Viernheim baut Führung aus
Die drei Topteams der Schachbundesliga holte jeweils zwei Siege an diesem Doppelspieltag. Viernheim, Baden-Baden und Wolfhagen setzen sich damit weiter von den Verfolgern ab.
Tabellenführer Viernheim musste trat, wie schon die gesamte Saison, ohne Spitzenbrett Nodirbek Abdusattorov an. Der kämpft genau wie Aravindh Chithambaram (Brett 4), Parham Maghsoodloo (Brett 5) und Jorden van Foreest (Brett 7) in Prag um den Turniersieg. Dennoch gewannen die Hessen ohne Niederlage gegen den SK Kirchweyhe. Wenn man keine Partie verliert, reicht ein Sieg für den Mannschaftskampf. Diesen wichtigen Punkt eroberte Shakhriyar Mamedyarov gegen Alexandr Predke.
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Die beiden Viernheimer Topspieler: Jan-Krzysztof Duda und Shakhriyar Mamedyarov. | Foto: Angelika Valkova
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Die Fans hätten sich von den beiden sicher mehr gewünscht als eine Theorievariante. Matthias Blübaum ist aber vielleicht mit den Gedanken bereits mehr beim Kandidatenturnier als bei einer Bundesligapartie gegen Maxime Vachier-Lagrave. | Foto: Sandra Schmidt
Wie bereits am Samstag fehlte Vincent Keymer den Badenern natürlich auch am Sonntag wegen seines Prag-Einsatzes. Mit Maxime Vachier-Lagrave und Richard Rapport hatten die OSGer aber zwei 2700er-Schwergewichte aufgeboten. Ersterer traf gegen den Deizisauer Schwesterverein auf den WM-Kandidaten Matthias Blübaum. Besonders kämpferisch waren die beiden offenbar nicht eingestellt. Denn sie einigten sich nach 25 Theoriezügen des Gründfeldinders auf Remis:
5.Bd2 against the grünfeld offers a solid and exciting repertoire. White delays the immediate e4 and simplifies the resulting variations.
The Grünfeld Defence is not only Black's sharpest response to 1.d4, but also an opening with rich and deep theory. Nowadays, many players follow Magnus Carlsen's approach and treat the opening in a simple way. Anti- grünfeld lines with Bd2 were known as the Smyslov Variation for 50 years. But he avoided direct e2-e4 lines, which are very popular today. The central struggle is very different after Black chooses his plan. In general, Black has three responses:
a. Capture on c3 and after c5 or e5 White gets a passed central pawn.
b. Allow White to create a strong centre after Bg7, then try to attack it with pieces or pawn redirection f7-f5.
c. Direct attack on the d4-pawn with Nd5-b6, which is a less logical solution.
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Im weiteren Verlauf entwickelte sich dennoch ein intensiver Mannschaftskampf. Dmitrij Kollars gelang ein wichtiger Sieg gegen den favorisierten Richard Rapport, wodurch Baden-Baden zwischenzeitlich in Führung ging. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Rustam Kasimdzhanov stellte den Gleichstand wieder her. In der letzten laufenden Partie verpasste Etienne Bacrot jedoch in vielversprechender Stellung die große Chance, den Mannschaftssieg zu sichern, sodass die Begegnung letztlich zur Freude der Deizisauer und nicht zuletzt der Viernheimer mit 4:4 endete.
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Einen unerwartet deutlichen Ausgang nahm der Wettkampf zwischen der SV Werder Bremen und den Schachfreunde Wolfhagen. Obwohl Wolfhagen favorisiert war, überraschte vor allem die Höhe des Ergebnisses. Mit einem klaren 6,5:1,5-Erfolg unterstrichen die Nordhessen ihre Ambitionen und verkürzten gleichzeitig den Rückstand auf Baden-Baden deutlich. Den Schlusspunkt setzte Yuri Kuzubov, der den fünften Sieg für seine Mannschaft beisteuerte. Die Nordhessen sind nun auf zwei Punkte an die Baden-Badener herangerückt. Bei der Endrunde in Berlin treffen alle drei Spitzenteams noch aufeinander. Für Spannung ist also weiterhin gesorgt.
