Carlsen gewinnt Corus

31.01.2010 – In Gruppe A des Corus-Turniers in Wijk aan Zee gab es nur eine Gewinnpartie, doch jede Menge Dramatik. Magnus Carlsen hatte vor der Runde einen halben Punkt Vorsprung auf Vladimir Kramnik und Alexei Shirov und brauchte nur ein Remis, um mindestens geteilter Erster zu werden. Sollte er gewinnen, war ihm der Turniersieg sicher. Doch obwohl er mit Weiß spielte, tat sich Carlsen gegen Caruana schwer und musste bald ein Springerendspiel mit Minusbauern verteidigen. Was ihm allerdings gelang und mit 8,5 aus 13 den Turniersieg brachte. Denn Kramnik hatte gegen Sergey Karjakin schnell Remis gemacht und Shirov hatte zwar brillant gespielt, aber in Gewinnstellung Remis gemacht. In Gruppe B gewann Anish Giri vor Arkadij Naiditsch, in Gruppe C der Chinese Li Chao.Turnierseite...Tabellen, Partien, Bilder...

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Fotos: Nadja Wittmann


So sehen Sieger aus: Anish Giri und Magnus Carlsen bei der Pressekonferenz

Runde 13, 31. Januar 2010

Gruppe A

L. van Wely - V. Anand ½-½
N. Short - J. Smeets ½-½
H. Nakamura - S. Tiviakov 1-0
M. Carlsen - F. Caruana ½-½
V. Ivanchuk - P. Leko ½-½
A. Shirov - L. Dominguez ½-½
V. Kramnik - S. Karjakin ½-½



Magnus Carlsen ist 19 Jahre alt, die Nummer Eins der Welt und hat schon so manches Turnier gewonnen. Routine scheint das jedoch noch nicht zu sein, denn in der Schlussrunde in Wijk aan Zee zeigte er Nerven. Gegen Fabiano Caruana landete Carlsen mit Weiß nach verhaltener Eröffnung und einem plötzlichen taktischen Scharmützel in einer etwas schlechteren Stellung. Eine weitere Ungenauigkeit kostete Carlsen einen Bauern und er fand sich in einem Springerendspiel mit Minusbauern wieder. Plötzlich schien der Turniersieg in die Ferne gerückt. Kramnik hatte zwar nach 21 Zügen gegen Sergey Karjakin Remis gemacht und wäre nach einer Niederlage von Carlsen mit ihm gleich gezogen, aber Alexei Shirov, der vor der Schlussrunde ebenfalls einen halben Punkt hinter Carlsen lag, war nicht so friedlich gestimmt und tat alles, um den König von Leinier Dominguez Matt zu setzen. Sollte Shirov gewinnen und Carlsen verlieren, dann wäre Shirov am Ende Erster geworden. Doch in dieser kritischen Situation bekam Carlsen seine Nerven wieder in den Griff und er verteidigte sich hartnäckig. Mit Erfolg. Im 54. Zug stellte Caruana seine Gewinnversuche ein, und da Shirov unglücklich - siehe unten - Remis gemacht hatte, war Carlsen am Ziel: Mit 8,5 aus 13 gewann er das Corus-Turnier in Wijk aan Zee 2010 als alleiniger Sieger, sein erster Turniergewinn als Nummer Eins der Welt.



M.Carlsen - F.Caruana
Wijk aan Zee, 31.01.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.d3 d6 6.c3 g6 7.Sbd2 Lg7 8.Sf1 0-0 9.Lg5 d5 10.De2 Dd6 11.Lxf6 Lxf6 12.Se3 Se7 13.Lb3 c6 14.h4 Le6 15.Sg5 Ld7 16.Td1 Tad8 17.Df3 h6



18.Sc4 dxc4 19.dxc4 Sd5 20.Sh3 h5 21.Dg3 Lg4 22.Td2 Lxh4 23.Dxh4 Df6 24.Dxf6 Sxf6 25.Sg5 c5 26.f3 Lc8 27.La4 Kg7


28.Txd8 In seinem Audiokommentar schlug Yasser Seirawan stattdessen gleich 28.b4 vor. Er meinte, Schwarz stünde vielleicht noch etwas besser, aber Weiß hätte nicht viel zu befürchten. Nach dem Textzug muss Weiß hingegen ein paar bange Momente überstehen. 28...Txd8 29.b4 Td3 30.bxc5 Txc3 31.Kd2 Txc4 32.Lb3 Txc5 33.Sxf7 a5 34.Tc1 Txc1 35.Kxc1 a4 36.Lc4 b5 37.Sd6 bxc4 38.Sxc8


