Carlsen-Nakamura: Zwei Siege am 3. Tag

von André Schulz
12.02.2018 – Am dritten Wettkampftag des Schach 960-Matches zwischen Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura konnten beide Spieler punkten. Nakamura gewann die 5. Partie. Carlsen entschied Partie sechs für sich und bleibt in Führung. Der Preisfonds umfasst ca. 150.000 Euro. (Foto: Lennart Ootes/ Turnierseite)

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Spannung im Kunstcenter

Eine bessere Werbung hätte sich das Schach 960 nicht wünschen können: Mit Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura üben sich zwei ausgesprochen kreative Spieler in dieser Disziplin und produzieren spannende Partien. Beim Schach 960 wird die Ausgangsposition ausgelost. Rein rechnerisch sind 960 Positionen möglich, so erklärt sich der Name. Diese Form des Schachs wurde seinerzeit vom deutschen Turnierorganisator Hans-Walter Schmitt und seinem Chesstigers-Team in Frankfurt und Bad Soden sehr intensiv beworben und im Rahmen der Chess Classic mit Turnieren und Wettkämpfen, als Schach 960-Weltmeisterschaft, auch praktisch in Szene gesetzt. Auch der Name - Schach 960, oder international "Chess 960" - geht auf Hans -Walter Schmitt und sein Team zurück.

Warum Schach 960?

Im klassischen Schach tauchte immer mal wieder die Angst vor dem vermeintlichen "Remistod" auf, zu Zeiten, wenn nur noch wenige Partien zwischen den absoluten Topspielern entscheiden wurden. Als ein Grund für die Remistendenz unter den Spitzenspielern wurde auch die intensive Eröffnungsvorbereitung ausgemacht. Einige Eröffnungen schienen "ausanalysiert". "Die Grundstellung ist remis", erklärte selbst Kasparov einmal die Remistendenz unter den Top-Spielern. So entstand die Idee, die Grundstellung nach bestimmten Regeln auszulosen. Die Bauern bleiben, wo sie sind, aber die Figuren dahinter wechseln ihre Position. Neue Anforderungen entstehen. Neue Pläne müssen entwickelt werden. Eine Eröffnungsvorbereitung ist kaum möglich, denn die neuen Positionen sind nicht im Mindesten erforscht. Er gibt keine Vorbilder, keine Systematik.

Der Vorschlag zu einer Auslosung der Grundstellung stamme von Robert Fischer und so wurde diese Form des Schachs auch "Fischer-Random" genannt, bis die Chesstigers den neutraleren Namen "Schach 960" fanden.

Der Schach 960-Wettkkampf zwischen Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura bildet das Rahmenprogramm zu einer Ausstellung im Henie Onstad - Kunstcenter, etwas außerhalb von Oslo (in Høvikodden). Vom 9. Bis 13 Februar spielen Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura insgesamt 16 Partien im Schach 960-Modus. Die ersten acht Partien werden in Schnellschach-Bedenkzeit von 45 Minuten für 40 Züge, dann 15 Minuten für den Rest, gespielt. Eine Zeitzugabe gibt es nicht, zum Ende der Partie kann es also echte Zeitnotschlachten geben. Die übrigen acht Partien werden mit einer Bedenkzeit von 10 Minuten plus 5 Sekunden Zeitzugabe pro Zug gespielt.

Wertung

Die "langen" Partien werden doppelt bewertet, also 2 Punkte für einen Sieg, bei Remis erhält jeder Spieler einen Punkt. Die "kurzen" Partien werden wie üblich bewertet: einen Punkt für einen Sieg, einen halben Punkt für ein Remis, null Punkte bei einer Niederlage.

Falls es nach 16 Punkten gleich steht, folgt eine Partie nach Armageddon-Modus: Weiß erhält sechs Minuten und muss gewinnen, Schwarz reicht mit fünf Minuten ein Remis zum Wettkampf-Sieg.

Partiebeginn ist jeweils 17 und 20 Uhr bei den "langen" Partien und 17 Uhr bei der Serie der Partien mit "kurzer" Bedenkzeit.

Die Auslosung der Ausgangsstellung wird von einem Computerprogramm vorgenommen. Dann wird diese Position in zwei Partien gespielt, wobei die Farben nach der ersten Partie getauscht werden.

Das Preisgeld beträgt 1.5 Mio. Norwegische Kronen (ca. 153.000 Euro). Der Sieger des Wettkampfes erhält 900.000 Norwegische Kronen (ca. 92.000 Euro), der Verlierer 600.000 Kronen (61.000 Euro).

Schiedsrichter des Wettkampfes ist der bekannte norwegische Schriftsteller und Schachenthusiast Olav Lahlum.

Olav Lahlum mit Eric van Reem (Foto: Lennart Ootes/ Turnierseite)

Carlsen führt

Die ersten drei Partien des Wettkampfes endeten remis. Am Samstag konnte Magnus Carlsen dann die vierte Partie für sich entscheiden. Gestern gab es zwei sehr spannende Partien. Nakamura gewann die erste Partie des Tages, Carlsen holte sich den Sieg in der zweiten Partie.  

