um den Remistod des Schach oder seine Mechanisierung durch Engines, sondern um die Frage, wie viel Vermarktung zugelassen werden soll und welchen Preis wir dafür zahlen wollen.
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