38...h4 39.Sb6 Sh5 40.Sxc4 Kf6 41.Kd2 Sf4 42.Ke3 Sxg2+ 43.Kf2 Sf4 44.Sb2 a3 45.Sc4 Sd3+ 46.Kg2 Kg5 47.Sxa3 Kf4 48.Sc2 Sb2 49.Sb4 h3+ 50.Kxh3 Kxf3 51.Kh4 Kf4 52.Sd5+ Kxe4 53.Se7 Kf3 54.Sxg6 e4 55.Se5+ Kf4 56.Sg4 Sa4 ½-½






Der Unglücksrabe der letzten Runde war ohne Zweifel Shirov. Wie schon das ganze Turnier über scheute er auch in der letzten Runde kein Risiko und spielte bedingungslos auf Angriff. Wie kreativ er das tut, zeigte er im 29. Zug als er in hoher Zeitnot mitten im Opferangriff einen verblüffenden Damenrückzug fand, der einen tückischen Konter parierte und den weißen Angriff am Leben erhielt. Zwei Züge später verblüffte Shirov alle seine Zuschauer, die die Runde live verfolgten, noch einmal. In einer Stellung, in der er sofort gewinnen konnte, machte er
Remis.


Shirov vor der Partie



A.Shirov - L.Dominguez
Wijk aan Zee, 31.01.2010
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 Sbd7 7.Lc4 Db6 8.Lb3 e6 9.Dd2 Le7 10.0-0-0 Sc5 11.f3 Dc7 12.Kb1 0-0 13.g4 b5 14.a3 Tb8 15.h4 Ld7 16.Lxf6 Lxf6 17.g5 Ld8 18.h5 a5 19.g6 Sxb3 20.Sxb3 fxg6 21.hxg6 h6



22.Sxa5 Txf3 Nach 22...Dxa5 folgt 23.Txh6, wonach Weiß 24.Th8+ Kxh8 25.Dh2+ nebst Matt droht. 23.e5 Le8 24.exd6 Dxa5 25.Txh6 gxh6 26.Dxh6 Lf6 27.d7 Lxc3 28.dxe8D+ Txe8


29.Dh1 Das nahe liegende 29.Td7?? scheitert an dem Konter 29...Tf1+ 30.Ka2 Ta1+! 31.Kxa1 Dxa3 32.Kb1 Dxb2#. 29...Te7 Um 30.Td7 zu verhindern. Rettet Schwarz den angegriffenen Turm auf f3, z.B. mit 29...Tf2, dann folgt 30.Td7 mit Gewinn, da die Dame auf h1 den erwähnten Konter verhindert. Fritz 12 gibt allerdings 29...Dc7 30.Dxf3 Lxe5 mit ungefährem Ausgleich als beste Verteidigung an. Beide Spieler befanden sich in hoher Zeitnot. Nach 29...Te7 zog Shirov 30.Dxf3 und nach 30...Lg7 endete die Partie plötzlich Remis.


Ein bitterer Fehler, der Shirov den vollen Punkt und den geteilten ersten Platz kostet. Nach 31.b4 Dc7 32.Da8+ Lf8 33.Tf1 gewinnt Weiß.

Vishy Anand blieb als einziger Spieler der Gruppe A ohne Niederlage. Allerdings gewann er auch "nur" zwei Mal, wobei er etliche gute Stellungen nicht verwerten konnte. So gesehen war Anands Schlussrundenpartie gegen Loek Van Wely symptomatisch für sein ganzes Turnier. Im Mittelspiel sicherte sich Anand nach einem Fehler Van Welys Vorteil, der dann jedoch in der Folge versandete.