 

Carlsen-Nakamura (Foto: Lennart Ootes/ Turnierseite)

Carlsen-Nakamura. 5. Partie

1. d4 d5 2. Nb3 e5 3. dxe5 Rxe5 4. Bf4 Re8 5. Nc3 Bb4 6. Bd2 Nb6 7. e4 Bxc3 8.Bxc3 dxe4 9. Qd1 f5 10. Qd4 Ne6 11. Qe5 O-O 12. Nc5 Re7 13. Rd1 Rff7 14. Be2 Nf8 15. Qf4 Ng6 16. Qg3 f4 17. Rd8+ Rf8 18. Rxf8+ Kxf8 19. Qg5 c6 20. h4 f3 21.gxf3 Nf4 22. Bf1 exf3 23. Nd3 Nxd3 24. Bxd3 h6 25. Qg3 Qxg3+ 26. fxg3 Na4 27.Bd2 Kg8 28. b3 Nb2 29. Bg6 Nd1

 

30. O-O Bg4 31. Bd3 f2+ 32. Kg2 b5 33. a4 a6 34.axb5 axb5 35. Bb4 Re5 36. Bd2 Re8 37. Bf4 b4 38. Bd2 c5 39. Bf4 Kf7

 

40. Bd6 Ne3+ 41. Kxf2 Nxf1 42. Bxf1 Rc8 43. Be5 Bf5 44. Bc4+ Kg6 45. Ke3 Bxc2 46. g4 Re8 47. Kf4 Rf8+ 48. Ke3 Re8 49. Kf4 Rd8 0-1

Carlsen in der 6. Partie (Foto: Lennart Ootes/ Turnierseite)

Nakamura-Carlsen, 6. Partie

1. e4 e5 2. Nb3 c5 3. Ne3 Nc6 4. h4 h5 5. g3 b5 6. d3 d6 7. Bg2 Be6 8. f4 exf4 9. gxf4 Nb6 10. c3 c4 11. Nd4 Nxd4 12. cxd4 Be7 13. d5 Bd7 14. d4 Qd8 15. Bd2 Bxh4 16. Rf1 Bg3 17. e5 h4 18. Rf3 Bc8 19. Nf1 Bg4 20. Ra3 b4 21. Rxa7 Qb8

 

22. Ra6 Qb7 23. Nxg3 Qxa6 24. Ne4 c3 25. bxc3 Nc4 26. Bf1 Nxd2 27. Nxd2 Qc8 28. Rh2 bxc3 29. Nc4 Bf3 30. Ne3 dxe5 31. fxe5 Qd8 32. Qf5 Bxd5 33. Qf4 Be6 34. Bh3 Rh6 35. Bxe6 fxe6 36. Ng4 Rg6 37. Rg2 Rf8 38. Qe4 Rf5

 

39. Nf6+ Rfxf6 0-1

Damit steht es nach sechs Partien 7:5 für Carlsen. 

Alle Partien zum Download...

Turnierseite...

Schach 960: Wikipedia-Artikel...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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BMuntz BMuntz 13.02.2018 11:12
Es ist unstrittig, dass der durchschnittliche Vereinsspieler auch ohne Fischer Random glücklich wird. Für Top-Großmeister, die sich ständig mit einem Moloch von Eröffnungstheorie auseinander setzen müssen, mag das anders aussehen.

@schachkauf: In der Praxis würde ich das klassische Schach als die Variante ohne Eröffnung bezeichnen. In diesem Partieteil wird wenig bis gar nicht nachgedacht. Stattdessen werden Züge aus Buch oder Datenbank reproduziert, ohne das eigene Leistung einfließt.
schachkauf schachkauf 12.02.2018 02:30
So sehr ich den Einsatz von H.W. Schmidt für das Fischer Random schätze, sollte es schon den Namen seines Erfinders "Fischer" tragen. Als Grund für die Namensänderung "Neutralität" zu nennen, sieht schon ziemlich vorgeschoben aus.


Wenn man sich die Partien ansieht stellt man immer fest, dass beide Seiten die Partien in die gewohnten Stellungsbilder des klassischen Schachs führen. Die Eröffnung ist ein wesentlicher Bestandteil des Schachs und diesen Teil des Schachs einfach wegzustreichen ist schlicht Unfug. Das klassische Schach ist so wie es ist perfekt. Die Behauptung das Schach auf Grund der Eröffnungsvorbereitung langweilig geworden ist, ist einfach nur falsch. Nicht die Eröffnung spielt die Partie, sondern der Spieler.
Kurt Utzinger Kurt Utzinger 12.02.2018 01:52
Für die Fans von Chess960 (ich gehöre zwar nicht dazu) ist es etwas ärgerlich, dass ChessBase die Partien hier nicht zum Nachspielen anbietet. Zum Glück gibt es für Fans noch die Turnierseite, wo man sich bedienen kann.
http://www.frchess.com/
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