Carlsen in New York

11.09.2012 – Zwei Namen fehlten bei der Schacholympiade in Istanbul - Anand und Carlsen. Während der Weltmeister nur selten für Indien antritt, war Carlsen seit 2004 regelmäßig für Norwegen am Start. In diesem Jahr wollte er mal Pause machen, wird aber bei seiner Heimatolympiade in Tromsö 2014 wieder dabei sein. Statt Istanbul besuchte der Weltranglistenerste New York und war dort der Star  des "Chess NYC Schachcamp" im Marshall Chess Club. Sponsor der Veranstaltung war das Startup- Unternehmen 1000 Passions, das exklusive Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten verkauft. Das Magazin Business Insider berichtete über den Besuch und nutzte die Gelegenheit zu einem Interview. Carlsen berichtet offen über seine Karriere und empfiehlt allen Schachfreunden: "Spaß haben, Partien spielen und ab und zu ein Schachbuch lesen. So habe ich es gemacht!"Original-Artikel bei Business Insider... Mehr mit Video...

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Der weltbeste Schachspieler machte bei einer Veranstaltung in New York tiefen Eindruck

Die Nummer eins der Weltrangliste im Schach betritt den Raum und beginnt sofort, ohne Einleitung und Vorstellung, mit seinem Vortrag.

„OK, gut“, fängt er an und zeigt auf das grün-weiße Demonstrationsbrett, das unter der Büste eines Großmeisters aus dem frühen 20. Jahrhundert steht – doch als er sich daran erinnert, höflich zu sein, sagt er, „OK, gut, ich freue mich, hier zu sein. OK, fangen wir an.“

Magnus Carlsen, 21 Jahre alt, ist attraktiv und charmant, aber hat nur wenig Interesse, dem Publikum zu gefallen. Was ihn interessiert, ist Schach. Im August kam der norwegische Großmeister für eine Woche nach New York, um an einem Chess NYC Schachcamp teilzunehmen, das im Marshall Chess Club stattfand. Co-Sponsor der Veranstaltung war 1000 Passions, ein Start Up Unternehmen, das exklusive Erlebnisse vermittelt.

In der nächsten Stunde zeigt Carlsen eine seiner Partien aus dem Gedächtnis. In bestimmten Situationen fragt er uns, welcher Zug als nächstes gespielt wird, und dann nippt er an seinem Wein und betrachtet das Schachbrett, während wir uns das Gehirn zermartern oder ohne jede Idee einfach dasitzen. Nicht genug, dass er diese Partie erinnert – und angeblich noch 10.000 andere Partien – er zeigt uns auch noch Dutzende anderer Varianten, bevor er wieder darauf zurückkommt, was wirklich geschah.

Sein großes Selbstvertrauen ist ebenfalls beeindruckend. Auf die Frage, ob ihn ein kühner Zug seines Gegners aus dem Konzept gebracht hat, grinst Carlsen und das Publikum lacht. "Nun ja, ich habe seinen Zug gesehen, nachdem ich meinen Zug gespielt habe, aber wahrscheinlich hätte ich vorsichtiger sein sollen." Als jemand einen Zug vorschlägt, der zum Remis hätte führen können, ermahnt Carlsen ihn: "Aber wir wollen gewinnen, nicht nur durchhalten." Gegen Ende der Partie, als sein König in die Brettmitte, nur eine Reihe von Dame und Turm des Gegners entfernt, getrieben worden war, hat Carlsen die Lacher auf seiner Seite, als er ausspricht, was unglaublich, aber wahr ist: "Und jetzt steht mein König völlig sicher."

Im Verlauf des Abends spielte Carlsen simultan gegen zehn zufällig ausgewählte Gäste. Dass er alle Partien gewann, war keine große Überraschung, hatte er doch zuvor gegen zehn Leute blind gewonnen und darüber geredet, gegen 20 blind anzutreten.

Hier das exklusive Business Inside Video mit einem Interview mit Carlsen:

Video Interview

Außerdem beantwortete Carlsen Zuschauerfragen. Hier ein Auszug seiner Antworten:

Was denkt er über die letzte Weltmeisterschaft? "Meiner Meinung nach war die Vorbereitung auf höchstem Niveau, vor allem die von Gelfand. In allen Eröffnungen, die er gespielt hat, war er gut vorbereitet und wahrscheinlich auch noch in einer Reihe von Eröffnungen, die gar nicht aufs Brett gekommen sind. Anand hat ebenfalls große Anstrengungen unternommen, aber das Problem war, dass er mit Weiß nicht viel erreichen konnte..."

