Mit 27 von 28 möglichen Punkten gewann der Düsseldorfer SK in der letzten Saison als Aufsteiger die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2024/25. Schon in der Vorsaison war die Mannschaft mit Spielern wie Gukesh, Praggnanandhaa oder Erigaisi - und ein paar anderen Großmeistern, die auch nicht schlecht spielen - in der Zweiten Liga West spielend die beste Vereinsmannschaft der Welt.
Für die Bundesliga-Saison holte man dann noch ein paar Spieler hinzu, Anish Giri oder Javohkir Sindarov beispielsweise. Trotzdem gab es im Laufe der Saison Personalprobleme, denn wenn man nur internationale Topstars in seinem Team hat, kann es passieren, dass sie alle an einem der Bundesliga-Spieltage noch anderswo verpflichtet wurden. Dann braucht man eine gute B-Mannschaft mit Spielern, die nicht zu jedem Spitzenturnier eingeladen werden.
Am Ende hat es ja den Düsseldorfer SK mit drei Punkten Vorsprung auf den Rest gereicht. Doch das Star-Ensemble tanzte nur einen Winter.
Der Mäzen Wadim Rosenstein hatte sich vorgenommen, einmal mit dem von ihm finanzierten Team die Meisterschaft zu gewinnen und das reichte ihm. Für die kommende Saison hat er wie angekündigt sein Engagement drastisch reduziert bzw. mehr oder weniger eingestellt. 15 Spieler des Meisterteams sind nun auf dem Aufstellungsbogen des Titelverteidigers zusammen mit dem Sponsor verschwunden.
Der einzige verbliebene Topspieler aus dem Meisterteam ist jetzt noch Victor Bologan. Er nahm letzte Saison in der Rangfolge Platz 15 ein, jetzt ist er an Brett zwei nominiert. Vor Bologan wurde noch Volodar Murzin als Neuzugang gesetzt. Außerdem hat man einige weitere neue Spieler verpflichtet, darunter aber niemanden mit einer Elozahl über 2600.
Düsseldorfer SK
So läuft die neue Saison vermutlich auf einen Zweikampf zwischen dem SC Viernheim und Rekordmeister OSG Baden-Baden hinaus. in der vergangenen Saison nahmen die Teams die punktgleich die Plätze zwei und drei ein, mit dem etwas besseren Brettpunktergebnis für Viernheim. Den direkten Vergleich hatte Viernheim ebenfalls gewonnen.
Bei Viernheim ist Hikaru Nakamura nicht mehr gemeldet, er kam letzten Saison auch nicht zum Einsatz. Dafür sind Jorden van Foreest und Bayastan Sydykov neu in der Mannschaft. Igor Kovalenko ist zurückgekehrt.
SC Viernheim
Baden-Baden hat sich mit Javokhir Sindarov und Nihal Sarin verstärkt. Wenn die Nummer 9 auf dem Meldebogen (Richard Rapport) noch über 2700 Elo aufweist, ist das Team offensichtlich gut aufgestellt.
OSG Baden-Baden
Die SF Deizisau, in der letzten Saison Vierter, spielen weitgehend mit der gleichen Mannschaft. Peter Leko, der im letzten Jahr noch als Nummer eins gemeldet war, aber keinen Einsatz hatte, ist für die neue Saison auch nicht mehr gemeldet.
SF Deizisau
Als Fünfter beendete in der letzten Saison der Hamburger SK die Spielzeit. Der zweitälteste noch bestehende Schachklub Deutschlands ist die Kaderschmiede im Norden, mit einer Vielzahl von Spielern, die hier zum Großmeister wurden, nicht zuletzt auch mit Hilfe von Einsätzen in der Bundesliga. Der neueste Titelträger ist Julian Kramer. Der Hamburger SK ist auch der Verein mit den meisten einheimischen Spielern. In dieser Saison sind es 12 von 18 Spielern der Meldeliste, fünf unter den ersten Acht. Nihal Sarin hat das Team verlassen, kam auch in der letzten Saison nicht zum Einsatz. Nationalspieler Frederik Svane führt jetzt die Mannschaft an Brett eins. Letztes Jahr kehrte das Eigengewächs Niclas Huschenbeth zum HSK zurück. In diesem Jahr ist es Jan Gustafsson. Auch diese beiden Top-Spieler reiften beim Traditionsklub zum Großmeister. Mit über 750 Mitgliedern ist der Hamburger SK zudem einer der größten Schachklubs in Deutschland.
Hamburger SK
Mit der Schachabteilung von St. Pauli hat der Hamburger SK Konkurrenz im gleichen Revier bekommen. St. Pauli schaffte zur letzten Saison zeitgleich mit den Fußballern den Aufstieg in die erste Liga und landete mit der Verpflichtung von Magnus Carlsen den Mega-Coup. Die Fußballabteilung wunderte sich, dass die Schachabteilung für mehr Schlagzeilen sorgte. Aber immerhin spielte der beste Schachspieler der Welt für den Kiezklub. Im Hintergrund stand das Engagement von Jan Henrik Buettner, wobei der sportaffine Norweger tatsächlich auch ein Fan des Fußballclubs St. Pauli ist. Carlsen spielte zwar nur beim ersten Heimkampf, brachte aber ein paar Freunde und Kollegen mit und so hielt St. Pauli locker die Klasse. Auch in der neuen Saison steht der Weltranglistenerste wieder ganz oben auf der Meldeliste. Und auch die meisten anderen "Wikinger" sind noch dabei. Es gibt sogar noch ein paar interessante Neuzugänge. Dazu gehört die griechische Nummer eins Nikolaos Theodorou, der hinter Carlsen an Brett gemeldet ist, also vermutlich oft an Brett eins spielen wird. Nicht mehr unter der Piratenflagge gemeldet ist Aryan Tari - er hat auch nicht gespielt -, dafür aber das norwegische Talent Elham Amar.
