Bundesverdienstkreuz für Schachtrainer Heinz Rätsch

10.12.2019 – Letztes Wochenende wurde der Schachtrainer Heinz Rätsch für seine Verdienste mit dem "Verdienstkreuz am Bande" geehrt. Der Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Knut Kreuch, überreichte im Rahmen einer Sportlerehrung die Auszeichnung.

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von Thomas Pähtz

Bundespräsident ehrt Heinz Rätsch mit dem Verdienstkreuz am Bande

Am letzten Wochenende fand im Bildungszentrum der Thüringer Landesverwaltung in Gotha die diesjährige Sportlerehrung statt. Neben den Sportlerinnen und Sportlern aus dem Kreis Gotha war auch unsere „Thüringer Trainerlegende“ Heinz Rätsch eingeladen. Ehre wem Ehre gebührt. Im Anschluss an die Auszeichnung der Sportler/innen wurde Heinz Rätsch für seine langjährigen Verdienste um die Nachwuchsförderung unter überwältigendem Applaus mit dem „Bundesverdienstkreuz am Bande“ geehrt. Der Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Knut Kreuch, übergab Heinz die Auszeichnung.

von links: Pähtz, Manger, Rätsch, Skibbe und Lutzkat

Vita

Heinz Rätsch wurde am 13. Dezember 1934 in Apolda geboren. Das Schachspiel erlernte er im Alter von 12 Jahren in der Kinderheilstätte Egendorf bei Weimar. Mit 16 Jahren trat er in den Schachverein Empor Weimar ein. Als Thüringer Jugendmeister nahm Heinz Rätsch an den DDR-Jugendmeisterschaften 1953 in Brandenburg/Havel teil, belegte dort den 7. Platz und verpasste damit nur um einen Platz die gesamtdeutschen Jugendmeisterschaften. In der Mannschaft von Motor Gotha feierte er den ununterbrochenen Aufstieg von der Bezirksklasse bis in die höchste Spielklasse der DDR  - die Sonderliga. Insbesondere ohne Trainer gelangen Heinz Rätsch als Autodidakt herausragende Einzelergebnisse, welche ihm die Aufmerksamkeit der Trainer und Offiziellen des Deutschen Schachverbandes der DDR einbrachten. Berufungen zu Länderkämpfen, der Schacholympiade 1960 in Leipzig und die Einladung zum Internationalen Lasker-Gedenkturnier 1962 in Berlin waren der Lohn.

Karriere als Sportlehrer

Nach Abschluss seiner Ausbildung als Sportlehrer an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig nahm er 1965 ein Angebot des SC Leipzig an, als hauptamtlicher Sportclub-Trainer zu arbeiten. Bis 1976 war er in Leipzig aktiv und fungierte zu jener Zeit auch als Verbandstrainer für den Nachwuchs beim DSV der DDR. Schon damals war es für ihn das Wichtigste, schachinteressierten Kindern und Jugendlichen fundierte Kenntnisse über das Spiel der Spiele zu vermitteln. Im Jahre 1972 gehörte Heinz Rätsch zum Trainerstab bei der Internationalen Schacholympiade im makedonischen Skopje.

Nach 12 Jahren erfolgreicher Arbeit in Leipzig sah sich Rätsch gezwungen, um seine Abberufung zu bitten, nachdem ihm von den Oberen des DDR-Schachs zu Unrecht vorgeworfen wurde, seine Trainingsmaterialien „an den Westen“ verkauft zu haben.

1989 wurde Heinz Rätsch Frauen-Verbandstrainer im DSV der DDR, nachdem die alten Funktionäre entlassen worden waren und die Spieler um seine Rückkehr gebeten hatten. Im Einigungsvertrag zwischen den beiden deutschen Schachverbänden wurde seine Übernahme in den Deutschen Schachbund (DSB) fixiert.

Nach zwei Jahren als Bundestrainer der Damen wurde seiner Bitte entsprochen, erstmalig im DSB einen Bundesnachwuchstrainer zu etablieren. Diese Funktion erfüllte Heinz Rätsch bis zu seiner Verabschiedung im Rahmen der Kinder- und Jugendweltmeisterschaften 1999 in Oropesa (Spanien) sehr engagiert mit Leben und Kreativität. In seiner Funktion als Bundesnach-wuchstrainer hatte Heinz Rätsch großen Anteil am Gewinn von zwei Weltmeistertiteln, einem Europameistertitel sowie zahlreichen Silber- und Bronzemedaillen.