Was hält er von Regeln, die Remispartien unterbinden sollen? "Gut, der 3-1-0 Modus ist umstritten. Ich halte das für ein akzeptables System, das Vor- und Nachteile hat. Ich glaube, das Endergebnis wird davon nur in extremen Fällen beeinflusst. Was die Sofia-Regeln, oder wie immer man sie nennen mag, betrifft, so glaube ich nicht, dass diese Regeln umstritten sind, denn ich glaube, in Spitzenturnieren sollte man seine Partien bis zum Ende spielen. Aber meiner Ansicht nach sollten die Leute bei Amateurturnieren oder offenen Turnieren machen dürfen, was sie wollen. Doch bei Spitzenturnieren gibt es einfach keine Entschuldigung, die Partien nicht ernsthaft zu spielen."

Hat er einen Lieblingsspieler? "Ich habe mein Spiel nicht nach dem Vorbild eines bestimmten Spielers der Schachgeschichte ausgerichtet. Ich habe versucht, von allen zu lernen und meinen eigenen Stil zu entwickeln. Ich habe die Partien von Spielern aus der Schachgeschichte studiert. Doch um die Wahrheit zu sagen, hatte ich nie einen Lieblingsspieler. Es liegt einfach nicht in meiner Natur, Leute zu vergöttern. Ich versuche einfach zu lernen. Wenn Sie wissen wollen, wer zur Zeit, abgesehen von mir jedenfalls, der stärkste Spieler ist, dann ist das meiner Ansicht nach Anand, wenn er sein bestes Schach spielt. Er versteht Stellungen sehr schnell, er rechnet gut und verfügt generell über ein großartiges Spielverständnis."

Was hat er bei der Zusammenarbeit mit Garry Kasparov gelernt? "Komplexe Stellungen. Das war am wichtigsten. Vor der häufigen Zusammenarbeit mit ihm habe ich diese Stellungen vermieden und nicht verstanden. Aber er begreift diese Stellungen schnell und ich habe versucht, daraus zu lernen. Ich glaube, hier habe ich viel von ihm gelernt."

Greift er seltener an als früher? "Ich vermute, die Partien, die Sie sich angeschaut haben, stammen aus den Jahren 2004, 2005, als meine Gegner viel schwächer waren als sie es heute sind. Damals habe ich so größere Gewinnchancen bekommen, aber jetzt erlauben mir meine Gegner einfach nicht mehr, so zu spielen. Ich glaube, mein Stil hat sich 2007, 2008 verändert, als ich an die Spitze gekommen bin und eine Menge Partien verloren habe, weil ich meine Chancen zu optimistisch eingeschätzt hatte und meine Gegner sich gut verteidigt und mich auseinander genommen haben."

Welchen Rat würden Sie einem Anfänger geben? "Einfach Spaß haben, Partien spielen, viele, wenn man Lust dazu hat, Schachbücher lesen. So habe ich das damals gemacht."

Was hält er vom Computerschach? "Ich war nie ein großer Computerfan, zumindest nicht, was das Spielen mit dem Computer angeht. Bis ich elf war, habe ich überhaupt nie einen Computer benutzt, um mich auf meine Partien vorzubereiten. Heute ist der Computer natürlich ein wichtiges Hilfsmittel, um mich auf meine Partien vorzubereiten. Ich analysiere, wenn ich am Computer sitze, entweder meine Partien oder die meiner Gegner. Aber meistens meine eigenen."

Hat er noch andere Talente außer Schach? "Ich weiß nicht. Wenn ich kein Schachtalent hätte, dann würde ich vielleicht entdecken, dass ich auch auf anderen Gebieten Talente habe. Ich weiß nur, dass ich Schachtalent habe und damit bin ich zufrieden."

Wie lange wird er spielen? "Was mich betrifft, so werde ich spielen, so lange ich motiviert bin, so lange es Spaß macht, so lange es interessant ist. Ob das mit 30, 40 oder 50 der Fall ist, weiß ich nicht."

Wann wird er um den Weltmeistertitel kämpfen? "Ich konzentriere mich darauf, in Turnieren gut zu spielen und Platz eins der Weltrangliste zu verteidigen. Was mich betrifft, so ist Nummer eins der Welt zu sein wichtiger als der Weltmeistertitel, denn ich glaube, das zeigt, wer das beste Schach spielt. Das klingt, als wollte ich mich rechtfertigen, aber ich glaube auch, dass dies so ist."

Wird er bei Schacholympiaden spielen? "Nun gut, ich habe 2004 gespielt, ich habe 2006 gespielt, ich habe 2008 gespielt und ich habe 2010 gespielt und ich werde 2014 spielen, da habe ich gedacht, es wäre schön, dieses Jahr eine Pause zu machen. "



 


 

 



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