Bundesliga: Finale ohne Finale?

von André Schulz
30.04.2018 – Baden-Baden und Solingen feierten in der vorletzte Runde ungefährdete Siege. Sollte es nach der morgigen Schlussrunde immer noch einen Punktegleichstand geben, kommt es zum Stichkampf, aber nicht in Berlin. (Fotos: Pascal Simon)

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Videos: Pascal Simon, Macauley Peterson

Baden-Baden und Solingen liefern sich einen spannenden Zweikampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Die letzten drei Runden der Saison 2017/18 werden wieder zentral im Berliner Hotel Maritim ausgetragen, das den 72 angereisten Schachgroßmeistern und zwei Großmeisterinnen, sowie vielen weiteren Spielern der Bundesligaclubs eine exzellente Bühne bietet. Ausrichter sind die Schachfreunde Berlin, unterstützt vom Berliner Schachverband.

Elisabeth Pähtz, eine von zwei WGMs in Berlin

Im Laskerjahr - in diesem Jahr feiern der Deutsche Schachbund und die Lasker-Gesellschaft den 150sten Geburtstag des einzigen deutschen Weltmeisters - gibt es sogar noch mehr Zusatzveranstaltungen als im letzten Jahr, darunter auch ein vorgeschaltetes großes internationales Blitzturnier. Ein Wermutstropfen ist die Abwesenheit der Frauenbundesliga. Im letzten Jahr waren die besten deutschen Schachspielerinnen und die zahlreiche internationalen Stars der Frauen-Bundesliga noch mit dabei. In diesem Jahr fehlen sie leider, infolge von Profilierungssucht und Eigensinn Einzelner im Bereich der Frauenbundesliga. Der Sache genutzt hat man damit sicher nicht.

Baden-Baden mit Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave

Nachdem Baden-Baden am Sonntag die mit einigem Respekt betrachtete Hürde SV Hockenheim mit 5:3 nahm, traf der Rekordmeister am Montag auf einen leichteren Gegner, seinen Reisepartner, den Aufsteiger Speyer-Schwegenheim. Konkurrent Solingen hatte mit DJK Aachen die deutlich schwerere Aufgabe. Die 14. und vorletzte Runde war die Runde, in der alle Reisepartner gegeneinander spielten. Somit gab es ein paar Derbys, zum Beispiel Bayern München gegen den MSA Zugzwang München oder Hamburger SK gegen den SK Norderstedt. 

Auch in der Schlussrunde müssen sich die Solinger übrigens mehr strecken, denn dann ist die Baden-Badener "Filiale" Deizisau der Gegner, während Baden-Baden selber gegen einen weiteren Aufsteiger, Hofheim spielt. Allerdings weist die Mannschaft von Solingen auch gegenüber Deizisau ein deutliches Eloplus auf.

Somit könnte es am Ende ein Szenario geben, das die Veranstaltung in Berlin zum Saison-Finale ohne Finale werden lassen könnte. Bei Punktgleichheit gibt es nämlich einen Stichkampf um die Meisterschaft, Brettpunkte und andere Sonderwertungen zählen nicht. Die Mannschaft mit der höhreren Brettpunktzahl hat lediglich Heimrecht. Der Stichkampf könnte, oder müsste, schon in zwei Wochen stattfinden. Termine sind knapp. Vielleicht wäre es aber im Hinblick auf die durchaus sinnvollen zentralen Endrunden als krönender Abschluss der Saison wünschenswert, die Entscheidung um die Meisterschaft bei Punktgleichheit anders zu regeln. Ein Mannschaftsschnellschach-Stichkampf gleich im Anschluss wäre doch ein schönes Spektakel!

Aber es geht ja in Berlin nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch darum, wer am Ende absteigt.

Der erste abgeschlossene Wettkampf des Tages war die Begegenung zwischen Mülhein und Werder Bremen. Die Mülheim waren ohne Profis nach Berlin gereist und boten für den Tabellenvierten eine leichte Beute. Am Ende stand es 6:2 für Werder.

Bremer Urgestein Vlastimil Babula

Dann schloss Solingen seinen Wettkampf deutlich mit 5,5:2,5 gegen DJK Aachen ab. Harikrishna, Bok und Predojevic sorgten für klare Verhältnisse.

Interview mit Harikrishna 

Der Wettkampf zwischen Baden-Baden und Speyer- Schwegenheim war natürlich auch längst gelaufen, aber noch nicht beendet. Beim Stand von 6,5:0,5 (Denis Mager holte ein Remis gegen Jan Gustafsson) kämpfte Armin Farmani gegen Etienne Bacrot in einem Damenendspiel auch noch um einen halben Punkt, aber vergeblich. 

Interview mit Levon Aronian

Einen packenden Kampf lieferten sich die SF Deizisau und der SK Schwäbisch Hall, mit dem besseren Ende für Deizisau, die mit einem 4,5:3,5-Sieg vom Tisch gingen. Laznicka punktete für Schwäbisch Hall, aber Lagrade und Schlosser holten die Punkte für Deizisau.

In den Abstiegskampf verwickelt sind neben Speyer-Schwegenheim, vor der Runde auf dem 13.Platz, die beiden Münchner Vereine. Vor der Runde lagen sie beide mit 6 Punkten auf den Plätzen 14 und 15. Das Duell im Süden der Tabelle endete mit einem knappen Sieg für MSA Zugzwang. Gerald Hertneck war der Matchwinner.