Schachabteilung FC St. Pauli
Zum festen Inventar der Bundesliga gehören die SG Solingen, in ihren Glanzzeiten vielfacher Meister und die Schachabteilung von Werder Bremen. Solingen meldet David Navara vom Absteiger Mülheim Nord als Neuzugang.
SG Solingen
Bei Bremen ist Kirill Shevchenko aus bekannten Gründen auch nicht mehr gemeldet, nachdem er letzten Saison auch nicht eingesetzt wurde.. Haik Martirosyan spielt jetzt als Neuzugang an Brett eins.
SV Werder Bremen
Mit Bayern München hat noch ein renommierte Fußballclub ihre Schachabteilung in der Schachbundesliga. Vor Jahrzehnten war Bayern München auch im Schach der Platzhirsche, die Älteren erinnern sich. Dann starb der Team-Kapitän Jellissen mit einigen unangenehmen Folgeerscheinungen. Inzwischen haben sich die Bayern wieder in der Bundesliga etabliert und belegten in der letzten Saison einen sehr guten 7. Platz, vor allem danke des Engagements von internationalen Spitzengroßmeistern wie Tabatabei, Fedoseev oder Santos Latasa. Tatsächlich ist die Zahl der einheimischen Spieler deutlich zurückgegangen. Klaus Bischoff ist an Brett 11 einer der wenigen, die übrig geblieben sind. Er war schon zu Bayerns Meisterschaftszeiten dabei. M Amin Tabatabaei ist nicht mehr im Team. Dafür sind Kirill Alexeenko und Nihat Abasov neu gekommen.
FC Bayern München
Im soliden Mittelfeld hat auch der USV TU Dresden die Saison abgeschlossen. Die Dresdener spielen mit einer Mannschaft, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zusammen ist. Mit 12 deutschen Spielern auf dem Meldebogen wird auch hier das einheimische Schach gepflegt. Aber nur Roven Vogel und Jens-Uwe Maiwald haben es unter die ersten Acht geschafft. Der Tscheche Thai Dai Van Nguyen ist der einzige Spieler über 2600 und führt das Team an.
USV TU Dresden
Ein ganz anderes Konzept als Hamburg oder Dresden verfolgt die Mannschaftsleitung des SK Kirchweyhe. Fast ausschließlich Spieler aus Ländern des ehemaligen Jugoslawien gehen hier auf Punktejagd. Der einzige einheimische Spieler, der für Kirchweyhe zum Einsatz kam, war Tobias Kügel, mit zwei Partien. Mit dem junge Ediz Gürel gab es auch einen Türken unter den ersten Acht. Gürel spielt aber auch nur einen Doppelwettkampf und ist in der neuen Saison nicht mehr dabei. Dafür kam Alexander Predke. Kirchweye hielt als Dreizehnter letzte Saison allerdings nur knapp die Klasse.
SK Kirchweyhe
Gegen den Abstieg kämpften in der letzten Spielzeit auch Heimbach-Weis-Neuwied. Auch die Rheinländer schicken eine Mannschaft ins Rennen, deren Spieler weite Strecken zurücklegen müssen, um bei Heimkämpfen ans Brett zu kommen. Martin Krämer ist der einzige deutsche Spieler unter den ersten Acht. Mit Tim Ronge wurde der U16-Rheinland-Pfalzmeister ins Team aufgenommen. Aram Hakobyan ist für die neue Saison als Neuzugang gemeldet. Das Urgestein aus alten Koblenzer Bundesliga-Zeiten Klaus-Jürgen Schulz ist in der kommenden Saison nicht mehr dabei.
SC Heimbach-Weis-Neuwied
Eine weitere Mannschaft, die den Abstiegskampf erfolgreich überstanden hat, ist der SV Deggendorf, Ausrichter der zentralen Endrunden zum Abschluss der letzten Saison. Die Niederbayern melden den prominentesten Neuzugang. Sie haben Arjun Erigaisi vom Rhein an die Donau transferiert. Der aktuell Weltranglistenfünfte kam vermutlich gerne, denn zur Deggendorfer Top Acht gehören vier weitere Inder. Die meisten anderen Spieler können mit dem Zug gemeinsam vom Balkan anreisen.
SV Deggendorf
Die drei Aufsteiger sind die Schachfreunde Berlin, die Schachfreunde Wolfhagen und MSA Zugzwang. Inzwischen gibt es ja nur noch zwei Zweite Ligen. Wolfhagen gewann im Norden, MSA Zugzwang im Süden und die SF Berlin gewannen das Match um den dritten Aufstiegsplatz gegen den SV Hofheim. Die SF Berlin und MSA Zugzwang sind alte Bekannte mit Bundesliga-Erfahrung.
Die SF Wolfhagen kommen mit einer größtenteils ukrainischen Mannschaft - zehn von 18 Spielern - mit den ukrainischen Nationalspielern Andrei Volokitin und Ruslan Ponomariov als bekannte Namen.
SFr. Wolfhagen
Die Schachfreunde Berlin treten mit vier Polen unter den ersten Acht an. In der zweiten Mannschafthälfte findet man auch einige gut bekannte Berliner.
SF Berlin
MSA (Münchener Schachakademie) München hat den Wiederaufstieg geschafft und tritt mit dem in München heimisch gewordenen Pavel Eljanov am ersten Brett an. Leonardo Costa ist aus Hamburg an die Isar zurückgekehrt. Im übrigen findet man viele lokale Spieler oder aus dem nahen Österreich. Stefan Kindermann ist quasi der Brückenspieler zwischen den beiden Nachbarländern.
MSA Zugzwang
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