Campino (Die Toten Hosen): "Zeitweise schachsüchtig"

von André Schulz
03.11.2020 – Wie viele andere Künstler auch leiden die Toten Hosen unter der Corona-Pandemie und mussten ihrer Tournee absagen. Im Interview mit dem SWR 1 räumte Frontmann Campino aber eine, dass die Auftrittspause auch positive Apekte hätte. Die Stimmbänder haben sich erholt und er kann jetzt Schach spielen. "Ich wurde fast süchtig!"

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Die Toten Hosen sind inzwischen  Legende und gehören zusammen mit den "Ärzten" zur Gründergeneration der deutschen Punk-Bewegung. Die Band wurde zu Beginn der 1980er Jahre in Düsseldorf gegründet. Dort gab es mit dem Ratinger Hof einen Live-Klub, in dem nach einem Besitzerwechsel ab 1976 viele junge internationale und deutsche Bands auftreten konnten, darunter Punkbands wie 999, Wire, XTC, die Dexys Midnight Runners, die Darkwaveband Bauhaus oder die schräge US-Band Pere Ubu. Der Ratinger Hof in der Düsseldorfer Altstadt war Szenetreff und inspirierte junge Künstler, selber Musik zu machen. In der Aufbruchszeit der "Neuen deutschen Welle" war es nicht so wichtig, ob man seine Instrumente gut oder überhaupt beherrschte.

Auch die Vorläufer-Band der Toten Hosen, Z.K. (zunächst eigentlich: "Zentralkomitee Stadtmitte") mit Campino, Ralf Isbert und Claus Fabian hatte im März 1979 seinen ersten Auftritt im Ratinger Hof. Neben den Toten Hosen gründeten sich in diesem Umfeld auch so bekannt Bands wie "Fehlfarben" ("Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!") oder "Der Plan" ("Kennen Sie Köln? Nee, meine Heimat ist die See").

Die Toten Hosen waren, oder sind, eine sehr laute Band, die ihre Songs energiegeladen vorträgt und das Publikum zum Mitsingen einlädt. Den allgemeinen Durchbruch schaffte die Band, als sie Ende der 1980er Jahre im Bad Godesberger Theater eine Aufführung einer Theater-Adaption von Anthony Burgess' Roman Clockwork Orange, 1971 von Stanley Kubrick genial verfilmt, musikalisch live begleiteten und dafür einige Stück schrieben, von denen "Hier kommt Alex" das bekannteste ist. 

Mit diesem Song wurde Band auch über die deutschen Grenzen hinaus bekannt und zu Konzerten und Festivals ins Ausland eingeladen, was für eine Band, die wie die Toten Hosen vor allem deutsche Texte hat, eine besonderer Auszeichnung ist. 

Die Toten Hosen sind eine Band mit viel Humor und Sinn für besondere Gags. So inszenierten sie in zahlreichen Städten Überraschungsgigs unter Pseudonymen wie "Die Roten Rosen" oder die "Toten Hasen" und gab bei ihren Fans Wohnzimmerkonzerte. In der Magical Mystery Tour besuchte die Band viele kleine Klubs, mischte sich unters Volk und spielten hier ihre Stücke. In Hamburg traten sie in einer Barkasse vor den Landungsbrücken auf.

Campinos (eigentlich Andreas Frege) Mutter war Englisch-Lehrerin und so nannte die Band ihre Alben mit englischsprachigen Punk-Coverversionen "Learning English". Gerade erscheint Vol. 3.

Natürlich sind die Toten Hosen Fortuna Düsseldorf Fans und in früheren Zeiten wurde von den Eintrittskarten der Hosen eine "Fortunamark" zur Unterstützung des klammen Vereins abgezwackt. Allerdings ist Campino ein noch größerer Fan des FC Liverpool.

Was ist das Gegenteil von Sex and Drugs and Rock'n Roll? Genau: Schach. Campino, 1962 geboren, geht doch nun einigermaßen rasch auf die 60 zu und da ist es gut, wenn man Betätigungen findet, die schonender mit den körperlichen Ressourcen umgehen. Dazu gehört Schach ohne Zweifel. Aber es hält geistig fit!

In einem Interview mit dem Hörfunksender SWR 1 berichtete Campino, dass er einen Teil seiner durch Corona erzwungenen Bühnenpause dazu nutzte, Schach zu spielen. Sein Lehrer und Partner ist sein Sohn. "Ich wurde fast süchtig nach Schach," räumte der Altpunker ein. Er wäre nicht der Erste.

Ein sehr informatives Interview (Schach ab Minute 3:35)

Gerade ist auch die Autobiografie von Campino erschienen.

Offizielle Webseite der Toten Hosen...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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