Mit 84 Jahren ist Heinz Rätsch aus Gotha der älteste Schachtrainer Deutschlands/der Welt (Originalton vom Oberbürgermeister Knut Kreuch.) Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat der gebürtige Apoldaer Generationen von Schachspielern geprägt, zunächst in der DDR, später im vereinten Deutschland. Auch nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 1999 blieb er dem königlichen Spiel treu und gab seine reichen Erfahrungen weiter.

Davon profitiert in besonderem Maße seit 2011 die Arnoldischule in Gotha, welche 2018 mit Heinz Deutscher Schulschachmeister 2018 WK II wurde.

Links: Heinz Rätsch, rechts: Lehrer/AG Leiter Lutz Hermann

Hier trainiert Heinz Rätsch einmal wöchentlich die besonders leistungsstarken Schachspieler der Schule. Sein Training ist ein zentraler Baustein des gymnasialen Schulkonzeptes der Begabtenforderung. Lutz Hermann, Lehrer und Leiter der Schach-Arbeitsgemeinschaft an der Arnoldischule sagte: „Wir sind sehr stolz darauf, dass die Trainerlegende Heinz Rätsch sein reichhaltiges schachliches Wissen in einzigartiger methodischer Form an unsere Kinder und Jugendlichen weitergibt. Denn welche Schule kann schon von sich behaupten, einen langjährigen ehemaligen Bundestrainer in ihren Reihen zu haben.“

Aktuell spielt Heinz Rätsch bei seinem Heimatverein SC Gotha 98 e.V. zusammen mit  vielen seiner Arnoldi-Schachschüler noch immer sehr erfolgreich.

Der ehemalige Präsident des Deutschen Schachbundes (DSB), Herbert Bastian, schrieb auf der Homepage des DSB anlässlich seines 80. Geburtstages:

„Heinz Rätsch war ein erfolgreicher, starker Spieler und er hat Außerordentliches für die Förderung des Schachsports in der ehemaligen DDR und danach geleistet. Meine persönlichen Erinnerungen geben einen immer gut gelaunten Menschen mit großer Schachkompetenz wieder. Heinz weiß, was in der Schachwelt gerade aktuell ist. Seine Leidenschaft für das Schachspiel und seine Fähigkeit, andere für das, was er zu sagen hat, zu begeistern, sind stets präsent.“

Thomas Pähtz, Heinz Rätsch, OB Knut Kreuch

Abschließend ein ganz persönlicher Rückblick:

1967 wurde die Kindermannschaft von Lok Erfurt DDR-Meister und ich fiel dem Trainer Heinz Rätsch positiv auf. Ihm habe ich zu verdanken, dass ich als einer der Jüngsten einen Freiplatz für das Schüler-Einzelfinale erhielt.

Nach dem Tod meines Vaters 1970 kümmerte sich Heinz Rätsch nicht nur um meine schachliche Förderung sondern half mir oftmals auch im privaten Umfeld. Das Jahr 1974 brachte einen tiefen Einschnitt. Die SED-Führung hatte 1972 beschlossen, alle nichtolympischen Sportarten vom internationalen Spielbetrieb auszuschließen. Der ursprüngliche Plan von Heinz Rätsch, mich im Anschluss an meine Ausbildung nach Leipzig zu holen, fiel ins Wasser. Er hatte bis dahin erfolgreich die späteren Schachgroßmeister Lothar Vogt, Rainer Knaak sowie die internationale Meisterin Petra Feustel in Leipzig trainiert und betreut und ich sollte das Trio komplettieren.

Unsere Wege kreuzten sich erst wieder bei den Europa-Einzelmeisterschaften 1994 in Herculane. Meine Tochter Elisabeth holte - dank Heinz Rätsch- für Deutschland, ihre erste Einzelmedaille. 

Heinz Rätsch und Elisabeth, Oropesa 1997

PS: Heinz Rätsch feiert am 13. Dezember seinen 85. Geburtstag!