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Im letzten Jahr wurde ein Konflikt zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und dem Norwegischen Verband öffentlich, nachdem Carlsen sich dafür eingesetzt hatte, ein Angebot des internationalen Wettanbieters Kindred anzunehmen. In Norwegen befinden sich die Lotterie- und Wettgeschäfte in staatlicher Hand. Der Markt ist für private Wettanbieter nicht zugänglich. Die Kindred Tochter Unibet bot dem Norwegischen Verband im Rahmen eines Sponsoring-Vertrages 5 Mio. Euro auf fünf Jahre verteilt und erwartete dafür vom Verband Lobbyarbeit für ihre Wettangebote. Letzlich geht es sicher darum, den norwegischen Markt für private Wettanbieter zu öffnen.
Magnus Carlsen machte sich für das Angebot stark, denn, so argumentierte er, die Fördergelder würden dem Schach in Norwegen, besonders der Nachwuchsförderung zugute kommen und für einen weiteren Aufschwung des Schachs in Norwegen sorgen.
Die Offerte wurde in der norwegischen Schachöffentlichkeit in allen ihren Aspekten ausführlich diskutiert. Auch die Regierung schaltete sich ein und machte darauf aufmerksam, dass eine Annahme des Angebots durch den Schachverband vielleicht für den Verlust der Gemeinnützigkeit sorgen könnte. Der Verband und seine Klubvertreter sollten über das Angebot in einer Abstimmung befinden. Magnus Carlsen und einige Freunde versuchten dann auf diese Abstimmung Einfluss zu nehmen, indem sie einen Internet Schachklub gründeten und dort eine große Zahl Mitglieder um sich sammelten. Dieser Versuch scheiterte und der Verband stimmte mit großer Mehrheit gegen das Angebot von Unibet/Kindred.
Auf einem Nebenkriegsschauplatz, der mit diesem Vorgang möglicherweise zusammen hängt, aber nicht zwingenderweise zusammenhängen muss, lehnte Magnus Carlsen es ab, den nächsten Wettkampf in Norwegen zu spielen. Er argumentierte sachlich, dass ein Heimkampf wegen des zu erwartenden Rummels für ihn eine größere Belastung sein würde. Bei der Auswahl des Austragungsortes hatte der Verband seinen Weltmeister offenbar auch nicht genügend eingebunden.
Nun geht der Machtkampf im Norwegischen Verband in seine 3. Runde. Carlsens neuer norwegischer Klub "Offerspill" ("Opferspiel") hat nun ein Sponsorenangebot von Kindred angenommen und einen Vertrag unterzeichnet, in dessen Rahmen der Klub von Kindred im Verlauf von zwei Jahren Sponsorengelder in Höhe von vier Mio. Norwegischen Kronen erhält (ca. 400.000 Euro).
Auf seiner Webseite weist der Klub daraufhin, dass dies einer der größten Sponsorenverträge im norwegischen Schach überhaupt ist, und betont, dass der Verein gegenüber Kindred zu keiner Gegenleistung verpflichtet sei. Allerdings befürworte der Klub prinzipiell die Öffnung des Glückspielmarktes in Norwegen für private Wettanbieter wie Kindred, da dies dem Sport und auch dem Schach zugute käme. So erhalte das Schach vom staatlichen Norwegischen Wettanbieter bisher so gut wie überhaupt kein Geld. Das öffentliche Finanzierungsmodell für das Schach müsse sich grundsätzlich ändern.