Der Tabellenvierte FC Bayern München konnte sich gegen den Abstiegsrivalen aus der Hauptstadt durchsetzen und damit seinen Tabellenplatz zementieren. Entscheidenden Anteil am Erfolg hatten Nijat Abasov und Vladimir Fedoseev, die ihre Partien gewinnen konnten. Durch diesen Sieg haben die Münchner drei Punkte Abstand auf den neuen Tabellenfünften St. Pauli.
Für die weiterhin abstiegsbedrohten Berliner hingegen wird die Lage zunehmend kritisch. Zwar stehen noch direkte Duelle gegen Konkurrenten aus, doch der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen ist bereits beträchtlich angewachsen.
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Brett 1 bei St. Pauli: Marc´Andria Maurizzi. | Foto: Anna-Blume Giede
Mit dem Sprung auf Rang 5 an diesem Wochenende hatten beim Carlsen-Klub, der in dieser Saison aber noch nicht mit dem weltbesten Spieler antrat, wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Nachdem knappen Sieg am Samstag gegen Düsseldorf wurde es eine klare Angelegenheit zwischen dem FC St. Pauli und der SG Solingen. Die Hamburger setzten sich deutlich mit 6:2 durch und konnten damit ihren Kontrahenten in der Tabelle sogar hinter sich lassen. Bereits früh brachte Aljoscha Feuerstack seine Mannschaft in Führung. Weitere Siege, unter anderem durch Bartosz Socko, sorgten schließlich für einen ungefährdeten Gesamterfolg.
Wichtig für den Mannschaftssieg der Deggendorfer und interessant aus eröffnungstheoretischer Sicht war der Sieg von Karthik Venkataraman gegen Jergus Pechac. Der Slowake wählte eine oft gespielte, aber schlechte Variante in der Französischen Verteidigung und verlor gegen den offenbar gut vorbereiteten Inder deutlich:
Für die Deggendorfer, die als Viertletzte in diesen Doppelspieltag gestartet waren, war der Doppelsieg ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Sie konnten sich von den weitestgehend erfolglosen Teams dahinter dadurch deutlich distanzieren und sind einer der großen Sieger des Wochenendes. Arjun Erigaisi konnte am Topbrett zwei Siege zum erfolgreichen Deggendorfer Wochenende beisteuern. Für die unterlegenen Dresdener wird es nun sehr schwierig, sich wieder an die rettenden Plätze heranzukämpfen.
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Der SC Heimbach-Weis-Neuwied ging nach dem bemerkenswerten 4:4-Unentschieden am Vortag gegen Deizisau mit einem komfortablen Vorsprung von vier Punkten auf die Abstiegsränge in die Begegnung gegen den Drittletzten aus München. Auch diese Partie endete ohne Sieger, wobei das erneute Remis vor allem für den besser platzierten SC ein wertvoller Teilerfolg sein dürfte. Die Münchener hingegen bleiben weiter unter Druck, da sie den Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze noch nicht verkürzen konnten. Dass am Ende lediglich zwei Partien entschieden wurden und sechs Begegnungen remis endeten, unterstreicht den enormen Kampfgeist und die hohe Bedeutung dieses direkten Duells im Abstiegskampf. Für München konnte insbesondere Routinier Gerald Hertneck mit seiner Erfahrung einen wichtigen Punkt beisteuern und damit verhindern, dass sein Team leer ausgeht. Außerdem gewannen seine Teamkollegen Pavel Eljanov und Gudmundur Kjartansson. Stepan Zilka, Grzegorz Nasuta und Yevgenij Roshka holten die Punkte für Heimbach-Weis-Neuwied.
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Gerald Hertneck gewann gegen Lukas Winterberg. | Foto: Sandra Schmidt
Auch der Düsseldorfer SK konnte einen wichtigen Erfolg verbuchen. Mit einem knappen Sieg gelang es dem Team, den Abstand zur Gefahrenzone zu vergrößern und sich eine deutlich bessere Ausgangslage für die verbleibenden Runden zu verschaffen. Den entscheidenden Punkt erzielte Caspar Schoppen, der sich in einer abwechslungsreichen Partie schließlich durchsetzen konnte. Dank dieses Erfolges befindet sich Düsseldorf nun in einer komfortableren Position und darf berechtigte Hoffnungen hegen, nicht mehr in den Abstiegsstrudel zu geraten.

Rasmus Svane gewann mit Schwarz gegen Victor Bologan. Doch am Ende hatten die Düsseldorfer die Oberhand. | Foto: Reinhard Ahrens
Partien:
Tabelle nach zehn gespielten Runden:
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