Bundesliga-Dino Klaus Bischoff hat die meisten Partien auf dem Buckel 

Abgeschlagen am Tabellenende befindet sich der Sk Norderstedt. Heute gab es gegen den Hamburger SK auch keine weiteren Mannschaftspunkte. Die Hamburger hielten sich mit 6,5:1,5 am sicheren Absteiger schadlos. Lawrence Trent kämpfte am längsten gegen Rasmus Svane, musste dann aber auch den Punkt abgeben.

Interview mit Nils Grandelius

 

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Zu einem klaren Sieg kam auch Hockenheim gegen Hofheim. Thore Perske gelang am 2. Brett ein Sieg gegen David Howell, aber die Punkte an den Brettern drei bis fünf wanderten alle nach Hockenheim.

In einem Mittelfeldduell trafen Dresden und die SF Berlin aufeinander. Das Treffen endete mit einem 4:4.  

In der Tabelle haben sich Baden-Baden und Soingen um fünf Punkt vom Rest abgesetzt. Nach Brettpunkten hat Baden-Baden Solingen nun überholt. Am Tabellenende liegen Norderstedt, Bayern München, MSA München und Speyer-Schwegenheim auf den Abstiegsplätzen. Speyer hat aber Chancen, in der letzten Runde noch an Mülheim vorbeizuziehen.

 

 

Ergebnisse der 14. Runde

Mo 30.04.18 14:00 SV Mülheim Nord SV Werder Bremen 2:6
Mo 30.04.18 14:00 SG Solingen DJK Aachen 5,5:2,5
Mo 30.04.18 14:00 SF Deizisau SK Schwäbisch Hall 4,5:3,5
Mo 30.04.18 14:00 Speyer-Schwegenheim OSG Baden Baden 0.5:7,5
Mo 30.04.18 14:00 SV Hofheim SV Hockenheim 2:6
Mo 30.04.18 14:00 SK Norderstedt Hamburger SK 1,5:6,5
Mo 30.04.18 14:00 FC Bayern München MSA Zugzwang 3,5:4,5
Mo 30.04.18 14:00 USV Dresden Schachfreunde Berlin 4:4
 

Stand nach 14 Runde

1. OSG Baden Baden 14 25 80
2. SG Solingen 14 25 79
3. SV Hockenheim 14 20 70
4. SV Werder Bremen 14 20 69½
5. SF Deizisau 14 18 65
6. USV Dresden 14 18 58½
7. SK Schwäbisch Hall 14 16 58
8. Schachfreunde Berlin 14 15 54½
9. DJK Aachen 14 14 58
10. SV Hofheim 14 11 46½
11. Hamburger SK 14 10 56
12. SV Mülheim Nord 14 9 48
13. Speyer-Schwegenheim 14 8 40½
14. MSA Zugzwang 14 8 40½
15. FC Bayern München 14 6 44½
16. SK Norderstedt 14 1 27½

 

Webseite zur zentralen Endrunde...

Bundesligaportal...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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schachkauf schachkauf 02.05.2018 09:23
@WernerBerger - Mir liegt der komplette Emailverkehr vor, der bezüglich der geplanten Endrunde der Frauenbundesliga von den einzelnen Vereinen zusammengekommen ist. Bis auf 1-2 Vereine, wollten alle die Endrunde in Berlin spielen. Dann wurde von einem Verein argumentiert, dass man in Berlin nicht in Bestbesetzung antreten könne, da wichtige Spielerrinen beruflich (Lehrer) eingespannt seien und das mit dem Termin in Berlin nicht hinhaut. Hier hatte man also die Wahl, zwischen toller Werbung für das Frauenschach in Berlin und dafür auf die Bestbesetzung verzichten und einer Endrunde im Hinterzimmer. Ein Verein kam noch mit dem Angebot um die Ecke, dass man die Endrunde trotzdem gemeinsam spielen könnte (irgendwo in der Pampa). Dieses Angebot wurde dann zunächst angenommen, jedoch bald wieder zurückgezogen. Die beiden Vereine die sich gegen Berlin entschieden haben sind übrigens diejenigen, die immer am lautesten Jammern, wenn es um die öffentliche Wirkung von Frauenschach geht. Berlin war damit eine weitere verpasste Chance!
Buzzard Buzzard 01.05.2018 05:13
@W.B. Ist doch klar, die Ladies wollen doppelt abkassieren, und sind wir ehrlich, wer will es ihnen verdenken?
Krennwurzn Krennwurzn 01.05.2018 01:22
Stärkste Liga der Welt??

In der Schlussrunde sind sieben Spieler 2700+ in der Aufstellung davon nur ein einziger nicht bei Baden-Baden.
Anton46 Anton46 01.05.2018 09:25
So ein Pech FCB !
WernerBerger WernerBerger 30.04.2018 11:03
"Im letzten Jahr waren die besten deutschen Schachspielerinnen und die zahlreiche internationalen Stars der Frauen-Bundesliga noch mit dabei. In diesem Jahr fehlen sie leider, infolge von Profilierungssucht und Eigensinn Einzelner im Bereich der Frauenbundesliga." Darüber würde man gerne mehr erfahren. Liegt es daran, dass die in Herrenmannschaften aktiven Frauen nicht zugleich in ihren Damenmannschaften spielen können, wenn Damen und Herren die Schlussrunden gleichzeitig spielen?
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