L. Van Wely - V.Anand
Wijk aan Zee, 31.01.2010
1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.c4 c6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.b3 0-0 8.Le2 b6 9.0-0 Lb7 10.Lb2 De7 11.Tad1 Tfe8 12.Tfe1 Tad8 13.Lf1 e5 14.dxe5 Sxe5 15.Sd4 dxc4 16.Sf5 De6 17.Sxd6 Txd6 18.bxc4 Txd1 19.Sxd1 c5



Hier zog Weiß 20.e4?!, was Schwarz eine vorteilhafte taktische Abwicklung gestattete: 20...Lxe4 21.Txe4 Sxe4 22.Dxe4 Sxc4 23.Dc2 Sxb2 24.Dxb2 g6 25.Se3 De5 26.Da3 Te7 27.g3 Kg7 28.h4 h5 29.Lc4 Td7 30.Dc1 Td4 31.a4 Dd6 32.Da1 Kg8 33.a5 Df6 34.Da2 Kg7 35.axb6 axb6 36.Kg2 Td7 37.Lb5 Td8 38.Lc4 Td7 39.Lb5 Td8 ½-½


Eine mehr oder weniger beliebte Methode, in der letzten Runde Remis zu machen, besteht darin, sich mit seinem Gegner am Abend vor der Runde eine spektakuläre Partie oder Eröffnungsvariante heraus zu suchen, die zum Remis führt. Und auf den ersten Blick sah es bei der Begegnung zwischen Short und Smeets so aus, als hätten die beiden genau das gemacht. Nach einem heftigen taktischen Schlagabtausch in der Eröffnung kam es nach 14 Zügen zu Remis durch Dauerschach. Wie ein Blick in die ChessBase Mega-Datenbank 2010 verrät, gingen die beiden dabei allerdings durchaus neue Wege:



N.Short - J.Smeets
Wijk aan Zee, 31.01.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 Sxe4 4.dxe5 Lc5 5.Lc4 Sxf2 6.Lxf7+ Kxf7 7.Dd5+ Kg6


Nach diesem unterhaltsamen Auftakt brachte Short jetzt eine Neuerung: 8.Lg5, die nach 8...De8 9.Sh4+ Kxg5 10.Sd2 Kh6 11.Sf5+ Kg6 12.Sh4+ Kh6 13.Sf5+ Kg6 14.Sh4+ zum Dauerschach führte.


Peter Leko und Vassily Ivanchuk trennten sich nach 27 wenig spektakulären Zügen Remis.


Auch diese Partie endete schnell Remis.


Für die längste und die einzige entschiedene Partie der Schlussrunde in Gruppe A sorgte Hikaru Nakamura gegen Sergey Tiviakov.






Gruppe B


A. Naiditsch - E. l'Ami 1-0
W. So - A. Muzychuk ½-½
V. Akobian - D. Howell 1-0
P. Negi - A. Giri ½-½
P. Harikrishna - T. Nyback ½-½
L. Nisipeanu - E. Sutovsky ½-½
D. Reinderman - Ni ½-½


Spielt nächstes Jahr im A-Turnier: Anish Giri

In Gruppe B sicherte sich Anish Giri den Sieg mit einem kurzen Remis gegen Parimarjan Negi. 9 Punkte aus 13 Partien lautet Giris Schlussbilanz. Arkadij Naiditsch, der einzige deutsche Teilnehmer in Wijk beendete seinen starken Schlussspurt mit Sieg über Erwin L'Ami und schob sich damit mit 8,5 Punkten auf den ungeteilten zweiten Platz.



A.Naiditsch - E.L'Ami, Wijk aan Zee, 31. Januar 2010

Stellung nach 49.a4


In dieser für ihn unangenehmen Situation spielte Schwarz 49...Dxd4, was nach 50.e8D Sxe8 51.Dxb5# zum Matt führte.


Blieb mit 5,5 aus 13 knapp unter 50 Prozent: Anna Muzychuk, die einzige Frau in Gruppe B.




Gruppe C

D. Vocaturo - S. Swaminathan 1-0
S. Plukkel - B. Bok ½-½
L. Chao - Z. Peng 1-0
R. van Kampen - S. Kuipers 1-0
K. Lie - M. Muzychuk 0-1
N. Grandelius - R. Swinkels 0-1
A. Gupta - R. Robson 1-0

In Gruppe C stand der Chinese Li Chao bereits vor der Runde als Sieger fest. Er krönte seine souveräne Vorstellung mit einem Mattangriff im Endspiel und kam so auf 10 Punkte aus 13 Partien:

Li Chao - Z.Peng, Wijk aan Zee, 31. Januar 2010

Stellung nach 40...Le8


Weiß zog 41.Tcg7 und Schwarz gab auf.

Auf Platz Zwei, mit anderthalb Punkten Rückstand auf Li Chao, landete der Inder Abijheet Gupta, der in der Schlussrunde gegen Ray Robson gewann.









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